siebenSACHEN vom 3. August 2010: Phish, Ben Sollee, RedSeven, Black Crowes, Die Bibel, Blues Traveler etc.

Neunetz.com dokumentiert den Aufstieg der Ein-Klick-Geste.

Ben Sollee und Daniel Martin Moore live beim Newport Folk Festival (aufgezeichnet von NPR):

Blues Traveler planen zum 25jährigen Bandjubiläum (2012) offenbar Großes: nächstes Jahr wollen sie ins Studio gehen und eine ganz spezielle 2-CD-Box aufnehmen.

– Warum Auge um Auge, Zahn um Zahn viel fortschrittlicher war, als heute alle denken, steht hier.

– Diesen Freitag erscheint das (vorläufige) Abschiedsgeschenk der Black Crowes: ihre wichtigsten Songs als Akustikversionen. Und ich freu mich schon drauf wie ein kleines Kind.

Red Seven Entertainment: Die Produktionsklitsche des Grauens.

– So muss Phish klingen für Menschen, die kein(en) Phish mögen:

Like This!

Jahresbestenlisten: siebenSÄTZE-Awards 2009

Alle lieben Listen, ich auch. Den völlig unsinnigen Versuch, das zurückliegende Jahr irgendwie in eine Tabellenform zu pressen, hab ich mir auch dieses Jahr wieder angetan. Und wie immer fühl ich mich mies, weil ich so viele gute Bücher, Songs, Momente, Platten dann nun doch nicht erwähnt habe, obwohl sie eigentlich hier mit hergehören. Aber egal. Die Platzierungen (das schreibt man doch jetzt so, oder?) sind eh nur Makulatur (das schreibt man doch so, oder?), die genannten Dinge, Lieder, Lobhudeleien (darf man das noch schreiben?) sind hingegen ernstgemeint (oder muss ich das jetzt auseinander schreiben?!).

Die Alben des Jahres

7 – Ben Harper & Relentless 7 – White Lies For Dark Times
Harper so unmittelbar, schroff und wütend wie schon länger nicht mehr. Und ein Dutzend starker Songs.

6 – Montag – Montag
Das Jahr ging gleich gut los, mit dem dritten Montag-Album. Wäre es nach mir gegangen, hätte ganz Deutschland in diesem Jahr wahlweise zu „Sommernacht“ getanzt oder auf jeder guten Party „…und lass die Finger von meinen CDs“ gebrüllt.

5 – John Mayer – Battle Studies
Mayer kam spät, aber gewaltig. Ein Liederzyklus über vergangene Liebe, Intrigen, Enttäuschungen – und hier und da dann aber doch Hoffnung. Dazu über jeden Zweifel erhabene Musik, absurd gute Instrumentalisten, eine herrlich organische Produktion und nicht eine Sekunde Langeweile.

4 – Ben Kweller – Changing Horses

Bens Countryausflug darf man in den Jahresbestenlisten einfach nicht unterschlagen, bloß, weil er so zeitig im Jahr rauskam. Der Ex-Antifolker, der seit Jahren wunderbare Songwriter-Alben raushaut, flirtet mit Countryharmonien, Steel-Guitars und Trucker-Themen. Und das auf glaubwürdige, ach was, herzergreifende Art und Weise!

3 – Dave Matthews Band – Big Whiskey & The GrooGrux King
Es war, als riefen alle DMB-Fans dieser Welt im Juni: „Eeeendlich“. Endlich wieder ein Album, dass nicht nur deutlich über dem Studio-Output-Qualitäts-Mittelmaß der letzten sechs, sieben Jahre lag, sondern sich mühelos einreiht in die 1. Liga der DMB-Platten. Ein würdiges Tribut an den verstorbenen LeRoi Moore, super Songwriting, tolle Arrangement-Ideen, starke Hooks. Eeeendlich.

2 – Alberta Cross – Broken Side Of Time
Für jemanden wie mich, der Selig mag, der gerne Blind Melon hört, der die Black Crowes genauso schätzt wie Bob Dylan, die Avett Brothers, Calexico und die frühen Pearl Jam, für den ist die Musik von Alberta Cross wie gemacht. Und doch wäre es ungerecht, diese Band auf die genannten Referenzen zu verkürzen. Bei aller Heldenverehrung, bei allen Zitaten: dieses Album ist originell, und es ist eine Naturgewalt.

