Bewahrung der Schöpfung: Pflichtaufgabe für jeden Christen

Katholikenrat beschäftigt sich mit Umweltenzyklika des Papstes und plant bistumsweiten Aktionstag

SCHMOCHTITZ. Für einen bistumsweiten Intitativ- und Aktionstag zu “Laudato Si”, der Umweltenzyklika von Papst Franziskus, hat sich der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen ausgesprochen. “Dieses wegweisende Schreiben zur Bewahrung der Schöpfung ist – wenngleich es so dringend ist – leider noch lange nicht in den Köpfen und Herzen aller Katholiken unseres Bistum angekommen,” erläutert die Ratsvorsitzende Martina Breyer. “Deshalb planen wir für Juni 2020 einen Tag für alle, die tiefer in ‘Laudato Si’ einsteigen wollen und sich ganz konkret in ihrer Gemeinde für mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein stark machen.”

Die Herbstvollversammlung des Katholikenrates am letzten Oktoberwochenende im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz stellte den Auftakt für die Vorbereitungen dieses Bistumstages dar. Als Referent konnte Gregor Henckel-Donnersmarck gewonnen werden. Der Altabt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz im Wienerwald (Niederösterreich), der vor seiner Zeit als Priestermönch Geschäftsführer eines Speditionsunternehmens war, verstand es, seine Begeisterung für die Enzyklika an die rund 35 Ratsmitglieder weiterzugeben: “‘Laudato Si’ steht klar in einer Reihe mit den anderen großen Schreiben der Päpste zu Themen der katholischen Soziallehre. Revolutionär ist diesmal, dass Franziskus Wirtschaft und Ökonomie in direkten Zusammenhang mit Ökologie, Klimawandel und soziale Fragen stellt. Der Papst ist dabei unmissverständlich: die Bewahrung der Schöpfung ist kein Kann, sondern ein Muss für jeden Christen.” In Kleingruppen tauschten die Frauen und Männer aus allen Teilen des Bistums daraufhin ihre ersten Ideen für die Ziele und Inhalte des Aktionstages aus.

Auch weitere aktuelle Fragen standen auf der Tagesordnung des Rates: so ging es in einer intensiven Diskussion mit Stephan von Spies, Justiziar und Präventionsbeauftragter des Bistums Dresden-Meißen, um die Aufarbeitung der hiesigen Fälle von sexuellem Missbrauch durch Geistliche und um die Auswirkungen der jüngst durch die Bischofskonferenz vorgestellten bundesweiten Studie zum gleichen Thema.

In ihrem Bericht des Vorstands mahnte die Vorsitzende Breyer eine konstruktive Gesprächs- und Debattenkultur an – innerhalb des Rates, aber auch innerhalb der sich im Wandel befindlichen Verantwortungsgemeinschaften und Neu-Gemeinden im Bistum: “Es braucht die Vielfalt der Sichtweisen in unseren Versammlungen, sie gehört ins Wort gehoben, ausgesprochen”, so Martina Breyer. “Wir stehen auf einem gemeinsamen starken Fundament. In unserer Verschiedenheit haben wir auch unterschiedliche Zugänge zu unserem Glauben und unserer Kirche. Das gilt es wertfrei festzustellen – hier gibt es kein besser oder schlechter, kein mehr oder weniger katholisch.”

Spürbar von gegenseitigem Respekt und Wohlwollen geprägt waren schließlich die zahlreichen Kleingruppen-Tischgespräche zu aktuellen Themen und Projekten im Bistum, die am Samstagnachmittag den Schlusspunkt der Herbstvollversammlung darstellten – ob am Tisch “Was ich schon immer mal dem Katholikenrats-Vorstand sagen wollte”, am Tisch der Katholischen Akademie des Bistums, an dem neue Reihen und Ideen für 2019 vorgestellt wurden, oder auch am Tisch von Engagiert-katholisch.de, dem Trägerverein für Ehrenamt im Bistum, wo Herausforderungen und Probleme Ehrenamtlicher diskutiert wurden.

Der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen (früher: Diözesanrat) ist die demokratisch gewählte und anerkannte Vertretung des Kirchenvolkes und repräsentiert die katholischen Frauen und Männer aus den Pfarreien, Verbänden und Initiativen Sachsens und Ostthüringens. Die nächste Vollversammlung des Gremiums ist für den 16. März 2019 in Plauen/Vogtland geplant.

Disclosure:
Dieser Text ist von mir im Auftrag des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen für verschiedene kirchliche Medien verfasst worden. Ich bin selbst Mitglied des Katholikenrates und unterstütze den Vorstand in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit.

Fotos: Stephanie Hauk, Rafael Ledschbor.

Erinnern, gedenken und … feiern? (Ökumenische Notizen 3/3)

Zum Schluss ein paar Gedanken zum Stand der Ökumene heute, im Reformations-Gedenkjahr 2017.

„Der ökumenische Dialog kann heute nicht mehr von der Realität und dem Leben unserer Kirchen getrennt werden. Im Jahr 2017 gedenken lutherische und katholische Christen gemeinsam des fünfhundertsten Jahrestags der Reformation. Aus diesem Anlass werden Lutheraner und Katholiken zum ersten Mal die Möglichkeit haben, weltweit ein und dasselbe ökumenische Gedenken zu halten, nicht in Form einer triumphalistischen Feier, sondern als Bekenntnis unseres gemeinsamen Glaubens an den Dreieinen Gott.“

Diese Sätze stammen von Papst Franziskus, er sprach sie im Mai 2016, als er in Rom von einer Delegation mit Christen der evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland besucht wurde. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: das Oberhaupt der katholischen Kirche spricht sich aus für ein gemeinsames Gedenken und ein gemeinsames Glaubensbekenntnis zum Reformationsjubiläum. Was wohl meine liebe Oma dazu sagen würde? Vielleicht würde sie dem Papst durch den Fernseher zurufen wollen: „Junge, bleib katholisch!

Das Wort „gedenken“ ist der Schlüssel. Als Katholik fällt es mir ganz ehrlich schwer, 500 Jahre Reformation zu „feiern“; schließt dies doch auch 500 Jahre Trennung, Ungerechtigkeit, gegenseitige Verletzungen mit ein. Selbstverständlich bin ich froh über die vielen Annäherungen der letzten Zeit. Denn auch das beobachte ich: noch nie waren sich Katholiken und Protestanten nach der Reformation theologisch, menschlich, spirituell wieder näher als in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Klar, wir sind noch lange nicht am Ziel, aber vielfach auf einem guten Weg. Der Reformation zu gedenken, mich an den großen Theologen Martin Luther zu erinnern, fällt mir als Katholik nicht schwer. Im Gegenteil, ich halte dieses Gedenken für wichtig und sinnvoll, genau wie das gemeinsame Glaubensbekenntnis.

Am Schluss dieser ungeordneten Gedanken soll der Satz eines Protestanten stehen. Ausgesprochen Ende August 2016 in der katholischen Kathedrale von Dresden-Meißen, der Hofkirche in Dresden. Es war bei der Einführung des neuen katholischen Bischofs. Natürlich war auch sein evangelischer Amtskollege, der sächsische Landesbischof, zugegen. Seine Grußworte klingen in mir nach bringen für mich auf den Punkt, warum mich als Katholiken das Reformationsjubiläum etwas angeht:

„Wir wollen als evangelische Christenheit das Reformationsgedenken mit Ihnen, den Katholiken, gemeinsam feiern – als ein Fest, das uns Christus näher bringt und das Christus ins Zentrum rückt. Unsere Einheit sind wir, der Glaubwürdigkeit unseres Zeugnisses wegen, allen Menschen gegenüber schuldig.

Ebenfalls erschienen:
Teil 1 – „Junge, bleib katholisch!“
Teil 2 – Gemeinsam und doch getrennt
Diese Texte erschienen ursprünglich in leicht geänderter Fassung als Audiobeitrag für den Hör-Adventskalender 2016 des Katholischen Blindenwerks Ost, an dem ich mich seit mehreren Jahren beteilige.