Ein Interview ohne Worte

Mein wortloses Interview im „Eulenfisch“

Zu Ihrem 20jährigen Bestehen hat die Katholische Akademie im Bistum Dresden-Meißen eine Sonderausgabe des Magazins „Eulenfisch“ als Festschrift veröffentlicht. Der „Eulenfisch“ erscheint seit vielen Jahren als jeweils monothematisches Schwerpunktheft im Bistum Limburg. Für die sächsisch-ostthüringische Erstausgabe wurde ich porträtiert: weil ich als Produzent und Moderator des Akademiepodcasts „Mit Herz und Haltung“ ja ein „Gern- und Viel-Redner“ bin, hat man mich zu einem Interview ohne Worte verdonnert – ich durfte also nur durch Gesten und Gesichtsausdrücke „antworten“. Hier könnt Ihr das Heft bestellen.

Zeit für mehr Freundlichkeit

Was Sie jetzt gleich lesen, könnte dazu führen, dass Sie mich für naiv halten. Oder für einen unverbesserlichen Optimisten. Aber damit kann ich leben. Nun denn: Ich wünsche mir, dass sich nach der Bundestagswahl tatsächlich etwas verändert in Deutschland – nämlich die Art, wie wir miteinander umgehen!

Denn ich bin müde vom ständigen Gepoltere gegen das, was einem selbst nicht in den Kram passt. Das geht los bei Sätzen wie „Die da oben kümmern sich doch eh nur um sich” und hört bei „Mein Nachbar, dieser Depp, hat seit Wochen den Rasen nicht gemäht!” noch lange nicht auf. Spüren Sie auch, dass der Umgangston in unserer Gesellschaft deutlich rauer geworden ist? Klar kann man da schön auf andere zeigen – auf „die Medien” oder „die Regierenden”. Aber auch und gerade die ganz normalen Gespräche bei Familienfeiern, nach Gottesdiensten oder bei zufälligen Treffen driften oft ab in gegenseitige Belehrungen und Debatten, bei denen man den anderen von der eigenen, viel richtigeren Meinung zu überzeugen versucht.

Ganz gleich, wie die Bundestagswahl morgen ausgeht und wer da künftig Verantwortung übernimmt: Ich wünsche mir, dass diese Menschen eine faire Chance bekommen. Dass man nicht geradezu darauf wartet, wer wann endlich den ersten Fauxpas liefert, über den man sich genüsslich echauffieren kann.

Ja, ich wünsche mir mehr Mitgefühl, Fairness und Freundlichkeit. Denn das gefällt nicht nur naiven Menschen und unverbesserlichen Optimisten.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 25. September 2021 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

Aber ich frage! – Pater Bernd Knüfer SJ erzählt aus seinem Leben

Vor einem Jahr, im Sommer 2020, verstarb in München der Jesuitenpater Bernd Knüfer. Seit den frühen Neunzigern wirkte der gebürtige Oberpfälzer in Leipzig – erst als Studentenpfarrer, bald als einer, der sich ganz aktiv den 85 Prozent Religionslosen der Stadt zuwenden wollte – als Mitgründer der „Orientierung“, der Kontaktstelle der katholischen Kirche in der Leipziger Innenstadt. Predigten in der Nikolaikirche machten ihn ebenso bekannt wie die Tatsache, dass er im „Raum der Stille“ der „Kontaktstelle Orientierung“ regelmäßig auch Yoga und Zen-Meditation unterrichtete.

Im Jahr 2019, der Umzug des inzwischen über 80-jährigen von Leipzig nach München war beschlossene Sache, gelang es der in Leipzig lebenden Schriftstellerin und Autorin Diana Feuerbach, Knüfer zur Produktion eines Hörbuches über sein Leben zu überreden. Nach anfänglichem Zögern ließ sich der Jesuit auf das Projekt ein, Anfang 2021 ist das Werk erschienen. Im Rahmen des Podcasts „Mit Herz und Haltung“ habe ich mit Diana Feuerbach darüber gesprochen, wie sie Pater Knüfer kennengelernt hat und welche Rolle er in ihrem Leben spielte. Außerdem gibt es spannende Einblicke in den Entstehungsprozess des Hörbuches, oder, wie Knüfer es lieber bezeichnete, Hör-Bildes. Zu hören u.a. bei Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Amazon Music oder auch gleich hier:

