„Komm, wir tanzen“ – das Making-Of zum Video

Hier das Making Of zu meinem nagelneuen Video „Komm, wir tanzen“ – dem Vorboten zur CD „Viel zu lang zu leise“ (Vorbestellung hier). Danke besonders an Regisseur Lukas Drangmeister und unseren wunderbaren Assistenten Marcus Poschlod, der, wie im Making Of eindrucksvoll zu sehen, ganz besonders unter meiner herrschsüchtigen Art zu leiden hatte 🙂

Timmerevers: „Jeder ist eine Mission – an seinem oder ihrem Ort“

Katholikenrat diskutiert auf Herbstvollversammlung über die Zukunft des Bistums

SCHMOCHTITZ (11. November 2017). „Großartig, was die Bischöfe hier zur Zukunft der Kirche geschrieben haben – fortschrittlich, modern, auf Beteiligung aller ausgerichtet. Doch wie können wir diese Vision von Kirche am besten zu den Gläubigen in unseren Dekanaten, Verbänden und Gemeinden tragen?“ Angelika Pohler aus Leipzig ist beeindruckt vom 2015er Dokument „Gemeinsam Kirche sein“ der Deutschen Bischofskonferenz. Gemeinsam mit Bischof Heinrich Timmerevers und rund dreißig weiteren Delegierten aus den Gemeinden, christlichen Gemeinschaften und Verbänden diskutierte sie bei der Herbstvollversammlung des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen am vergangenen Wochenende im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz das Schreiben zur Erneuerung der Pastoral.

Für Bischof Heinrich liegt das die Antwort auf diese Frage ganz nahe. Er ermutigte die Mitglieder der Kirchenvolksvertretung, selbst aktiv zu werden und zu bleiben, jede und jeder an seinem oder ihrem Ort: „Um es mit Papst Franziskus zu sagen: ‚Ich bin eine Mission‘ – dieser Gedanke sollte uns allen in Fleisch und Blut übergehen. Wer glaubwürdig lebt, kann andere mitreißen und für Gott begeistern. In unseren Gemeinden, aber und gerade auch darüber hinaus.“

In der Diskussion über die Zukunft des Bistums Dresden-Meißen überraschte der Bischof mit seiner Antwort auf die Frage, ob er sich eine gemeinsame Synode von Kirchenleitung und Kirchenvolk vorstellen könne. „Ja, kann ich. Allerdings nicht jetzt. Derzeit laufen in unserem Bistum so viele wichtige Dinge wie etwa der Erkundungsprozess oder die Überarbeitung der Räteordnung, da würde eine ‘Synode obendrauf’ alle überfordern und verunsichern – mich eingeschlossen.“

Weiteres Schwerpunktthema der Herbstvollversammlung war die Rolle der Christen in Gesellschaft und Politik, besonders im Blick auf die Ergebnisse der diesjährigen Bundestagswahl. Hierzu lieferte Thomas Arnold, Leiter der Katholischen Akademie des Bistums, Impulse und Analysen. Martina Breyer, Vorsitzende des Katholikenrates, berichtete außerdem vom Treffen des Ratsvorstandes mit Ministerpräsident Stansilaw Tillich; ebenso informierte der ratsinterne Ausschuss “Familie und Soziales” über seine Arbeit. Den Delegierten wurde auch ein neuer Kommunikationsleitfaden präsentiert; außerdem stellte der neu gegründete Verein „engagiert-katholisch.de – Trägerverein für das Engagement von Katholiken im Bistum Dresden-Meißen in Kirche und Gesellschaft e.V.“ sich und seine zukünftigen Arbeitsfelder vor.

In einer letzten großen Arbeitseinheit erörterten die Delegierten schließlich den aktuellen Arbeitsstand der AG Räteordnung. Dieses vom Bischof 2016 einberufene Gremium erstellt derzeit Vorschläge für die künftigen Strukturen der Räte auf Gemeinde-, Dekanats- und Bistumsebene. Hierbei wurde besonders über das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen und die künftige Rolle der Dekanate diskutiert.

Der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen (früher: Diözesanrat) ist die demokratisch gewählte und anerkannte Vertretung des Kirchenvolkes und repräsentiert die katholischen Frauen und Männer aus den Pfarreien, Verbänden und Initiativen Sachsens und Ostthüringens. Die nächste Vollversammlung des Gremiums ist für den 10. März in Zwickau geplant.

