Zwischen Ideal und Wirklichkeit

So haben sich Robert Habeck oder Annalena Baerbock das wohl nicht vorgestellt, als sie Wirtschaftsminister und Außenministerin wurden. Modern wollten sie regieren, mit Fokus auf Klimaschutz und Frieden. Jetzt, ein halbes Jahr später? Bestimmt der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine ihre Arbeit. Geht’s um Verteidigung, Waffen, Sanktionen und länger laufende Kohlekraftwerke. 

Da könnte man spitzzüngig fragen: wo ist er denn, Euer Frieden? Euer Klimaschutz? Besonders die Grünen müssen gerade ständig die eigenen Ideale über Bord werfen. Mehr noch: mit manchem, was sie aktuell beschließen, beschädigen sie sogar das, was sie eigentlich als notwendig und richtig erachten. Ein echtes Dilemma! 

Politiker müssen auf die aktuelle Weltlage reagieren. Manchmal steht deshalb das Wohl aller über den eigenen Glaubenssätzen und Prinzipien. Das klingt leichter, als es wohl ist. Ich wünsche mir von Regierenden das, was ich mir auch von meinen Mitmenschen im Alltag erhoffe: dass sie bei Problemen mit mir nach Lösungen suchen, statt untätig auf unverrückbaren Standpunkten zu beharren.

Wirklich funktionieren kann eine Gesellschaft aber nur, wenn ich auch selbst bereit bin, so zu denken und zu handeln – und das nicht von “denen da oben” einfordere.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 1. Juli 2022 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

So Gott will


Drei kleine Worte sagen wir uns in meine Familie immer wieder: „So Gott will“. Wenn wir uns verabschieden und überlegen, wann wir uns wiedersehen: „Nächste Woche, im Garten – so Gott will.“ Wenn wir gemeinsam Pläne schmieden: „Wir fahren im Sommer an die Ostsee, so Gott will“. Wenn wir hoffen, dass etwas gelingt: „Wir schaffen das mit der Pflegestufe für die Tante schon, so Gott will“. 

So Gott will. Nein, damit schiebe ich nicht die Verantwortung für mein Leben „nach oben ab“. Ich bin und bleibe verantwortlich für das, was ich tue. „So Gott will“ ist für mich ein Signal der Hoffnung und der Demut. Ich hoffe, dass unsere geschmiedeten Pläne gelingen und Gutes hervorbringen. Möge Gott seinen Segen dazu geben. Demütig bin ich, weil ich weiss, dass nicht alles in meiner Macht steht. Ich kann noch so viel planen, organisieren – es kann immer was dazwischen kommen. Aber selbst, wenn sich Pläne ändern, kann ich weiter auf Gott vertrauen.

„So Gott will“, das sagen übrigens nicht nur Christen. Muslime kennen das auch: „Inschallah“ – wenn Gott es will. Eine Lebenshaltung, eine Erfahrung von Welt und Gott, die religionsübergreifend funktioniert: Ich kann und soll tun, was in meiner Macht steht. Alles andere – muss, nein, darf ich Gott überlassen. Und darauf vertrauen, dass er es gut mit mir meint.

Also: bis zum nächsten Mal an dieser Stelle – so Gott will!

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 27. Mai 2022 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Zu Gast bei „Himmelklar“

Diese Woche bin ich zu Gast im Himmelklar-Podcast von katholisch.de und Domradio.de. Ich darf über alle möglichen Dinge sprechen, die mir am Herzen liegen: die Arbeit in der RADIO PSR-Kirchenredaktion, über Heldenstadt und Mit Herz und Haltung, den Podcast aus der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. Außerdem: über meine Band 2zueins! und meine Solomusik (Musikprofil bei FB). Ach ja, und auch darüber, warum ich mich gern im Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen engagiere und auf den Katholikentag in Stuttgart freue.

#175 Gabriel Wolf – "Geh-hin"-Seelsorger auf TikTok und Instagram Himmelklar

Nachwuchs fürs Kloster durch TikTok? Pater Gabriel hat damit Erfolg. Er tanzt nicht, sondern erklärt in seinen Videos in wenigen Sekunden sein Klosterleben in Windberg und alles, was mit der katholischen Kirche zu tun hat. Als Bundespolizei-Seelsorger und Queer-Seelsorger geht er zu jeder Gelegenheit auf die Menschen zu, ganz nach seinem Motto "nah an den Menschen" unter dem Hashtag #GehHinSeelsorge.

Karfreitag ohne Ende? Nein!

“In diesem Jahr Karfreitag zu begehen, fällt mir sehr leicht. Aber ich hab keine Ahnung, ob für mich dieses Jahr Ostern wird.” Ganz schön traurig, was ein Freund da zu mir gesagt hat. Aber nachvollziehbar. Krieg in der Ukraine, die Auswirkungen der Pandemie, Klima-Bedrohungen, Inflation, das Gefühl, dass gerade alles den Bach runtergeht: wir erleben eine Zeit der Sorgen und Ängste, für manche auch eine Zeit voll Trauer und Wut. 

Gefühle, die für Christen auch zum Karfreitag gehören, zum Erinnern an das Leiden von Jesus. Dem einstigen Hoffnungsträger wurde ein unfairer Prozess gemacht. Das Kreuz, an dem er noch am selben Tag sterben sollte, musste er selbst durch die ganze Stadt Jerusalem schleppen – begleitet vom Spott der Menschen am Wegesrand. Hoffnungslose Zeiten, damals wie heute? Als Christ glaube ich, dass der Karfreitag nicht das Ende der Geschichte ist, sondern dass ich mit der Auferstehung, mit Ostern den Sieg des Lebens über den Tod feiern darf. 

Hmmm …. Also wird hier und heute auch irgendwann alles irgendwie schon wieder gut? Nun, das einfach zu schlussfolgern, wäre wohl töricht, zu kurz gedacht. Mut macht mir diese Hoffnung aber trotzdem: Angst, Tod und Verzweiflung müssen nicht das letzte Wort haben. Ostern zu feiern ist heute vielleicht wichtiger denn je – um Kraft und Zuversicht zu “tanken” für die Herausforderungen unserer Zeit.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 14. April 2022 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Werkzeug des Friedens sein? Jetzt erst recht!

„Herr, mache mich zu einem Werkzeug Deines Friedens!” Dieses Gebet geht mir dieser Tage durch den Kopf. Es wird oft dem Heiligen Franziskus von Assisi zugeschrieben, ist aber erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Frankreich entstanden und wurde in den Kriegsjahren international bekannt. 

Damals wie heute drückt es die Sehnsucht nach Frieden aus. Der sollte ja der Normalzustand auf der Welt sein: die Abwesenheit von Gewalt und Unterdrückung. Die Möglichkeit, dass sich alle frei entwickeln können. Diesen “göttlichen” Frieden mitgestalten zu können – darum geht’s in dem Gebet. 

Nun sind aber russische Truppen in die Ukraine eingedrungen, sterben und leiden Menschen, sind Hunderttausende auf der Flucht. Was kann ich einzelner denn da schon groß ausrichten? Ist dieses Gebet doch nix weiter als ein hübscher frommer Wunsch für Friedenszeiten, praxisuntauglich im Krieg?

Ganz und gar nicht. Gerade jetzt kann ich zeigen, was für ein nützliches Friedenswerkzeug ich sein kann! Indem ich auf Anti-Kriegs-Demos gehe. Hilfe mitorganisiere. Geld spende. Bei Friedensgebeten innehalte. Gewiss, nichts davon dürfte den Machthaber im Kreml umstimmen. Aber es zeugt von Mitgefühl und Solidarität. Auch das brauchen die unter dem Krieg leidenden Menschen. 

Herr, mache mich zu einem Werkzeug Deines Friedens – und die anderen, die Mächtigen und Starken dieser Welt, bitte, bitte auch. 

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 4. März 2022 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Gott will gar nicht viel von mir

Johannes der Täufer war auf 180. Mitten in der Wüste rief er die Menschen zur Umkehr auf. Mit sehr, sehr deutlichen Worten. Bibel-Kostprobe gefällig? „Ihr Schlangenbrut, wie könnt Ihr euch so sicher sein, dass ihr dem Zorn Gottes entkommt?“ 

Der Prediger ist unmissverständlich: wer nicht so lebt, wie Gott das will, für den wird’s ungemütlich. Da wollten die Leute natürlich von Johannes wissen: Was will Gott denn nun genau von uns? Auch hier kriegen sie eine klare Ansage: „Wer zwei Hemden hat, gebe dem, der keines hat, und wer was zu essen hat, der teile mit den Hungrigen.“ Oder in den Worten von Jesus: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst“.

All das ist mehr als 2000 Jahre her. Wie krass ist es bitteschön, dass diese eine, einfache Regel immer noch nicht bei allen angekommen ist? Nach wie vor gibt es Kriege, Ungerechtigkeiten, Egoismus, Gewalt … 

Seid lieb zueinander. Macht Euch nicht gegenseitig das Leben schwer. Denkt auch an die anderen. Das ist es doch eigentlich schon. Das braucht es laut Johannes und Jesus für eine bessere, göttlichere Welt. 

Es ist wohl echt so simpel: ich muss mich nur immer mal wieder daran erinnern, kein Mistkerl zu sein und dann versuchen, auch so zu leben. Schon wird die Welt etwas gerechter, wird sie ein wenig mehr so, wie Gott sich das für alle Menschen wünscht. 

Das kann doch nicht so schwer sein, oder?


Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 21. Januar 2022 als Teil der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Bob Dylan, der singende Hobo und Pilger

Mal wieder ein wenig Werbung in eigener Sache: für den Podcast Mit Herz und Haltung habe ich mich mit dem Theologieprofessor und Bob-Dylan-Auskenner Knut Wenzel über Dylans Lebenswerk und seine Suche nach Gott unterhalten – kleine Exkurse zu Leonard Cohen, Van Morrison und Sinéad O’Connor inklusive. Hoffentlich interessant für Dylan-Einsteiger und -Fortgeschrittene, hier geht’s zur Folge (gibt’s natürlich auch bei Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts).

Mit Herz und Haltung ist der Podcast aus der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, den ich seit April 2020 als Moderator und Producer begleite.

Ein Interview ohne Worte

Mein wortloses Interview im „Eulenfisch“

Zu Ihrem 20jährigen Bestehen hat die Katholische Akademie im Bistum Dresden-Meißen eine Sonderausgabe des Magazins „Eulenfisch“ als Festschrift veröffentlicht. Der „Eulenfisch“ erscheint seit vielen Jahren als jeweils monothematisches Schwerpunktheft im Bistum Limburg. Für die sächsisch-ostthüringische Erstausgabe wurde ich porträtiert: weil ich als Produzent und Moderator des Akademiepodcasts „Mit Herz und Haltung“ ja ein „Gern- und Viel-Redner“ bin, hat man mich zu einem Interview ohne Worte verdonnert – ich durfte also nur durch Gesten und Gesichtsausdrücke „antworten“. Hier könnt Ihr das Heft bestellen.

Zeit für mehr Freundlichkeit

Was Sie jetzt gleich lesen, könnte dazu führen, dass Sie mich für naiv halten. Oder für einen unverbesserlichen Optimisten. Aber damit kann ich leben. Nun denn: Ich wünsche mir, dass sich nach der Bundestagswahl tatsächlich etwas verändert in Deutschland – nämlich die Art, wie wir miteinander umgehen!

Denn ich bin müde vom ständigen Gepoltere gegen das, was einem selbst nicht in den Kram passt. Das geht los bei Sätzen wie „Die da oben kümmern sich doch eh nur um sich” und hört bei „Mein Nachbar, dieser Depp, hat seit Wochen den Rasen nicht gemäht!” noch lange nicht auf. Spüren Sie auch, dass der Umgangston in unserer Gesellschaft deutlich rauer geworden ist? Klar kann man da schön auf andere zeigen – auf „die Medien” oder „die Regierenden”. Aber auch und gerade die ganz normalen Gespräche bei Familienfeiern, nach Gottesdiensten oder bei zufälligen Treffen driften oft ab in gegenseitige Belehrungen und Debatten, bei denen man den anderen von der eigenen, viel richtigeren Meinung zu überzeugen versucht.

Ganz gleich, wie die Bundestagswahl morgen ausgeht und wer da künftig Verantwortung übernimmt: Ich wünsche mir, dass diese Menschen eine faire Chance bekommen. Dass man nicht geradezu darauf wartet, wer wann endlich den ersten Fauxpas liefert, über den man sich genüsslich echauffieren kann.

Ja, ich wünsche mir mehr Mitgefühl, Fairness und Freundlichkeit. Denn das gefällt nicht nur naiven Menschen und unverbesserlichen Optimisten.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 25. September 2021 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

Aber ich frage! – Pater Bernd Knüfer SJ erzählt aus seinem Leben

Vor einem Jahr, im Sommer 2020, verstarb in München der Jesuitenpater Bernd Knüfer. Seit den frühen Neunzigern wirkte der gebürtige Oberpfälzer in Leipzig – erst als Studentenpfarrer, bald als einer, der sich ganz aktiv den 85 Prozent Religionslosen der Stadt zuwenden wollte – als Mitgründer der „Orientierung“, der Kontaktstelle der katholischen Kirche in der Leipziger Innenstadt. Predigten in der Nikolaikirche machten ihn ebenso bekannt wie die Tatsache, dass er im „Raum der Stille“ der „Kontaktstelle Orientierung“ regelmäßig auch Yoga und Zen-Meditation unterrichtete.

Im Jahr 2019, der Umzug des inzwischen über 80-jährigen von Leipzig nach München war beschlossene Sache, gelang es der in Leipzig lebenden Schriftstellerin und Autorin Diana Feuerbach, Knüfer zur Produktion eines Hörbuches über sein Leben zu überreden. Nach anfänglichem Zögern ließ sich der Jesuit auf das Projekt ein, Anfang 2021 ist das Werk erschienen. Im Rahmen des Podcasts „Mit Herz und Haltung“ habe ich mit Diana Feuerbach darüber gesprochen, wie sie Pater Knüfer kennengelernt hat und welche Rolle er in ihrem Leben spielte. Außerdem gibt es spannende Einblicke in den Entstehungsprozess des Hörbuches, oder, wie Knüfer es lieber bezeichnete, Hör-Bildes. Zu hören u.a. bei Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Amazon Music oder auch gleich hier: