Interview with Spin Doctors‘ Aaron Comess

Hier die englische Abschrift meines Interviews mit Aaron Comess von den Spin Doctors. Die Band spielt in diesen Minuten das erste Konzert ihrer Europa-Tour 2012 in Paris. Die gekürzte und überarbeitete deutsche Version unseres Gesprächs findet Ihr hier. Das Transkript findet ihr auch auf der Facebookseite des Spin Doctors Archives.

After successful tours in the UK in May and a US tour in October, this time, the Spin Doctors will be playing in mainland Europe: France, the Netherlands, Germany and Italy. Aaron, is it still exciting for you guys to play your first album „Pocket Full Of Kryptonite“ in sequence in front of audiences?

It’s actually a lot of fun. It’s a great record and the songs really hold up. It’s just fun to get an opportunity to do something like that, it’s not something that we normally do. You know, there’s a good amount of the material on the record that we haven’t played in a long time. It’s nice just to celebrate: 20 years later, that we’re all around, everybody is healthy, happy and playing great. And the songs still sound fresh to us, so it’s been really fun to do it actually.

How do the fans react to this type of shows where you play the entire album in sequence?

Oh, we’ve been getting great reactions to it. Like you said, we had a great time in England earlier in the year, we just celebrated a tour in the United States, and I think people really enjoy it. Basically, we are coming out and do the full album in its entirety. I think the album is about 50 minutes long, but live, we stretch out and do drum and bass solos in “Shinbone Alley” so the whole show comes to about 75 minutes. And then, we do an encore. We’ve been coming out and doing some songs we haven’t played in a long time in the encore which has been really fun, too. So on top of getting the whole record, you gonna hear some old songs we haven’t played in a while, too.

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„Ohne Blues kein Rock’n’Roll“: Ein Interview mit Spin Doctors-Schlagzeuger Aaron Comess

In ein paar Tagen starten die Spin Doctors auf eine Tour durch Frankreich, die Niederlande, Deutschland und Italien. Nach Großbritannien im Mai und den USA im Oktober ist das nun die dritte Tour, auf der die New Yorker Band ihr Erfolgsalbum “Pocket Full Of Kryptonite” in Originalreihenfolge zum Besten gibt. Der Grund? Die bahnbrechende Platte mit den Überhits “Two Princes” und “Little Miss Can’t Be Wrong” hat genau zwanzig Jahre auf dem Buckel. Im Vorfeld der Europatour habe ich mit Schlagzeuger Aaron Comess gesprochen – über das 20-Jahre-Jubiläum und Marius Müller-Westernhagen, über Blues-Wurzeln und die Zukunftspläne der Spin Doctors.

Aaron, wird das nicht langweilig, jeden Abend das gleiche Album aufzuführen?

Absolut nicht. Im Gegenteil, es ist ein Riesenspaß. Es ist eine tolle Platte und die Songs fühlen sich immer noch frisch an. Klasse, dass wir Gelegenheit haben, so etwas zu tun. Normalerweise spielen wir ja keine ganzen Alben live. Toll, das feiern zu dürfen: zwanzig Jahre später, uns gibt’s alle noch, alle sind gesund, fröhlich und machen noch gemeinsam Musik.

Wie reagieren denn Eure Fans darauf, live das ganze Album am Stück zu hören?

Großartig! Ob in England oder im Herbst in den Vereinigten Staaten, die Leute scheinen es echt zu genießen. Wir gehen raus auf die Bühne und spielen das komplette Album. Aber nicht in 50 Minuten – wie auf CD. Nein, wir lassen uns Zeit, improvisieren, machen lange Schlagzeug- und Bass-Soli im Song “Shinbone Alley” – und schon wird eine Show von etwa 75 Minuten draus. Danach gibt’s noch die Zugaben, und da sind Songs, die wir wirklich ewig nicht mehr gespielt haben. Also gibt’s nach dem Album immer noch ein paar echte Raritäten obendrauf.

Pocket Full Of Kryptonite war euer erstes Studioalbum, und es war ein Riesenerfolg. Mal abgesehen von den Verkaufszahlen – warum ist die Platte so etwas Besonderes?

Die ersten Platten von Bands sind immer etwas ganz Besonderes, so auch bei uns. Pocket Full Of Kryptonite enthält das allerbeste aus den Bergen von Songs, die wir in unseren Anfangsjahren geschrieben haben. Wir konnten uns die besten Songs rauspicken. Außerdem waren die Lieder wirklich ausgereift – bei 200 Shows im Jahr hatten wir die Songs also schon hundertfach performt. Wir hatten sie einfach im Blut. Ich stehe ja hinter allen Alben, die wir gemacht haben und liebe sie. Aber es stimmt schon: Pocket Full… ist tatsächlich was Besonderes.

Es ist verblüffend, wie frisch und zeitgemäß die Platte immer noch klingt.

Wir haben immer versucht, “organische” Musik zu machen, die auch nach vielen Jahren noch zeitlos wirkt. Deshalb war es uns wichtig, nicht allzuviel hübschen Produktions-Schnickschnack mitzumachen, der damals gerade in war. Das kann nämlich zum Problem werden. Wenn Du Dir Platten einer bestimmten Zeit anhörst, auf denen die Leute zu viel modernen Schnickschnack gemacht haben, dann sind die recht schnell veraltet. Als wir damals ins Studio gingen, waren die Achtziger gerade vorbei, in denen alles total “groß” klingen musste. Wir standen aber mehr auf organischen Rock’n’Roll, auf die Stones und solche Gruppen. Deshalb war es uns bei den Studiosessions wichtig, dass unsere Musik einfach “echt” klingt. Vielleicht ist das der Grund, warum sich die Platte auch nach 20 Jahren noch recht unverbraucht anhört.

Erinnerst Du Dich, wann die Spin Doctors zum letzten Mal in Deutschland gespielt haben?

Boah, also das muss wirklich lange her sein! Nee, kann mich nicht erinnern. Ehrlich gesagt glaube ich, dass wir zuletzt in den Neunzigern bei Euch waren. Wir waren zwar zwischendurch immer mal wieder in Europa, in England und Spanien und so – aber nie in Deutschland.

Es war im Spätherbst 1994, es war die Tour zu Eurer zweiten Platte Turn It Upside Down

Wirklich ewig her also. Dann hoffe ich mal inständig, dass ihr jetzt aber alle zu den Konzerten im Januar aufschlagt. Kommt, Leute! Es ist an der Zeit!

Du hast vorhin schon über die Raritäten gesprochen, die Ihr derzeit in Euren Zugaben einstreut. Was sind das für Songs?

Wir haben zum Beispiel ein ganzes Repertoire voller eigener Blues-Songs. Etwa in der selben Zeit, in der wir alle diese Songs für Pocket Full Of Kryptonite geschrieben haben, traten wir auch in New Yorker Blues-Schuppen auf. Um an solche Gigs ranzukommen, brauchten wir Bluessongs. Und die haben wir jetzt wieder aus der Versenkung geholt!

Eine Rockband wie die Doctors in Blues-Läden?

Der ganze Rock’n’Roll kommt doch vom Blues! Es ist für jede Band eine tolle Grundlage, ein paar Bluesstücke zu haben. Unsere Wurzeln sind nun mal im Blues. Aber der wahre Grund, warum wir das gemacht haben: wir brauchten Geld! In New York gab es zwei Läden, in denen hast Du als Band eine feste Gage bekommen, und nicht nur einen Teil dessen, was an der Tür am Abend eingenommen wurde. Alle wollten in diesen Bluesläden spielen – in der Woche gab es 250 Dollar, am Wochenende sogar 500 Dollar garantiert. Verdammt viel Geld, wenn Du 20 Jahre alt bist und Dir in den Kopf gesetzt hast, mit Musik Dein Geld verdienen zu wollen. Also haben wir ein Blues-Demo aufgenommen, es dem Booker gegeben und uns so halt reingemauschelt. Blues Traveler und Joan Osborne haben es damals genauso gemacht. Tja, und dann haben wir im ersten Set nur Blues gespielt. Im zweiten auch, aber gemischt mit dem einen oder anderen eigenen Song. Im dritten und vierten Set haben wir dann einfach gespielt, was wir wollten – die Leute vom Club und die Fans fanden es super. So wurde daraus ein regulärer Brot-und-Butter-Gig für uns.

Diese Blues-Songs fügen sich auch heute noch super in Euer restliches Repertoire ein.

Ja, und sie gehören einfach in diese Zeit mit hinein, in der wir Pocket Full… aufgenommen haben. Sie sind ein wichtiger Teil dessen, was diese Band ist.

Letztes Jahr hast Du mir erzählt, dass Ihr überlegt, ein ganzes Album mit diesen Blues-Songs aufzunehmen. Was ist aus dieser Idee geworden?

Ich denke, wir werden das auf alle Fälle machen, wir haben nur noch nicht den genauen Zeitpunkt vereinbart. Ich bin überzeugt davon, dass diese Songs von damals ein sehr gutes Album hergeben – und vielleicht schreiben wir ja auch noch ein paar neue Stücke dafür. Es ist uns also ernst damit – und Du bist der erste, der’s erfährt, wenn es losgeht – versprochen!

Sehr gut, vielen Dank! Sag mal, wie kam es eigentlich dazu, dass Du 2010 auf der Tour von Marius Müller-Westernhagen Schlagzeug gespielt hast?

Marius’ musikalischer Direktor Kevin Bents kommt aus New York, er ist ein Freund von mir. Marius bat Kevin, eine neue Band für die Tour zusammenzustellen. Da hat Kevin mich und ein paar andere Musiker gebucht. Wir hatten eine tolle Zeit. Marius ist großartig, ich arbeite gerne mit ihm. Er ist ein freundlicher, bescheidener Typ und ich kann fühlen, warum er bei Euch in Deutschland so beliebt ist. Es gibt übrigens ein Livealbum von der Tour. Ach ja, und ich werde wiederkommen: Marius hat für den Herbst eine Tour geplant und will uns wieder dabei haben.

Abgesehen von Westernhagen und den Spins, was planst Du noch so für 2012?

Ich hab gerade ein tolles Album mit Eddie Brickell aufgenommen, das kommt irgendwann in diesem Jahr raus. Letztes Jahr habe ich mit Joan Osborne eine fantastische R’nB-/Blues-/Soul-CD gemacht, die am 27. März veröffentlicht wird. Danach gehen wir mit der Platte auf US-Tour. Dann spiele ich hin und wieder Gigs in New York mit den Jungs, mit denen ich letztes Jahr meine Solo-Platte “Beautiful Mistake” aufgenommen habe. Und in ein paar Tagen erscheint eine neue Single von James Maddock, auf der ich mitgespielt habe und die wir betouren werden. Im Frühling und Sommer gibt’s dann sicher viele weitere Gigs mit den Spin Doctors, und dann machen wir hoffentlich wirklich diese Blues-Platte. Wie Du siehst: ich hab’ gut zu tun.

Aaron, Danke für das Interview und alles Gute für die Europa-Tour.

Dankeschön, Daniel. Wir sehen uns auf der Tour!!

Die englische Version des Interviews erscheint in Kürze auf der von mir betreuten Website Spin Doctors Archive. Das Album „Pocket Full Of Kryptonite“ ist einer 20th Anniversary Deluxe Edition mit Bonus-CD im Handel erhältlich. Und hier noch die deutschen Tourdaten der Spin Doctors:

21.01.2012 Aschaffenburg, Colo-Saal
22.01.2012 Cologne, Yard Club
25.01.2012 Hamburg, Fabrik
26.01.2012 Berlin, Columbia Club
27.01.2012 Erfurt, Club Centrum
28.01.2012 Memmingen, Kaminwerk

Fotos von Paul LaRaia, 2005. Used by permission.

randomi7er vom 5. Oktober 2008

The Uglysuit – Everyone Now Has A Smile. Höre ich grade zum ersten Mal, den Song – liegt daran, dass ich mir diese Platte auch eben erst bei eMusic besorgt habe. Stimme klingt ein wenig nach Conor Oberst, das Arrangements ist groß bis bombastisch – schön, mag ich.

R.E.M. – Imitation Of Live (MTV Unplugged). War nie wirklich Fan von R.E.M., irgendwie gut finde ich sie trotzdem. Und „Imitation Of Live“ ist ein super Song – allerdings gefällt mir die Albumversion dann doch besser als diese etwas behäbig-routinierte Unplugged-Fassung.

G. Love & Special Sauce – Back Of The Bus (A Year & A Night live). G. Love ist super: vielleicht nicht der versierteste Songwriter der Welt, aber ein Performer vor dem Herrn. Ich mag diese Mischung aus Pop, Rap, Blues und Rumgejamme sehr und finde diese Version von „Back Of The Bus“ sehr, sehr schick.

Joan Osborne – I’ll Be Around. Joan interpretiert auf „How Sweet It Is“ (von der dieser Song stammt) Soulstandards – und das äußerst gekonnt: mir gefällt, wie sie sich voller Respekt die Stücke zu eigen macht, und sie dennoch ins Hier und Jetzt übersetzt und nicht in den Siebzigern (oder so) kleben bleibt. Ja, Joan ist eine begnadete Interpretin.

Willie Nelson & Sinéad O’Connor – Don’t Give Up. Genau, das „Don’t Give Up“ von Peter Gabriel, das mit Kate Bush. Die Version von Willie und Sinéad (7 Minuten!) gehört zum besten, was ich jemals in meinem Leben gehört habe: dieser knarzige Country-Barde trifft auf die (stimmlich) gerade-noch-so jugendliche Sinéad, eine gewagte Kombination, die auf ganzer Linie gewinnt. Gott, ist das kitschig. Gott, ist das gut.

Jamie Laboz – The Darkness. Mr. Laboz hat letztes Jahr eine Art Öko-Rock-Oper geschrieben, die in voller Länge dann doch eher eine Geduldprobe ist als ein Hörgenuss. Auf meinem iPod, weil Aaron Comess von den Spin Doctors auf dieser Platte Schlagzeug spielt. Der Song selbst ist ein Blues, arrangiert irgendwo zwischen Krautrock und dem Gary Moore der frühen Neunziger – sehr speziell, aber dann doch alles andere als schlecht.

Katie Melua – Mockingbird Song. Die Melua finde ich einfach nett – und das ist absolut nett gemeint. Nette Stimme, nette Arrangements, nette Songs. Das isses dann aber auch schon.

randomi7er? randomi7er.

Joan Osborne – Little Wild One (2008)

Joan Osborne… – ist das nicht die mit „What if god was one of us…“? Ja, genau die. Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger war sie Teil der New Yorker Jamband-Szene (Stichwörter: Wetlands, Blues Traveler, Spin Doctors) und Mitte der Neunzier landete sie mit „One Of Us“ einen Welthit. Seither ist ihr zwar ein Singleerfolg gleicher Dimension nicht mehr vergönnt gewesen, dafür hat sie sich über die Jahre einen Ruf als grandiose Interpretin und solide Songwriterin erarbeitet, der ihr zwischenzeitlich sogar den Job als Jerry Garcia-Ersatz bei The Dead, den Resten der Grateful Dead, eingebracht hat.

Jetzt legt sie ihr siebentes (oder achtes, je nach Zählweise) Album vor und begeistert ihre Zuhörer: Little Wild One ist eine fantastische Ode auf ihre Heimat, auf New York City geworden. Songs zwischen Americana, klassischer Folk- und Singer-/Songwriter-Tradition und Pop, ergreifend gut gesungen und arrangiert; leidenschaftlich, aber unaufgeregt, mit Mut zur großen Geste, aber absolut unpeinlich. Ja, ich versteige mich jetzt sogar mal zu der Behauptung, dass das hier das bisher beste Joan Osborne-Album überhaupt ist – „some are sweet, but you are sweeter than the rest“.

siebenSACHEN vom 9. September 2008. Mit Radiohead, Ben Kweller, Phish u.a.

– Ein komplettes 2008er Radiohead-Konzert in bester Qualität zum Gratis-Download – NPR macht’s möglich (mp3).

– Viele neue Songs vom demnächst erscheinenden neuen Ben Kweller-Album gibts bei dieser Liveshow zu hören.

Phish haben sich wiedervereinigt – wenn auch vorerst nur für eine Nacht.

– Bob Lefsetz fand die MTV Video Music Awards am Sonntag ganz ganz gruselig (was ich nachvollziehen kann, hab den Mist gestern gesehen…).

– Im NPR-Porträt: Joan Osborne anläßlich ihres heute erscheinenden neuen Album „Little Wild One“ (mp3)

– Berkeley Place und Leser kürten vor geraumer Zeit die 25 besten Indie-Rock-Alben aller Zeiten.

John Popper zu Gast bei einer Chris Barron & The Time Bandids-Show (Mai 2008):