Ab in den Knast, und gut?

Jugendliche und Politiker diskutieren bei „PolitX“ im Roncalli-Haus in Magdeburg über das Thema Strafvollzug

“Hin und wieder legen da richtig schwere Jungs, die für richtig schlimme Vergehen im Knast sitzen, ganze Lebensbeichten ab. Das ist spannend: auch Mörder oder Betrüger sind Menschen.” Rund neunzig Schüler aus Magdeburg und Schönebeck hörten gebannt zu, als Gefängnisseelsorger Pfarrer Christoph Kunz über seine Arbeit in den Justizvollzugsanstalten in Magdeburg und Burg berichtete.

Kunz war einer von vier Experten, die den jungen Menschen Ende September im Roncalli-Haus in Magdeburg das Thema Strafvollzug in Sachsen-Anhalt näher bringen wollten. Tatsächlich waren die Gymnasiasten beeindruckt: vom Seelsorger, aber auch von der Mitarbeiterin im Verband für Straffälligenhilfe, der Direktorin des Schönebecker Amtsgerichtes oder der Psychologin des Justizministeriums, die sich um die Haftbedingungen kümmert.

“Täter, Urteil, Knast und gut – Wie sinnvoll ist der Strafvollzug?” So ist die zweite Staffel des Projektes “PolitX” überschrieben. In der von Katholischem Büro Magdeburg und Roncalli-Haus gemeinsam initiierten Reihe sollen Schüler mit aktiven Landespolitikern in Kontakt kommen und so erleben, wie politische Meinungs- und Willensbildung und demokratische Strukturen funktionieren. “Da Anfang 2013 das Strafvollzugsgesetz im Land novelliert werden soll, lag das Thema für PolitX quasi auf der Hand”, erklärt Stephan Rether, Leiter des Katholischen Büros.

Politiker aller im Landtag vertretenen Parteien lassen sich auf das Experiment ein. Bei der Auftaktveranstaltung im Roncalli-Haus lernten die Schüler die Polit-Promis erstmals kennen. “Um die ganze Sache spannend zu machen, gehen die Politiker jetzt als gemischte Tandems in die Schulklassen. Also zum Beispiel eine Vertreterin der ‘Linken’ gemeinsam mit einem CDU-Abgeordneten”, erklärt Guido Erbrich, Leiter des Roncalli-Hauses in Magdeburg. “So lernen die Schüler auch, dass man trotz unterschiedlicher politischer Standpunkte gut miteinander arbeiten kann und muss.”

Dass das Thema Strafvollzug ein Volltreffer bei den jungen Leuten ist, wurde bei der Auftaktveranstaltung schnell deutlich: in kleinen Runden hatten die Jungen und Mädchen gleich etliche Fragen an die Experten und Politiker. Stephan Rether: “Das war aber erst der Anfang. Jetzt werden die Politiker in die Schulklassen kommen, aber auch die Schüler in den Landtag, um mal eine Sitzung mitzuerleben. Einige Schüler werden sicherlich auch mal ein Gefängnis besuchen, um den anderen von den Haftbedingungen berichten zu können. Begriffe wie Menschenwürde und Achtung sollen ganz konkret erlebbar werden.”

Bis Ende Januar sollen Klassen und Tandems das Thema Strafvollzug miteinander erörtern und diskutieren. Dann treffen sich Schüler, Politiker und Experten wieder im Roncalli-Haus und tauschen sich über das Erlebte und Gesehene aus. “Im besten Fall können sich die Schüler dann ihre eigene Meinung zum Thema Strafvollzug und den harten Job des Politikers bilden, und die Politiker verstehen besser, was Jugendlichen bei Politikern und Justiz wichtig ist – dann hätten wir genau das erreicht, was wir mit PolitX im Sinn hatten”, so Guido Erbrich.

