3. Quartal 2017

Gehört:
Ryan Adams – Prisoner B-Sides
Arcade Fire – Everything Now
Chris Barron – Angels And One Armed Jugglers
Blues Traveler – 2017-07-14 – SummerNight, Schenectady, NY
Phoebe Bridgers – Stranger In The Alps
Jake Bugg – Hearts That Strain
Bukahara – Phantasma
The Cat Empire – Live at Woodford Folk Festival 2007
The Cat Empire – Live at Stage 88 2006
Childhood – Universal High
Charlie Cunningham – Spotify Live
Deaf Havana – All These Countless Nights
Deep Banana Blackout – 1999-04-22 – Wetlands, New York, NY
Deer Tick – Deer Tick Vol. 1
Deer Tick – Deer Tick Vol. 2
Doc Robinson – Deep End
Faber – Sei ein Faber im Wind
Ian Felice – In This Kingdom Of Dreams
Ben Folds – So There (Piano/Vocal)
Ben Folds – Live In Perth
Fortuna Ehrenfeld – Hey Sexy
God Street Wine – Gots To Rewind
Helgen – Halb oder gar nicht
Iron & Wine – Beast Epic
Garland Jeffreys – 14 Steps To Harlem
Stu Larsen – Resolute
Sarah Lesch – Da draussen
Max Richard Leßmann – Liebe in Zeiten der Follower
James Maddock – Insanity vs. Humanity
Manchester Orchestra – A Black Mile To The Surface
Dave Matthews Band – Live 25
Dave Matthews Band – DMBlive 1995-07-09 Des Eurockeenes, France
Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 39: 1998-10-31 The Arena in Oakland
Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 42: 2007-09-14 Sound Advice Amphitheatre
Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 43: 2004-07-27 HiFi Buys Amphitheatre, Atlanta, GA
Declan McKenna – What Do You Think About The Car?
Van Morrison – Roll With The Punches
Mr Jukes – God First
My Morning Jacket – 2017-07-15 – Forest Hills Stadium – Queens, NY
Sinéad O’Connor – Ireland 2010-2013 (radio broadcasts) (bootleg)
Joan Osborne – Songs Of Bob Dylan
Joan Osborne – Live Dylan EP
Phish – 2017-07-18 – Nutter Center, Dayton, OH
Phish – 2017-07-21 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-22 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-23 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-25 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-26 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-28 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-29 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-07-30 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-01 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-02 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-04 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-05 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Phish – 2017-08-06 – MSG, New York, NY (Baker’s Dozen)
Próxima Parada – Big Seven
Queens Of The Stone Age – Villains
Josh Ritter – Gathering
Chris Robinson Brotherhood – Barefoot In The Head
Chris Robinson Brotherhood – Summer 2017 Tour Exclusive Tracks
The Stone Foxes – Visalia
The Tallest Man On Earth – The Tallest Man On Earth with yMusic
Trettmann – #DIY
Van William – The Revolution EP

Gesehen:
Ryan Adams, Tempodrom, Berlin
Die Höchste Eisenbahn, Parkbühne Geyserhaus, Leipzig
Neufundland, Parkbühne Geyserhaus, Leipzig
No King, No Crown, Beatpol, Dresden
Conor Oberst, Beatpol, Dresden
Paradisia, Tempodrom, Berlin
Plan B Dresden, Frühstück im Grünen, Dresden

Gelesen:
Tobias Braune-Krickau, Katharina Scholl, Peter Schüz (Hg) – Das Christentum hat ein Darstellungsproblem. Zur Krise religiöser Ausdrucksformen im 21. Jahrhundert
Marianne Heimbach-Steins et. al. – Grundpositionen der Partei „Alternative für Deutschland“ und der Katholischen Soziallehre im Vergleich
James Martin SJ – Building a Bridge: How the Catholic Church and the LGBT Community Can Enter into a Relationship of Respect, Compassion, and Sensitivity
Gisela Mayer, Andreas Unger – Begegnung mit dem Leid. Sensibel berichten und recherchieren
Yassin Musharbash – Jenseits
Roger Willemsen – Wer wir waren. Eine Zukunftsrede