Disclosure:
Dieser Text ist von mir im Auftrag des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen für verschiedene kirchliche Medien verfasst worden. Ich bin selbst Mitglied des Katholikenrates und kümmere mich dort u.a. um die Öffentlichkeitsarbeit.

Fotos: Stephanie Hauk, Rafael Ledschbor, Daniel Heinze.

„Komm, wir tanzen“ – das Video!

Viel Spaß mit dem Video zum Song „Komm, wir tanzen“ aus meiner neuen CD „Viel zu lang zu leise“ (erscheint am 24.11., alle Infos hier, Vorbestellung hier). Großes Dankeschön an alle MittänzerInnen und -sängerInnen, an Marcus Poschlod und vor allem an Regisseur Lukas Drangmeister.

Jetzt vorbestellen: meine neue CD „Viel zu lang zu leise“ kommt am 24.11.!

Ich bin ganz aufgeregt…!
Am 24. November erscheint VIEL ZU LANG ZU LEISE, meine neue Solo-CD. Anfang des Jahres sind beim wunderbaren marQs Plietsch in Wölbattendorf bei Hof in nur vier Tagen acht höchst unterschiedliche Aufnahmen entstanden – vom Acappella-Stück bis zum Rumpelblues, vom fröhlichen Popsong bis zum nachdenklichen Liedermacher-Stück. Für mich ist VIEL ZU LANG ZU LEISE sowas wie der „kleine fröhliche Bruder“ zur eher etwas introvertierteren KRATZER-EP, die 2015 unter ganz ähnlichen Umständen entstanden ist.

Die CD kommt mit einem wirklich schönen 20-Seiten-Booklet mit allen Texten, vielen Fotos und tollen Grafikern des Leipziger Künstlers Samuel- Kim Schwope. Außerdem enthält sie den Downloadcode für ein komplettes Bonus-Livealbum namens „NUMMER 1“ mit zehn weiteren Songs. Doch wer die CD bis zum 20. November vorbestellt, bekommt die Links zur Vorab-Single „Komm, wir tanzen“ und zum Bonus-Album sofort zugeschickt!

Einen Tag nach Veröffentlichung, also am 25.11., feiern wir dann in Leipzig die „Plattentaufe“ – mit einem Doppel-Konzert im Lindenauer Kirchencafé. Es wird zwei Sets geben: ein Solo-Set mit den ganzen neuen Songs und danach ein Auftritt vom 2zueins!-Trio mit vielen alten und neuen Songs. Außerdem erwarten wir einige Gäste zu der Show. Herzliche Einladung!

Also:
hier kannst Du jetzt die CD „VIEL ZU LANG ZU LEISE“ vorbestellen & die Single und das Bonuszeugs sofort abstauben
hier kannst Du das Musikvideo zur Single „KOMM, WIR TANZEN“ anschauen (ab Fr, 10.11.)
hier gibt’s alle Infos zum Konzert am 25. November in Leipzig
hier gibt’s alle Infos zu meiner Band 2zueins! und hier zu meiner Musik insgesamt.

Neue Platte, neues Video!

Große Dinge werfen ihre Schatten voraus. Also, wenigstens für mich isses ne große Sache, ich hoffe, manch einer da draußen freut sich auch … Noch in dieser Woche könnt Ihr hier auf dieser Seite meine neue Solo-CD „Viel zu lang zu leise“ vorbestellen – und dann regnet’s auch gleich Instant-Bonus-Material für alle Vorbesteller. Am Freitag hat außerdem mein neues Musikvideo „Komm, wir tanzen“ Weltpremiere. Und dann sehen wir uns ja alle zum großen Record-Release-Doppel-Konzert mit einem Solo-Set von mir, einem 2zueins!-Greatest-Hit-Auftritt und vielen Gästen am 25.11. im Lindenauer Kirchencafé zu Leipzig, nichwahr?

