Lob des Alltags

Heute* sind jede Menge sechs- und siebenjährige Leipziger ganz besonders aufgeregt und stolz, denn heute ist Schulanfang. Da gibts jede Menge gute Wünsche und prall gefüllte Zuckertüten. Doch ist das Fest erst einmal vorbei, beginnt für die Mädchen und Jungen der Schulalltag. Aber nicht nur für die Erstklässler geht in diesen Tagen der „Ernst des Lebens“ los, sondern für die meisten Leipziger. Die Ferien sind vorbei, die einen packen Ranzen und Sportbeutel, die anderen machen sich mit Brotbüchse und Thermoskanne auf den Weg zur Arbeit. Der Alltag hat uns wieder.

Da schwingt immer ein gewisses Bedauern mit. Ja, im Sommer, in den Ferien, da war alles toll. Da waren die fernen Reiseziele, das Nichtstun, das Meer, die Berge, die Zeit für die Familie. Herrscht erst wieder Alltag, werden die Urlaubserlebnisse zu Erinnerungen, sehnen sich viele recht bald nach einer nächsten Unterbrechung.

Dabei ist Alltag nicht nur schlecht. Im Gegenteil. Die Mitmenschen, die mich jeden Tag begleiten, die Aufgaben, die auf mich im Beruf warten, der wöchentliche Stammtisch oder die Vereinssitzung: Auch mein Alltag kann viele schöne Momente bereithalten. Termine, die ich nicht nur als Stress empfinde, sondern als Bereicherung meines Lebens – wie die Zeit zum Spielen mit den Kindern am Nachmittag etwa oder das Feierabendbierchen.

Weh dem, der seinen Alltag stets nur als Belastung, Zeitverschwendung oder gleichförmigen Trott empfindet; der jeden Morgen aufwacht und den Tag verflucht, der vor ihm liegt. Wer so empfindet, sollte schleunigst was an seinem Alltag ändern. Ich muss ja nicht gleich euphorisch alles Normale bejubeln und abfeiern. Aber wohl fühlen sollte ich mich in der Zeit, die den Hauptteil meines Lebens ausmacht, schon.

Und: erst durch den Alltag kann es überhaupt auch Höhepunkte im Leben geben! Egal, ob Geburtstage, Reisen, Partys, Konzert- oder Kinobesuche – die Vorfreude gehört dazu. Auch wollen viele Höhepunkte im Leben liebevoll und gut vorbereitet werden. Auch dafür brauche ich den ganz normalen Lauf der Dinge. Ob Erstklässler, Schüler, Berufstätige oder auch Senioren: Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Alltag als wertvolle Lebenszeit wahrnehmen – jeden Tag aufs Neue!

* – Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 5. August 2017 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

Neu im Netz: Der R.SA-Hinhörkanal

Ein Webstream mit handverlesener, ruhiger Popmusik und stündlich bis zu vier Beiträgen, Gedankenanstößen, Hintergrundberichten aus den Bereichen Kirche und Gesellschaft – vom „Gedanken zum Tag“ bis hin zu aktuellen Interviews und Erklärstücken: das ist das neuste Projekt aus der RADIO PSR/R.SA-Kirchenredaktion und trägt den Titel Der R.SA-Hinhörkanal – Radio zum Auftanken.

Interessant hierbei ist, dass in diesem Fall der Sender auf uns zugekommen ist und gefragt hat, ob wir uns vorstellen könnten, so ein Zusatzangebot mitzugestalten, für das die Programmstrategen derzeit einen echten Bedarf beim Publikum sehen: eine Art „Mehrwert“-Programm mit erkennbarem christlichen Profil, aber offen für alle Leute, die gerne dazulernen, nachdenken, diskutieren und gute Popmusik zu schätzen wissen (von Leonard Cohen bis Reinhard Mey), ganz unabhängig von ihrer Weltanschauung oder Konfession. Können wir natürlich und so ist der Stream nun seit einigen Tagen auf Sendung, derzeit empfangbar über die Website des Senders und die R.SA-Handy-Apps.

Kranksein und Heil-Werden – in biblischen Zeiten und heute

Schon ein paar Wochen her, dass diese Serie bei RADIO PSR on air war, da sie aber dauerhaft online abrufbar ist, möchte ich hier gerne auf sie hinweisen: in der Fastenzeit 2017 haben wir uns in einer sechsteiligen Reihe mit dem Titel „Heile, heile, Segen“ den Themen Krankheit, Gesundheit und Heil gewidmet.

