Weltfrieden zum Geburtstag

Was wünschst Du Dir denn zum Geburtstag? Diese Frage stellen Eltern ihren Kindern, oder Freunde wollen so herausfinden, wie sie einem eine Freude machen können. Wenn ich diese Frage gestellt kriege, fällt mir nie eine wirklich sinnvolle, hilfreiche Antwort ein. Deshalb habe ich die Angewohnheit entwickelt, auf die Frage „Was wünschst Du Dir zum Geburtstag“ mehr oder weniger flapsig zu antworten: „Ach, nichts Besonderes. Ich wünsche mir Weltfrieden, sonst nix.“

Ein gedankenlos dahin gesagter Spruch, an den ich heute* zwangsläufig denken muss – und für den ich mich ein wenig schäme. Den 1. September begehen viele als „Weltfriedenstag“. Das Datum ist dabei keineswegs willkürlich: am 1. September 1939 begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Erstmals gab es den Weltfriedenstag im Jahr 1946 in der sowjetischen Besatzungszone, in den fünfziger Jahren wurde er zum festen Gedenktag – in Ost wie West. Es ist gut, sich daran zu erinnern und unmissverständlich gegen Krieg und Gewalt einzutreten.

Mit denen, die sich am heutigen Tag gegen Krieg und für Frieden engagieren, habe ich eins gemeinsam: All diese Menschen wünschen sich auch Weltfrieden. Allerdings ernsthaft und gänzlich unironisch. Gott sei Dank! Diese Sehnsucht nach einer Welt, in der keiner unterdrückt wird, niemand seine Macht missbraucht, allen genug zum Leben bleibt – die darf nicht zum Witz verkommen.

Besonders nicht in Zeiten wie diesen: in denen ferngesteuerte Drohnen ganze Dörfer vernichten können. In denen so viele Flüchtlinge wie noch nie weltweit Schutz suchen. In denen es einen „reichen Norden“ und einen „armen Süden“ auf der Erde gibt. In denen der Klimawandel zu neuen Konflikten und Spannungen führt.

Das sind alles Problemstellungen, die einem echten Frieden auf der Welt gegenüberstehen, die ihn gar wie eine kühne Utopie erscheinen lassen: unrealistisch, unmöglich, „ich als einzelner kann doch da eh nichts dagegen ausrichten.“ Doch, kann ich.

Indem ich die Idee vom Weltfrieden nicht verlache. Sondern anfange, mehr Frieden in meinen unmittelbaren Alltag zu bringen. Vielleicht bin ich ja mal ein wenig freundlicher zu meinen Nachbarn. Oder überlege mal, wie ich mein Plastikmüllaufkommen reduziert bekomme. Vielleicht unterstütze ich die Friedensarbeit eines Hilfswerkes durch meine Spenden. Wer sich ernsthaft Weltfrieden wünscht, hat viele Möglichkeiten, an ihm mitzuarbeiten – ganz praktisch, ganz konkret.

* – Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 1. September 2018 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

