20 Jahre „Daheim“: s.m.h.-Album jetzt digital als Remaster erhältlich

1998, ein prägendes Jahr: im Sommer habe ich beim Radio angeheuert und sowas wie meine berufliche „Bestimmung“ gefunden. Und im Herbst ’98 musste ich ständig von Leipzig oder Werdau nach Hohenstein-Ernstthal pendeln. Denn dort entstand jenes Album, das ab heute erstmals digital und neu gemastert erhältlich ist – „Daheim“, das Album meiner damaligen Band s.m.h. Nach zwei mehr oder minder erfolgreichen DemoProduktionen, dutzenden und aberdutzenden Gigs überall im Raum Chemnitz, Zwickau, Vogtland hatten wir – fünf Schulfreunde aus der westsächsischen Provinz, die im örtlichen Jugendclub quasi zu einer Band zwangsverheiratet wurden – uns sowas wie eine eigene musikalische Identität aufgebaut. Uns ging es um Rockmusik, die groovt und tanzbar sein sollte, mit deutschen Texten. Die durften gern etwas verschwurbelt und nur nicht zu leicht dechiffrierbar sein – unsere Säulenheiligen hießen Nationalgalerie und Selig, Black Crowes und Lenny Kravitz.

Also mieteten wir uns wochenendenweise im F.O.E.N. Studio in Hohenstein-Ernstthal ein und nahmen auf – professionell angeleitet von Inhaber und Produzent Thomas Schäfer, an dessen Engelsgeduld mit uns hibbeligen Gradesonichtmehrteenagern ich mich besonders gern erinnere. Ziel war es, die im Sommer zuvor aufgenommenen Demos so effizient und gut wie möglich im Studio zu reproduzieren. Keine Gastmusiker, keine unnötigen Effekte oder Manierismen, nur „wir fünfe“ und unsere besten Songs. Anfang 1999 konnten wir das Ergebnis dieser Sessions in der ausverkauften Werdauer „Bruchbude“ der Weltöffentlichkeit präsentieren: „Daheim“ war da – und die Kräfte als Band schwanden. Zwar traten wir noch für ein gutes Jahr weiter auf (sogar in Berlin!) und schlugen uns die Wochenenden in Jugendclubs und Bierkneipen musizierend um die Ohren und ja, die CD verkaufte sich ganz ordentlich … Doch irgendwie war „die Luft raus“, Sachen wie Studium, Freundinnen oder Jobs verschoben unsere Prioritäten immer mehr, sodass s.m.h. irgendwann vorbei war, ohne, dass wir uns je bewusst aufgelöst hätten. Ein einmaliges Reunion-Konzert paar Jahre später, wiederum in Werdau, wiederum mit über 350 Gästen restlos ausverkauft, verdeutlichte uns nochmal, dass wir und unsere Musik offenbar einigen Leuten echt was bedeutet haben – ein schönes Gefühl, bis heute.

Fast forward ins Jahr 2018: zwanzig Jahre später mache ich immer noch hauptberuflich Radio und nebenbei, so oft es geht, Musik – heute mit meinen Freunden Heiko und Dirk in der Band 2zueins! und auch solo als Singer-/Songwriter. Dazu noch der 40. Geburtstag – klar, dass man da schon mal Rückschau hält und auch musikalisch Bilanz zieht. Es war mein Wunsch, die ersten beiden „richtigen“ Platten, an denen ich maßgeblich mitgeschrieben und -performt habe, digital verfügbar zu machen. Die 2003er Veröffentlichung „In der Zwischenzeit“ meines Projektes dunkelblau mit Matthi Frommann erschien daher im letzten Herbst, pünktlich zum 15jährigen Jubiläum. Jetzt, genau 20 Jahre nach Release, ist also auch „Daheim“ dran. Beide Machwerke hat marQs Plietsch im Authentic Audio Studio in Hof meisterlich und in liebevoller Kleinarbeit in die „klangliche Gegenwart“ katapultiert. Gerade das Album „Daheim“ klingt 2019 dadurch druckvoller und selbstbewusster denn je.

Als junge Band, die wir 1999 zweifelsohne waren, hadert man mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Das Album, so stolz es uns gemacht hat, gab unserer Meinung nach nie so ganz wieder, was wir musikalisch „sagen“ wollten. Schon ein paar Monate Abstand reichten, um zu denken: „Ach Mensch, das oder das hätten wir doch auch ganz anders machen, aufnehmen, arrangieren können …“ Höre ich mir jetzt, heute, im Februar 2019, das Remaster jener Platte aus dem letzten Jahrtausend (!) an, dann bin ich tief versöhnt und zufrieden mit dem Ergebnis und wirklich stolz darauf: doch, ja, das waren wir. Und genau so waren wir. Wir hatten „Sehnsucht nach Blues“, wussten „Wo es langgeht“, waren „Daheim“ in unserer Welt. Schön, dass es diese Erinnerungen ab heute überall zu hören gibt, wo online Musik gestreamt oder verkauft wird, zum Beispiel bei Spotify, YouTube Music, Apple Music, iTunes, Google Play, Amazon MP3. Ich wünsche viel Spaß damit. Und alles andere kommt später …

Mein 2018: Ein Fazit.

Wäre 2018 ein Lied, es wäre ein Uptempo-Hit mit merkwürdigem Beat und einer Hammer-Hook. London, Hamburg, Berlin, Eichstätt, Benediktbeuern, Frankfurt, München. Mein vierzigster Geburtstag; diese wunderbare Party. Stets willkommen in den Familien meiner Freunde, was für ein Segen. Schwedt. Ostritz. Borna. Madrid. Hersel. Leubnitz. Stuttgart. Rottweil. Seit zwanzig Jahren Radiomacher; nicht eine Woche war wie die andere. Rudolstadt. Rom. Gleich nochmal Rom. Dem Papst die Hand geschüttelt. Irre. Überhaupt: viel geerntet, Neues gesät. Tolle Konzerte gespielt, tolle Konzerte gesehen. Berlin. Schreiersgrün. Fraureuth. Trebbin. Fulda. Werdau, immer wieder Werdau. Leipzig, Zuhause seit zweiundzwanzig Jahren. Schönefeld, Gohlis, Eutritzsch, Stötteritz, Reudnitz. Viel gepodcastet. Idee für neues Musikprojekt geboren. Dreimal Gast in einer Talkshow, zweimal im Fernsehen. Mal wieder Trauzeuge. Zum ersten Mal mit Pfeil und Bogen geschossen. Wechselburg im Spätsommer, Wechselburg im Spätherbst. Schmochtitz. Trebsen. Dresden. Entspanntes Finale am Neckar. Freilich, es war nicht immer alles gut (diese Hitze! Und wo ist mein Geruchssinn hin, WTF??), das allermeiste aber eben doch. Ja, ein Ohrwurm mit genialem Groove und derbem Flow, dieses 2018. Was bleibt, sind tiefe Dankbarkeit und Demut.

Hier noch einmal meine Lieblings-Listen 2018 im Überblick:
Lieblingsalben 2018
Lieblingskonzerte 2018
Lieblingslieder 2018

Danke, werter Besucher, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2018 – ich freue mich auf 2019 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.

Ältere Jahresrückblicke:
2017 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2016 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2015 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2014 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2013 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2012 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2011 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2010 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2009
2008
2006
2005
2004

Mit Gott unter einem Dach leben?!

Die heutige Jugendvesper* ist überschrieben mit dem Bibelzitat „Der Schlussstein ist Christus Jesus selbst„. Die neue Übersetzung der Bibel von 2016 gibt die Stelle aus dem Epheserbrief so wieder: „Denn durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater. Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Eckstein ist Christus Jesus selbst.

Statt „Schlussstein“ steht hier Eckstein. Gemeint ist aber dasselbe. Eck- oder Schlusssteine haben im Häuserbau nicht nur eine schmückende, sondern eine tragende Funktion: es sind glatte oder grob gehauene Steine, sie dienen der Kantenbefestigung an den Mauerecken. Um die Wikipedia zu zitieren: „Durch die wechselweise Überlagerung der Schmal- und Breitseiten und ihr größeres Gewicht stabilisieren sie das Mauerwerk.“

Jesus Christus ist also so ein Eckstein, Schlussstein – der das Mauerwerk, das Gebäude stabilisiert, zusammenhält. Und das Fundament dieses Gebäudes, die Grundlage also, sind die Apostel und Propheten. Das für mich Heftigste an dieser Bibelstelle: WIR – also auch jede und jeder hier in der Basilika Wechselburg – sind laut dieser Bibelstelle „Mitbürger der Heiligen“ und „Hausgenossen Gottes“. Und eben nicht mehr „Fremde“ und ohne „Bürgerrecht“.

In der Bibel steht das, um mich zu ermutigen. Das soll bei mir Freude auslösen: hurra, ich darf im Haus Gottes leben! Ich bin – ich muss es nochmal sagen – „Mitbürger der Heiligen“ und „Hausgenosse Gottes“. Ich lebe quasi in einer WG mit Gott und den Heiligen, wenn ich mich zu Jesus Christus bekenne.

Meine Fresse.
Bin ich überhaupt bereit, in so einem Haus zu wohnen? Weiterlesen „Mit Gott unter einem Dach leben?!“

Bewahrung der Schöpfung: Pflichtaufgabe für jeden Christen

Katholikenrat beschäftigt sich mit Umweltenzyklika des Papstes und plant bistumsweiten Aktionstag

SCHMOCHTITZ. Für einen bistumsweiten Intitativ- und Aktionstag zu “Laudato Si”, der Umweltenzyklika von Papst Franziskus, hat sich der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen ausgesprochen. “Dieses wegweisende Schreiben zur Bewahrung der Schöpfung ist – wenngleich es so dringend ist – leider noch lange nicht in den Köpfen und Herzen aller Katholiken unseres Bistum angekommen,” erläutert die Ratsvorsitzende Martina Breyer. “Deshalb planen wir für Juni 2020 einen Tag für alle, die tiefer in ‘Laudato Si’ einsteigen wollen und sich ganz konkret in ihrer Gemeinde für mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein stark machen.”

Die Herbstvollversammlung des Katholikenrates am letzten Oktoberwochenende im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz stellte den Auftakt für die Vorbereitungen dieses Bistumstages dar. Als Referent konnte Gregor Henckel-Donnersmarck gewonnen werden. Der Altabt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz im Wienerwald (Niederösterreich), der vor seiner Zeit als Priestermönch Geschäftsführer eines Speditionsunternehmens war, verstand es, seine Begeisterung für die Enzyklika an die rund 35 Ratsmitglieder weiterzugeben: “‘Laudato Si’ steht klar in einer Reihe mit den anderen großen Schreiben der Päpste zu Themen der katholischen Soziallehre. Revolutionär ist diesmal, dass Franziskus Wirtschaft und Ökonomie in direkten Zusammenhang mit Ökologie, Klimawandel und soziale Fragen stellt. Der Papst ist dabei unmissverständlich: die Bewahrung der Schöpfung ist kein Kann, sondern ein Muss für jeden Christen.” In Kleingruppen tauschten die Frauen und Männer aus allen Teilen des Bistums daraufhin ihre ersten Ideen für die Ziele und Inhalte des Aktionstages aus.

Auch weitere aktuelle Fragen standen auf der Tagesordnung des Rates: so ging es in einer intensiven Diskussion mit Stephan von Spies, Justiziar und Präventionsbeauftragter des Bistums Dresden-Meißen, um die Aufarbeitung der hiesigen Fälle von sexuellem Missbrauch durch Geistliche und um die Auswirkungen der jüngst durch die Bischofskonferenz vorgestellten bundesweiten Studie zum gleichen Thema.