Alles, nur kein blinder Gehorsam

Der streitbare Leipziger Schriftsteller Steffen Mohr wird 75*

Fragt man Steffen Mohr, welche Berufsbezeichnung er für sich am zutreffendsten findet, muss er nicht lange über die Antwort nachdenken: „Lebenskünstler, ganz klar. Ich hab sogar Visitenkarten, auf denen das draufsteht: Steffen Mohr, Lebenskünstler. Letztlich ist es genau das.” Genau das – und doch so viel mehr. Der Leipziger könnte seine Visitenkarte auch guten Gewissens mit Berufen wie Schriftsteller, Liedermacher, Krimiautor, Feuilletonist oder Radio- und Fernsehmacher dekorieren. In diesem Sommer feiert er seinen 75. Geburtstag. Eine gute Gelegenheit, um Rückschau zu halten auf ein bewegtes Leben und ein bewegendes Lebenswerk.

Bei Erdbeerkuchen, Tee und Ibuprofen geht es in der Küche seiner Lößniger Wohnung auf einen Parforceritt durch die Jahrzehnte. Eine fiese Erkältung hat er sich eingefangen; auf die geliebten Zigaretten mag er dennoch nicht verzichten – sie gehören zum liebenswürdig-kauzigen Gesamtkunstwerk Mohr genauso dazu wie die Wandergitarre und die prallen Mappen voller Lied- und Textmanuskripte, meist abgefasst in seiner markanten, stolzen, präzisen, unnachahmlichen Handschrift.

Auf der Bühne, bei seinen Lesungen, Kabarett- oder Liederprogrammen, fühlt sich Steffen Mohr wohl wie ein Fisch im Wasser: wild gestikulierend, pointiert vortragend, mit einer tiefen, kräftigen, nuancenreichen Stimme. Er zetert, wenn es darum geht, Ungerechtigkeiten anzuprangern. Er singt von der Liebe und schwärmt von den Frauen wie ein Maler, der nur in den prächtigsten Farben zeichnet. Er schwitzt, gibt alles, ist euphorisch, spuckt schon mal Gift und Galle. So sorgt er dafür, dass er seinem Publikum dauerhaft in Erinnerung bleibt: Den Schülern, die er spielerisch an Literatur heranführt, indem er mit ihnen hanebüchene Geschichten erfindet. Den Zugereisten, die ungläubig staunen über das, was dieser Freigeist in DDR-Zeiten verzapft, sich getraut und ertragen hat. Den Psychatriepatienten, die mit ihm im Rahmen ihrer Therapie Rätselkrimis lösen. Den Frommen, die schon mal Schnappatmung bekommen, wenn er sich die Amtskirche vorknöpft. Den Gleichaltrigen und Weggefährten, die spüren, dass da einer weiß, wovon er spricht. Den Mitläufern und Großkopferten, denen er mit seiner unverblümten Art gerne mal auf die Schlipse tritt.

Kaum zu glauben, dass so ein „Hans-Dampf-in-allen-Kunstgassen” ursprünglich mal katholischer Priester werden wollte. „Doch, doch”, insistiert er, „ich war fest verbunden mit meinem Jesus und bin es immer noch! Die Dominikaner, allen voran der in Leipzig wirkende Pater Gordian, beeindruckten mich als Jugendlichen zutiefst.” Er wollte so werden wie Gordian – ein Predigermönch, wortgewaltig und voller Empathie, angstfrei das Evangelium verkündend, gerade in Zeiten des Kommunismus. „Ich dachte, ich würde der Bertolt Brecht Gottes!” Also besuchte er 1960 nach dem Abitur einen Vorbereitungskurs für das Theologische Seminar. Hier galt er jedoch schnell als Störenfried; die kritischen Nachfragen des hoch politisierten Jugendlichen waren unerwünscht. Schließlich sagte es ihm ein Lehrer klipp und klar ins Gesicht: Steffen, aus Dir wird im Leben kein Priester, Dir fehlt der Gehorsam.

Heute, beim Erinnern am Küchentisch, schmunzelt er darüber – damals stürzte ihn das Urteil des Lehrers in eine Sinnkrise. Und nun? War er quasi zu christlich für den Sozialismus und zu sozialistisch für die Kirche? Er konnte doch nicht anders, als alles zu hinterfragen, zu protestieren, wo er ihm nötig erschien. Vorgefertigte Antworten ungefragt zu übernehmen, war ihm ein Graus. „Der hatte ja völlig Recht damals. Ich und Gehorsam? Das hätte niemals funktioniert.”

Stattdessen schlug Steffen Mohr den einzigen anderen Weg ein, den er sich für sich vorstellen konnte. Er wurde Künstler, erarbeitete sich Diplome als Theaterwissenschaftler und Schriftsteller. Der „Widerstandsgeist” (O-Ton Mohr) fand seine berufliche Heimat in der DDR im Schauspiel, in Literatur und Musik. Was ihm freilich trotzdem regelmäßig Ärger bescherte – gelegentlich mit der Polizei, häufig mit der Stasi. Das Genre des Kriminalromans war und ist Mohr immer besonders nah. Doch auch durch Lieder oder als Regisseur von Theaterstücken übte er immer wieder subtile Systemkritik, blieb er als Erwachsener ein politischer und frommer Stürmer und Dränger.

Es sind diese vermeintlichen Widersprüche, die Steffen Mohr ausmachen: Der tiefgläubige Mann, der sein Leben nicht nach Jahrzehnten, sondern nach Ex-Frauen sortiert. Der Einzelkämpfer auf der Bühne, der gleichzeitig Vater von sieben Kindern ist. Der Vollblut-Künstler, der seinen Beruf als Handwerk versteht. „Ich bin doch kein Dichter oder gar Lyriker im klassischen Sinne, sondern bediene mich halt der Werkzeuge, die mir mein Beruf so bietet.” So passt es ins Gesamtbild, dass dieser Nonkonformist schon mal zum Vereinsmeier wird, wenn es nur der richtigen Sache dient. Als Gründungsmitglied und Vorsitzender der „Freien Literaturgesellschaft Leipzig” organisiert er unter anderem alljährlich den „Sächsischen Literaturfrühling”. „Im Verein muss ich zwischen dreißig Schriftsteller-Egos und unterschiedlichsten Weltsichten vermitteln. Das fordert mich. Weil Diplomatie nun nicht gerade meine Kernkompetenz ist”, grinst er und zündet sich eine weitere Zigarette an.

Nach Aufhören ist dem demnächst 75-jährigen noch nicht zumute. Zum einen hält ihn das Kind seiner Ziehtochter, sein Quasi-Enkelchen, auf Trab: „Ich liebe es über alles!” Zum anderen sind da die Ideen für mindestens zwei weitere große (Kriminal-)Romane, in denen er einige düstere Kapitel seines eigenen Lebens verarbeiten möchte. „Ich hoffe und bete, dass mir dafür noch genug Zeit und Kraft bleiben.” Auch geht es natürlich weiter mit den Lesungen, Konzerten, Rätselkrimis und Kinderbüchern. Steffen Mohr kann gar nicht anders, als die Bühnen, die sich dem gestandenen Lebenskünstler bieten, zu bespielen – und sie auszufüllen.

* – Hinweis:
Dieses Porträt habe ich aus Anlass des 75. Geburtstags von Steffen Mohr in diesem Sommer für „angezettelt – Das Informationsblatt des Sächsischen Literaturrates“ geschrieben. Erschienen ist es Ende April im Heft 2/2017, das das Schwerpunktthema „Christentum und Literatur“ hatte.