Wieso erzählt die Bibel davon, wie Jesus Aussätzige, Frauen und Schwache heilt? Was bedeutet es überhaupt, „gesund“ zu sein? Was kann die moderne Medizin von uralten Heilsgeschichten lernen? Und macht mich Wasser aus dem Marienwallfahrtsort Lourdes tatsächlich gesund?

Die RADIO PSR-Kirchenredakteure Friederike Ursprung und Daniel Heinze berichten in der Reihe „Heile, heile, Segen“ von Heilserzählungen und -erfahrungen aus der Bibel, aber auch vom heutigen „ganzheitlichen“ Blick auf den Patienten als Mensch.

Die Gesprächspartner: Dr. Bettina Relke, Fachärztin für Innere Medizin und Hausärztin mit Schwerpunkt Diabetes in Leipzig, und Dominikanerpater Philipp König OP – er macht als Kaplan in der Leipziger Propsteigemeinde auf ganz andere Art Erfahrung mit Menschen, die „Heil“ suchen.

Hier geht’s zu Seite mit der kompletten Serie zum Nachhören.

Besuch vom Fernsehen

Das Fernsehen war zu Gast bei uns im Radio: das Magazin „Evangelisch in Sachsen“ (läuft auf einigen sächsischen Lokalfernsehsendern) hat über konfessionellen Journalismus im Freistaat berichtet und dafür meine Kollegin Friederike Ursprung interviewt. Ich durfte auch mal kurz mit ins Bild, für eine Sprechrolle hat’s jedoch nicht gereicht. 🙂 Hier die Sendung, ab ca. 10 Minuten und 30 Sekunden hat Friederike ihren großen Auftritt:

Berichtsband zum Leipziger Katholikentag erschienen

Vor einigen Wochen ist er erschienen, der ZiegelsteinBerichtsband zum 100. Deutschen Katholikentag 2016 in Leipzig. Auf über 600 Seiten wurde das Großereignis für die Nachwelt dokumentiert: Foren, Podien, Debatten, Gottesdienste, Ausstellungen, Konzerte …
Ich habe im Vorfeld des Katholikentages im Arbeitskreis Kultur mitgearbeitet und durfte gemeinsam mit Guido Erbrich nach den tollen Tagen Ende Mai für diese Dokumentation einen Rückblick auf „unser“ Kulturprogramm verfassen. Falls jemand den Berichtsband sein Eigen nennt: los geht’s auf Seite 585.

Mit dem „Sound Of Leipzig“ durchs Jahr 2017.

The Sound Of Leipzig - Die Spotify-Playlist von Heldenstadt.de. Jeden Monat neu.

Auch in diesem Jahr schönerdings auf meiner monatlichen To-Do-Liste: die Spotify-Playlist „The Sound Of Leipzig“ von Heldenstadt.de zusammenstellen! Aus dem spannenden Experiment mit der Frage „Wie klingt es, wenn wir Leipziger Künstler mit den Stars mixen, die gerade in der Stadt Konzerte geben?“ ist inzwischen eine feste Rubrik geworden – nahezu jeden Monat treffen local heroes auf etablierte Acts aus aller Welt. Und diese bisweilen wilde Mischung (immer 25 Tracks pro Monat) klingt jedesmal anders und immer spannend. Interesse? Die Januar-Playlist ist soeben drüben auf Heldenstadt.de erschienen.

Mein 2016: Ein Fazit.

