“Das Wichtigste zuerst!” Dieses Prinzip lernen Leute, die in den Medien arbeiten, gleich als Erstes. Sei es die Nachricht in der Tageszeitung, die Eilmeldung, die auf dem Handy aufploppt oder die Pressemitteilung eines Unternehmens – denen, die solche Texte erstellen, wird eingeschärft: am Anfang muss immer das stehen, was am Wichtigsten ist. Das, was alle unbedingt wissen müssen.
Erst dann folgen die Details, ist Raum für Hintergründe und Zusammenhänge. Ich erinnere mich an die Faustregel in meiner Ausbildung: eine gute, professionelle Pressemitteilung muss stets von hinten kürzbar sein. Darüber freuen sich alle, die die Mitteilung lesen und weiterverarbeiten.
“Das Wichtigste zuerst” – das ist auch sonst ein hilfreiches, gutes Prinzip für’s Leben. Die Menschen, Themen und Termine, die mir am meisten am Herzen liegen, sollten Vorrang haben. Familie, Freunde, ein Engagement im Ehrenamt vielleicht. Und, na klar, idealerweise ein Beruf, der mich erfüllt. “Das Wichtigste zuerst” – dieser Gedanke bewahrt mich davor, mich zu schnell in Nebensächlichem zu verlieren. Ein Prinzip, das Klarheit schafft und für Ordnung sorgt.
Das funktioniert aber nur, wenn ich überhaupt weiß, wo meine Prioritäten denn liegen. Es tut gut, sich das immer mal bewusst zu machen: Wer und was ist denn wirklich für mich das Wichtigste im Leben?
Hinweis: Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 19. Mai in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.
Gehört: Alberta Cross – Sinking Ships Ryan Adams – Nebraska AnnenMayKantereit – Es ist Abend und wir sitzen bei mir Chris Barron – 2023-01-11 – Space, Evanston, IL The Black Crowes – Shake Your Money Maker (Live) Boygenius – The Record Marc Broussard – S.O.S. 4: Blues For Your Soul Síle Denvir – Anamnesis DJ Logic & Friends (feat. John Popper et.al.) – 2023-01-22 – Blue Note, New York, NY Danny Dziuk – Unterm Radar Niels Frevert – Pseudopoesie Galactic – Thompitoulas EP Goose – 2022-12-16 – Broomfield, CO (Goosemas 2022) Goose – 2022-12-30 – Andrew J Brady Music Center, Cincinnati, OH Goose – 2022-12-31 – Andrew J Brady Music Center, Cincinnati, OH Goose – 2023-01-15 – Playing In The Sand Riviera Maya, MEX Goose – 2023-03-03 – Okeechobee Music & Arts Festival Okeechobee, FL Goose – 2023-03-08 – The Capitol Theatre, Port Chester, NY Goose – 2023-03-09 – The Capitol Theatre, Port Chester, NY Goose – 2023-03-10 – The Capitol Theatre, Port Chester, NY Goose – 2023-03-11 – The Capitol Theatre, Port Chester, NY Goose – 2023-03-12 – The Capitol Theatre, Port Chester, NY Goose – 2023-03-28 – Georgia Theatre, Athens, GA Gov’t Mule & Friends – 2022-01-15 – Island Exodus 13, Runaway Bay, JM The Heavy Hours – The Heavy Hours Todd Horton – Quest Todd Horton (as Futureboy) – Stand Up Niclas Knudsen Trio – Migrating Songs Rhys Lewis – Corner Of The Sky Lotus – 2023-02-24 – 9:30 Club Washington, DC Jono Manson – Stars Enough To Guide Me Dave Matthews & Tim Reynolds – 2023-02-17 – Moon Palace, Riviera Maya, Cancún, Mexico Dave Matthews & Tim Reynolds – 2023-02-17 – Moon Palace, Riviera Maya, Cancún, Mexico Dave Matthews & Tim Reynolds – 2023-02-17 – Moon Palace, Riviera Maya, Cancún, Mexico Page McConnell & Trey Anastasio – January Ocean Colour Scene – Yesterday Today. 1992-2018 Brandon Ratcliff – Tale Of Two Towns Dustin Tebutt – Changeophelia EP Kali Uchis – Red Moon In Venus Vasudo – Call It Louis Vasudo – 2021-08-21 – Fred The Festival, Arrington, VA