Mit Herz und Verstand Kirche und Welt erneuern

Neu strukturierter Katholikenrat Dresden-Meißen bestätigt Vorsitzende Martina Breyer im Amt und lädt zu Bistumsumwelttag 2022 ein

Der neu gewählte Vorstand (v.l.n.r.: Andreas Bayer, Martina Breyer (Vorsitzende), Katharina Giesder, Angelika Pohler, Stephanie Hauk (Geschäftsführerin), Elisa Vogginger und Rafael Ledschbor. Nicht im Bild. Norbert Grellmann.

ZWOCHAU. “Es gibt auch ein christliches sapere aude: die Aufforderung ‘Habe Mut, Dich Deines Verstandes zu bedienen’, gilt auch und gerade für Getaufte und Gefirmte!” An diesen Gedanken des früheren bayrischen Kultusministers und ZdK-Präsidenten Hans Maier erinnerte die bisherige und künftige Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen, Martina Breyer, in ihrem Bericht zur Lage von Kirche und Gesellschaft. Dieser stand am Beginn des zweiten Sitzungstages der katholischen Kirchenvolksvertretung, die ihr Frühjahrstreffen coronabedingt erst jetzt im Sommer durchführen konnte.

Breyer verwies auf die vielfältigen Aufgabenfelder, die sich Christinnen und Christen im Bistum stellten – Ökumene, interreligiöser Dialog, das Mitgestalten der Gesellschaft, Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch, das Neu-Denken von Gemeindeleben nach Pfarreineugründungen und Corona, der Synodale Weg der deutschen Kirche und die Sorge um die Zukunft des Planeten. Die in Trebsen lebende 57jährige griff eine Idee des Naturschutzbundes (NABU) zur bevorstehenden Bundestagswahl auf: “Was wäre unser Wahlversprechen, das wir der Natur und unseren Kindern geben könnten,” fragt die Organisation. Eine Frage, die man sich auch als Christinnen und Christen stellen könne, so Breyer: “Wem fühlen wir uns verpflichtet mit unserer Stimme? Wem würden wir so ein Wahlversprechen geben? Die Frohe Botschaft, Jesu Worte und die katholischen Soziallehre sind für uns leitend.”

Eine Ansprache, die wachrütteln wollte und beeindruckte: in den turnusgemäß anstehenden Wahlen wurde Martina Breyer, die im Rat die Pfarrei St. Franziskus Wurzen vertritt, von einer deutlichen Mehrheit der Katholikenratsmitglieder erneut zur Vorsitzenden gewählt; es ist ihre zweite Amtsperiode. 

Die gesamte Vollversammlung war geprägt von Neuem und Bewährtem – nach der Reform der Räteordnungen im Bistum kamen erstmals zu den Delegierten der Verbände und geistlichen Gemeinschaften sowie den gewählten Einzelpersönlichkeiten auch die Vertreterinnen und Vertreter aus den frisch konstituierten Pfarreiräten der neugegründeten Pfarreien im Bistum hinzu. 

Kontinuität und Veränderung – zwei Aspekte, die sich auch in der Wahl des neuen Ratsvorstandes niederschlugen: neben drei wiedergewählten entschied sich die Vollversammlung auch für drei neue Vorstandmitglieder. Bestätigt wurden Rafael Ledschbor (Cyrill-Methodius-Verein, Ralbitz), Angelika Pohler (Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands kfd, Leipzig) und Norbert Grellmann (Kath. Erwachsenenbildung Sachsen KEBS, Taucha); neu in den Vorstand gewählt wurden Elisa Vogginger (Fokolarbewegung, Dresden), Katharina Giesder (Pfarrei Hl. Mutter Theresa, Chemnitz) und Andreas Bayer (Arbeitsgemeinschaft junge Musik im Bistum Dresden-Meißen, AGJM, Crimmitschau). Ebenfalls wählte der Katholikenrat seine Vertreterinnen und Vertreter ins Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und in den Diözesanpastoralrat. 

Ganz im Sinne des sapere aude-Gedankens arbeitete der Rat auf seiner Vollversammlung auch inhaltlich: wichtigstes Projekt ist hierbei der für den 9. Juli 2022 auf der Zentraldeponie Cröbern im Süden Leipzigs geplante Bistumsumwelttag “WERT.VOLL.LEBEN”, zu dem Katholikenrat und Bistum gemeinsam einladen und bereits für die jetzt anlaufende Vorbereitungsphase um rege Unterstützung aus dem ganzen Bistum werben. Auf Grundlage der Papstenzyklika “Laudato si” gehe es an diesem Aktionstag um das Nachdenken über das eigene Verhalten in Sachen Umwelt, aber auch um ganz konkrete Ideen und Projekte für eine nachhaltigere und fairere Zukunft. 

In Gesprächsrunden mit Bischof Heinrich Timmerevers und Silke Meemken, seit 2020 Hauptabteilungsleiterin Pastoral im Bischöflichen Ordinariat, diskutierten die Ratsmitglieder außerdem u.a. über “heiße Eisen” wie den gerade anlaufenden Strategieprozess im Bistum, der die kommenden drastischen Defizite in den künftigen Bistumshaushalten abbauen soll. Auch zeigte sich, dass der geplante Ordinariatsneubau in Dresden ein Reizthema im Kirchenvolk bleibt, bei dem die Delegierten von den Verantwortlichen höhere Transparenz und ein wahrnehmbares andauerndes Nachdenken über Verhältnismäßigkeiten erwarten.  Über die Herausforderungen, die die Kirchen während und nach der Corona-Krise in Seelsorge und Kommunikation zu bewältigen haben, referierte Tobias Kläden von der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP) aus Erfurt – auch zu diesen Fragen kamen die Delegierten in engagierten Gruppengesprächen miteinander ins Gespräch.

Der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen (früher: Diözesanrat) ist die demokratisch gewählte und anerkannte Vertretung des Kirchenvolkes und repräsentiert die katholischen Frauen und Männer aus den Pfarreien, Verbänden und Initiativen Sachsens und Ostthüringens. Die nächste Vollversammlung des Gremiums ist für den 6. November 2021 in Dresden geplant.

Disclosure:
Dieser Text ist von mir im Auftrag des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen für verschiedene kirchliche Medien verfasst worden. Ich bin selbst Mitglied des Katholikenrates und unterstütze den Vorstand in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit.

Helden mit Dellen – die neue CD von 2zueins! ist da

Da ist sie, die neue CD meiner Band 2zueins! – „Helden mit Dellen“ heißt sie und wir (Heiko, Dirk, Robert und ich) sind sehr stolz drauf. Zu hören überall, wo man Musik streamt oder downloadet, oder aber als schicke CD-Edition direkt von uns. Die ganze Geschichte zu dieser Platte und zum 15. Bandjubiläum steht hier. Und hier die beiden Videos mit den Singles zur CD:

Wenn Corona unsere Pläne durchkreuzt


Eigentlich würde unsere Familie an diesem Wochenende ein großes Fest feiern: den 80. meines Onkels. Normalerweise reist da die ganze Sippe aus allen Ecken des Landes an – Neffen und Nichten, Kind und Kegel, Enkel und Urenkel. Wir würden gut essen und trinken, es gäbe ein selbstgebautes Kulturprogramm und nachts, bevor das Taxi einen nach Hause kutschiert, lägen wir uns in den Armen, um uns gegenseitig zu versichern: Das sollten wir viel, viel häufiger machen, nicht wahr?

Eigentlich. Normalerweise.

Würde, hätte, könnte. Das ist jetzt schon der dritte oder vierte große Anlass, den unsere Familie wegen Corona nicht feiern kann wie üblich – Sie merken, wir feiern gern und viel! Ein weiterer Plan also, durchkreuzt durch diese Pandemie. Natürlich verstehen wir das. Halten wir uns an die Regeln. Sind vernünftig. Trotzdem fühlt es sich doof an, wenn das, worauf man sich freut und was man sich erhofft, dann nicht stattfinden kann. Ja, Corona ist von Anfang an auch eine Übung in Demut und Geduld. Bei vielen geht es dabei um deutlich Wichtigeres als um Geburtstagspartys: um Existenzen, die Gesundheit und mehr.

Als Christ darf ich aber nach wie vor auf Gott vertrauen: „Gott, viele meiner Pläne werden gerade durchkreuzt. Hilf mir, trotzdem geduldig und zuversichtlich zu bleiben.“ Ja, ich baue darauf, dass ich trotz Planänderungen, Krisen und Sorgen auch weiter voller Hoffnung in die Zukunft schauen darf: die nächste zünftige Familienfete kommt bestimmt.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 8. Mai 2021 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

Hörfutter: ein paar Podcast-Tipps

Viel los gerade in Sachen Podcasts: zum einen ist da die aktuelle Folge von Heldenstadt, der Show, die ich zusammen mit meinem Kumpel Guido inzwischen im siebenten oder achten Jahr mache. Diesmal reden wir u.a. über nervige Singvögel und Sauce Hollandaise.

Spannend auch das Gespräch, das ich neulich mit Dr. Joachim Klose von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Dresden führen konnte. Wir haben uns ausgerechnet über „Das Unsagbare“ unterhalten – hier könnt Ihr Euch das anhören.

Ebenfalls für Mit Herz und Haltung, den Podcast der Katholischen Akademie im Bistum Dresden-Meißen, entstanden ist eine Folge in Erinnerung an die schrecklichen Bilder und Nachrichten, die uns vor einem Jahr aus Bergamo in Italien erreichten. Darin sprechen wir u.a. mit dem einzigen der sechs an der Leipziger Uniklinik behandelten italienischen Corona-Patienten, der lebend nach Hause kehren konnte.

Welthit: erster Vorbote zum neuen 2zueins!-Album ist da

So, hier, es gibt frische Musik von mir/uns! Dirk, Heiko und ich a.k.a. 2zueins! waren im Studio und haben eine neue EP eingespielt, die in zwei Wochen endlich erscheint. Mehr zu der Platte namens Helden mit Dellen schon jetzt auf der Band-Website und im 2zueins!-Shop (bitte die schicke CD-Edition vorbestellen, lohnt sich) – hier das Video zur ersten Single, Welthit:

Mehr 2zueins! hier, mehr über all meine Musik gibt’s hier.

Ein Jahr mit Herz und Haltung


Der Podcast aus der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, „Mit Herz und Haltung“ feiert dieser Tage seinen ersten Geburtstag. Aus diesem Anlass blicken wir – ich bin hier als Moderator und Produzent mit im Boot – auf die letzten Monate zurück: was mögen wir, was mögt Ihr an diesem Projekt? Was muss besser werden? Wohin geht die Reise in der nächsten Zeit?

Ein launiges Team-Gespräch mit Thomas Arnold und Jonas Lietz von der Akademie, Karin Wollschläger von der KNA und mir. Wer Lust hat auf diesen akustischen Blick hinter die Kulissen, klickt einfach hier und drückt auf Play.

Zeit zum Klagen


Klagezeit heißt eine neue ökumenische Gottesdienstreihe in Leipzig: „Hören, Schweigen und Beten in Zeiten der Pandemie“, so der Untertitel. Jeden Freitag 17 Uhr treffen sich Christ*innen in der Peters- oder der Propsteikirche (und im Livestream), um zu klagen. Also, um vor Gott zu bringen, was sie jetzt, in der Corona-Krise, belastet und bewegt. Hier soll es keinen Instant-Trost von der Kanzel regnen. Vielmehr ist die Idee, Gott die Klage, die Sorge erstmal klar und deutlich hinzuhalten. Wie einst in den Klagepsalmen …

Zu diesem Projekt und zum Wert von Klage durfte ich ein spannendes Interview mit Dr. Kerstin Menzel und Propst Gregor Giele führen, die beide das Klagezeit-Projekt in Leipzig mitinitiiert haben. Ihr könnt das Gespräch anhören – in der aktuellen Folge des Podcasts „Mit Herz und Haltung“ der Katholischen Akademie im Bistum Dresden-Meißen in Kooperation mit der RADIO PSR-Kirchenredaktion. Die gibt’s zum Beispiel hier und überall, wo’s Podcasts gibt.