Lissabon 2016

Soso, die Welt hat sich also darauf verständigt, 2016 als mieses Jahr abzuhaken. Brexit, Trump, Terror, das Ableben etlicher Künstler, kleine und große Katastrophen. Doch schaue ich auf mein persönliches 2016 zurück, dann mag ich in dieses allgemeine Lamento nicht einstimmen. Da waren etliche schöne Konzerte. Spannende Reisen: Danzig, Vilnius, London, Lissabon, Breslau, Bonn, Limburg, Berlin, Sevilla, Cádiz, Schwedt, Hamburg, Dresden, Zeitz, Gibraltar, Israel. Im Schnee an der Ostsee entlang spaziert und am dritten Oktober im Atlantik geplanscht. Als Patenonkel zu Pfingsten eine wunderbare Taufe miterlebt. Gut zu tun gehabt in kirchlichen Ehrenämtern (Erkundungsprozess, Diözesanrat). Gut zu tun gehabt im Beruf (und mehr Spaß denn je). Den neuen Dresdener Bischof kennengelernt. Zwei Preise bekommen. Den Katholikentag in Leipzig mitgestaltet, begeistert er- und zufrieden überlebt. Mit 2zueins! und solo musiziert, für Heldenstadt.de und andere getextet, geredet, konzipiert. Neue Lieder geschrieben. Den einen Proberaum ausgeräumt, den anderen bezogen und lieb gewonnen. Viel Besuch empfangen. Viele Besuche bei der Familie. Und auch Phasen der Ruhe, der Stille. Und noch so viel mehr.

Mein 2016 war kunterbunt, ein wenig chaotisch, spannend und durchweg aufregend. Das schließt die großen „Aufreger“ dieser Welt mit ein, die mich natürlich auch beschäftigen. Aber schlecht? Schlecht war es nicht. Im Wissen, dass 2017 einige Veränderungen bereit hält, und mit der Ahnung, dass sich da auch ein paar Überraschungen dazu gesellen werden, blicke ich dankbar zurück und erwarte zuversichtlich, was kommen mag.

Narsdorf 2016.

Hier noch einmal meine Lieblings-Listen 2016 im Überblick:
Lieblingsalben 2016
Lieblingskonzerte 2016
Lieblingslieder 2016

Danke, werter Besucher, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2016 – ich freue mich auf 2017 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.

Ältere Jahresrückblicke:
2015 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2014 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2013 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2012 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2011 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2010 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2009
2008
2006
2005
2004

Suche Frieden!

LVZ Kolumne DH Oktober 2016

„Seht, da ist der Mensch“. Das war das Motto des Katholikentages Ende Mai in Leipzig. Nach dem Katholikentag ist vor dem Katholikentag – im Frühjahr 2018 steigt das nächste Großtreffen dieser Art, dann in Münster. Seit ein paar Wochen steht fest, welches Leitwort dieser Katholikentag haben wird: „Suche Frieden!“ Das Motto stammt aus dem Psalm 34: „Suche Frieden und jage ihm nach“, heißt es da. Diese Psalmen im Alten Testament waren damals ja Gassenhauer, weithin bekannte und gebräuchliche Lieder der Klage, der Bitte oder des Dankes. Der Psalm 34 gehört dabei zu den Dankliedern.

Obendrein hält er gute Tipps bereit, wie das mit dem Frieden „im Himmel und auf Erden“ funktionieren könnte. Aber bereits die Form dieses Psalms ist spannend, er ist ein Akrostichon. Das heißt, seine Verse sind in alphabetischer Reihenfolge verfasst; also für jeden hebräischen Buchstaben genau eine Zeile. Das an sich ist ja bereits ein schönes Bild: ein „ganzheitliches“ Danklied auf den Herrn, aber so richtig! Quasi 360 Grad, von A bis Z, von Anfang bis Ende. Mittendrin steht dann eben diese Aufforderung an die Menschen: „Meide das Böse, tue das Gute, suche Frieden und jage ihm nach!“ — „Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen“, fragt Gott in dem Lied die Menschen. Um dann gleich die Bedienungsanleitung hinterher zu schicken: „Bewahre Deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor betrügerischer Rede“.

Ja, klar, natürlich: wenn ein alter jüdischer Liedermacher solche Worte dem lieben Gott in den Mund legt, dann klingt das alles wahnsinnig einfach. Dabei ist es eine Lebensaufgabe, die ich immer wieder neu anpacken muss! Nicht Rumlästern oder Verleumden, sondern ständig prüfen: tue ich das Richtige? Nützt das, was ich mache, auch anderen, schafft es Frieden? Die Mühe, den Frieden zu suchen, mag groß sein – der Dank und die Liebe Gottes für meine Mühen sind es aber auch.