In ihrem Bericht des Vorstands mahnte die Vorsitzende Breyer eine konstruktive Gesprächs- und Debattenkultur an – innerhalb des Rates, aber auch innerhalb der sich im Wandel befindlichen Verantwortungsgemeinschaften und Neu-Gemeinden im Bistum: “Es braucht die Vielfalt der Sichtweisen in unseren Versammlungen, sie gehört ins Wort gehoben, ausgesprochen”, so Martina Breyer. “Wir stehen auf einem gemeinsamen starken Fundament. In unserer Verschiedenheit haben wir auch unterschiedliche Zugänge zu unserem Glauben und unserer Kirche. Das gilt es wertfrei festzustellen – hier gibt es kein besser oder schlechter, kein mehr oder weniger katholisch.”

Spürbar von gegenseitigem Respekt und Wohlwollen geprägt waren schließlich die zahlreichen Kleingruppen-Tischgespräche zu aktuellen Themen und Projekten im Bistum, die am Samstagnachmittag den Schlusspunkt der Herbstvollversammlung darstellten – ob am Tisch “Was ich schon immer mal dem Katholikenrats-Vorstand sagen wollte”, am Tisch der Katholischen Akademie des Bistums, an dem neue Reihen und Ideen für 2019 vorgestellt wurden, oder auch am Tisch von Engagiert-katholisch.de, dem Trägerverein für Ehrenamt im Bistum, wo Herausforderungen und Probleme Ehrenamtlicher diskutiert wurden.

Der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen (früher: Diözesanrat) ist die demokratisch gewählte und anerkannte Vertretung des Kirchenvolkes und repräsentiert die katholischen Frauen und Männer aus den Pfarreien, Verbänden und Initiativen Sachsens und Ostthüringens. Die nächste Vollversammlung des Gremiums ist für den 16. März 2019 in Plauen/Vogtland geplant.

Disclosure:
Dieser Text ist von mir im Auftrag des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen für verschiedene kirchliche Medien verfasst worden. Ich bin selbst Mitglied des Katholikenrates und unterstütze den Vorstand in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit.

Fotos: Stephanie Hauk, Rafael Ledschbor.

Zu Gast bei „Talk am Dom“ in Fulda

Zweimal im Jahr lädt Klaus Depta ins Fuldaer Restaurant Ideal zum Talk am Dom, einer aufwendig produzierten Live-Talkshow, verantwortet von der Abteilung Rundfunkarbeit des Bistums Fulda. Fünf Gäste erzählen pro Show über „ihre Themen“ und zwischendurch gibt’s Livemusik. Das unterhält zum einen die etwa 140 Gäste vor Ort, aber auch die Zuschauerinnen und Zuschauer der Mediathek Hessen, im Offenen Kanal, bei BibelTV und bei Youtube.

In der Septemberausgabe war ich als Talk- und Musikgast dabei. Erst habe ich mit Klaus u.a. über meinen Beruf als „Sprachrohr der Kirche“ im gar nicht mal so kirchenbegeisterten Sachsen gesprochen, dann durfte ich im Laufe des Abends insgesamt vier Songs zum Besten geben. Vom Wünschewagen, der Sterbenden letzte Wünsche möglich macht, über die Pathologin, die dem Münsteraner Tatort-„Börne“ Profitipps gibt und den katholischen Bischof, der im evangelikalen Gottesdienst aus Versehen 45 Minuten lang predigte, bis hin zum Weltenbummler, der vier Jahre ohne Geld unterwegs war und auf der Reise sowohl Gott als auch die Liebe seines Lebens gefunden hat: die anderen Gäste hatten extrem spannende Sachen zu erzählen und ich hab mich auch nur einmal verspielt (dann aber dafür so richtig), sodass ich Euch das Anschauen der kompletten Sendung (ca. 2 Stunden) in der Mediathek Hessen oder auf YouTube guten Gewissens empfehlen kann.