3. Quartal 2017

Gehört:
Ryan Adams – Prisoner B-Sides
Arcade Fire – Everything Now
Chris Barron – Angels And One Armed Jugglers
Blues Traveler – 2017-07-14 – SummerNight, Schenectady, NY
Phoebe Bridgers – Stranger In The Alps
Jake Bugg – Hearts That Strain
Bukahara – Phantasma
The Cat Empire – Live at Woodford Folk Festival 2007
The Cat Empire – Live at Stage 88 2006
Childhood – Universal High
Charlie Cunningham – Spotify Live
Deaf Havana – All These Countless Nights
Deep Banana Blackout – 1999-04-22 – Wetlands, New York, NY
Deer Tick – Deer Tick Vol. 1
Deer Tick – Deer Tick Vol. 2
Doc Robinson – Deep End
Faber – Sei ein Faber im Wind
Ian Felice – In This Kingdom Of Dreams
Ben Folds – So There (Piano/Vocal)
Ben Folds – Live In Perth
Fortuna Ehrenfeld – Hey Sexy
God Street Wine – Gots To Rewind
Helgen – Halb oder gar nicht
Iron & Wine – Beast Epic
Garland Jeffreys – 14 Steps To Harlem
Stu Larsen – Resolute
Sarah Lesch – Da draussen
Max Richard Leßmann – Liebe in Zeiten der Follower
James Maddock – Insanity vs. Humanity
Manchester Orchestra – A Black Mile To The Surface
Dave Matthews Band – Live 25
Dave Matthews Band – DMBlive 1995-07-09 Des Eurockeenes, France
Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 39: 1998-10-31 The Arena in Oakland
Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 42: 2007-09-14 Sound Advice Amphitheatre
Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 43: 2004-07-27 HiFi Buys Amphitheatre, Atlanta, GA
Declan McKenna – What Do You Think About The Car?
Van Morrison – Roll With The Punches
Mr Jukes – God First
My Morning Jacket – 2017-07-15 – Forest Hills Stadium – Queens, NY
Sinéad O’Connor – Ireland 2010-2013 (radio broadcasts) (bootleg)
Joan Osborne – Songs Of Bob Dylan
Joan Osborne – Live Dylan EP
Phish – 2017-07-18 – Nutter Center, Dayton, OH
Phish – 2017-07-21 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-22 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-23 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-25 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-26 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-28 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-29 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-30 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-01 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-02 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-04 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-05 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-06 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Próxima Parada – Big Seven
Queens Of The Stone Age – Villains
Josh Ritter – Gathering
Chris Robinson Brotherhood – Barefoot In The Head
Chris Robinson Brotherhood – Summer 2017 Tour Exclusive Tracks
The Stone Foxes – Visalia
The Tallest Man On Earth – The Tallest Man On Earth with yMusic
Trettmann – #DIY
Van William – The Revolution EP

Gesehen:
Ryan Adams, Tempodrom, Berlin
Die Höchste Eisenbahn, Parkbühne Geyserhaus, Leipzig
Neufundland, Parkbühne Geyserhaus, Leipzig
No King, No Crown, Beatpol, Dresden
Conor Oberst, Beatpol, Dresden
Paradisia, Tempodrom, Berlin
Plan B Dresden, Frühstück im Grünen, Dresden

Gelesen:
Tobias Braune-Krickau, Katharina Scholl, Peter Schüz (Hg) – Das Christentum hat ein Darstellungsproblem. Zur Krise religiöser Ausdrucksformen im 21. Jahrhundert
Marianne Heimbach-Steins et. al. – Grundpositionen der Partei „Alternative für Deutschland“ und der Katholischen Soziallehre im Vergleich
James Martin SJ – Building a Bridge: How the Catholic Church and the LGBT Community Can Enter into a Relationship of Respect, Compassion, and Sensitivity
Gisela Mayer, Andreas Unger – Begegnung mit dem Leid. Sensibel berichten und recherchieren
Yassin Musharbash – Jenseits
Roger Willemsen – Wer wir waren. Eine Zukunftsrede

Alles, nur kein blinder Gehorsam

Der streitbare Leipziger Schriftsteller Steffen Mohr wird 75*

Fragt man Steffen Mohr, welche Berufsbezeichnung er für sich am zutreffendsten findet, muss er nicht lange über die Antwort nachdenken: „Lebenskünstler, ganz klar. Ich hab sogar Visitenkarten, auf denen das draufsteht: Steffen Mohr, Lebenskünstler. Letztlich ist es genau das.” Genau das – und doch so viel mehr. Der Leipziger könnte seine Visitenkarte auch guten Gewissens mit Berufen wie Schriftsteller, Liedermacher, Krimiautor, Feuilletonist oder Radio- und Fernsehmacher dekorieren. In diesem Sommer feiert er seinen 75. Geburtstag. Eine gute Gelegenheit, um Rückschau zu halten auf ein bewegtes Leben und ein bewegendes Lebenswerk.