Lob des Alltags

Heute* sind jede Menge sechs- und siebenjährige Leipziger ganz besonders aufgeregt und stolz, denn heute ist Schulanfang. Da gibts jede Menge gute Wünsche und prall gefüllte Zuckertüten. Doch ist das Fest erst einmal vorbei, beginnt für die Mädchen und Jungen der Schulalltag. Aber nicht nur für die Erstklässler geht in diesen Tagen der „Ernst des Lebens“ los, sondern für die meisten Leipziger. Die Ferien sind vorbei, die einen packen Ranzen und Sportbeutel, die anderen machen sich mit Brotbüchse und Thermoskanne auf den Weg zur Arbeit. Der Alltag hat uns wieder.

Da schwingt immer ein gewisses Bedauern mit. Ja, im Sommer, in den Ferien, da war alles toll. Da waren die fernen Reiseziele, das Nichtstun, das Meer, die Berge, die Zeit für die Familie. Herrscht erst wieder Alltag, werden die Urlaubserlebnisse zu Erinnerungen, sehnen sich viele recht bald nach einer nächsten Unterbrechung.

Dabei ist Alltag nicht nur schlecht. Im Gegenteil. Die Mitmenschen, die mich jeden Tag begleiten, die Aufgaben, die auf mich im Beruf warten, der wöchentliche Stammtisch oder die Vereinssitzung: Auch mein Alltag kann viele schöne Momente bereithalten. Termine, die ich nicht nur als Stress empfinde, sondern als Bereicherung meines Lebens – wie die Zeit zum Spielen mit den Kindern am Nachmittag etwa oder das Feierabendbierchen.

Weh dem, der seinen Alltag stets nur als Belastung, Zeitverschwendung oder gleichförmigen Trott empfindet; der jeden Morgen aufwacht und den Tag verflucht, der vor ihm liegt. Wer so empfindet, sollte schleunigst was an seinem Alltag ändern. Ich muss ja nicht gleich euphorisch alles Normale bejubeln und abfeiern. Aber wohl fühlen sollte ich mich in der Zeit, die den Hauptteil meines Lebens ausmacht, schon.

Und: erst durch den Alltag kann es überhaupt auch Höhepunkte im Leben geben! Egal, ob Geburtstage, Reisen, Partys, Konzert- oder Kinobesuche – die Vorfreude gehört dazu. Auch wollen viele Höhepunkte im Leben liebevoll und gut vorbereitet werden. Auch dafür brauche ich den ganz normalen Lauf der Dinge. Ob Erstklässler, Schüler, Berufstätige oder auch Senioren: Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Alltag als wertvolle Lebenszeit wahrnehmen – jeden Tag aufs Neue!

* – Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 5. August 2017 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

2. Quartal 2017

Gehört:
Trey Anastasio – Touch Of Trey. Trey Anastasio Performs The Songs Of The Grateful Dead
Blues Traveler – Live at 2017 New Orleans Jazz & Heritage Festival
Marc Broussard – S.O.S. II: Save Our Soul – Soul On A Mission
The Cat Empire – Live at Métropolis 2006
The Cat Empire – Live at The Paradiso 2011
The Cat Empire – Live at The Royal Albert Hall 2015
Gary Clark Jr. – Live in North America 2016
Will Joseph Cook – Sweet Dreamer
Robert Cray – Robert Cray & Hi Rhythm
Damien Dempsey – Soulsun
Bob Dylan – Triplicate
Justin Townes Earle – Kids In The Street
Fleet Foxes – Crack-Up
Fury In The Slaughterhouse – 30
Kraftklub – Keine Nacht für Niemand
Mando Diao – Good Times
Ben Marwood – Get Found
Dave Matthews & Tim Reynolds – Live Trax, Vol. 41: 1999-03-13 Berkeley Community Theater, Berkeley, CA
Dave Matthews Band – Warehouse 10 Volume 5
The Magpie Salute – The Magpie Salute
John Mayer – The Search For Everything
Father John Misty – Pure Comedy
John Moreland – Big Bad Luv
Morrissey & Marshall – We Rise
Willie Nile – Positively Bob. Willy Nile Sings Bob Dylan
Portugal. The Man – Woodstock
Reitler – Es geht mir gut
Chris Robinson Brotherhood – 2017-05-18 – Musicfest Cafe, Bethlehem, PA
Chris Robinson Brotherhood – Betty’s Self-Rising Southern Blends, Vol. 3
Royal Blood – How Did We Get So Dark?
Secret Source – Secret Source
Luke Sital-Singh – Time Is A Riddle
Regina Spektor – Live on Soundstage
Spin Doctors – 2017-04-13 – Brooklyn Bowl, New York City, NY
The Strypes – Spitting Image
Harry Styles – Harry Styles
Jeff Tweedy – Together At Last
Matthew Logan Vasquez – Does What He Wants
The Veils – Acoustic Session at Roundhead
Wasabi – 2012-12-09 – Brooklyn Bowl
Konstantin Wecker – Poesie und Widerstand