PS: Hier noch ein Artikel über den Abend aus den „Osthessen News“, die die Ereignisse des Abends gut zusammenfasst und noch ein paar schöne Fotos mitliefert.

Weltfrieden zum Geburtstag

Was wünschst Du Dir denn zum Geburtstag? Diese Frage stellen Eltern ihren Kindern, oder Freunde wollen so herausfinden, wie sie einem eine Freude machen können. Wenn ich diese Frage gestellt kriege, fällt mir nie eine wirklich sinnvolle, hilfreiche Antwort ein. Deshalb habe ich die Angewohnheit entwickelt, auf die Frage „Was wünschst Du Dir zum Geburtstag“ mehr oder weniger flapsig zu antworten: „Ach, nichts Besonderes. Ich wünsche mir Weltfrieden, sonst nix.“

Ein gedankenlos dahin gesagter Spruch, an den ich heute* zwangsläufig denken muss – und für den ich mich ein wenig schäme. Den 1. September begehen viele als „Weltfriedenstag“. Das Datum ist dabei keineswegs willkürlich: am 1. September 1939 begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Erstmals gab es den Weltfriedenstag im Jahr 1946 in der sowjetischen Besatzungszone, in den fünfziger Jahren wurde er zum festen Gedenktag – in Ost wie West. Es ist gut, sich daran zu erinnern und unmissverständlich gegen Krieg und Gewalt einzutreten.

Mit denen, die sich am heutigen Tag gegen Krieg und für Frieden engagieren, habe ich eins gemeinsam: All diese Menschen wünschen sich auch Weltfrieden. Allerdings ernsthaft und gänzlich unironisch. Gott sei Dank! Diese Sehnsucht nach einer Welt, in der keiner unterdrückt wird, niemand seine Macht missbraucht, allen genug zum Leben bleibt – die darf nicht zum Witz verkommen.

Besonders nicht in Zeiten wie diesen: in denen ferngesteuerte Drohnen ganze Dörfer vernichten können. In denen so viele Flüchtlinge wie noch nie weltweit Schutz suchen. In denen es einen „reichen Norden“ und einen „armen Süden“ auf der Erde gibt. In denen der Klimawandel zu neuen Konflikten und Spannungen führt.

Das sind alles Problemstellungen, die einem echten Frieden auf der Welt gegenüberstehen, die ihn gar wie eine kühne Utopie erscheinen lassen: unrealistisch, unmöglich, „ich als einzelner kann doch da eh nichts dagegen ausrichten.“ Doch, kann ich.

Indem ich die Idee vom Weltfrieden nicht verlache. Sondern anfange, mehr Frieden in meinen unmittelbaren Alltag zu bringen. Vielleicht bin ich ja mal ein wenig freundlicher zu meinen Nachbarn. Oder überlege mal, wie ich mein Plastikmüllaufkommen reduziert bekomme. Vielleicht unterstütze ich die Friedensarbeit eines Hilfswerkes durch meine Spenden. Wer sich ernsthaft Weltfrieden wünscht, hat viele Möglichkeiten, an ihm mitzuarbeiten – ganz praktisch, ganz konkret.

* – Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 1. September 2018 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

Die GKP hat mir sieben Fragen gestellt

Seit Anfang 2017 bin ich Mitglied in der Gesellschaft katholischer Publizisten Deutschlands e.V. (GKP). Inzwischen habe ich die ersten Treffen miterlebt und schon zahlreiche spannende neue Kontakte innerhalb der Gesellschaft knüpfen können. Für die Maiausgabe der „GKP Informationen“ sollte ich die allmonatlich auf’s Neue gestellten „7 Fragen“ beantworten, was ich gerne getan habe. Wer Interesse hat, kann sich den Artikel als pdf-Datei von der Website der GKP runterladen.

