Besuch vom Fernsehen

Das Fernsehen war zu Gast bei uns im Radio: das Magazin „Evangelisch in Sachsen“ (läuft auf einigen sächsischen Lokalfernsehsendern) hat über konfessionellen Journalismus im Freistaat berichtet und dafür meine Kollegin Friederike Ursprung interviewt. Ich durfte auch mal kurz mit ins Bild, für eine Sprechrolle hat’s jedoch nicht gereicht. 🙂 Hier die Sendung, ab ca. 10 Minuten und 30 Sekunden hat Friederike ihren großen Auftritt:

Berichtsband zum Leipziger Katholikentag erschienen

Vor einigen Wochen ist er erschienen, der ZiegelsteinBerichtsband zum 100. Deutschen Katholikentag 2016 in Leipzig. Auf über 600 Seiten wurde das Großereignis für die Nachwelt dokumentiert: Foren, Podien, Debatten, Gottesdienste, Ausstellungen, Konzerte …
Ich habe im Vorfeld des Katholikentages im Arbeitskreis Kultur mitgearbeitet und durfte gemeinsam mit Guido Erbrich nach den tollen Tagen Ende Mai für diese Dokumentation einen Rückblick auf „unser“ Kulturprogramm verfassen. Falls jemand den Berichtsband sein Eigen nennt: los geht’s auf Seite 585.

Suche Frieden!

LVZ Kolumne DH Oktober 2016

„Seht, da ist der Mensch“. Das war das Motto des Katholikentages Ende Mai in Leipzig. Nach dem Katholikentag ist vor dem Katholikentag – im Frühjahr 2018 steigt das nächste Großtreffen dieser Art, dann in Münster. Seit ein paar Wochen steht fest, welches Leitwort dieser Katholikentag haben wird: „Suche Frieden!“ Das Motto stammt aus dem Psalm 34: „Suche Frieden und jage ihm nach“, heißt es da. Diese Psalmen im Alten Testament waren damals ja Gassenhauer, weithin bekannte und gebräuchliche Lieder der Klage, der Bitte oder des Dankes. Der Psalm 34 gehört dabei zu den Dankliedern.

Obendrein hält er gute Tipps bereit, wie das mit dem Frieden „im Himmel und auf Erden“ funktionieren könnte. Aber bereits die Form dieses Psalms ist spannend, er ist ein Akrostichon. Das heißt, seine Verse sind in alphabetischer Reihenfolge verfasst; also für jeden hebräischen Buchstaben genau eine Zeile. Das an sich ist ja bereits ein schönes Bild: ein „ganzheitliches“ Danklied auf den Herrn, aber so richtig! Quasi 360 Grad, von A bis Z, von Anfang bis Ende. Mittendrin steht dann eben diese Aufforderung an die Menschen: „Meide das Böse, tue das Gute, suche Frieden und jage ihm nach!“ — „Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen“, fragt Gott in dem Lied die Menschen. Um dann gleich die Bedienungsanleitung hinterher zu schicken: „Bewahre Deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor betrügerischer Rede“.

Ja, klar, natürlich: wenn ein alter jüdischer Liedermacher solche Worte dem lieben Gott in den Mund legt, dann klingt das alles wahnsinnig einfach. Dabei ist es eine Lebensaufgabe, die ich immer wieder neu anpacken muss! Nicht Rumlästern oder Verleumden, sondern ständig prüfen: tue ich das Richtige? Nützt das, was ich mache, auch anderen, schafft es Frieden? Die Mühe, den Frieden zu suchen, mag groß sein – der Dank und die Liebe Gottes für meine Mühen sind es aber auch.

„Suche Frieden“ – ich freue mich, dass uns diese knappe, aber wichtige Formel bis zum Katholikentag 2018 in Münster begleiten wird. Denn sie liefert garantiert auch schon gute Impulse für das ökumenische Miteinander im kommenden Jahr: bei Reformationsgedenken und „Kirchentag auf dem Weg“ 2017.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die “Leipziger Volkszeitung” geschrieben, in der er am 15. Oktober 2016 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

Kirchenredaktion mit frischem Internetauftritt

Neuer Auftritt RPSR Kirchenredaktion Dezember 2016

Alles neu macht bei RADIO PSR der Dezember: seit einigen Tagen ist die generalüberholte Website des Senders online – und damit auch der generalüberholte Auftritt der Kirchenredaktion. Mal abgesehen von neuen Bildern von Friederike Ursprung, meiner evangelischen Kollegin, und mir sind die Seiten auch wesentlich funktionaler geworden. Alle unsere Beiträge zum Nachhören für mindestens sieben Tage, dazu jede Menge weiterführende Links und Hintergrundinfos. Im einzelnen könnt Ihr jetzt folgende Inhalte gezielt ansteuern: Augenblick mal (Gedanken zum Tage), Themen, die Sachsen bewegen (unser wöchentliches Magazin am Sonntagabend), Christen in Sachsen – Die Kirchen-News sowie die Ratgeber- und Servicerubrik Familiensache. Ach so, und natürlich erfahrt Ihr auch steckbriefartig mehr über Friederike und mich.

Eine Auszeichung für „Zweitausend Jahre Christentum in zehn Stunden“

„Ihr könnt den Karfreitag haben – wie wär’s, wenn wir Ihr den ganzen Tag lang ein bissel Kirchen-Geschichtsunterricht macht?“ Als R.SA-Programmchef Uwe Fischer mir und meiner evangelischen Kollegin in der RADIO PSR/R.SA-Kirchenredaktion, Friederike Ursprung, Ende Februar diese Idee unterbreitete, hielt ich das für ziemlich tollkühn. Einen ganzen Tag lang Kirchenbeiträge? Im säkularen Sachsen? Zur Kirchengeschichte? Aber hey – challenge accepted!

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Das Konzept und der Titel entstanden dann fast wie von selbst: „Zweitausend Jahre Christentum in zehn Stunden – von der Kreuzigung Jesu bis zu Papst Franziskus“. Pro Sendestunde ein rund neunzigsekündiger Beitrag, der ein wenig so klingen soll, wie hochwertige Terra-X-Reportagen im Fernsehen aussehen. Dazu ein paar augenzwinkernde Promos, Moderationen und, sollte sich tatsächlich jemand melden, Hörer on air, die ihre Meinung zu dem Experiment kundtun.

Die große Herausforderung für Friederike und mich kam dann beim Texten: wie erklärt man solche Ereignisse wie die Kirchenspaltung von 1054, die Kreuzzüge, die Reformation oder das Zweite Vatikanische Konzil so, dass es einerseits unterhaltsam und spannend bleibt, andererseits aber nicht zu oberflächlich anmutet? Was muss unbedingt rein, was muss aus Zeit- und Formatgründen draußen bleiben? Diese Beiträge zu schreiben und zu bauen, hat großen Spaß gemacht; das Endergebnis erschien uns recht rund. Die durchweg positiven Rückmeldungen der R.SA-Hörer überraschten uns (wir kalkulieren ein Mindestmaß an als Hörerfeedback getarnter fundamentaler Kirchenkritik bei unseren Sendungen längst ein), freute uns aber auch.

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Vor ein paar Wochen haben wir für dieses Karfreitagsexperiment den Sonderpreis „Reformation und Eine Welt“ beim Hörfunkpreis Mitteldeutschland in Erfurt erhalten – von Kollegen und Freunden aus ganz Deutschland bekamen wir herzliche Glückwünsche und ehrliches Schulterklopfen. Schön, dass dieses Wagnis von Hörern wie Medienmachern goutiert wurde, ob sie nun mit Kirche was anfangen können oder nicht. Einen Zusammenschnitt der Sendung gibt’s übrigens hier.

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Foto oben: meine Wenigkeit und Oberlandeskirchenrat Stefan Große von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands bei der Verleihung des „Rundfunkpreises Mitteldeutschland Hörfunk“ am 19. August 2016 in Erfurt. (c) Regiocast
Foto unten: ebenda, mit den (ebenfalls an diesem Tag mit diversen Preisen ausgezeichneten) R.SA-KollegInnen (v.l.) Marcus Poschlod, Susanne Böttcher, Katja Möckel, moi, Lena Mengler. (c) Regiocast.