2. Quartal 2018

Gehört:
Arctic Monkeys – Tranquility Base Hotel & Casino
As The Crow Flies – 2018-04-17 – Capitol Theater, Port Chester, NY
Marc Broussard – Easy To Love
Dawes – Passwords
Dead & Company – 2018-05-30 – Xfinity Center, Mansfield, MA
DMA’s – For Now
Doc Robinson – Ring Of Love
Doc Robinson – Licks Vol. 1
Eels – The Deconstruction
Die Fantastischen Vier – Captain Fantastic
Simone Felice – The Projector
Gin Blossoms – Mixed Reality
Isaac Gracie – Isaac Gracie
Daniel Heinze – Komm, wir tanzen (Remix)
Jim James – Uniform Distortion
Stu Larsen & Natsuki Kurai – II
Lawrence – Breakfast: Unscrambled (Acoustic Sessions)
Karen Mansfield – Thistle & Boon
Dave Matthews – NPR Tiny Desk Concert
Dave Matthews Band – 2018-05-26 – Cellairis Amphitheatre @ Lakewood, Atlanta, GA
Dave Matthews Band – 2018-06-16 – BB&T Pavilion, Camden, NJ
Dave Matthews Band – 2018 Tour Highlights
Dave Matthews Band – A Limited Edition Companion to Come Tomorrow
Dave Matthews Band – Come Tomorrow
Dave Matthews Band – Warehouse 10 Volume 6
Dave Matthews Band – Warehouse 10 Volume 7
Morcheeba – Blaze Away
Van Morrison & Joey DeFrancesco – You’re Driving Me Crazy
Mt. Joy – Mt. Joy
Okkervil River – In the Rainbow Rain
Old Crow Medicine Show – Volunteer
Ann Paul – Stay
Charlie Puth – Voicenotes
Chris Robinson Brotherhood – Winter 2018 #freakeurope Tour Exclusive Tracks
Josh Rouse – Love In The Modern Age
Luke Sital-Singh – Weight Of Love

Gesehen:
Fabrik, Propstei Open Air, Leipzig
Ben Folds, Passionskirche, Berlin
Matt Holubowski, Passionskirche, Berlin
Propsteichor, Propsteikirche, Leipzig

Gelesen:
Markus Heitz – Die Meisterin
Manfred Lütz – Der Skandal der Skandale
Benjamin von Stuckrad-Barre – Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen (Remix 3)
Dimitrij Wall – Gott will uns tot sehen

Die GKP hat mir sieben Fragen gestellt

Seit Anfang 2017 bin ich Mitglied in der Gesellschaft katholischer Publizisten Deutschlands e.V. (GKP). Inzwischen habe ich die ersten Treffen miterlebt und schon zahlreiche spannende neue Kontakte innerhalb der Gesellschaft knüpfen können. Für die Maiausgabe der „GKP Informationen“ sollte ich die allmonatlich auf’s Neue gestellten „7 Fragen“ beantworten, was ich gerne getan habe. Wer Interesse hat, kann sich den Artikel als pdf-Datei von der Website der GKP runterladen.

Der neue Leipzig-Podcast ist da

Weil ich länger nicht mehr auf ihn hingewiesen habe, sei kurz der Leipzig-Podcast von Heldenstadt.de erwähnt. Heute ist die 35. Folge erschienen, Guido und ich unterhalten uns in loser Folge über die Themen rund um Leipzig, die uns wichtig oder besprechenswert erscheinen. Diesmal geht’s u.a. um die Karrierepläne des Oberbürgermeisters und die Pannenserie bei den neuen XL-Trams der Leipziger Verkehrsbetriebe. Reinhören und abonnieren kann man das alles hier – viel Spaß!

„Komm, wir tanzen“ – jetzt neu als Remix mit spannender B-Seite

Ab heute überall, wo’s online Musik gibt: der „JZ Beat Mix“ meines Songs „Komm, wir tanzen“ aus dem aktuellen Album „Viel zu lang zu leise“ – gebastelt von Jonas Zimmermann, mit dem wir 2zueins!ler bereits auf unserer 2016er EP „Plus X“ zusammenarbeiten durften. Außerdem hab ich noch eine B-Seite dazu gepackt. Der „Johnzndahelk-Mix“ des Stückes „Lass los“ (aus dem „Gewinner“-Album von 2005) entstand vor ziemlich genau zehn Jahren. Mein Freund John Helke (R.I.P.) hat mit dem Song herumexperimentiert und mir eine mp3 davon geschickt. Jetzt hat marQs Plietsch bei Authentic Audio Johns Demo release-tauglich gemacht und ich kann es endlich mal als kleine Hommage und Erinnerung an „Johnzndahelk“ in die Welt entlassen.