Hinweis:
Dieser Text von mir ist am 7. Oktober in der katholischen Wochenzeitung „Tag des Herrn“ sowie auf der Internetseite des Bistums Magdeburg erschienen. Ich bin bei PolitX in Sachen Konzeption und Moderation beteiligt.

siebenSACHEN vom 13. Oktober 2011: PolitX, Bronze für 2zueins!, The Teacher’s Country, 90elf, Kindle, Lwiw u.a.

– Politik ist für Teenager ja so ziemlich das Langweiligste überhaupt. Das neue Projekt „PolitX – misch mit!“ in Magdeburg will etwa 60 Kids jetzt vom Gegenteil überzeugen. Gemeinsam mit echten Politikern in echten Parteien erleben sie, wie Politik konkret funktioniert – am Beispiel der Neuauflage des Glücksspiel-Staatsvertrages. Die Jugendlichen diskutieren mit Landtagsabgeordneten, sind bei Sitzungen dabei und erfahren (hoffentlich), wie politische Meinungs- und Willensbildung ganz praktisch läuft. Das ganze ist eine Aktion des Bistums Magdeburg und des Katholischen Büros und ich durfte die Auftaktveranstaltung im Roncalli-Haus moderieren. War sehr spannend, und die Magdeburger Volksstimme berichtete.

– Meiner Band 2zueins! geht’s derzeit blendend – wir sind nach wie vor im Studio, um in aller Ruhe an den zehn neuen Songs unserer dritten CD zu arbeiten. Heute Abend haben wir zum Beispiel die Drums für den Song „Schlechter Empfang“ gebastelt. Das dauert schon noch eine Weile, bis das Album fertig ist. Aber wir sind guter Dinge und verwenden jede freie Minute dafür!

– Sehr gefreut haben wir uns über den inzwischen dritten Filmpreis, den unser Video zum Song „Vulkan“ abgesahnt hat. Beim Internationalen FISAIC-Amateurfilmfestival in Belgien haben wir im Sommer eine Bronzemedaille abgestaubt. Das freut uns natürlich enorm. Und falls einer meiner Leser das Video noch nicht kennt: siehe oben!

– Da bleib ich doch gleich mal beim Thema Film, schwenke aber mal ins Profi-Fach. Mein Freund Benjamin Leers bereitet sich gerade darauf vor, im Dezember den Kilimanjaro zu besteigen. Aber nicht einfach aus Spaß an der Freude, sondern, weil daraus ein Film über Tansania werden soll. Gemeinsam mit dem Sohn des ersten Präsidenten des unabhängigen Tansanias will Benjamin den Berg besteigen. The Teacher’s Country soll der Dokumentarfilm darüber heißen, Benjamin und sein Kollege Maurice bitten um Spenden für dieses tolle Projekt. Da ich den Film unbedingt sehen will, unterstütze ich Benjamin und Maurice nach Kräften – neulich spielten wir mit 2zueins! bei einer Fundraisingshow für The Teacher’s Country, und auf heldenstadt.de habe ich auch das eine oder andere Mal darüber berichtet.

– Seit 2008 arbeite ich auch als Texter für 90elf, Deutschlands erstes Fußballradio. Der Sender hat Anfang September den Deutschen Radiopreis gewonnen und wurde somit offiziell als beste Radio-Innovation des Jahres geehrt.

– Auch ein paar neue lustige Gadgets hab ich mir in letzter Zeit zugelegt. Den Kindle (der inzwischen Kindle Keyboard heißt) möchte ich auf keinen Fall mehr missen; das Android 3.2 Tablet rangiert eher in der Kategorie nice-to-have: es macht zweifellos Spaß, ist wirklich praktisch – seltsamerweise ist mir der technisch deutlich weniger versierte Kindle aber trotzdem etwas sympathischer.

– Meine Reisen im Winter und Frühjahr (Italien, Israel und Palästina und England) klingen nach wie vor in mir nach und haben mich sehr beeindruckt. In ein paar Tagen kommen neue Reise-Eindrücke hinzu – es geht für mich in die Ukraine. Auf einer Journalistenreise treffe ich christliche Laien und Würdenträger in der Region Lwiw (Lemberg). Berichte und Bilder folgen – so Gott will – in Bälde.