Gesehen: Maya Deliah, Kent Club, Hamburg Danny Dziuk, Neues Schauspiel, Leipzig Lawrence, Kent Club, Hamburg Leipziger Posaunenconsort, Propstei, Leipzig Swing Operator, Pub, Borna Vocalconsort Leipzig, Propstei, Leipzig
Gelesen: Simon Fowler & Daniel Rachel – One For The Road. The Life & Lyrics Of Simon Fowler & Ocean Colour Scene Tomáš Halík – Der Nachmittag des Christentums. Eine Zeitansage Lenny Kravitz with David Ritz – Let Love Rule
Gestern begann der islamische Fastenmonat Ramadan. Für Muslime ist das Fasten eine der fünf Säulen ihrer Religion neben dem Glaubensbekenntnis, den täglichen Gebeten, dem Almosengeben und dem Pilgern nach Mekka. Von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang verzichten sie im Ramadan auf Essen und Trinken.
Auch das Christentum kennt das Fasten – gerade jetzt, in den sieben Wochen bis zum Osterfest. Die Regeln sind nicht ganz so streng wie die des Ramadan, aber auch Christinnen und Christen sind angehalten, sich in der Fastenzeit in Verzicht, Gebet und Selbstreflexion zu üben. Ich verstehe diese Fastenzeiten als Einladung, zum Kern meines Lebens durchzudringen: Was trägt mich? Welche Rolle spielt Gott für mich? Setze ich die richtigen Prioritäten? Wie nehme ich andere Menschen wahr?
Freilich, das könnte ich mich ja immer mal fragen; ehrlicherweise geht sowas bei mir im täglichen Stress aber meistens unter. Gut also, wenn ich einen Anlass habe, um diese Themen für eine Weile nach vorn zu stellen. Die äußeren Fasten-Vollzüge – wie etwa der Verzicht auf Fleisch, Alkohol, Netflix oder so – helfen, Platz für diese zentralen Fragen zu schaffen.
Gelingendes Fasten endet daher nicht mit der Bikinifigur für die Badesaison. Sondern mit persönlichen Aha-Momenten. Mit Dankbarkeit. Oder Demut. Und mit tiefem Respekt vor allen, die sich solchen Herausforderungen stellen wie in der Fastenzeit oder im Ramadan.
Hinweis: Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 24. März 2023 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.
“Um hier etwas zu sehen, müsst Ihr Eure Augen ganz fest zu machen!” Ein merkwürdiger Rat, den uns der Stadtführer in Jerusalem da gab. Ausgerechnet hier, in Jerusalem, der Hauptstadt von gleich drei Weltreligionen, sollen wir die Augen schließen? Wir waren gerade unterwegs auf der Via Dolorosa in der Innenstadt; hier soll Jesus einst nach seiner Verurteilung sein Kreuz durch die Straßen geschleppt haben.
Und wir sollen hier die Augen zu machen? Natürlich sagte unser Guide das ganz bewusst und mit einem Lächeln. Denn ob das hier wirklich genau der Kreuzweg von Jesus war? Wohl kaum, liegt die Stadt heutzutage doch gut zehn Meter höher als zu Lebzeiten Jesu. Ich bin wirklich nah dran am historischen Ort, aber so genau, wie ich als wissbegieriger Tourist das gerne hätte, eben auch wieder nicht.