Der neue Leipzig-Podcast ist da

Weil ich länger nicht mehr auf ihn hingewiesen habe, sei kurz der Leipzig-Podcast von Heldenstadt.de erwähnt. Heute ist die 35. Folge erschienen, Guido und ich unterhalten uns in loser Folge über die Themen rund um Leipzig, die uns wichtig oder besprechenswert erscheinen. Diesmal geht’s u.a. um die Karrierepläne des Oberbürgermeisters und die Pannenserie bei den neuen XL-Trams der Leipziger Verkehrsbetriebe. Reinhören und abonnieren kann man das alles hier – viel Spaß!

Angstfrei stark machen für eine weltoffene, bunte Gesellschaft

Bericht von der Frühjahrsvollversammlung des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen

ZWICKAU. Für den umfassenden Schutz nationaler Minderheiten und Sprachminderheiten in Europa hat sich der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen ausgesprochen. Auf seiner Frühjahrsvollversammlung in Zwickau verabschiedete er einstimmig eine Erklärung zur Unterstützung der Bürgerinitiative Minority SafePack. Diese sammelt derzeit europaweit Unterschriften, um die Minderheitenrechte in der EU zu stärken. “Welchen Reichtum das Miteinander mit nationalen Minderheiten bedeuten kann, erleben die Menschen in unserem Bistum im Zusammenleben mit den Sorben. Kulturelle Vielfalt verstehen wir als ein Geschenk Gottes, das es zu beschützen und zu bewahren gilt”, heißt es in der Erklärung. Unterzeichnen kann man für dieses Anliegen auf der Internetseite minority-safepack.eu.

Ebenfalls mit einer einstimmig verabschiedeten Erklärung unterstützen die Kirchenvolksvertreter das Ostritzer Friedensfest vom 20. bis 22. April. Mit einem bunten Familienfest wollen die Ostritzer ein Zeichen für Freiheit, Menschlichkeit, Frieden und Weltoffenheit setzen, während zur gleichen Zeit in einem Hotel der Stadt ein Neonazi-Treffen stattfinden soll, zu dem aggressive Kern der rechtsextremen Szene erwartet wird. Höhepunkt der Provokation ist hierbei das gewählte Datum um den Geburtstag Hitlers. Der Katholikenrat begrüßt, “dass die Ostritzer Kirchgemeinden, Verbände, Initiativen und Einrichtungen zeigen wollen, wie bunt, vielfältig und freundlich die Stadt und der ganze Freistaat sind” und fordert die Katholiken im Bistum auf, das “Ostritzer Friedensfest” im Gebet oder ganz konkret durch den Besuch der Veranstaltung zu begleiten: “angstfrei, gewaltfrei, lebensfroh und selbstbewusst”.

Starke inhaltliche Impulse gab Referent Frank Richter den Teilnehmenden der Frühjahrsvollversammlung im Gemeindesaal der Zwickauer Pfarrei “Heilige Familie”. Mit dem Blick auf das Motto des bevorstehenden Katholikentages in Münster, “Suche Frieden”, bot der Geschäftsführer der Dresdner Stiftung Frauenkirche und ehemalige Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung einen persönlich gefärbten Blick auf die aktuelle Situation in Sachsen. Während das “Auseinanderdriften” der Gesellschaft immer gravierender werde – etwa zwischen arm und reich, jung und alt oder Stadt und Land – und er durchaus drastisch diagnostiziert: “In Sachsen ist der Teufel los”, bleibt der in Meißen geborene Theologe dennoch hoffnungsvoll. “Es mag zunächst platt rüberkommen, doch ich bin davon überzeugt: wir müssen alle wieder mehr beten”, so sein Fazit nach dem angeregten Gedankenaustausch mit den Ratsmitgliedern. “Denn aus dem Gebet heraus entsteht in uns eine Kraft, die uns schon einmal den Mut gegeben hat, die Gesellschaft positiv zu verändern – in der friedlichen Revolution von 1989.”