Gesehen:
Jon Lupus, naTo, Leipzig
Die Maßnahme / Die Perser (Brecht/Aischylos), Schauspielhaus, Leipzig
Jan Plewka & Marco Schmedtje, Werk II, Leipzig
Reitler, naTo, Leipzig
Stoppok Trio, Moritzbastei, Leipzig
Zum Licht (Regie: Falk Elstermann), Marktplatz, Leipzig

Gelesen:
Krysztof Charamsa – Der erste Stein
Sebastian Fitzek – Das Joshua-Prinzip
Sebastian Fitzek – Passagier 23
John Niven – Das Gebot der Rache
Stefan Schulz – Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung

Neu im Netz: Der R.SA-Hinhörkanal

Ein Webstream mit handverlesener, ruhiger Popmusik und stündlich bis zu vier Beiträgen, Gedankenanstößen, Hintergrundberichten aus den Bereichen Kirche und Gesellschaft – vom „Gedanken zum Tag“ bis hin zu aktuellen Interviews und Erklärstücken: das ist das neuste Projekt aus der RADIO PSR/R.SA-Kirchenredaktion und trägt den Titel Der R.SA-Hinhörkanal – Radio zum Auftanken.

Interessant hierbei ist, dass in diesem Fall der Sender auf uns zugekommen ist und gefragt hat, ob wir uns vorstellen könnten, so ein Zusatzangebot mitzugestalten, für das die Programmstrategen derzeit einen echten Bedarf beim Publikum sehen: eine Art „Mehrwert“-Programm mit erkennbarem christlichen Profil, aber offen für alle Leute, die gerne dazulernen, nachdenken, diskutieren und gute Popmusik zu schätzen wissen (von Leonard Cohen bis Reinhard Mey), ganz unabhängig von ihrer Weltanschauung oder Konfession. Können wir natürlich und so ist der Stream nun seit einigen Tagen auf Sendung, derzeit empfangbar über die Website des Senders und die R.SA-Handy-Apps.

Kranksein und Heil-Werden – in biblischen Zeiten und heute

Schon ein paar Wochen her, dass diese Serie bei RADIO PSR on air war, da sie aber dauerhaft online abrufbar ist, möchte ich hier gerne auf sie hinweisen: in der Fastenzeit 2017 haben wir uns in einer sechsteiligen Reihe mit dem Titel „Heile, heile, Segen“ den Themen Krankheit, Gesundheit und Heil gewidmet.

Wieso erzählt die Bibel davon, wie Jesus Aussätzige, Frauen und Schwache heilt? Was bedeutet es überhaupt, „gesund“ zu sein? Was kann die moderne Medizin von uralten Heilsgeschichten lernen? Und macht mich Wasser aus dem Marienwallfahrtsort Lourdes tatsächlich gesund?