Aber – kommt es darauf überhaupt an? Wer nach Jerusalem fährt, “auf den Spuren Jesu“ reist, geht auf keinem einzigen Stein mehr, auf dem auch schon Jesus lief. Dennoch wird die Bibel für ihn greifbarer: durch Bauwerke, Gerüche, die Kultur, die Menschen, das Wetter. Ich kann ganz viel lernen und verstehen – mit allen Sinnen, nicht nur durch das Sehen.
Übrigens funktioniert das mit den geschlossenen Augen nicht nur in Jerusalem. Auch im Alltag lohnt es sich, immer mal ganz bewusst die Augen zu schließen: um dadurch klarer zu “sehen”, worauf es in meinem Leben ankommt.
Hinweis: Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 27. Januar 2023 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.
Die Zeit rennt immer schneller! Gefühlt habe ich doch eben erst das Fazit zum Vorjahr getippt, da ist 2022 auch schon wieder Geschichte.
Eine kurzweilige, durchaus amüsante, bisweilen anstrengende Geschichte. Höhepunkte waren Venedig, Bratislava und Sopot: meine erste Biennale, fantastische Haluschky und ganz viel Wind, Wald und Meeresrauschen. Viel unterwegs, fast wie vor der Pandemie: Stuttgart, Hamburg, Aachen, Osnabrück, Berlin, Bautzen, Dresden, Bonn. Alle Patenkinder besucht oder getroffen. Tolle Konzerte gesehen, selbst ein paar schöne Auftritte absolviert. In Schwedt an neuer Musik gefeilt. Wieder viel gepodcastet. Neuerdings Sprecher unserer bundesweiten Kirchenredakteure-AG. Wunderbares berufliches Jubiläumsfest (30 Jahre Kirche in Sachsens Privatradios) gefeiert. Spannende, manchmal aufreibende Ehrenämter. Im Herbst dann doch noch Corona gekriegt. Dankbar für alle Freunde und Vertrauten. Viele Gründe zum Lachen gehabt, einige zum Weinen – Abschiede, Ungewissheiten, Veränderungen im Freundeskreis. Zu wenig gelesen, glaub ich. Definitiv zu wenig nichts getan. Und natürlich treibt auch mich die (politische, gesellschaftliche) Großwetterlage um.
Alles in allem schaue ich versöhnt auf dieses alte Jahr zurück. Dem neuen blicke ich demütig bis zuversichtlich entgegen.
Danke, werte Besucher*innen, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2022 – ich freue mich auf 2023 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.
Gehört: Trey Anastasio – The Beacon Jams Album Bright Eyes – Digital Ash In A Digital Urn. A Companion. Bright Eyes – I’m Wide Awake It’s Morning. A Companion. Bright Eyes – Lifted. … A Companion. Dawes & Bahamas – 2022-09-19 – Englert Theatre, Iowa City, IA Ennio – Nirvana Fortuna Ehrenfeld – Das letzte Kommando. Live in der Kölner Philharmonie Gaupa – Myriad Goose – 2022-03-12 – Philadelphia, PA Goose – 2022-11-12 – Uncasville, CT Goose – Undecided KING DEAD – Bagel Boys EP KING DEAD – EP2 King Manzi – Not In A Shy Way Dave Matthews Band – 2022-11-04 – Climate Pledge Arena, Seattle, WA Dave Matthews Band – 2022-11-18 – Madison Square Garden, New York, NY Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 61: 2005-08-25 – Coors Amphitheatre, Chula Vista, CA Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 62: 2010-06-25 – Blossom Music Center, Cuyahoga Falls, OH My Morning Jacket – MMJ Live Vol. 2: Chicago 2021 Sinéad O’Connor – How About I Remix Me And You Fuck Off (Peace Bisquit Mixtape) (inoffical) Orebolo – OurVinyl Sessions Orebolo – Volume 1 Parsons Thibaud – Live In The Hills Plewka & Schmedtje – Between The 80’s Felix Riebl – Everyday Amen Sci-Fi Soldier (Phish) – Get More Down Spafford – Simple Mysteries Spin Doctors – 1999-05-13 – Bowery Ballroom, New York, NYC Spin Doctors – 2022-10-09 – Breckenridge Brewery, Littleton, CO Spin Doctors – 2022-10-15 – John Jay Homestead, Katonah, NY Spin Doctors – 2022-10-28 – The Milford Theater, Milford, PA Spin Doctors – 2022-11-04 – Brooklyn Bowl, New York, NY (Twitch webcast) The Stone Foxes – On The Other Side Various Artists – Good Music to Ensure Safe Abortion Access to All Wayne Graham – ISH Weezer – SZNZ: Winter