Die beiden Tracks findet Ihr ab sofort u.a. bei Spotify, Google Play, Apple Music und Amazon Music – viel Vergnügen!

Neues Lyrics-Video zu „London im Regen“ #ListentoLeipzig

Was Frisches zum Angucken, Mitlesen und Mitsingen: mein 2zueins!-Bandkumpan Heiko Dietze hat ein Lyrics-Video zu „London im Regen“ gezaubert, dem ersten Song auf meinem aktuellen Soloalbum „Viel zu lang zu leise“ (gibt’s hier digital und hier als CD inkl. Live-Bonusalbum). Danke, Heiko – und allseits viel Spaß beim Anschauen!

1. Quartal 2018

Gehört:
Jed Appleton – Disappointment Panda
Jed Appleton – Waken Up The Woken
Chris Barron – 2018-02-28 – Pink’s, New York City, NY
Chris Barron & Lach – 2018-01-29 – In Conversation, The Islington, London, UK
Blues Traveler – 2018-01-26 – House of Blues, Boston, MA
Blues Traveler – 2018-02-09 – Variety Playhouse, Atlanta, GA
Blues Traveler – 2018-02-23 – Irving Plaza, New York, NY
Calexico – The Thread That Keeps Us
Aaron Comess – Sculptures
Aaron Comess Group – 2018-02-12 – Rockwood Music Hall, New York, NY
Cordovas – Cordovas
The Decemberists – I’ll Be Your Girl
Brett Dennen – Let’s …
The Devotees – Gimme Gimme
The Disco Biscuits – 2017-12-28 – PlayStation Theater, New York, NY
The Disco Biscuits – 2017-12-29 – PlayStation Theater, New York, NY
The Disco Biscuits – 2017-12-30 – PlayStation Theater, New York, NY
The Disco Biscuits – 2017-12-31 – PlayStation Theater, New York, NY
Doc Robinson – The Musicol Sessions
Anderson East – Encore
George Ezra – Staying at Tamara’s
Genghar – Where Wildness Grows
Gov’t Mule – 2017-12-31 – The Beacon Theatre, New York City, NY
Glen Hansard – Between Two Shores
Ben Harper – Let’s Be Frank (Official Soundtrack)
Ben Harper & Charlie Musselwhite – No Mercy In This Land
Jimi Hendrix – Both Sides Of The Sky
Hudson Taylor – Feel It Again EP
Joshua Hyslop – Echos
Rhys Lewis – Bad Timing
Jeremy Loops – Critical as Water
Mempho All-Stars (feat. Robert Randolph, John Popper et.al.) – 2017-10-07 – Mempho Music Festival, Memphis, TN
My Morning Jacket – 2017-12-29 – 1st Bank Center, Broomfield, CO
My Morning Jacket – 2017-12-30 – 1st Bank Center, Broomfield, CO
My Morning Jacket – 2017-12-31 – 1st Bank Center, Broomfield, CO
New York Electric Piano – State Of The Art
Phish – 2017-12-28 – MSG, New York City, NY
Phish – 2017-12-29 – MSG, New York City, NY
Phish – 2017-12-30 – MSG, New York City, NY
Phish – 2017-12-31 – MSG, New York City, NY
Phish – The Leaked SBD Tracks Project
Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – Tearing at the Seams
The Ries Brothers – The View From The Outside
Chris Robinson Brotherhood – 2018-03-02 – Übel & Gefährlich, Hamburg, Germany
Olli Schulz – Scheiß leben, gut erzählt
Luke Sital-Singh – Just A Song Before I Go
Spin Doctors – 1991-02-12 – Nightingale Bar, New York, NY (The Giblin Tapes, #42)
Spin Doctors – 1992-04-19 – Earlham College, Richmond, IN (The Giblin Tapes, #23)
Spin Doctors – 1992-07-31 – Boathouse, Norfolk, VA (The Giblin Tapes, #28)
Spin Doctors – 1992-10-07 – Kirby Center, Wilkes-Barre, PA (The Giblin Tapes, #29)
Spin Doctors – 1992-10-17 – Cameo Theater, Miami Beach, FL (The Giblin Tapes, #32)
Spin Doctors – 1992-11-05 – Bogart’s, Cincinatti, OH (The Giblin Tapes, #25)
Spin Doctors – 1993-08-30 – Aladdin Theater, Las Vegas, NV (The Giblin Tapes, #24)
Spin Doctors – 1993-09-18 – The Palais Theatre, Melbourne, Australia (The Giblin Tapes, #31)
Spin Doctors – 1993-09-19 – The Palace, Melbourne, Australia (The Giblin Tapes, #30)
Spin Doctors – 1993-10-07 – Brixton Acadamy, London, UK (The Giblin Tapes, #33)
Spin Doctors – 1996-07-01 – Pine Knob, MI (The Giblin Tapes, #34)
Spinning Traveler – 1992-04-23 – University of Vermont, Burlington, VT (The Giblin Tapes, #40)
Stone Temple Pilots – Stone Temple Pilots (2018)
Strand Of Oaks – Harder Love
The String Cheese Incident – 2017-12-29 – The Capitol Theater, Port Chester, NY
The String Cheese Incident – 2017-12-30 – The Capitol Theater, Port Chester, NY
The String Cheese Incident – 2017-12-31 – The Capitol Theater, Port Chester, NY
The Talbott Brothers – Gray
Umphrey’s McGee – 2017-12-29 – Fillmore Auditorium, Denver, CO
Umphrey’s McGee – 2017-12-30 – Fillmore Auditorium, Denver, CO
Umphrey’s McGee – 2017-12-31 – Fillmore Auditorium, Denver, CO
Van William – Countries
Seb Wesson – Tigers
YUNGBLUD – YUNGBLUD

