siebenSONGS Wetlands Special

Eine Spezialausgabe der siebenSONGS anläßlich der Veröffentlichung der Musik-Doku „Wetlands Preserved“. Sieben Acts, deren Karrieren untrennbar mit dem 2001 geschlossenen New Yorker Underground-Club und Aktivisten-Zentrum Wetlands Preserve verbunden sind. Diese Zusammenstellung ist absolut nicht vollständig oder repräsentativ, zeigt aber, welche künstlerische Bandbreite das Wetlands zu bieten hatte: die mitunter reichlich wüsten Jams von moe. etwa (Don’t Fuck With Flo), die Hausbands der frühen Wetlands-Jahre, Spin Doctors und Blues Traveler, der damals noch völlig unbekannte Waliser David Gray zu Gast in New York City, die frisch gegründeten Guster bei einer ihrer ersten größeren Shows, die gnadenlos vor sich hin funkenden Deep Banana Blackout und die wunderbar verpeilten Disco Biscuits – alles Aufnahmen aus dem Wetlands Preserve, dem mit der neuen DVD zu Recht ein Denkmal gesetzt wurde.

David GrayDebauchery (18. Dezember 1993)

Deep Banana BlackoutGroove Is Here (21. Februar 1998 )

Spin Doctors feat. John Bush – Sweet Widow (2. Februar 1991)

GusterParachute (21. Juli 1995)

The Disco BiscuitsSpectacle (16. April 2001)

moe.Don’t Fuck With Flo (23. September 1995)

Blues Traveler feat. Joan Osborne – Warmer Days (13. Oktober 1989)

Wetlands Preserved – The Story Of An Activist Rock Club (DVD, 2008)

Ganz, ganz selten wünsche ich mir, zu einer anderen Zeit in einem anderen Land geboren zu sein; ganz konkret zum Beispiel zehn, zwölf Jahre früher und in New York City. Dann hätte ich vielleicht aktiv miterleben können, was ich heute in einer fantastischen Dokumentation sehen durfte: der Film „Wetlands Preserved – The Story Of An Activist Rock Club“ (endlich als DVD erhältlich) feiert den Öko-Aktivisten-Ska-Funk-Punk-Folk-Jamrock-Club Wetlands Preserve in NYC, von 1989 bis 2001 einer der einflußreichsten Läden der Stadt.

Fans von Phish, Dave Matthews Band, Spin Doctors, Blues Traveler, Moe., The Roots, Allman Brothers Bands, Pearl Jam, Sublime, Robert Randolph, Speadhead, 311 oder unzähligen anderen wissen genau, welche Live-Club-Legende hier im Mittelpunkt steht – das CBGB des Jamrock, quasi: Kifferhochburg, linkes Aktivistenzentrum und Brutstätte ganzer Musikbewegungen wie der Third Wave Of Ska oder der HORDE-Tour. Es macht Spaß, in diesem Film persönlichen Helden wie John Popper oder Chris Barron zuzuhören, wie sie ihre wichtige Teile ihrer Jugend und ihrer Karrieren mit diesem Club verbinden; es ist grandios, all diese geile Musik zu hören (ganz puristisch gibts in dem Film nur Musik, die tatsächlich auch im Wetlands aufgenommen wurde); es berührt mich, welche persönlichen Geschichten eine solche Doku über einen Rockschuppen hervorzubringen im Stande ist (der Dauerkonflikt des Gründers Larry Bloch zwischen Job und Familie und seine Entscheidung etwa). Filme wie dieser machen mir mehr Gänsehaut, machen mich mehr Lachen und Fühlen als zehn „Titanic“-Filme zusammen das könnten – weil es hier um meine Musik geht, meine Bands, und das, obwohl ich – viel zu jung (ich war ja zehn, zwölf Jahre zu jung und auf dem falschen Kontinent, siehe oben) – stets nur aus der Ferne ahnen konnte, was in Läden wie dem Wetlands vor sich gehen musste.

Dieser Film ist so cool, es ist fast nicht auszuhalten – logisch, dass ich mir jetzt eine CD einlege, um diesen einmaligen Laden zu feiern, für den ich dooferweise zur falschen Zeit am falschen Ort auf die Welt kam. Welcome, live at Wetlands…