Gesehen: Spin Doctors, Brooklyn Bowl, New York (webcast) Dawes & Bahamas, Englert Theatre, Iowa City (webcast)
Gelesen: Yasmine M’Barek – Radikale Kompromisse: Warum wir uns für eine bessere Politik in der Mitte treffen müssen Mosin Hamid – Der letzte weiße Mann Lukas Rietschel – Raumfahrer Jeff Tweedy – How To Write One Song
Caamp – Believe When that sun shines through to the break of dawn, you better grab the keys and leave the dogs at home
Harry Styles – Music For A Sushi Restaurant You’re sweet ice cream, but you could use a Flake or two
Oehl – Ruh Solang hier noch die Gala kommt, gibt’s Grund, sie auch zu lesen
Spoon – The Hardest Cut The Hallelujah choir needs a score. And they’re knocking at my door, let them knock some more
Von Wegen Lisbeth – Meerschwein Ausgerechnet in Lutherstadt Wittenberg sind nur zehn Prozent evangelisch. Ob Luthers Urenkel das interessiert? Wahrscheinlich wissen sie’s eh nicht
Ennio – Freister Mensch der Welt Vielleicht kenn ich dich, doch du fällst mir nicht ein
Built To Spill – Elements Swimming down the river white into the ocean blue, and in a cave beneath the ocean blue, you find another you
John Moreland – Generational Dust It’s the perfect gift, all your cherished myths. Hey, can I get a lift if you’re going? Cause nothing much goes down in this purgatorial town. You mostly wait around not knowing
Goose – Dripfield Rising like the weather, blood gets pumping redder, I know that life comes better, I know that life comes better in love
Felix Kramer – Oh wie schön das Leben is Der Geruch von Schwimmbadchlor, Abschlusskonzert Klassenchor, Jamsessions und Trommelkreise, DJs auf Maturareise
Meine zehn Lieblingslieder 2022 gibt’s hier als Spotify-Playlist.
An manchen Stellen fühlte sich dieses Konzertjahr wieder an wie vor der Pandemie: ich blicke auf viele schöne, intensive Abende zurück und freue mich, dass die Clubs und Säle wieder im Regelbetrieb geöffnet sind und Konzerte wieder zum Alltag dazugehören. Dennoch stelle ich einige Unterschiede zu „früher“ fest: ich hab den Eindruck, dass Bands aus den USA sich deutlich schwerer tun, im Moment nach Europa zu reisen und hier zu touren – Gründe gibt es viele, von der schweren Planbarkeit aufgrund gestiegener Produktionskosten über Hygieneauflagen und Coronarisiken bis hin zum akuten Personalmangel in der Branche.
Doch auch an mir selbst stelle ich eine Veränderung fest. Ich gehe derzeit seltener zu Konzerten, überlege länger beim Kartenkauf, verwerfe die ein oder andere Reiseidee, wo ich vor drei, vier Jahren keine Sekunde mit der Buchung gezögert hätte. Liegt’s am Älterwerden? Oder sind einfach zu wenige von „meinen“ Acts gerade unterwegs? Hab ich gerade andere Prioritäten? Mal schauen, wo da in der nächsten Zeit die (Konzert-)Reise hingeht. Eine Top 10 vermag ich auch in diesem Jahr nicht zusammenzustellen, sehr wohl will ich aber die Momente aufzählen, die für mich die schönsten Konzertabende 2022 darstellten.