Neben der Beschäftigung mit aktuellen politischen Fragen standen auch interne Themen auf der Tagesordnung der Frühjahrsvollversammlung. So besprachen die rund 30 Delegierten in einer ersten Lesung den Entwurf einer neuen Ratssatzung, die den strukturellen Veränderungen im Zuge des bistumsweiten Erkundungsprozesses Rechnung tragen soll. Als Einzelpersönlichkeit wurde der Dresdener Pädagoge Benno Kretschmer-Stöhr neu in den Katholikenrat gewählt; im Vorstand unterstützt künftig Mathias Kretschmer aus Leisnig das Team um die Vorsitzende Martina Breyer.

Der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen (früher: Diözesanrat) ist die demokratisch gewählte und anerkannte Vertretung des Kirchenvolkes und repräsentiert die katholischen Frauen und Männer aus den Pfarreien, Verbänden und Initiativen Sachsens und Ostthüringens. Die nächste Vollversammlung des Gremiums ist für den 26. und 27. Oktober in Schmochtitz geplant.

Disclosure:
Dieser Text ist von mir im Auftrag des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen für verschiedene kirchliche Medien verfasst worden. Ich bin selbst Mitglied des Katholikenrates und kümmere mich dort u.a. um die Öffentlichkeitsarbeit.

Fotos: Stephanie Hauk, Daniel Heinze.

Pflege-Debatte nach CDU-Tweet

So hat sich der CDU-Politiker Erwin Rüddel das nicht vorgestellt. Auf Twitter wollte er am letzten Wochenende* für die Ergebnisse der GroKo-Koalitionsverhandlungen in Sachen Pflege werben. Er forderte, dass „Pflegende anfangen, gut über die Pflege zu reden“ – und die Politik würde andererseits ihren Teil leisten. Wer denn also bei Twitter oder in anderen Netzwerken was Gutes über Pflege zu sagen habe, solle seine Gedanken doch mit dem Hashtag #gutezeitenfürgutepflege verschlagworten und so zu einer breiten, schönen Debatte beitragen. Soweit die Idee des Bundestagsabgeordneten.

Das ging aber ordentlich nach hinten los. Als Reaktion auf Rüddel machte nämlich seitdem ein völlig anderer Hashtag Karriere: #twitternwierueddel – abertausende Pflegende berichten von ihrem Berufsalltag. Davon, wie schwer und anstrengend es ist, in diesem Sektor zu arbeiten. Zum Teil mit beißendem Spott. So schreibt etwa @monjaeszehhah: „Du willst wissen, was in dir steckt? Komm in die Pflege und versorge 30 multimorbide Patienten zu zweit im Frühdienst!“ Und @Chaosundich twittert: „Wenn du morgens um 7 Uhr die liebe, alte Dame auf der Toilette sitzend findest, weil die Nachtschwester ihr um 2.08 Uhr gesagt hat, sie komme gleich wieder. Und sie es vor lauter Arbeit vergessen hat.“

Krasse Geschichten und harte Kommentare, oder? Wenn auch nur die Hälfte der Tweets wahr ist, dann verdeutlicht das, was für ein Riesenproblem Deutschland auf dem Pflegesektor hat: viel zu wenig Personal, unterbezahlt, restlos überarbeitet. Und die sollen bitteschön „gut über Pflege“ reden? Wenn der Twitter-Patzer von Erwin Rüddel für etwas gut war, dann, dass er die Diskussion um die Pflege wieder ordentlich angeheizt hat. Der Politiker hat es tatsächlich geschafft, dass die Menschen über ihre Berufe erzählen – und die Gesellschaft aufrütteln. So wird deutlich, dass es mehr als lauwarme Kompromisse in Koalitionsverhandlungen braucht. Es braucht einen „großen Wurf”, der das Gesundheitssystem nachhaltig verbessert. Warme Worte und öffentlich bekundete Wertschätzung allein ändern nichts an einer Situation, an der sich ganz offensichtlich dringend was ändern muss.

* – Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 10. Februar 2018 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.