1 – The Duke & The King – Nothing Gold Can Stay
Doch manchmal kommen die Platten des Jahres dann doch ganz heimlich, still und leise. Da fängt es an mit „If You Ever Get Famous“, einem Song, der sich recht früh in diesem Jahr in mein Herz musiziert hat. Nachdem ich dann das Album zum Song hörte, war ich aber endgültig hin und weg. Was für ein Kleinod, was für große Songs. Der Glaube an das Gute im Menschen, und so.

Persönliche Lieblingsorte des Jahres

7 – Leipzig
Mann, ich lebe gern in dieser Stadt und klebe an ihr. Oder sie an mir, je nachdem.

6 – Paris
Endlich mal wieder dort. Finde Paris immer wieder schön und, ja, gemütlich.

5 – Harz
Wernigerode – mein erstes Mal Wandern / Urlauben / Ausspannen im Harz. Trotz wahnwitzigem Speed-Abstieg vom Brocken eine sonst äußerst erholsame Reise.

4 – Madrid
Menschen, unglaublich viele Menschen. Wein, unglaublich viel Wein. Kunst, unglaublich viel Kunst. Die vielleicht dekadenteste Kurzreise des Jahres. Ach ja: Serranoschinken, unglaublich viel Serranoschinken.

3 – Liverpool
Eine Woche zu Gast bei alten Freunden. Liverpool, die zweite – und das Gefühl, „daheim“ zu sein.

2 – Wroclaw
Eine Reise zu den Wurzeln meiner Familie. Mit meiner Familie. Tief berührend, bisweilen aber auch zum Brüllen komisch.

1 – Banja Luka
Bosnien hat mich schwer beeindruckt. Nirgendwo sonst habe ich bisher derart krasse Gräben zwischen arm und reich, hoffnungsvoll und verzweifelt, Schönheit und Zerstörung gespürt wie hier.

Die Bücher des Jahres

7 – Benjamin Lebert – Flug der Pelikane
Erst kam ich nicht so richtig rein in Leberts neues Büchlein, aber dann entwickelte die Erzählung eine interessante Dynamik. Angenehmes Lesevergnügen.

6 – Manfred Lütz – Gott. Eine kleine Geschichte des Größten
Steht nicht auf der Leseliste meines Theologie-Fernstudiums. Hab ich mir auch nur aus Lektüremangel heraus im Harz (siehe oben) gekauft, nachdem ich mit Platz 1 (siehe unten) durch war. Große Überraschung: Lütz‘ rheinisch-launische Gottesbetrachtung ist witzig, herzlich, niemals plump, aber auch nicht verkopft. Große Empfehlung – für Gläubige aller Couleur wie für Atheisten und Agnostiker.

5 – Daniel Kehlmann – Ruhm
Neun Geschichten, die auf unterschiedlichste Weise ineinandergreifen und spätestens am Ende ein Ganzes, wenn auch kein durchsichtiges Ganzes ergeben. Raffinierte Schreibübung, die aber auch dem Leser Spaß macht. Und einige sensationell gut gezeichnete Charaktere.

4 – Paul Peukert – Festung Breslau
Eine Reise nach Wroclaw, mit alten Tanten und Onkels, ohne jede revisionistische Scheiße, dafür mit vielen Fragen und vielen, vielen Eindrücken (siehe oben). Dieses Buch hat mich auf der Reise und danach sehr beschäftigt: katholischer Priester in Breslau führt Tagebuch über den Wahnsinn der letzten Kriegsjahre.

3 – Luke Haines – Bad Vibes. Britpop And My Part In Its Downfall
Ex-Auteurs-Hirn Haines schreibt seine Memoiren über die Britpop-Neunziger. Und ist dabei so gnadenlos ehrlich, bitterböse (gegenüber sich selbst und allen, wirklich allen anderen) und lustig, dass ich dieses Buch an nur einem Tag verschlungen – und dann am nächsten Tag gleich nochmal gelesen habe.

2 – Stefan Petermann – Der Schlaf und das Flüstern
Sowohl Stefan als auch sein Buch haben es gar nicht nötig, von mir gelobhudelt zu werden. Umso ehrlicher ist diese Platzierung gemeint: Stefans Debütroman hat mich angerührt und begeistert. Wäre Howie Days Song „I’ll Take You On“ ein Buch, es wäre dieses hier.

1 – Andreas Eschbach – Ein König für Deutschland
Einfach gutes Popcorn-Kino in Buchform. Es geht um Wahlmanipulation, ums Internet und um einen verklemmten deutschen Penne-Pauker als Hauptperson. Klingt lahm, ist aber alles andere als das. Definitv mein Lieblingsschmöker 09.

Persönliche Lieblingsluxusgüter des Jahres

7 – Relix-Abo
Es ist ja nicht so, dass ich nicht schon genug Musikzeitschriften abonniert hätte (jetzt sinds fünf). Aber ich hatte eben noch keine amerikanische. Und da in so ziemlich allen anderen Blättern dieser Galaxie zu wenig über all die schrägen Jambands und Folkies geschrieben wird, die ich nun mal gerne höre, musste es Relix sein. Habs nicht bereut – deren Avett Brothers- und Monsters Of Folk-Texte waren das beste, was ich in Sachen Musik in diesem Jahr lesen durfte.

6 – Fotoapparat
War einfach bitter nötig. Nach nem halben Jahr mit dem Teil bin ich zufrieden, aber nicht begeistert. Und eine wichtige Lektion hab ich auch gelernt: bloss, weil ich ’nen neuen Apparat habe, mache ich nicht zwingend mehr Fotos.

5 – Internet-Stick
Doch, das hat was, einfach seinen Laptop per UMTS mit dem Internet zu verbinden. Vor anderthalb Jahren war für mich noch n Laptop unvorstellbar, seit ein paar Monaten isses der Internet-Stick. Bin eben ein Spätentwickler.

4 – Digitaler Videorecorder
Noch so eine praktische Sache: einfach die Sachen aufnehmen, die mich interessieren, im Zweifelsfall auch mal zwei Sendungen parallel. Ohne DVDs, VHS-Kassetten, Showview und diesen ganzen Mist, sondern einfach nur per Knopfdruck. Was es nicht alles gibt. Toll.

3 – Big Whiskey Deluxe Edition
Nee, schon klar. Ich hab das neue DMB-Album (siehe ziemlich weit oben) in zweifacher CD-Ausführung (Standardversion US, Standardversion Europa), als iTunes-Pass (wegen der Bonusdownloads) und hatte es *hüstel* auch schon vorab auf nicht hundertprozentig legale Weise „erstanden“. Aber dennoch musste diese Deluxe-Box sein – dieses edle Fotobuch! Die wunderschönen Lithographien! Die Bonus-EP! Ach ja, und das Album is natürlich auch nicht schlecht (wie gesagt, siehe ziemlich weit oben).

2 – Spotify-Abo
Ich kann nicht anders, als in den Chor der Spotify-Lobhudler einstimmen. Es ist so simpel wie genial, dieses schwedische Streaming-Angebot, das hoffentlich 2010 auch endlich regulär in Deutschland zu haben sein wird. Warum ich schon in den Genuß eines Spotify-Abos gekommen bin? Offenbar hatte ich einfach nur Glück – wenige Wochen nach meiner ersten 10-Euro-Rate wurde die Option, von Deutschland aus wenigstens den Premiumaccount buchen zu können, erstmal wieder abgeschafft.

1 – Android-Handy
Es war keine rationale Entscheidung. Eher so meine notorische Liebe für Underdogs und die wachsende Verwunderung darüber, was für Menschen neuerdings iPhones besaßen und damit auszudrücken meinten. Nachdem ich mich in die Materie eingelesen hatte, schien mir ein Android-Handy eine gute Alternative zu sein. Killer-Grund war für mich die im Hintergrund laufende Spotify-App. Und jetzt? Bin ich echt zufrieden mit meinem HTC Magic – wobei… so ein Nexus One oder wenigstens ein Milestone wären auch nicht übel. Aber hey, bald ist ja 2010.

Die Songs des Jahres (Spotify-Playlist)

7 – Selig – Ich dachte schon
Ich dachte schon, du seist ausgezogen aus den Kammern meiner Erinnerung. Doch durch irgendeine Lücke kriechst du immer wieder rein… Lass mich allein.

6 – K’Naan – Take A Minute
And any man who knows a thing knows he knows not a damn damn thing at all…

5 – Sometymes Why – My Crazy
They say I’m talking to myself when I’m talking to you, they say I’m going crazy, crazy. Am I just true?

4 – Montag – Part 1
Plötzlich ist der Kopf klar, fahr jetzt los! Halt‘ Deine Briefe aus dem Fenster und lass sie los…

3 – Brother Ali – Fresh Air
I’m surrounded by greatness, my loved ones are amazin‘, sometimes, I look in their faces and just think of the lifes they’re changin

2 – Mein Mio – Es gibt immer
…und glaub, ich brauche kein Ziel und kein‘ Halt, doch als ich mich erinnere, ist es kalt. Es gibt immer, es gibt immer, es gibt immer… jemanden, auf den man wartet.

1 – Monsters Of Folk – Temazcal
Searchin‘ west and east and all points in between and underneath the hand of god, you’re there and then you’re not…

Persönliche Erfolge des Jahres

7 – drei Phish-Shows am Stück angehört
6 – ein weiteres Jahr ohne Zigaretten
5 – „Six Feet Under“ von der ersten bis zur letzten Folge sehen können
4 – meine Solo-EP Stundevorwärts
3 – einen regionalen & einen internationalen Preis erhalten
2 – immer noch Freunde zu haben, die mich ernsthaft als Trauzeugen wollen
1 – Simsalaboom, die neue CD meiner Band 2zueins!, die nun endlich fertig ist. Also, die CD.

Die Konzerte des Jahres

7 – Selig, September, Leipzig
Homogener Sound. Druck. Gefühl. Zeitreise Teil 2, diesmal fühlt sichs aber schon wieder ganz natürlich an.

6 – Bright Blue Gorilla, April, Halle
Robyn und Michael im Objekt 5. Am Tag vorher gemeinsames Essen in Leipzig. Dazu Besuch aus Holland – perfekte Tage.

5 – Stoppok, April, Leipzig
Absolut das, was ich mir von einem Stoppok-mit-Band-Abend erhofft hatte: tolle Musik, viele bekannte Gesichter im Publikum, ausgelassene Musiker.

4 – Alberta Cross, Juli, Paris
Musikalische Neuentdeckung des Jahres, hatte sich im Vorprogramm versteckt. So unscheinbar die Herren angeschlurft kamen, so bombastisch war im Gegensatz dazu ihre Musik.

3 – Amarcord, Dezember, Leipzig
Was für ein liebevoll ausgewähltes Programm, ausschließlich Stücke mit direktem Thomaskirchen-Hintergrund. Und dann natürlich: diese Stimmen!

2 – Selig Reunion Show, März, Dresden
Zeitreise, Teil 1: Selig spielen ihr erstes öffentliches Konzert seit 1998 und wir waren dabei. Die Nostalgie wich binnen weniger Songs der alten Euphorie. Immer noch die beste Liveband Deutschlands.

1 – Dave Matthews Band, Juli, Paris
Celebrate we will, ‚cause life is short but sweet for certain. Was soll ich noch schreiben – auch DMB-Konzert Nummer 3 war außerirdisch gut, ich freu mich schon auf #4 und #5.

Neue Musik: Alberta Cross, Element Of Crime, Phish, Black Crowes, Howie Day u.a.

Eine nicht eben veröffentlichungsarme Zeit, die letzten Wochen. Alte Bekannte melden sich mal wieder zurück, und ganz neue Lieblinge kommen hinzu. Hier ein Überblick über die Platten, die mich in der letzten Zeit bewegt haben.

Alberta Cross – Broken Side Of Time (2009)
Volltreffer. Das erste „richtige“ Album der englisch-schwedisch-amerikanischen Band Alberta Cross ist ein Volltreffer. Ich liebe diese weiten Gitarren, diese hypnotisierende hohe Stimme, diesen Druck, diese Größe im Sound. Aber auch die sanfteren, folkigeren Momente sind von einer länger nicht mehr gehörten Erhabenheit. Für mich ist die Platte der Stunde – und allen anempfohlen, die was anfangen können mit Bands wie den Black Crowes, Blind Melon oder auch Gov’t Mule.

The Black Crowes – Before The Frost (Until The Freeze) (2009)
Wo ich schon mal bei den Gebrüdern Robinson bin: die neue Platte der Black Crowes ist ebenfalls sehr gelungen. Eingespielt live vor Publikum im Studio, eigentlich eine 11-Track-Platte, wer den der CD beigelegten Download-Coupon einlöst, kriegt nochmal neun Songs obendrauf. Eine gute Wahl, das neue Studioalbum quasi live zu produzieren, da merkt man erstmal, wie grandios aufeinander eingespielt die Herrschaften sind. Musikalisch kommen die Crowes eingängiger daher als auf ihren letzten Platten – sie erfinden sich freilich nicht neu, experimentieren aber bisweilen mit Disco- und Funkversatzstücken. Und das steht ihnen gut. „Warpaint“ war klasse, „Before The Frost“ ist besser.

Howie Day – Sound The Alarm (2009)
Es hätte nicht mehr viel gefehlt, und Howie Day wäre der Guns’n’Roses / „Chinese Democracy“-Fall unter den Singer/Songwritern geworden. Nach seinem phänomenalen Album „Stop All The World Now“ (2003) kam erst der Erfolg („Collide“ wurde 2004 zu einem US-Top-40-Hit) und dann der Absturz (Alk, Exzesse, Entzug). Und die seit Ewigkeiten angekündigte neue Platte wurde immer weiter nach hinten verschoben. Jetzt ist Howies drittes Album endlich da, und – siehe da – das Warten hat sich durchaus gelohnt. „Sound The Alarm“ ist ein unterhaltsames Songwriter-Pop-Album ohne große Überraschungen, aber mit soliden Songs geworden. Ich freue mich, endlich diese Stimme wieder hören zu dürfen, auch wenn sie jetzt deutlich reifer und rauer (böse Menschen würden jetzt „verbrauchter“ schreiben) klingt als zu Beginn dieses Jahrzehnts.

Element Of Crime – Immer da wo Du bist bin ich nie (2009)
Die neue EoC. Ich wüsste nicht, was ich dazu schreiben sollte, außer: endlich. Und: Danke.

Monsters Of Folk – Monsters Of Folk (2009)
Zu dieser Platte wurde ja inzwischen an jeder möglichen und unmöglichen Ecke des Internets was geschrieben. Meistens Lobeshymnen, und das zu Recht, wie ich finde. Conor Oberst, M Ward, Mike Mogis und My Morning Jacket-Sänger Jim James geben die Crosby, Stills, Nash & Young unserer Tage und bringen – was bei solchen „Supergroups“ ja eher ungewöhnlich ist – ein absolut stringentes, tolles Album raus. Die Songs stimmen, die Arrangements überraschen und keiner drängelt sich in der Vordergrund.

Phish – Joy (2009)
Also, dass ich 2009 mal über ein neues Phish-Studioalbum schreiben würde, hätte ich vor zwei, drei Jahren nicht für möglich gehalten. Und doch: Trey und seine Kollegen haben sich wieder zusammengetan, Anfang des Jahres drei jetzt schon legendäre Comebackshows gespielt und nun ist also „Joy“ da, das neue Album. Produziert von Steve Lillywhite, genau wie „Billy Breathes“, das wohl eingängigste Phish-Album aller Zeiten. Eingängig ist „Joy“ auch, und trotzdem kraftvoll und verspielt – die Band jammt munter herum, ist dabei aber melodieselig wie schon lange nicht mehr. Noch ein Volltreffer.

Robert Cray – This Time (2009)
…und auch Blues- und Soulveteran Robert Cray hat ein neues Album. Bei Cray ist es ein wenig wie bei Van Morrison – er klingt halt meistens gleich und es sind die Nuancen, die eine Platte von der anderen unterscheidbar machen. Schönerdings mag ich den Cray-typischen Sound einfach, ich steh‘ auf sein glasklares Gitarrenspiel, seine warme Stimme und seine moderne, frische Art, den Blues zu spielen – immer und immer wieder. „This Time“ ist da keine Ausnahme, und so freu ich mich über zehn weitere Stücke übers Verlassenwerden, Verlassensein, Verlassen und Verlieben.

siebenSACHEN vom 31. August 2009

– Was glücklich macht: fünfeinhalb Minuten „Backwards Down The Number Line“, ein erster Vorgeschmack auf das im September erscheinende neue Album von Phish.

– Was runtergeladen gehört: der kostenlose Live-Sampler „So Much To Save mit Musik von den Avett Brothers, Umphree’s MacGee, Gomez und DMB.

– Was mich freut: heute war die gemasterte Version unserer neuen 2zueins!-EP in der Post.

– Was amtlich ist: Spotify-Playlisten wie diese (Pitchfork Top 500 der 2000er Jahre) oder diese (die 500 besten Songs aller Zeiten laut Rolling Stone).

– Was das Wohlbefinden fördert: Jono Manson und John Popper live in Gorgonzola, Italien – einmal „Miss Fabulous“, und schon hab ich gute Laune.

Miss Fabulous

Red Wine In The Afternoon

– Was ich mir unbedingt besorgen muss: die neue EP von Josh Fix – schon der Titel!!

– Was wirklich keiner nochmal braucht: die Black Eyed Peas als „Gäste“ bei einer Show der Dave Matthews Band:

Reunion: Zehneinhalb Stunden Phish

Diese Band ist ein Phänomen: nach vierjähriger Pause meldeten sich Phish mit drei epischen Shows (keine kürzer als drei (!) Stunden (!!)) am Wochenende zurück und wurden von ihren Phans in Hampton phrenetisch gepheiert. Und als sei das das normalste der Welt, verschenkt die Band die kompletten Aufnahmen der drei Konzerte auf ihrer Website, eigens in einem Mischpult-Truck vor Ort abgemischt und editiert.

Das Ergebnis sind zehneinhalb Stunden Phish 2009 in brilliantester Soundqualität. Doch nicht nur der Klang, auch die Musik ist brilliant – höre grade den dritten Abend an und bin verblüfft, zu welchem Livemonster diese vier Herren wieder geworden sind, nach nur einem Wochenende, nach vier Jahren Pause, usw. Wo die erste Show noch etwas zaghaft war und man setlistmäßig ziemlich auf Nummer sicher ging, bot die zweite schon absurde und schräge Momente en masse und einige echte Monsterjams; das, was ich grade von der dritten Show höre, übertrifft das noch einmal deutlich.

Fazit: die drei Shows sind ein Genuß, für unerschütterliche Phish-Die-Hards sicher ebenso wie für einfache Phishganzgernmöger wie mich – die größte Jamband unserer Zeit ist zurück und klingt quietschfidel. Schön, dass sie wieder da ist.

Alle drei Shows gratis downloaden
Jambands.com Berichterstattung Night 1
Jambands.com Berichterstattung Night 2
Jambands.com Berichterstattung Night 3
Fotos von den Shows beim Rolling Stone
Bob Lefsetz über die Phish-Reunion

siebenSACHEN vom 2. Dezember 2008. Mit Elton John, Randy Newman, Phish, Johannes Heesters u.a.

– Herrje: jetzt produziert Mark Ronson auch noch Elton John.

– Wunderbar: Randy Newman verschenkt „Losing You“ vom Album „Harps And Angels“

– Satz des Tages: „Ich bin schließlich keine hundert mehr!“ (Johannes Heesters)

– Neu: der großartige Versand CD Baby podcastet neuerdings auch und stellt zum Beispiel Indie-Weihnachtsrockmusik vor (mp3).

– 25 Artefakte zum 25. Geburtstag: Mike Greenhaus huldigt Phish.

Gottschalk im Senftopf: Nachdenken über „Qualität“ im deutschen Fernsehen

– Video: Ocean Colour Scene – I Told You So (2007)

siebenSONGS 19. Mit Bob Dylan, Paul McCartney, Phish, Brett Dennen u.a.

Die 19. Ausgabe der siebenSONGS ist nichts weniger als episch: gleich zwei Gratis-mp3s rückt His Bobness Dylan anläßlich seiner neuen Raritätensammlung „Tell Tale Signs“ raus und Paul McCartney rockt wie lange nicht mehr als „The Fireman“ im Netz herum. Außerdem feiern wir die wunderbare Wiedervereinigung der großartigen Phish gebührend mit einem 15-Minuten-Brett aus den späten 90ern. Aber auch die „jungen“ Acts wie Heligoats oder Brett Dennen liefern alles andere als Standardkost… Bitteschön:

Bob Dylan – Dreamin‘ Of You (mp3)

Brett Dennen feat. Femi Kuti – Make You Crazy (mp3)

The Fireman (Paul McCartney & Youth) – Nothing Too Much Just Out Of Sight (mp3)

Brass Bed – BBC Midnight Broadcast (mp3)

PhishGhost (Live @ Lucerna Theatre, Prag, 06.07.1998) (mp3)

The Heligoats – Been A Drill (mp3)

Bob Dylan – Mississippi (mp3)

siebenSACHEN vom 9. September 2008. Mit Radiohead, Ben Kweller, Phish u.a.

– Ein komplettes 2008er Radiohead-Konzert in bester Qualität zum Gratis-Download – NPR macht’s möglich (mp3).

– Viele neue Songs vom demnächst erscheinenden neuen Ben Kweller-Album gibts bei dieser Liveshow zu hören.

Phish haben sich wiedervereinigt – wenn auch vorerst nur für eine Nacht.

– Bob Lefsetz fand die MTV Video Music Awards am Sonntag ganz ganz gruselig (was ich nachvollziehen kann, hab den Mist gestern gesehen…).

– Im NPR-Porträt: Joan Osborne anläßlich ihres heute erscheinenden neuen Album „Little Wild One“ (mp3)

– Berkeley Place und Leser kürten vor geraumer Zeit die 25 besten Indie-Rock-Alben aller Zeiten.

John Popper zu Gast bei einer Chris Barron & The Time Bandids-Show (Mai 2008):

siebenSONGS (14)

Die bestens aufgelegten siebenSONGS 14 beginnen mit Ex-Phish-Häuptling Trey Anastasio und einem Song seiner neuer Live-CD. Über den Beitrag von The Young Sinclairs schreibtdas Blog No Dessert For You: „Certainly a track for the ‚puff, puff, give‘ sessions of summer.“ Gazillion aus Minneapolis bieten dann einen feinen Song, der mich irgendwie an Blind Melon erinnert, die Gazillion-Kumpels von Sonicate (gemeinsame Split-EP, immerhin) glänzen mit dem Ohrwurm „Paint It Gold“ und Hercules & Love Affair sorgen für ausreichend Funk und Soul in der Runde. Dann auch noch The Real Tuesday Weld aus London. Mit ihrer Version des ABBA-Songs „The Day Before You Came“ haben sie mein 2007 umgekrempelt, die hier vertretene neue Liveaufnahme ist nicht minder geil: Over The Hillsides. Das großartige Finale bestreitet diesmal der Früher-mal-Südafrikaner-jetzt-San-Franciscoer Josh Fix, der neue Ben Folds der Herzen, der von „Whiskey And Speed“ singt. Ob das die tollsten siebenSONGS seit Bestehen dieser Reihe sind? Aber sicher doch!!!

Trey Anastasio – Shine (mp3)

The Young Sinclairs – Cancelled Flight (mp3)

Gazillion – Terrified (mp3)

Sonicate – Paint It Gold (mp3)

Hercules & Love Affair – Hercules‘ Theme (mp3)

The Real Tuesday Weld – Over The Hillsides (mp3)

Josh Fix – Whiskey And Speed (mp3)