Julia Pietrucha, Sopot
Da war im März Konstantin Wecker im Leipziger Gewandhaus, wir erlebten einen vom Krieg in der Ukraine tief bewegten Künstler, der sein Publikum einmal mehr mit klaren Worten und wunderschöner Musik begeisterte. Da waren Pinegrove im Hamburger Hafenklang, denen die Fans an den Lippen klebten und die ein an Intensität kaum zu überbietendes Set ablieferten. Da war Harry Styles im Hamburger Volksparkstadion, der 50.000 Menschen in Verzückung versetzte. Da waren Bright Eyes im Berliner Astra, die endlich ihr 2020er Album live präsentieren konnten und mich sprachlos machten – für mich die eindrücklichste Show des Jahres.
Aber auch die Counting Crows begeisterten mich mit ihrer bemerkenswerten Spielfreude. Obwohl ich die Musik der Band seit den Neunzigern höre und mag, war das Konzert im Berliner Huxleys für mich die Livepremiere. Ganz zufällig erlebte ich zudem den Auftritt von Julia Pietrucha auf dem Pier in Sopot mit – die polnische Sängerin hatte mit ihrem folkigen Pop genau die richtige Musik für einen nebligen Spätsommernachmittag am Ostseeufer parat und sorgte für einen perfekten Musikmoment, den man so kaum hätte vorher planen können.
Counting Crows, Berlin
Auch bin ich dankbar über all die Musik, die ich im Rahmen der Leipziger Abendlobe in der Propsteikirche hören und sehen durfte (ich gehöre zum Team, das die Reihe kuratiert). Nicht zu verachten auch einige Livestreams, etwa von Dawes, den Spin Doctors, Goose oder Pinegrove. Und auch die Handvoll eigener Gigs (mit 2zueins!, solo oder zusammen mit Robert Kratzsch im Handgemenge-Duo) haben großen Spaß gemacht.
Ein gutes Musikjahr also, vielleicht mit weniger Konzerten, als mir persönlich lieb gewesen wäre. Dafür waren die Shows, die ich gesehen habe, durch die Bank klasse. Für 2023 hängen bereits ein paar Tickets an der Pinnwand, die mich vorfreudig nach vorn blicken lassen. Bestimmt werden es noch ein paar mehr.
10 Lettuce – Unify Das mag kein Jahr für große, ausgelassene Partys gewesen sein. Aber wenn mir dann doch mal nach guter Laune und tanzbarer Musik zumute war, hab ich mich sehr gern für Unify entschieden, das achte Album der Psychedelic-Funk-Gang Lettuce. Willkommener Gast auf dem Album übrigens: P-Funk-Ikone Bootsy Collins!
9 MINCK – Schöne Grüße an die Welt Völlig unverständlich, warum so wenig über Oliver Mincks Musik geschrieben, so wenig von ihr geschwärmt wird. Mit den Bands Wolke und Die Sonne hat er Großes vollbracht, und solo macht er genau so weiter. Schöne Grüße an die Welt ist seine zweite Platte in zwei Jahren. Arrangements zum Niederknien, diese markante Stimme mit den ironischen Nuancen und Lieder, die sich in Hirn und Herz fräsen: „Es ist viel zu kalt, wir müssen tanzen!“
8 Spoon – Lucifer On The Sofa Spoon? Hatte ich so gar nicht mehr auf dem Zettel. Ich mochte Gimme Fiction und Ga Ga Ga Ga Ga sehr, aber das ist ja nun auch schon wieder anderthalb Jahrzehnte her. Da kommen die plötzlich mit diesem Brett von einem Album um die Ecke! Lässiger, origineller Rock, modern, kein bisschen piefig – ein großer Spaß, dieser Lucifer On The Sofa.