Gesehen:
Atlas Bird, Werk 2, Leipzig
Chris Barron, The Islington, London
Coro Piccolo, Propsteikirche, Leipzig
Dorit Jakobs, Haus Auensee, Leipzig
Kettcar, Haus Auensee, Leipzig
Lach, The Islington, London
Last Chapter, Werk 2, Leipzig
Marcus Poschlod, Elsterartig, Leipzig
Chris Robinson Brotherhood, Übel & Gefährlich, Hamburg
Tuggy, Werk 2, Leipzig
Vocalconsort Leipzig, Propsteikirche, Leipzig
White Wine, Werk 2, Leipzig

Gelesen:
Sebastian Fitzek – Flugangst 7A
Edouard Louis – Das Ende von Eddy
John Niven – Kill Your Friends
Christine Westermann – Manchmal ist es federleicht
Michael Wolff – Fire & Fury

Angstfrei stark machen für eine weltoffene, bunte Gesellschaft

Bericht von der Frühjahrsvollversammlung des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen

ZWICKAU. Für den umfassenden Schutz nationaler Minderheiten und Sprachminderheiten in Europa hat sich der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen ausgesprochen. Auf seiner Frühjahrsvollversammlung in Zwickau verabschiedete er einstimmig eine Erklärung zur Unterstützung der Bürgerinitiative Minority SafePack. Diese sammelt derzeit europaweit Unterschriften, um die Minderheitenrechte in der EU zu stärken. “Welchen Reichtum das Miteinander mit nationalen Minderheiten bedeuten kann, erleben die Menschen in unserem Bistum im Zusammenleben mit den Sorben. Kulturelle Vielfalt verstehen wir als ein Geschenk Gottes, das es zu beschützen und zu bewahren gilt”, heißt es in der Erklärung. Unterzeichnen kann man für dieses Anliegen auf der Internetseite minority-safepack.eu.