Nur über Strukturen reden und die Gleichen bleiben?

Georgsbote Logo

    Im Bistum Dresden-Meißen läuft gerade ein pastoraler Erkundungsprozess an. Die Fragestellung: wie kann, sollte, muss sie aussehen, die katholische Kirche der Zukunft in Sachsen und Ostthüringen? Die Gemeinden des Leipziger Nordens haben mich gebeten, diesen Prozess als Moderator zu begleiten. So sehr ich vor dieser Aufgabe Respekt habe, so sehr freue ich mich auf die Zusammenarbeit. Gleich zu Beginn wurde ich für den „Georgsboten“, das Gemeindeblatt der Pfarrei St. Georg in Leipzig-Gohlis, zum Erkundungsprozess befragt. Das Interview veröffentliche ich hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Nur über Strukturen reden und die Gleichen bleiben?
Pastoraler Erkundungsprozess im Leipziger Norden

Im Oktober 2013 hat unser Bischof alle Gemeinden, Gemeinschaften und Einrichtungen im Bistum Dresden-Meißen zu einem Erkundungsprozess eingeladen, der über die bisherigen Pfarreigrenzen hinausblicken soll. Die Pfarreien Wahren, Gohlis und Wiederitzsch bilden einen sogenannten „Pastoralen Raum“ bzw. eine „Verantwortungsgemeinschaft“, um gemeinsam die aktuelle Situation und die künftigen Herausforderungen unserer Kirche im Leipziger Norden zu erkunden. Mit dem katholischen Kirchenredakteur Daniel Heinze konnte ein Fachmann gewonnen werden, der den Erkundungsprozess in unserem Pastoralen Raum als Moderator begleiten wird. Ihm hat der „Georgsbote“ ein paar Fragen gestellt.

Die Gemeinden unseres Bistums sind von Bischof Dr. Koch aufgerufen zu einem „Pastoralen Erkundungsprozess“. Was kann man sich darunter vorstellen?
Beim Erkundungsprozess geht es darum, in unseren Gemeinden zu schauen, wo es hingehen soll. Wir gucken dabei nicht nur auf uns selber, sondern auch auf die Nachbargemeinden. Wir schauen, wo wir uns verorten, in welcher Welt wir sind. Und dann ziehen wir die Schlüsse daraus.
Der Begriff soll auch zeigen: Es geht uns nicht um eine reine Strukturdebatte. Da kann ich nur Bischof Koch zitieren: „Wenn wir am Ende nur über Strukturen reden und wir bleiben die Gleichen, dann haben wir alles falsch gemacht.“ Der Titel des Hirtenworts des Bischofs zum Erkundungsprozess lautet: „Berufen zur eucharistischen Kirche“. Wir sollen eucharistische Kirche sein, das Geheimnis unseres Glaubens rausgeben. Das ist ja ganz weit weg von der Frage: Wo ist am Sonntag Gottesdienst?
Natürlich haben die Leute Angst, dass es darum geht, wer den Pfarrer behalten darf und wer nicht. Ich finde es gut, dass schon der Name andeutet: Es geht uns eigentlich um mehr als das. Der Begriff impliziert nämlich auch, dass wir noch lange nicht fertig sind, wir müssen erkunden, wie es weitergeht. Und da hat natürlich der Leipziger Norden eine andere Situation als der Leipziger Süden, als die Provinzstädte.

Wie soll der Erkundungsprozess konkret ablaufen?
Der Bischof redet von drei Schritten. Im ersten Schritt sollen wir fragen: Wer sind wir selber? Was können wir gut? Was machen wir? Der zweite Schritt: Wer ist unsere Umwelt? Mit wem kommunizieren wir über uns hinaus? Das meint also Mitchristen in den Nachbargemeinden genauso wie die vielen Nichtchristen. Und das dritte ist: Was ist zu tun?
Es gab bereits ein Treffen mit den Hauptamtlichen sowie Vertretern der Pfarrgemeinderäte unserer drei Pfarreien. In Wahren und Gohlis gab es dazu Vorgespräche im Pfarrgemeinderat, in Wiederitzsch gab es ein Gemeindeforum dazu. Im Februar sitzen die drei Pfarrgemeinderäte zusammen, im April gibt es einen „Runden Tisch“ mit Vertretern aller kirchlichen Orte. Und dann kommt noch im ersten Halbjahr die Dresdner Abordnung und redet mit uns. Da kommt aber nicht nur der Bischof alleine, sondern mit Pastoralchefin, mit Personalchef, mit Finanzmenschen usw. Am Ende werden dann irgendwann der Bischof und der Generalvikar sagen, so wird sich die Kirche hier aufstellen.

In der Einladung zum Erkundungsprozess schreibt der Bischof, dass es vorerst nicht um strukturelle, personelle, bauliche und finanzielle Konzepte geht – diese werden die Konsequenz sein. Was bedeutet das?
Ich glaube, dass es strukturelle und personelle Veränderungen geben wird, ist etwas, was der Bischof noch nicht mal androhen kann. Das ist Tatsache. Wir werden irgendwann im Bistum die Seelsorger, die Priester, die nicht im Ruhestand sind, an ein paar Händen abzählen können. Das ist eine von mehreren Sachen.
Es ist nicht ziel führend, am Anfang über Strukturen zu reden und zu sagen, es geht nur darum, wie wir es hinkriegen, mit zwei Pfarrern weniger das gleiche machen zu können wie heute. Dann ginge es wirklich nur um Posten und wir haben uns kein bisschen den Leuten geöffnet, die in den Asylbewerberheimen nach Antworten suchen und den vielen Nichtchristen, die auf Kirche überhaupt nicht gut zu sprechen sind. Die personellen Fragen kommen sowieso. Da ist es gut, wenn wir als Bistum gerüstet sind und wissen, wo wir hinmüssen.

Werden wir demnächst zum Gottesdienst nach Wahren fahren müssen?
Gegenfrage: Wäre das so schlimm?
Nein – die Angst muss niemand haben, auch perspektivisch nicht. Gohlis hat natürlich den Vorteil, dass es eine wachsende Gemeinde ist. Wir haben aber auch das große Glück, dass die Dominikaner in Wahren sind und damit hier auch das Bistum entlastet wird. Als jemand, der aus einem strukturärmeren Gebiet kommt, halte ich es schon für Luxus, dass hier nördlich der Georg-Schumann-Straße drei katholische Kirchen sind. Ich finde das gut. Denn die Gemeinden sind auch völlig unterschiedlich geprägt. Jede der Gemeinden hat eine andere Geschichte, eine andere Prägung, auch andere Herausforderungen. Ich finde, wir müssen uns vorerst keine Sorgen um Gottesdienstzeiten machen. Ich glaube, jetzt sind eher solche Fragen dran wie: Wie verhalten wir uns dazu, dass wir in einem absolut säkularen Umfeld sind? Wie stehen wir zu den Fremden, die in unseren Stadtteil kommen und alle lehnen sie ab? Wo ist da die im Evangelium verwurzelte Fremdenfreundlichkeit? Das soll kein Vorwurf sein, aber ich denke, die katholische Kirche im Norden Leipzigs könnte sichtbarer sein. Damit meine ich nicht eine einzelne Gemeinde, damit meine ich mich als Katholik, der im Leipziger Norden lebt. Ich erhoffe mir von dem Erkundungsprozess, dass das auch unser Selbstbewusstsein im missionarischen Sinne aufbaut, dass wir nach außen gehen und sagen: Ja – ich bin Christ, ich bin Katholik, dass wir auch rausgehen und sichtbar werden in der Stadt.

Würden Sie einen Ausblick zu den Ergebnissen des Prozesses wagen? Welche Visionen oder Wünsche haben Sie für die Katholiken im Leipziger Norden?
Ich würde mir wünschen, dass die Idee, mal in Wiederitzsch oder in Wahren in den Gottesdienst zu gehen, nicht völlig absurd erscheint. Ich würde mir wünschen, dass ein Wahrener erkennt, wie schön und prägend die Architektur der Wiederitzscher Kirche ist, dass vielleicht das Kloster in Wahren auch ein Ort ist, der für die Gohliser Gemeinde relevant sein kann, dass der Gemeindesaal in Gohlis auch mal von den Wahrenern mitgenutzt werden kann.
Natürlich kann es sein, dass wir alle einen gemeinsamen Gemeindereferenten haben oder ein gemeinsames Team, was aus drei Priestern besteht, die alle an einem Standort X wohnen und alle drei Standorte bedienen. Das ist alles denkbar. Und ich würde mir wünschen, dass jemand, der sich für Kirche interessiert oder für Glaubensfragen, nicht erst in der Innenstadt die Orientierung suchen muss, sondern in seinem Viertel, in Gohlis oder Eutritzsch, merkt: Stimmt – da ist doch Kirche da. Wenn wir das hinkriegen, sind wir auf dem richtigen Weg. Ganz egal, wie viele Priester wie viele Menschen betreuen müssen oder welches Pfarrhaus wie sanierungsbedürftig ist. Denn diese Probleme wird es weiterhin geben.
Ich wünsche mir auch, dass Ökumene unter den Christen aber auch mit Andersglaubenden und Nichtglaubenden auch im Leipziger Norden funktioniert. Herausforderungen gibt es da viele. Ich nenne nur die Asylbewerberheime und natürlich auch den Moscheebau. Vielleicht schaffen wir das ja. Das ist sicher eine große Vision. Aber wer keine Träume hat ist selber Schuld.

Das Interview führte Hubert Sievert, erschienen ist der Artikel in der Ausgabe 21 (Februar/März 2014) des Georgsboten, die demnächst auch online verfügbar sein wird.

Sterben, Tod und Trauer – im Radio?

Den letzten Sonntag im Kirchenjahr begehen evangelische Christen traditionell als Toten- oder auch Ewigkeitssonntag. In unserem wöchentlichen Kirchenmagazin bei RADIO PSR haben meine Kollegin Friederike Ursprung und ich an diesem Tag mal etwas gewagt. Wir haben ein Thema ins Programm genommen, das sonst auf „Gute-Laune-Wellen“ kaum auftaucht: das Ende des Lebens. Ganz praktisch hat uns eine junge Bestatterin Auskunft darüber gegeben, was zu tun ist, wenn Angehörige sterben. Aber wir haben auch eine evangelische Pfarrerin zu den Bereichen Trauer, Abschiednehmen und Hoffnung auf ewiges Leben befragt.

Ob das Experiment „Tod und Sterben im Formatradio“ gelungen ist? Das vermag ich nicht zu beurteilen, aber ich bin jedenfalls recht froh darüber, dass wir es überhaupt probiert haben. Hier eine 17-Minuten-Kompaktzusammenfassung der dreistündigen Sendung vom 20. November 2011.

RADIO PSR – Themen, die Sachsen bewegen Spezial zum Ewigkeitssonntag:
Sterben, Tod und Trauer (2011-11-20, 18-21 Uhr)

Sakramente – evangelisch und katholisch

Was sind Sakramente, und wie unterscheidet sich der katholische Sakramenten-Begriff vom evangelischen? Ende letzten Jahres wurden meine Kirchenredaktionskollegin Friederike Ursprung (evangelisch) und ich (katholisch) gebeten, genau dies mal aufzudröseln und aufzuschreiben. Das Ergebnis: zwei kurze Texte, in denen wir versuchen, die jeweiligen Sichtweisen zu umreißen. Beide Artikel sind Anfang März im Leipziger Kirchenblatt Die Glocke (Schwerpunktthema Taufe) erschienen.

Sakramente evangelisch: Taufe und Abendmahl

„Sakramente sind Zeichen, durch die Gott mit den Menschen in Verbindung tritt“, heißt es auf der Internetseite der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das lateinische Wort sacer (heilig) steckt darin. Während die katholische Kirche sieben solche sichtbaren Zeichen oder Handlungen kennt, die für eine unsichtbare, göttliche Wirklichkeit stehen, ließ die Reformation nur die Taufe und das Abendmahl als Sakramente gelten.

Denn über sie bezeugt die Bibel ausdrücklich, wie Jesus sie einsetzt – wie er also die Jünger und alle seine Nachfolger auffordert, sie in alle Zukunft weiterzugeben und zu wiederholen: Für das Abendmahl ist das in den Passionserzählungen aller Evangelien belegt, für die Taufe am Ende des Matthäusevangeliums. Die biblische Belegbarkeit ist also ein Maßstab dafür, was aus evangelischer Sicht ein Sakrament ist. Entscheidend ist außerdem: Ein Sakrament ist mehr als die äußere Handlung und die deutenden Worte, mehr also als das Wasser über den Kopf des Täuflings und mehr als Brot und Wein oder Saft. Es ist die Aufnahme in die christliche Gemeinschaft in der Taufe, und im Abendmahl die Gemeinschaft mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus und mit allen Glaubensgeschwistern weltweit.

So sind Sakramente Ausdruck des Glaubens. Wer ein Sakrament empfängt, sagt Reformator Philipp Melanchthon, dem verheißt es Heil und Gnade. Dazu kommt es auf die Haltung aller Beteiligten an. Denn ein Sakrament ist keine magische Handlung, durch die sich Gottes Zuwendung anknipsen ließe wie durch irgendeinen himmlischen Schalter. Es setzt den Glauben voraus, stärkt ihn aber auch immer wieder. Ohne ihn bliebe nur ein leeres Hokuspokus-Ritual.

Aber auch die Riten, die in anderen Konfessionen als Sakramente gelten, in der evangelischen aber nicht, haben hier dennoch ihren Platz. Beichte und Buße nennt Melanchthon in seiner Verteidigung des Augsburger Bekenntnisses ebenfalls ein Sakrament. Die reformierten Kirchen sehen das allerdings anders. Auch die Einsetzung ins Predigtamt gilt als „eine herrliche Zusage Gottes“. Die Ehe nennt Martin Luther zwar ein „weltlich Ding“ – doch auch er und seine Katharina haben ihre Ehe ja unter Gottes Segen gestellt, wie andere evangelische Paare auch. Firmung (oder Konfirmation) und Krankensalbung sind nicht aus der Bibel und Gottes Gebot begründbar, also auch keine Sakramente – aber es gibt doch gute Gründe, sie auch in evangelischen Kirchen zu pflegen.

Friederike Ursprung, evangelische Kirchenredakteurin

Sakramente katholisch: An den Landmarken des Lebens

Die katholische Kirche versteht Sakramente als „auf Jesus Christus zurückgehende Zeichen- und Symbolhandlungen, die auf sinnlich wahrnehmbare Weise die Gnade Gottes vermitteln“ – diese kompakte Kurzdefinition liefert das „Theologische Online-Wörterbuch“ der Katholischen Akademie Domschule in Würzburg. Sakramente verdeutlichen, dass das Miteinander von Gott und den Menschen durch Rituale, Worte und symbolische Handlungen geprägt ist. Auf der offiziellen Internetseite der katholischen Kirche ist von „leibhaftigen Begegnungen mit Gott“ die Rede.

So haben Sakramente auch aus Sicht der römischen Kirche ihre Mitte, ihre Wurzel im Wirken Jesu Christi. Taufe und Eucharistie, ganz klar. Aber nach katholischem Verständnis gehört eben auch die mit der Taufe in direktem Zusammenhang stehende Firmung dazu, gilt sie den Gläubigen doch als Vollendung der Taufgnade. Dass Priesterweihe, Krankensalbung sowie Versöhnung (für mich der schönere, weil vollständigere Begriff für Buße) zu den Sakramenten zählen, kann damit begründet werden, dass Jesus seine
Apostel unmittelbar mit diesen Handlungen beauftragt und Petrus konkret zu seiner Nachfolge berufen hat.

Wer so argumentiert, muss freilich auch den Sonderstatus der Ehe erwähnen und sich mit ihm auseinandersetzen, denn hier fehlt auch durch die „katholische Brille“ der direkte Bezug zu Jesus Christus – dieses Sakrament spenden die Eheleute einander und bitten um die Gnade und den Segen Gottes. Und doch vertrauen katholische Christen darauf, dass die Bibel die Ehe als etwas Heiliges, Unauflösliches betrachtet, vergleicht Paulus im Brief an die Epheser doch die Beziehung zwischen Christus und der Kirche mit der Ehe: „Ihr Männer, liebt Eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25).

Die Liebe Gottes, die den Menschen zuteil wird, übersteigt das menschliche Fassungsvermögen. Durch die Sakramente kann ich mir etwas von dieser Liebe verdeutlichen, erhalte ich eine Ahnung von der nicht enden wollenden Zuneigung Gottes mir und meinen Mitmenschen gegenüber. Deshalb begegnen mir die Sakramente an den wichtigsten Landmarken des Lebens: bei der Geburt, in der Jugend, mitten im Leben, im Alter, in Momenten des Zweifels oder der Freude – sowie immer wieder neu in der Feier der Heiligen Messe.

Daniel Heinze, katholischer Kirchenredakteur

Unterwegs im Heiligen Land (4): Sie wollen Euch beschützen. Oase für den Kopf.

Sie wollen Euch beschützen

„Sie wollen Euch alle beschützen, und das ist gar nicht so einfach.“ Aki, unser israelischer Reiseführer, erklärt mir, warum an diesem Sonntag so eine merkwürdige Anspannung spürbar ist in Jerusalem. Es ist schließlich nicht irgendein Sonntag – es ist der christliche Palmsonntag, der Beginn der Karwoche vor dem Osterfest. Und in diesem Jahr feiern alle christlichen Kirchen zur gleichen Zeit Ostern, dementsprechend ist in der Stadt noch mehr los als sonst. Dazu beginnt einen Tag darauf auch noch das achttägige Pessach-Fest der Juden, zeitgleich zu Ostern. Kurz und gut: ganz viele religiöse Feste, ganz viele religiöse Pilger, ganz viele Sicherheitsbedenken.
Die Stadt ist voll von Polizisten und Soldaten; irgendwann gewöhnt man sich an die schwer bewaffneten Männer und Frauen, von denen die meisten aussehen, als seien sie noch keine zwanzig Jahre alt. „Glaub mir, unsere Polizisten gehen jeden Abend zur Klagemauer, und beten dafür, dass nichts passiert und ihr alle sicher seid bei uns“, sagt Aki.
Am Nachmittag nehmen wir an der großen Palmsonntags-Prozession teil: von Betfage aus ziehen tausende Christen – ein griechisch-katholischer Ordensmann aus dem Libanon sagt mir, es wären in diesem Jahr wohl so um die 25.000 – bis zur St. Anna-Kirche in der Jerusalemer Altstadt. Lautstark singen und beten sie, es ist ein kunterbuntes Treiben in unzähligen Sprachen, wir treffen Polen, Amerikaner, Südafrikaner, Belgier. „Nur die Palästinenser fehlen“, so der Ordensmann betrübt. „Die Christen von nebenan dürfen seit acht Jahren nicht mehr einreisen, um Ostern mit uns zu feiern.“
Die Prozession verläuft friedlich, die Polizisten und Soldaten blieben dezent am Rande, nichts ist passiert. Viele von ihnen werden nach Ostern wohl wieder an die Klagemauer gehen, um sich bei Gott dafür zu bedanken, dass alles gut gegangen ist in dieser religiösen Hochsaison in Jerusalem. Jedenfalls wünsche ich ihnen das von ganzem Herzen.

Oase für den Kopf

Nur eine gute Stunde braucht man von Jerusalem aus, um ans Tote Meer zu gelangen. Viele hundert Meter unter dem Meeresspiegel ist man hier, und nicht in einer pulsierenden Metropole mit ganz viel Grün darin und darum. Nein, das hier ist die Wüste. Das sind Steine, Sand – und eben das, was vom Toten Meer noch übrig ist. Vergesst jede Landkarte, in der das Meer eingezeichnet ist – inmitten der unendlich scheinenden Sandweiten wirkt das Tote Meer wie eine winzig kleine Pfütze. Es ist eigenartig schön hier – wir besuchen Qumran, die Oase Ein Gedi, den Berg und das israelische Nationalheiligtum Masada. Immer wieder beeindruckt mich, wie viel Leben in so einer Wüste steckt. Natürlich baden wir auch im Toten Meer. Natürlich dauert es nur wenige Augenblicke, bis man wirklich auf dem Wasser treibt und nicht untergeht. Natürlich kriegen wir kleine Spritzer der salzigen Brühe in kleine Narben und spüren das Salz. Nur auf das obligatorische Foto mit Tageszeitung, auf dem Wasser sitzend, verzichte ich.
Ein durch und durch touristischer Tag. Vielleicht der einzige auf dieser Reise, an dem ich nicht permanent über Religion, Politik, Krieg, Frieden, Geschichte und Glauben nachsinne. Auch mal gut. Die Wüste und das Tote Meer entpuppen sich als willkommene Oase für meinen Kopf.

Hoffnung trotz Armut und Elend

Misereor Hungertuch 2011

Wer dieser Tage in eine katholische Kirche tritt, wundert sich vielleicht: das Kreuz ist nicht zu sehen wie sonst – ein kunterbuntes Tuch verdeckt es. Das ist das sogenannte Hungertuch. In vielen Gemeinden ist es ein guter Brauch, so ein Tuch in der Fastenzeit aufzuhängen. In dieser Besinnungs- und Bußzeit bis Ostern sind die Gottesdienstbesucher eingeladen, durch dieses knallbunte, detailreiche Bild eine neue, frische Sicht auf ihren Glauben und die Welt zu gewinnen.

Dahinter steckt das katholische Hilfswerk Misereor, das Menschen aller Kulturen, Hautfarben und Religionen in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt. Die Hungertücher werden von Künstlern aus diesen Regionen der Welt gestaltet. Das diesjährige Tuch ist eine riesige Collage des togolesischen Künstlers Sokey A. Edorth.

Aus afrikanischer Erde, Wellpappe, Kohle und Acryl hat er es gefertigt. Das Bild zeigt vieles, was einem in den Sinn kommt, wenn man von Deutschland aus auf die Südhalbkugel der Welt schaut: Müll, Slums, Öltanks, Flüchtlinge, Hungernde, Armut. Ja, Edorth will die unmenschlichen Bedingungen verdeutlichen, unter denen die Menschen in den Entwicklungsländern leben. Aber – er will nicht nur das Elend zeigen, sondern auch die Hoffnung, die über allem steht. Über all dem „weltlichen“ Chaos, dem Leid und dem Elend sieht man auch einen hellen Lichtkegel: eine Taube, die den Geist Gott symbolisiert. Das Licht scheint auf Menschen, die anderen Menschen helfen, sie pflegen, sich um sie kümmern. Auf Mitmenschen, die versuchen, die Ungerechtigkeit und Armut auf der Welt zu lindern. Die nicht wegschauen, sich damit abfinden, dass das alles weit weg ist. Denen „die da unten“ nicht egal sind.

Mich beeindruckt das Misereor-Hungertuch in diesem Jahr sehr. Es verdeutlicht, wie dringend andere Menschen meine Hilfe brauchen. Dass es verantwortungslos wäre, sich nicht für sie zu interessieren, sie zu ignorieren. Das Misereor-Hungertuch stört und berührt – und es lädt den Betrachter dazu ein, etwas vom Licht Gottes in die dunklen Ecken der Welt zu bringen.

Hinweis: Diesen Text habe ich für das Ressort „Gesellschaft und Religion“ der Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er gestern in der Kolumnen-Reihe „Gedanken zum Wochenende“ erschienen ist. Das Bild des Hungertuchs stammt aus den Misereor-Pressematerialien zum Thema.