7 Pinegrove – 11:11 Das Jahr ging richtig gut los, nämlich mit diesem Pinegrove-Geniestreich. Erstmals hat Ex-Death Cab For Cutie-Gitarrist Chris Walla die Aufnahmen des Kollektivs um Evan Stephens Hall abgemischt. Er war schlau genug, den Alternative Country-Sound der Band nicht groß zu verändern, sondern höchstens leicht zu polieren. Ob „Iodine“, „Habitat“, „Respirate“ oder „Swimming“ – dieses Album ist eine Songwriting- und Performance-Sternstunde.
6 Max Pope – Counting Sheep Der Brite Max Pope verehrt Bill Withers und hat sich das eine oder andere von Kollegen wie Jason Mraz und Josh Rouse abgeguckt. Zum Glück, denn so klingt Counting Sheep zwar vertraut, aber trotzdem originell und frisch. Ein Album, so wärmend wie eine Umarmung am ersten Spätsommerabend der Saison.
5 Built To Spill – When The Wind Forgets Your Name Im Gegensatz zu Spoon waren mir Doug Martsch und sein Bandprojekt Built To Spill stets sehr präsent. Und boten aller paar Jahre Anlass zu großer Freude; ja, wirklich jedes Built-To-Spill-Album lohnt sich, in Martschs neilyoungesken Indie-Gitarrenwelten lässt sich’s trefflich lustwandeln. When The Wind Forgets Your Name kickt mich dabei aber nochmal besonders intensiv.
4 Harry Styles – Harry’s House Geiler Typ, Spitzenalbum: meiner Meinung nach war der Hype um Harry in diesem Jahr vollkommen berechtigt.
3 Dawes – Misadventures Of Doomscroller Als Dawes 2021 auf einem Festival das komplette Paranoid-Album von Black Sabbath coverten, konnte man schon ahnen, wohin die Reise für die Band um Taylor Goldsmith geht: nach sieben Studioalben mit meist recht kompakten Songs wollten Dawes etwas wagen, ihre Grenzen austesten. Rausgekommen ist ein Reigen von sechs Songs mit einer Gesamtlänge von einer Dreiviertelstunde – mit vertrackten Zwischenstücken, ausufernden Outros und entspannten Soli. Ein Experiment, und zwar ein triumphales!
2 Delta Spirit – One Is One Auch auf Delta Spirit ist Verlass, der Studio-Output ist stets hörenswert. Aber diesmal ist er, man gestatte mir etwas Euphorie, sensationell. Schon immer mischt die Band elektronische Sounds, eher konservatives Songwriting und klassischen Gitarrenrock, aber noch nie hat das für meine Ohren so hervorragend funktioniert wie diesmal. Toll auch, wie die Platte im zweiten Teil erst etwas analoger, rustikaler, „kleiner“ wird, dann aber mit dem wohl epischsten Albumfinale des Jahres abschließt: „On and On (Look Away)“.
1 Goose – Dripfield Mal schauen, wie oft ich in künftigen Jahresrückblicken noch schreiben werde: „DAS war das Jahr von Goose!“ Die Fangemeinde der Band wächst in einem atemberaubenden Tempo; und auch künstlerisch ist die Entwicklung rasant. Ausverkaufte Shows in der Radio City Hall in NYC? Check. Eine Tour mit Trey Anastasio? Check. Und mit Dripfield – übrigens interessant, was ich 2021 zum Vorgänger Shenanigans Night Club schieb – nun auch ein Studiowerk, dass nicht nur dem Liveerlebnis Goose vollkommen gerecht wird, sondern zudem einen eigenständigen, neuartigen Jamband-meets-Indierock-Vibe versprüht. Check, check, check!
Meine zehn Lieblingsalben 2022 gibt’s hier als Spotify-Playlist.