Bei Erdbeerkuchen, Tee und Ibuprofen geht es in der Küche seiner Lößniger Wohnung auf einen Parforceritt durch die Jahrzehnte. Eine fiese Erkältung hat er sich eingefangen; auf die geliebten Zigaretten mag er dennoch nicht verzichten – sie gehören zum liebenswürdig-kauzigen Gesamtkunstwerk Mohr genauso dazu wie die Wandergitarre und die prallen Mappen voller Lied- und Textmanuskripte, meist abgefasst in seiner markanten, stolzen, präzisen, unnachahmlichen Handschrift.

Auf der Bühne, bei seinen Lesungen, Kabarett- oder Liederprogrammen, fühlt sich Steffen Mohr wohl wie ein Fisch im Wasser: wild gestikulierend, pointiert vortragend, mit einer tiefen, kräftigen, nuancenreichen Stimme. Er zetert, wenn es darum geht, Ungerechtigkeiten anzuprangern. Er singt von der Liebe und schwärmt von den Frauen wie ein Maler, der nur in den prächtigsten Farben zeichnet. Er schwitzt, gibt alles, ist euphorisch, spuckt schon mal Gift und Galle. So sorgt er dafür, dass er seinem Publikum dauerhaft in Erinnerung bleibt: Den Schülern, die er spielerisch an Literatur heranführt, indem er mit ihnen hanebüchene Geschichten erfindet. Den Zugereisten, die ungläubig staunen über das, was dieser Freigeist in DDR-Zeiten verzapft, sich getraut und ertragen hat. Den Psychatriepatienten, die mit ihm im Rahmen ihrer Therapie Rätselkrimis lösen. Den Frommen, die schon mal Schnappatmung bekommen, wenn er sich die Amtskirche vorknöpft. Den Gleichaltrigen und Weggefährten, die spüren, dass da einer weiß, wovon er spricht. Den Mitläufern und Großkopferten, denen er mit seiner unverblümten Art gerne mal auf die Schlipse tritt.

Kaum zu glauben, dass so ein „Hans-Dampf-in-allen-Kunstgassen” ursprünglich mal katholischer Priester werden wollte. „Doch, doch”, insistiert er, „ich war fest verbunden mit meinem Jesus und bin es immer noch! Die Dominikaner, allen voran der in Leipzig wirkende Pater Gordian, beeindruckten mich als Jugendlichen zutiefst.” Er wollte so werden wie Gordian – ein Predigermönch, wortgewaltig und voller Empathie, angstfrei das Evangelium verkündend, gerade in Zeiten des Kommunismus. „Ich dachte, ich würde der Bertolt Brecht Gottes!” Also besuchte er 1960 nach dem Abitur einen Vorbereitungskurs für das Theologische Seminar. Hier galt er jedoch schnell als Störenfried; die kritischen Nachfragen des hoch politisierten Jugendlichen waren unerwünscht. Schließlich sagte es ihm ein Lehrer klipp und klar ins Gesicht: Steffen, aus Dir wird im Leben kein Priester, Dir fehlt der Gehorsam.

Heute, beim Erinnern am Küchentisch, schmunzelt er darüber – damals stürzte ihn das Urteil des Lehrers in eine Sinnkrise. Und nun? War er quasi zu christlich für den Sozialismus und zu sozialistisch für die Kirche? Er konnte doch nicht anders, als alles zu hinterfragen, zu protestieren, wo er ihm nötig erschien. Vorgefertigte Antworten ungefragt zu übernehmen, war ihm ein Graus. „Der hatte ja völlig Recht damals. Ich und Gehorsam? Das hätte niemals funktioniert.”

Stattdessen schlug Steffen Mohr den einzigen anderen Weg ein, den er sich für sich vorstellen konnte. Er wurde Künstler, erarbeitete sich Diplome als Theaterwissenschaftler und Schriftsteller. Der „Widerstandsgeist” (O-Ton Mohr) fand seine berufliche Heimat in der DDR im Schauspiel, in Literatur und Musik. Was ihm freilich trotzdem regelmäßig Ärger bescherte – gelegentlich mit der Polizei, häufig mit der Stasi. Das Genre des Kriminalromans war und ist Mohr immer besonders nah. Doch auch durch Lieder oder als Regisseur von Theaterstücken übte er immer wieder subtile Systemkritik, blieb er als Erwachsener ein politischer und frommer Stürmer und Dränger.

Es sind diese vermeintlichen Widersprüche, die Steffen Mohr ausmachen: Der tiefgläubige Mann, der sein Leben nicht nach Jahrzehnten, sondern nach Ex-Frauen sortiert. Der Einzelkämpfer auf der Bühne, der gleichzeitig Vater von sieben Kindern ist. Der Vollblut-Künstler, der seinen Beruf als Handwerk versteht. „Ich bin doch kein Dichter oder gar Lyriker im klassischen Sinne, sondern bediene mich halt der Werkzeuge, die mir mein Beruf so bietet.” So passt es ins Gesamtbild, dass dieser Nonkonformist schon mal zum Vereinsmeier wird, wenn es nur der richtigen Sache dient. Als Gründungsmitglied und Vorsitzender der „Freien Literaturgesellschaft Leipzig” organisiert er unter anderem alljährlich den „Sächsischen Literaturfrühling”. „Im Verein muss ich zwischen dreißig Schriftsteller-Egos und unterschiedlichsten Weltsichten vermitteln. Das fordert mich. Weil Diplomatie nun nicht gerade meine Kernkompetenz ist”, grinst er und zündet sich eine weitere Zigarette an.

Nach Aufhören ist dem demnächst 75-jährigen noch nicht zumute. Zum einen hält ihn das Kind seiner Ziehtochter, sein Quasi-Enkelchen, auf Trab: „Ich liebe es über alles!” Zum anderen sind da die Ideen für mindestens zwei weitere große (Kriminal-)Romane, in denen er einige düstere Kapitel seines eigenen Lebens verarbeiten möchte. „Ich hoffe und bete, dass mir dafür noch genug Zeit und Kraft bleiben.” Auch geht es natürlich weiter mit den Lesungen, Konzerten, Rätselkrimis und Kinderbüchern. Steffen Mohr kann gar nicht anders, als die Bühnen, die sich dem gestandenen Lebenskünstler bieten, zu bespielen – und sie auszufüllen.

* – Hinweis:
Dieses Porträt habe ich aus Anlass des 75. Geburtstags von Steffen Mohr in diesem Sommer für „angezettelt – Das Informationsblatt des Sächsischen Literaturrates“ geschrieben. Erschienen ist es Ende April im Heft 2/2017, das das Schwerpunktthema „Christentum und Literatur“ hatte.

Lob des Alltags

Heute* sind jede Menge sechs- und siebenjährige Leipziger ganz besonders aufgeregt und stolz, denn heute ist Schulanfang. Da gibts jede Menge gute Wünsche und prall gefüllte Zuckertüten. Doch ist das Fest erst einmal vorbei, beginnt für die Mädchen und Jungen der Schulalltag. Aber nicht nur für die Erstklässler geht in diesen Tagen der „Ernst des Lebens“ los, sondern für die meisten Leipziger. Die Ferien sind vorbei, die einen packen Ranzen und Sportbeutel, die anderen machen sich mit Brotbüchse und Thermoskanne auf den Weg zur Arbeit. Der Alltag hat uns wieder.

Da schwingt immer ein gewisses Bedauern mit. Ja, im Sommer, in den Ferien, da war alles toll. Da waren die fernen Reiseziele, das Nichtstun, das Meer, die Berge, die Zeit für die Familie. Herrscht erst wieder Alltag, werden die Urlaubserlebnisse zu Erinnerungen, sehnen sich viele recht bald nach einer nächsten Unterbrechung.

Dabei ist Alltag nicht nur schlecht. Im Gegenteil. Die Mitmenschen, die mich jeden Tag begleiten, die Aufgaben, die auf mich im Beruf warten, der wöchentliche Stammtisch oder die Vereinssitzung: Auch mein Alltag kann viele schöne Momente bereithalten. Termine, die ich nicht nur als Stress empfinde, sondern als Bereicherung meines Lebens – wie die Zeit zum Spielen mit den Kindern am Nachmittag etwa oder das Feierabendbierchen.

Weh dem, der seinen Alltag stets nur als Belastung, Zeitverschwendung oder gleichförmigen Trott empfindet; der jeden Morgen aufwacht und den Tag verflucht, der vor ihm liegt. Wer so empfindet, sollte schleunigst was an seinem Alltag ändern. Ich muss ja nicht gleich euphorisch alles Normale bejubeln und abfeiern. Aber wohl fühlen sollte ich mich in der Zeit, die den Hauptteil meines Lebens ausmacht, schon.

Und: erst durch den Alltag kann es überhaupt auch Höhepunkte im Leben geben! Egal, ob Geburtstage, Reisen, Partys, Konzert- oder Kinobesuche – die Vorfreude gehört dazu. Auch wollen viele Höhepunkte im Leben liebevoll und gut vorbereitet werden. Auch dafür brauche ich den ganz normalen Lauf der Dinge. Ob Erstklässler, Schüler, Berufstätige oder auch Senioren: Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Alltag als wertvolle Lebenszeit wahrnehmen – jeden Tag aufs Neue!

* – Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 5. August 2017 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

2. Quartal 2017

Gehört:
Trey Anastasio – Touch Of Trey. Trey Anastasio Performs The Songs Of The Grateful Dead
Blues Traveler – Live at 2017 New Orleans Jazz & Heritage Festival
Marc Broussard – S.O.S. II: Save Our Soul – Soul On A Mission
The Cat Empire – Live at Métropolis 2006
The Cat Empire – Live at The Paradiso 2011
The Cat Empire – Live at The Royal Albert Hall 2015
Gary Clark Jr. – Live in North America 2016
Will Joseph Cook – Sweet Dreamer
Robert Cray – Robert Cray & Hi Rhythm
Damien Dempsey – Soulsun
Bob Dylan – Triplicate
Justin Townes Earle – Kids In The Street
Fleet Foxes – Crack-Up
Fury In The Slaughterhouse – 30
Kraftklub – Keine Nacht für Niemand
Mando Diao – Good Times
Ben Marwood – Get Found
Dave Matthews & Tim Reynolds – Live Trax, Vol. 41: 1999-03-13 Berkeley Community Theater, Berkeley, CA
Dave Matthews Band – Warehouse 10 Volume 5
The Magpie Salute – The Magpie Salute
John Mayer – The Search For Everything
Father John Misty – Pure Comedy
John Moreland – Big Bad Luv
Morrissey & Marshall – We Rise
Willie Nile – Positively Bob. Willy Nile Sings Bob Dylan
Portugal. The Man – Woodstock
Reitler – Es geht mir gut
Chris Robinson Brotherhood – 2017-05-18 – Musicfest Cafe, Bethlehem, PA
Chris Robinson Brotherhood – Betty’s Self-Rising Southern Blends, Vol. 3
Royal Blood – How Did We Get So Dark?
Secret Source – Secret Source
Luke Sital-Singh – Time Is A Riddle
Regina Spektor – Live on Soundstage
Spin Doctors – 2017-04-13 – Brooklyn Bowl, New York City, NY
The Strypes – Spitting Image
Harry Styles – Harry Styles
Jeff Tweedy – Together At Last
Matthew Logan Vasquez – Does What He Wants
The Veils – Acoustic Session at Roundhead
Wasabi – 2012-12-09 – Brooklyn Bowl
Konstantin Wecker – Poesie und Widerstand

Gesehen:
Jon Lupus, naTo, Leipzig
Die Maßnahme / Die Perser (Brecht/Aischylos), Schauspielhaus, Leipzig
Jan Plewka & Marco Schmedtje, Werk II, Leipzig
Reitler, naTo, Leipzig
Stoppok Trio, Moritzbastei, Leipzig
Zum Licht (Regie: Falk Elstermann), Marktplatz, Leipzig

Gelesen:
Krysztof Charamsa – Der erste Stein
Sebastian Fitzek – Das Joshua-Prinzip
Sebastian Fitzek – Passagier 23
John Niven – Das Gebot der Rache
Stefan Schulz – Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung

Neu im Netz: Der R.SA-Hinhörkanal

Ein Webstream mit handverlesener, ruhiger Popmusik und stündlich bis zu vier Beiträgen, Gedankenanstößen, Hintergrundberichten aus den Bereichen Kirche und Gesellschaft – vom „Gedanken zum Tag“ bis hin zu aktuellen Interviews und Erklärstücken: das ist das neuste Projekt aus der RADIO PSR/R.SA-Kirchenredaktion und trägt den Titel Der R.SA-Hinhörkanal – Radio zum Auftanken.

Interessant hierbei ist, dass in diesem Fall der Sender auf uns zugekommen ist und gefragt hat, ob wir uns vorstellen könnten, so ein Zusatzangebot mitzugestalten, für das die Programmstrategen derzeit einen echten Bedarf beim Publikum sehen: eine Art „Mehrwert“-Programm mit erkennbarem christlichen Profil, aber offen für alle Leute, die gerne dazulernen, nachdenken, diskutieren und gute Popmusik zu schätzen wissen (von Leonard Cohen bis Reinhard Mey), ganz unabhängig von ihrer Weltanschauung oder Konfession. Können wir natürlich und so ist der Stream nun seit einigen Tagen auf Sendung, derzeit empfangbar über die Website des Senders und die R.SA-Handy-Apps.