Die RADIO PSR-Kirchenredakteure Friederike Ursprung und Daniel Heinze berichten in der Reihe „Heile, heile, Segen“ von Heilserzählungen und -erfahrungen aus der Bibel, aber auch vom heutigen „ganzheitlichen“ Blick auf den Patienten als Mensch.

Die Gesprächspartner: Dr. Bettina Relke, Fachärztin für Innere Medizin und Hausärztin mit Schwerpunkt Diabetes in Leipzig, und Dominikanerpater Philipp König OP – er macht als Kaplan in der Leipziger Propsteigemeinde auf ganz andere Art Erfahrung mit Menschen, die „Heil“ suchen.

Hier geht’s zu Seite mit der kompletten Serie zum Nachhören.

Erinnern, gedenken und … feiern? (Ökumenische Notizen 3/3)

Zum Schluss ein paar Gedanken zum Stand der Ökumene heute, im Reformations-Gedenkjahr 2017.

„Der ökumenische Dialog kann heute nicht mehr von der Realität und dem Leben unserer Kirchen getrennt werden. Im Jahr 2017 gedenken lutherische und katholische Christen gemeinsam des fünfhundertsten Jahrestags der Reformation. Aus diesem Anlass werden Lutheraner und Katholiken zum ersten Mal die Möglichkeit haben, weltweit ein und dasselbe ökumenische Gedenken zu halten, nicht in Form einer triumphalistischen Feier, sondern als Bekenntnis unseres gemeinsamen Glaubens an den Dreieinen Gott.“

Diese Sätze stammen von Papst Franziskus, er sprach sie im Mai 2016, als er in Rom von einer Delegation mit Christen der evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland besucht wurde. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: das Oberhaupt der katholischen Kirche spricht sich aus für ein gemeinsames Gedenken und ein gemeinsames Glaubensbekenntnis zum Reformationsjubiläum. Was wohl meine liebe Oma dazu sagen würde? Vielleicht würde sie dem Papst durch den Fernseher zurufen wollen: „Junge, bleib katholisch!

Das Wort „gedenken“ ist der Schlüssel. Als Katholik fällt es mir ganz ehrlich schwer, 500 Jahre Reformation zu „feiern“; schließt dies doch auch 500 Jahre Trennung, Ungerechtigkeit, gegenseitige Verletzungen mit ein. Selbstverständlich bin ich froh über die vielen Annäherungen der letzten Zeit. Denn auch das beobachte ich: noch nie waren sich Katholiken und Protestanten nach der Reformation theologisch, menschlich, spirituell wieder näher als in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Klar, wir sind noch lange nicht am Ziel, aber vielfach auf einem guten Weg. Der Reformation zu gedenken, mich an den großen Theologen Martin Luther zu erinnern, fällt mir als Katholik nicht schwer. Im Gegenteil, ich halte dieses Gedenken für wichtig und sinnvoll, genau wie das gemeinsame Glaubensbekenntnis.

Am Schluss dieser ungeordneten Gedanken soll der Satz eines Protestanten stehen. Ausgesprochen Ende August 2016 in der katholischen Kathedrale von Dresden-Meißen, der Hofkirche in Dresden. Es war bei der Einführung des neuen katholischen Bischofs. Natürlich war auch sein evangelischer Amtskollege, der sächsische Landesbischof, zugegen. Seine Grußworte klingen in mir nach bringen für mich auf den Punkt, warum mich als Katholiken das Reformationsjubiläum etwas angeht:

„Wir wollen als evangelische Christenheit das Reformationsgedenken mit Ihnen, den Katholiken, gemeinsam feiern – als ein Fest, das uns Christus näher bringt und das Christus ins Zentrum rückt. Unsere Einheit sind wir, der Glaubwürdigkeit unseres Zeugnisses wegen, allen Menschen gegenüber schuldig.

Ebenfalls erschienen:
Teil 1 – „Junge, bleib katholisch!“
Teil 2 – Gemeinsam und doch getrennt
Diese Texte erschienen ursprünglich in leicht geänderter Fassung als Audiobeitrag für den Hör-Adventskalender 2016 des Katholischen Blindenwerks Ost, an dem ich mich seit mehreren Jahren beteilige.