Ebenfalls mit einer einstimmig verabschiedeten Erklärung unterstützen die Kirchenvolksvertreter das Ostritzer Friedensfest vom 20. bis 22. April. Mit einem bunten Familienfest wollen die Ostritzer ein Zeichen für Freiheit, Menschlichkeit, Frieden und Weltoffenheit setzen, während zur gleichen Zeit in einem Hotel der Stadt ein Neonazi-Treffen stattfinden soll, zu dem aggressive Kern der rechtsextremen Szene erwartet wird. Höhepunkt der Provokation ist hierbei das gewählte Datum um den Geburtstag Hitlers. Der Katholikenrat begrüßt, “dass die Ostritzer Kirchgemeinden, Verbände, Initiativen und Einrichtungen zeigen wollen, wie bunt, vielfältig und freundlich die Stadt und der ganze Freistaat sind” und fordert die Katholiken im Bistum auf, das “Ostritzer Friedensfest” im Gebet oder ganz konkret durch den Besuch der Veranstaltung zu begleiten: “angstfrei, gewaltfrei, lebensfroh und selbstbewusst”.

Starke inhaltliche Impulse gab Referent Frank Richter den Teilnehmenden der Frühjahrsvollversammlung im Gemeindesaal der Zwickauer Pfarrei “Heilige Familie”. Mit dem Blick auf das Motto des bevorstehenden Katholikentages in Münster, “Suche Frieden”, bot der Geschäftsführer der Dresdner Stiftung Frauenkirche und ehemalige Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung einen persönlich gefärbten Blick auf die aktuelle Situation in Sachsen. Während das “Auseinanderdriften” der Gesellschaft immer gravierender werde – etwa zwischen arm und reich, jung und alt oder Stadt und Land – und er durchaus drastisch diagnostiziert: “In Sachsen ist der Teufel los”, bleibt der in Meißen geborene Theologe dennoch hoffnungsvoll. “Es mag zunächst platt rüberkommen, doch ich bin davon überzeugt: wir müssen alle wieder mehr beten”, so sein Fazit nach dem angeregten Gedankenaustausch mit den Ratsmitgliedern. “Denn aus dem Gebet heraus entsteht in uns eine Kraft, die uns schon einmal den Mut gegeben hat, die Gesellschaft positiv zu verändern – in der friedlichen Revolution von 1989.”

Neben der Beschäftigung mit aktuellen politischen Fragen standen auch interne Themen auf der Tagesordnung der Frühjahrsvollversammlung. So besprachen die rund 30 Delegierten in einer ersten Lesung den Entwurf einer neuen Ratssatzung, die den strukturellen Veränderungen im Zuge des bistumsweiten Erkundungsprozesses Rechnung tragen soll. Als Einzelpersönlichkeit wurde der Dresdener Pädagoge Benno Kretschmer-Stöhr neu in den Katholikenrat gewählt; im Vorstand unterstützt künftig Mathias Kretschmer aus Leisnig das Team um die Vorsitzende Martina Breyer.

Der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen (früher: Diözesanrat) ist die demokratisch gewählte und anerkannte Vertretung des Kirchenvolkes und repräsentiert die katholischen Frauen und Männer aus den Pfarreien, Verbänden und Initiativen Sachsens und Ostthüringens. Die nächste Vollversammlung des Gremiums ist für den 26. und 27. Oktober in Schmochtitz geplant.

Disclosure:
Dieser Text ist von mir im Auftrag des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen für verschiedene kirchliche Medien verfasst worden. Ich bin selbst Mitglied des Katholikenrates und kümmere mich dort u.a. um die Öffentlichkeitsarbeit.

Fotos: Stephanie Hauk, Daniel Heinze.

Pflege-Debatte nach CDU-Tweet

So hat sich der CDU-Politiker Erwin Rüddel das nicht vorgestellt. Auf Twitter wollte er am letzten Wochenende* für die Ergebnisse der GroKo-Koalitionsverhandlungen in Sachen Pflege werben. Er forderte, dass „Pflegende anfangen, gut über die Pflege zu reden“ – und die Politik würde andererseits ihren Teil leisten. Wer denn also bei Twitter oder in anderen Netzwerken was Gutes über Pflege zu sagen habe, solle seine Gedanken doch mit dem Hashtag #gutezeitenfürgutepflege verschlagworten und so zu einer breiten, schönen Debatte beitragen. Soweit die Idee des Bundestagsabgeordneten.

Das ging aber ordentlich nach hinten los. Als Reaktion auf Rüddel machte nämlich seitdem ein völlig anderer Hashtag Karriere: #twitternwierueddel – abertausende Pflegende berichten von ihrem Berufsalltag. Davon, wie schwer und anstrengend es ist, in diesem Sektor zu arbeiten. Zum Teil mit beißendem Spott. So schreibt etwa @monjaeszehhah: „Du willst wissen, was in dir steckt? Komm in die Pflege und versorge 30 multimorbide Patienten zu zweit im Frühdienst!“ Und @Chaosundich twittert: „Wenn du morgens um 7 Uhr die liebe, alte Dame auf der Toilette sitzend findest, weil die Nachtschwester ihr um 2.08 Uhr gesagt hat, sie komme gleich wieder. Und sie es vor lauter Arbeit vergessen hat.“

Krasse Geschichten und harte Kommentare, oder? Wenn auch nur die Hälfte der Tweets wahr ist, dann verdeutlicht das, was für ein Riesenproblem Deutschland auf dem Pflegesektor hat: viel zu wenig Personal, unterbezahlt, restlos überarbeitet. Und die sollen bitteschön „gut über Pflege“ reden? Wenn der Twitter-Patzer von Erwin Rüddel für etwas gut war, dann, dass er die Diskussion um die Pflege wieder ordentlich angeheizt hat. Der Politiker hat es tatsächlich geschafft, dass die Menschen über ihre Berufe erzählen – und die Gesellschaft aufrütteln. So wird deutlich, dass es mehr als lauwarme Kompromisse in Koalitionsverhandlungen braucht. Es braucht einen „großen Wurf”, der das Gesundheitssystem nachhaltig verbessert. Warme Worte und öffentlich bekundete Wertschätzung allein ändern nichts an einer Situation, an der sich ganz offensichtlich dringend was ändern muss.

* – Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 10. Februar 2018 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

Der Jakobsweg zum Hören

Seit einigen Jahren hat mein Freund und Kollege Marcus Poschlod das Pilgern für sich entdeckt. Klar, dass er als Radiomann auch schon mal den einen oder anderen Moment auf seinen Jakobsweg-Trips nach Santiago de Compostela per Handymikrofon festgehalten hat: Begegnungen am Wegesrand und Pilgerherbergen voller Schnarcher zum Beispiel. Zurück zuhause entstand daraus ein ganzes Hörbuch, entspannt erzählte Notizen und Geschichten gemischt mit eben jenen Camino-O-Tönen. Eigentlich war das ganze „nur“ als Weihnachtsgeschenk für seine Freunde gedacht (ich Glückspilz war einer der Beschenkten). Doch inzwischen hat Marcus eingesehen, dass es enorm schade wäre, wenn ihm nicht auch der Rest der Welt beim Pilgern zuhören könnte.

Kurz und gut: das kann er nun. Marcus‘ Pilgererinnerungen gibt es jetzt als „richtiges“ Hörbuch und ich freue mich, dass ich im Hintergrund ein wenig zur Entstehung beitragen konnte. Das Ergebnis – besonders die wunderschöne CD-Edition mit extra Fotobooklet – könnt und solltet Ihr hier bestellen. Außerdem ist aus dem ganzen Projekt auch noch eine abendfüllende Bühnenshow entstanden. Diese hat am Mittwoch (31. Januar) im Leipziger Elsterartig Weltpremiere. Dringende Hingehempfehlung!