„Suche Frieden“ – ich freue mich, dass uns diese knappe, aber wichtige Formel bis zum Katholikentag 2018 in Münster begleiten wird. Denn sie liefert garantiert auch schon gute Impulse für das ökumenische Miteinander im kommenden Jahr: bei Reformationsgedenken und „Kirchentag auf dem Weg“ 2017.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die “Leipziger Volkszeitung” geschrieben, in der er am 15. Oktober 2016 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

Kirchenredaktion mit frischem Internetauftritt

Neuer Auftritt RPSR Kirchenredaktion Dezember 2016

Alles neu macht bei RADIO PSR der Dezember: seit einigen Tagen ist die generalüberholte Website des Senders online – und damit auch der generalüberholte Auftritt der Kirchenredaktion. Mal abgesehen von neuen Bildern von Friederike Ursprung, meiner evangelischen Kollegin, und mir sind die Seiten auch wesentlich funktionaler geworden. Alle unsere Beiträge zum Nachhören für mindestens sieben Tage, dazu jede Menge weiterführende Links und Hintergrundinfos. Im einzelnen könnt Ihr jetzt folgende Inhalte gezielt ansteuern: Augenblick mal (Gedanken zum Tage), Themen, die Sachsen bewegen (unser wöchentliches Magazin am Sonntagabend), Christen in Sachsen – Die Kirchen-News sowie die Ratgeber- und Servicerubrik Familiensache. Ach so, und natürlich erfahrt Ihr auch steckbriefartig mehr über Friederike und mich.

Eine Auszeichung für „Zweitausend Jahre Christentum in zehn Stunden“

„Ihr könnt den Karfreitag haben – wie wär’s, wenn wir Ihr den ganzen Tag lang ein bissel Kirchen-Geschichtsunterricht macht?“ Als R.SA-Programmchef Uwe Fischer mir und meiner evangelischen Kollegin in der RADIO PSR/R.SA-Kirchenredaktion, Friederike Ursprung, Ende Februar diese Idee unterbreitete, hielt ich das für ziemlich tollkühn. Einen ganzen Tag lang Kirchenbeiträge? Im säkularen Sachsen? Zur Kirchengeschichte? Aber hey – challenge accepted!

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Das Konzept und der Titel entstanden dann fast wie von selbst: „Zweitausend Jahre Christentum in zehn Stunden – von der Kreuzigung Jesu bis zu Papst Franziskus“. Pro Sendestunde ein rund neunzigsekündiger Beitrag, der ein wenig so klingen soll, wie hochwertige Terra-X-Reportagen im Fernsehen aussehen. Dazu ein paar augenzwinkernde Promos, Moderationen und, sollte sich tatsächlich jemand melden, Hörer on air, die ihre Meinung zu dem Experiment kundtun.

Die große Herausforderung für Friederike und mich kam dann beim Texten: wie erklärt man solche Ereignisse wie die Kirchenspaltung von 1054, die Kreuzzüge, die Reformation oder das Zweite Vatikanische Konzil so, dass es einerseits unterhaltsam und spannend bleibt, andererseits aber nicht zu oberflächlich anmutet? Was muss unbedingt rein, was muss aus Zeit- und Formatgründen draußen bleiben? Diese Beiträge zu schreiben und zu bauen, hat großen Spaß gemacht; das Endergebnis erschien uns recht rund. Die durchweg positiven Rückmeldungen der R.SA-Hörer überraschten uns (wir kalkulieren ein Mindestmaß an als Hörerfeedback getarnter fundamentaler Kirchenkritik bei unseren Sendungen längst ein), freute uns aber auch.

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Vor ein paar Wochen haben wir für dieses Karfreitagsexperiment den Sonderpreis „Reformation und Eine Welt“ beim Hörfunkpreis Mitteldeutschland in Erfurt erhalten – von Kollegen und Freunden aus ganz Deutschland bekamen wir herzliche Glückwünsche und ehrliches Schulterklopfen. Schön, dass dieses Wagnis von Hörern wie Medienmachern goutiert wurde, ob sie nun mit Kirche was anfangen können oder nicht. Einen Zusammenschnitt der Sendung gibt’s übrigens hier.

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Foto oben: meine Wenigkeit und Oberlandeskirchenrat Stefan Große von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands bei der Verleihung des „Rundfunkpreises Mitteldeutschland Hörfunk“ am 19. August 2016 in Erfurt. (c) Regiocast
Foto unten: ebenda, mit den (ebenfalls an diesem Tag mit diversen Preisen ausgezeichneten) R.SA-KollegInnen (v.l.) Marcus Poschlod, Susanne Böttcher, Katja Möckel, moi, Lena Mengler. (c) Regiocast.