Gemeinsam und doch getrennt (Ökumenische Notizen 2/3)

Eine weitere persönliche Erinnerung zum Thema Ökumene.

Ich war inzwischen einige Jahre älter und besuchte als Jugendlicher hin und wieder das Christliche Friedensseminar in Königswalde bei Zwickau. Seit den siebziger Jahren waren diese regelmäßigen Treffen in der westsächsischen Pampa wichtige Mosaiksteine in der DDR-Opposition, es ging um Gewaltfreiheit, Umweltschutz, Bewahrung der Schöpfung. Auch nach der Wiedervereinigung machte das Friedensseminar weiter, es existiert Gott sei Dank bis heute. Zu den offenen Treffen mit Vorträgen und Diskussionen und Musik kamen viele Aktivisten aus den evangelisch-lutherischen Gemeinden, aber auch Methodisten, Katholiken, Nichtchristen.

Ich habe diese Wochenenden Mitte, Ende der Neunziger als große persönliche Bereicherung im Gedächtnis. Jedoch auch mit einem schmerzhaften Moment: der gemeinsamen Gottesdienstfeier. In Königswalde suchte man nach einer ganz eigenen Art, sowas wie Abendmahlsgemeinschaft herzustellen – der evangelische Pfarrer und der katholische beteten nacheinander das Hochgebet, vor separatem Wein und separatem Brot. Beim Moment des Abendmahls bekamen dann die anwesenden Katholiken den – flapsig ausgedrückt – „katholischen“ Leib Christi, und die Protestanten eben den „evangelischen“.

Keine Ahnung, wie kirchenrechtlich „sauber“ diese gemeinsame Gottesdienstfeier war – ich empfand sie als beklemmend. Mir war durchaus klar, dass das der Versuch war, „alle unter ein Dach“ zu bekommen. Eine gemeinsame Feier. Und eben an den Stellen, wo wir offiziell nicht gemeinsam feiern dürfen, nach Konfessionen aufzuteilen. Doch selten wurde mir klarer, wie schlimm, schmerzhaft, tragisch es ist, dass wir Christen nicht eins sind und, obwohl so viel gemeinsam machbar ist, wir bis heute nicht gemeinsam Abendmahl halten dürfen.

Gleichzeitig waren es Momente wie dieser, die mich zu einem begeisterten „Ökumeniker“ haben werden lassen. So sehr ich meine Heimat, die katholische Kirche, schätze und achte, so wichtig ist mir aber eben auch das Miteinander-Christsein mit „den anderen“ geworden. Ökumene verstehe ich nicht als Option oder als notwendiges Übel, sie ist ein klarer Auftrag: „Alle sollen eins sein!”

Bisher erschienen: Teil 1 – „Junge, bleib katholisch!“
Morgen mach ich mir schließlich ein paar Gedanken zur Zukunft bzw. zum Ist-Stand der Ökumene.

„Junge, bleib katholisch!“ (Ökumenische Notizen, 1/3)

“Was hältst Du als Katholik eigentlich davon, dass gerade alle 500 Jahre Reformation feiern?” Diese Frage wurde mir in letzter Zeit tatsächlich häufiger gestellt. Ein guter Grund, ein paar Gedanken und Erinnerungen rund um die Themen Ökumene und Reformation aufzuschreiben, die mir da so als mögliche Antworten durch den Kopf geistern …

Meine Oma, Jahrgang 1911, erzählte immer gern von ihrer Jugendzeit. Damals, berichtet sie einmal, galt es für Katholiken als echte Sünde, eine evangelische Kirche auch nur zu betreten! So etwas ging gar nicht, das musste man beim Herrn Pfarrer beichten gehen. Als meine Oma, inzwischen hochbetagt, weit über 80 Jahre alt, mitbekam, dass ich als katholischer Teenager im Hause des evangelischen Superintendenten ein- und ausging und gelegentlich sogar mit der Familie des Pastors zu Abend aß, da war sie außer sich. Ihr sorgenvolles „Junge, bleib katholisch!“ klingt mir bis heute in den Ohren.

Dabei waren die Kinder des Superintendenten doch auf dem gleichen Gymnasium wie ich, wir waren befreundet, machten zusammen Musik und stampften im Nachwende-Trubel sogar gemeinsam einen selbstverwalteten Jugendclub aus dem Boden – katholische und evangelische und konfessionslose Jugendliche gemeinsam, weil sonst nichts los war in unserer westsächsischen Kleinstadt. Irgendwann fand sich ein Träger für diesen Jugendclub: ausgerechnet die Johanniter, also ein evangelischer Wohlfahrtsverband.

Von all dem wusste meine liebe Oma natürlich nichts, sie war einfach nur verwundert darüber, wieso ich im Hause des evangelischen Pfarrers ein- und ausging und als katholischer Bengel dort offenbar auch noch sehr willkommen war. Natürlich hatte sie mitbekommen, dass sich die katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten geöffnet hatte, aber sonderlich gekümmert hat sie das nicht. Sie war eben geprägt durch ihre Jugendjahre; wie auch das Gesangbuch in der Kirche für sie bis zuletzt „Laudate“ hieß und nicht „Gotteslob“.

Ich schreibe das nicht auf, um mich über meine Großmutter lustig zu machen. Gewiss, als Teenager fand ich ihre Ansichten unglaublich altmodisch und eingestaubt. Aber hey, es war ja auch meine Oma. Heute, mehr als zwanzig Jahre nach ihrem Tod, erinnere ich mich an eine tiefgläubige Christin, liebevoll, hilfsbereit, durch und durch „katholisch“ – als Vertriebene nach dem Krieg aus Schlesien über Prag nach Sachsen gekommen. Ökumene war ihr Thema nicht, doch war sie tief verwurzelt in ihrer Kirchgemeinde, war “halt ganz normal katholisch“.

Und auch für mich als Teenager war „Ökumene“ kein bewusstes Thema. In den fünf Jahren Schule, die ich in der DDR-Zeit bis zur Friedlichen Revolution mitbekommen hatte, hatte ich gelernt, dass alle Christen in der Schule als Außenseiter galten, ganz egal, ob katholisch oder evangelisch. Das schweisste uns irgendwie zusammen, unabhängig von der Konfession.

Und nach der „Wende“? Wenn es im eigenen Nest plötzlich kein Kino mehr gibt und man als gelangweilter Teenager eben einen Jugendclub aufbauen will, freut man sich über gleichgesinnte Mitstreiter und guckt doch nicht auf den Taufschein. Aus Mitstreitern wurden Freunde; so war Ökumene eben etwas vollkommen Selbstverständliches. Herrje, selbst unser katholischer Pfarrer und sein evangelischer Kollege, besagter Superintendent, verstanden sich prächtig, warum dann nicht auch wir Kids aus beiden Gemeinden? Ich bin zutiefst dankbar, diese Erfahrungen als Kind gemacht zu haben und so auf ganz praktische Weise zu verstehen, dass uns über Konfessionsgrenzen hinweg mehr verbindet als trennt.

Morgen im zweiten Teil: Erinnerungen an das Königswalder Friedensseminar.

Besuch vom Fernsehen

Das Fernsehen war zu Gast bei uns im Radio: das Magazin „Evangelisch in Sachsen“ (läuft auf einigen sächsischen Lokalfernsehsendern) hat über konfessionellen Journalismus im Freistaat berichtet und dafür meine Kollegin Friederike Ursprung interviewt. Ich durfte auch mal kurz mit ins Bild, für eine Sprechrolle hat’s jedoch nicht gereicht. 🙂 Hier die Sendung, ab ca. 10 Minuten und 30 Sekunden hat Friederike ihren großen Auftritt: