Die Geschichten hinter den „Handgemenge“-Songs

Daniel Heinze & Robert Kratzsch – Das Handgemenge von Wölbattendorf. Jetzt als CD, als Download oder per Stream.

Im Mai ist Das Handgemenge von Wölbattendorf erschienen, mein neues Album, das ich gemeinsam mit Robert Kratzsch aufgenommen habe. In den letzten Wochen habe ich auf meiner Facebook-Musik-Seite nach und nach die Geschichten hinter den Songs zusammengetragen – wie sie entstanden sind, was sie bedeuten etc. Hier sind nun alle vierzehn Erinnerungen auf einem Haufen.

Track 1 – 100.000 Lemminge
„100.000 Lemminge“ ist in seiner Urfassung fast 25 Jahre alt und war eine zeitlang regelmäßiger Teil des Livesets unserer Band s.m.h. Ein etwas spöttisches Stück über den Irrsinn in der Welt … Vor drei, vier Jahren hab ich mich an den Song erinnert und fand, dass er doch auch ganz gut ins Hier und Heute passt. Komplett neu ist das coole neue Gitarrenriff, das Robert spielt. Und so wurde aus einem fast vergessenen Liedlein aus dem letzten Jahrtausend der Opener einer Platte aus dem Jahr 2020.

Track 2 – Herbst (Alles wie immer)
Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit. Zum einen, weil’s draußen nochmal so herrlich bunt wird, zum anderen, weil es mir in dieser Jahreszeit am leichtesten fällt, Lieder zu schreiben (vielleicht tauchen in meinen Songtexten deshalb so viele Herbst-Bilder auf?). Dieses Stück beschreibt einen Herbstabend im trüberen Teil der Saison, mehr so in Richtung November. Entstanden ist der Song in den 90ern mit s.m.h., er war eine Zeit lang fester Bestandteil unserer Konzerte, wir haben ihn aber nie aufgenommen. 20 Jahre später hab ich ein wenig am Text gefeilt und mit Robert eine Version arrangiert, auf die ich echt stolz bin. Ich finde, der Track gibt die Handgemenge-Recording-Session-Stimmung im Authentic Audio-Studio bei Markus Plietsch in Wölbattendorf perfekt wieder.

Track 3 – Gut
Lieder wie „Gut“ bezeichne ich gerne als „Fallobst“ – sie sind auf einmal da, sie sind mir wichtig, aber sie wollen nicht so recht passen zu den jeweils aktuellen Alben und Projekten, die gerade „dran“ sind. Vermutlich eines der traurigsten, nachdenklichsten Stücke aus meiner Feder. Umso glücklicher macht mich diese Aufnahme hier mit Robert: unsere beiden Akustikgitarren ergänzen sich super, die Kalimba im Refrain sorgt für eine gewisse Größe und dieses Harp-Solo passt wie die Faust aufs Auge. Hat sich also gelohnt, fast zwei Jahrzehnte zu warten, bis wir den Song endlich aufgenommen haben.

Track 4 – Liverpool
Der Song „Liverpool“ erzählt eine wahre Geschichte: zu viert haben wir einem gemeinsamen Freund zu seinem 30. Geburtstag einen Überraschungsbesuch in Liverpool abgestattet. Er studierte dort und hat absolut nicht mit uns gerechnet. Ein großartiges Wochenende mit wildem Kneipenabend, Hafenspaziergang, WG-Party und Ausflug ans Meer. Und überall Beatles, Beatles, Beatles. Das Wochenende, an dem ich mich in Liverpool verknallt und es seither noch viele mal besucht habe.

Track 5 – Auf eigene Gefahr
Anfang der „nuller Jahre“ bastelten Matthias Wölle und ich in seinem Studio an einer Platte, die Singer-/Songwriter-Klänge mit zeitgemäßem Pop verbinden wollte. Wir tauften das Projekt dunkelblau und die Platte „In der Zwischenzeit„. Ende 2003, Anfang 2004 kam sie raus. „Auf eigene Gefahr“ war einer der synthie- und poplastigeren Stücke darauf. Vor ein paar Jahren kam mir die Idee, den Song mal live zu spielen, mit offenen Akkorden – was ihm eine völlig andere Anmutung gibt. Fürs Handgemenge kam dann noch Roberts akustische Slidegitarre dazu – jetzt hat der Track, ohne anmaßend klingen zu wollen, einen leichten, etwas schwebenden Dave-Matthews-und-Tim-Reynolds-Vibe.

Track 6 – Sieben
Einer der jüngeren Songs des Albums – und wieder eine wahre Geschichte! Erlebt und umgehend geschrieben auf der nächtlichen Zug- und Schienenersatzverkehr-Heimreise nach einem Gig bei den „Maifestspielen 2018“ auf dem Gelände des MoshAir / Freiraum Kultur e.V. Fraureuth. Lustigerweise war bei dem Auftritt auch Robert mit seiner Familie dabei und ich hatte ihm grob die Idee für eine gemeinsame Platte erzählt, zu der er nach leichtem Zögern doch recht schnell auch Ja gesagt hat … Ein paar Stunden später dann diese überraschende (Nicht-)Begegnung in der S-Bahn, von der das Stück „Sieben“ erzählt. Übrigens einer meiner persönlichen Lieblingsmomente im Handgemenge-Reigen.

Track 7 – Babybrei
„Lass uns den doch live einspielen. Am besten unten im Hof.“ Was unser Produzent Markus da vorschlug, fand ich erstmal reichlich durchgeknallt. Klar, dass wir dieses lustige, etwas alberne Stück irgendwie live machen würden, das war schon der Plan … Aber gleich auch noch open air?! Hat natürlich super funktioniert – zwischen zwei Autos, mit um uns herumschleichenden Katzen haben wir dem „Babybrei“ – erstmals zu hören auf meinem 2005er Livealbum „Gewinner“ – neues Leben eingehaucht. Eine Beziehungskiste in E-Dur, die böse anfängt, böse weitergeht und schließlich … in eine Liebeserklärung mündet.

Track 8 – Dreiklang
„Dreiklang“ war damals, 1995/1996 ein echter Durchbruch für s.m.h. – auf dem Weg von der Schülerband hin zu einer, wie wir hofften, „richtigen“, „ernsthaften“ Rockband. Harte Gitarren, viel Druck – kurzum, ein wichtiger Song für uns und in vielerlei Hinsicht richtungsweisend. Für mich bis heute der beste Track auf unserer ersten CD „Wie im Paradies„. Die neue Version auf dem Handgemenge, rund zweieinhalb Jahrzehnte später, ist da wesentlich reduzierter: nur Robert an der Gitarre und ich am Mikro. Das Stück läutet den zweiten Teil des Albums, quasi die B-Seite, ein und hat, wie ich finde, was herrlich Geheimnisvolles und – da isses wieder – Herbstliches.

Track 9 – Irgendwo bei Bonn
„Bonn“ ist eine von insgesamt fünf Neueinspielungen im Handgemenge-Reigen. Im Original stammt der Song vom 2014er Album „Euer Ja sei ein Yeah!“ meiner Band 2zueins! Die Prämisse bei den „Eigen-Covern“ war für Robert und mich, dass wir die Songs und ihre Geschichten immer ein wenig anders erzählen wollten als im Original. Deshalb haben wir dieses Stück übers Vermissen in so eine Art Roadmovie-Gewand gekleidet, mit einer dezenten Country-Note.

Track 10 – Geh scheißen
Der erste Song von mir, dessen Titel von Apple Music zensiert wurde: dort könnt Ihr nur „Geh sch****en“ runterladen. Ein kleiner zickiger Blues, geschrieben, als ich mal richtig sauer war auf einen Freund. Der Ärger ist lange verflogen, die besungene Person und ich sind immer noch befreundet – und nein, ich werde nie verraten, um wen es hier wirklich geht. Robert, der ganz hier famos Bluesharp spielt, ist es auf alle Fälle nicht.

Track 11 – Besser als wir
Dieses Lied ist im Grunde ein lautes Nachdenken darüber, warum eine Beziehung zwischen zwei Menschen grandios gescheitert ist. Natürlich nicht ohne eine ordentliche Portion Selbstmitleid – vor allem durch Roberts herrlich traurige Gitarre … Geschrieben, als ich ein Teenager war. Damals nie live gespielt; der Song lag im Dornröschenschlaf, als rauschendes Proberaumdemo aus dem letzten Jahrtausend. Jetzt, ein knappes Vierteljahrhundert später, ist die Zeit endlich reif, das Lied „in die Welt zu entlassen“.

Track 12 – Im Mai
Noch so ein Fallobst-Song, den ich seit vielen Jahren mit mir herumtrage. In diesem Fall reden wir von den Jahren 2005 und 2006, 2zueins! nahm gerade Fahrt auf und Heiko und ich schrieben wie die Verrückten für unser erstes Album „Clockwork Utan“ (2007). Lieder wie „Zweifelhaft“, „All die alten Meister“ oder „Halt unterwegs“ sind in der Zeit entstanden. Und eben auch „Im Mai“. Es hat mich etwas Überredungskunst bei Robert gekostet, dem Song nun endlich auf unserer gemeinsamen Platte ein Zuhause zu geben, aber inzwischen sind wir beide sehr froh darüber, dass es dieses kleine Liebeslied aufs Handgemenge geschafft hat – für mich einer der lässigsten und unbeschwertesten Momente auf dem Album.

Track 13 – Dunkelblau
„Dunkelblau“ ist für mich mehr als ein Lied, es ist so eine Art Begleiter durchs Leben geworden. Im Original ein s.m.h.-Song von unserem Album „Daheim“ (1999), ein Stück übers Anders-Sein, Man-Selbst-Sein, über die Schönheit des Blues und schließlich versehen mit der Botschaft, dass man nicht immer alles bis ins Letzte verstehen und durchdringen kann und muss: es braucht im Leben Platz für das Wunderbare, das Nicht-Erklärbare, das Besondere, das Transzendente, das Deutbare … Der Song wurde ein paar Jahre später gar zum Bandnamen für das, was Matthias, Robert und ich von 2002 bis 2005 musikalisch getrieben haben – zu bestaunen im dunkelblau-Album „In der Zwischenzeit„.
Tja. Auf einmal haben wir den Sommer 2019, ich sitze nächtens in einem Hotelzimmer in Polen, und mir fallen – beseelt von rotem Wein – ein paar neue Zeilen ein, die dieses Lied zwei Jahrzehnte später noch einmal ein Stück weiter schreiben. Zeilen, an deren Ende ich mich sogar traue, das oben eher vage Beschriebene beim Namen zu nennen: „es bleibt … die Liebe“. Dieses neue Outro des Songs ist damit der jüngste Part auf der ganzen Handgemenge-Platte, eine Zutat, die wir erst in letzter Minute, wenige Wochen vor den Aufnahmen, in die Songsuppe gerührt haben. Ich bin sehr glücklich darüber, weil sich auf diese Weise ein dunkelblauer Kreis schließt.

Track 14 – Halt mich wach
Das Album endet mit einem alten musikalischen Weggefährten – „Halt mich wach“ spielten wir auf Dutzenden s.m.h.-Konzerten, das Laut-Leise-Spiel zwischen Strophen und Refrain war einfach ideal für die Liveshow. Aufs Album hat der Song es nicht geschafft, die Prerecording-Version wollte nicht so recht funktionieren. Dann, irgendwann in der zweiten Hälfte der nuller Jahre probierten dann Heiko und ich im Studio abermals an dem Song herum – zwischenzeitlich bastelten wir gar an einer Ska-Version! Schließlich der dritte Anlauf in den Handgemenge-Sessions 2019. Plötzlich war alles klar, passte alles: Elemente aus aus der ursprünglichen Fassung sind drin; der „Gib-mir-Deckung“-Chor im letzten Refrain ist meine kleine Hommage an die nie fertig gestellte 2zueins!-Version mit Heiko. Und der Rest, vom Gitarrengewitter bis zum Alienbesuch? Ist uns in Wölbattendorf zugeflogen. Schnell war zur Freude aller Beteiligten klar: einen besseren Schlusstrack für die Platte finden wir niemals nicht.

Das Album „Das Handgemenge von Wölbattendorf“ kannst Du exklusiv bei mir als schicke Deluxe-CD-Version mit allen Texten und Credits bestellen.

Making Of „Das Handgemenge von Wölbattendorf“
Handgemenge Album-Tour
Daniel Heinze & Robert Kratzsch – Herbst (Alles wie immer) (Offizielles Video)
Daniel Heinze & Robert Kratzsch – Dreiklang (Lyric Video)

Neues Album „Das Handgemenge von Wölbattendorf“ – ab 15. Mai!

Die Entstehungs-Story meines neuen Albums kann man sich im Video oben in aller Ruhe anschauen, oder man kann folgende Zusammenfassung lesen, die ich für Youtube & Co gezimmert habe:

Zwei alte Freunde gehen nach über eineinhalb Jahrzehnten wieder gemeinsam ins Studio. Fernab jeden Trubels, in der Ruhe Oberfrankens, begeben sie sich in die Obhut von Produzent marQs Plietsch. In einem einwöchigen Kreativrausch entstehen 14 Aufnahmen, die als großes Ganzes die musikalische Essenz dieser Freundschaft bilden: „Das Handgemenge von Wölbattendorf“ von Daniel Heinze und Robert Kratzsch erscheint am 15. Mai 2020 als Stream und Download sowie als CD-Deluxe-Edition inkl. aufwendig gestaltetem 20-Seiten-Booklet.

Ich bin extrem stolz auf dieses Baby und kann die extrem schicke CD-Version wirklich, wirklich ans Herz legen – ihr könnt sie HIER direkt bei mir bestellen (wie viele andere CDs von mir auch). Es folgen noch ein paar weitere musikalische Eindrücke, zuvor sei jedoch noch auf meine neue Daniel-macht-Musik-Seite bei Facebook verwiesen, auf der es künftig alle Infos zu meinen musikalischen Machenschaften neben 2zueins! geben wird. Also, hier FB-Seite abonnieren und hier neue CD bestellen. Danke! 🙂

(M)eine Dekade Musik

Eine Dekade geht zu Ende. Zehn Jahre, in der mich das Musikmachen konsequent begleitet hat. Vor allem und besonders gern natürlich mit 2zueins!, aber auch immer wieder auf Solopfaden. Lust, mal reinzuhören? Die Spotify-Playlist hier enthält (fast) alles, was ich musikalisch bisher so verzapft habe. Und hier gibt’s detaillierte Infos zu allen Veröffentlichungen.

Mein 2019: Lieblingslieder

10 Vampire Weekend – Harmony Hall
I thought that I was free from all that questionin‘, but every time a problem ends, another one begins.

9 Gary Clark junior – What About Us
There goes the neighbourhood, one way or another. You can call it what you want, but the young blood’s taking over.

8 Von Wegen Lisbeth – Westkreuz
Der Döner ist jetzt ein Friseursalon und du weißt nichts davon.

7 Charlie Worsham feat. Old Crow Medicine Show – I Hope I’m Stoned (When Jesus Takes Me Home)
I believe he put it down here for all of us to use, a little piece of heaven to take away your blues. I know I’m far from perfect and I’ll call a sin a sin but I feel closer to the Lord every time I breathe it in.

6 KitschKrieg feat. Cro, AnnenMeyKantereit, Trettmann – 5 Minuten
Ich glaub‘, ich hab’ vor fünf Minuten aufgehört, dich zu lieben. Dann hab’ ich’s aufgeschrieben. Und mittlerweile sind es sieben.

5 Ben Harper – Uneven Days
On a bad day it isn’t better, on a good day it isn’t worse. When you and I aren’t together, love is just pain in reverse.

4 The Highwomen – Highwomen
I was a healer, I was gifted as a girl. I laid hands upon the world. Someone saw me sleeping naked in the noon sun, I heard „witchcraft“ in the whispers and I knew my time had come. The bastards hung me at the Salem gallows hill – but I am living still.

3 Trey Anastasio – Friend
When I was up, I had so many friends. When I was down, they were gone so fast. And you were always the one who stayed.

2 Weezer – High As A Kite
Way up here, no one can touch me, I’m drifting like a lost balloon. I’m out of reach and won’t be coming down any time soon, any time soon.

1 Niels Frevert – Brückengeländer
So lebe wohl, du rettungslos verlor‘nes Jahr, zieh‘ dahin mit dem Flüstern des Flusses, Strömung tief und klar. Was vergangen ist, ist vergangen und lange her, irgendwann nur noch Rost an den Händen vom Brückengeländer.

Meine zehn Lieblingslieder 2019 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingslieder 2018 (Spotify), 2017 (Spotify), 2016 (Spotify), 2015 (Spotify), 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

20 Jahre „Daheim“: s.m.h.-Album jetzt digital als Remaster erhältlich

1998, ein prägendes Jahr: im Sommer habe ich beim Radio angeheuert und sowas wie meine berufliche „Bestimmung“ gefunden. Und im Herbst ’98 musste ich ständig von Leipzig oder Werdau nach Hohenstein-Ernstthal pendeln. Denn dort entstand jenes Album, das ab heute erstmals digital und neu gemastert erhältlich ist – „Daheim“, das Album meiner damaligen Band s.m.h. Nach zwei mehr oder minder erfolgreichen DemoProduktionen, dutzenden und aberdutzenden Gigs überall im Raum Chemnitz, Zwickau, Vogtland hatten wir – fünf Schulfreunde aus der westsächsischen Provinz, die im örtlichen Jugendclub quasi zu einer Band zwangsverheiratet wurden – uns sowas wie eine eigene musikalische Identität aufgebaut. Uns ging es um Rockmusik, die groovt und tanzbar sein sollte, mit deutschen Texten. Die durften gern etwas verschwurbelt und nur nicht zu leicht dechiffrierbar sein – unsere Säulenheiligen hießen Nationalgalerie und Selig, Black Crowes und Lenny Kravitz.

Also mieteten wir uns wochenendenweise im F.O.E.N. Studio in Hohenstein-Ernstthal ein und nahmen auf – professionell angeleitet von Inhaber und Produzent Thomas Schäfer, an dessen Engelsgeduld mit uns hibbeligen Gradesonichtmehrteenagern ich mich besonders gern erinnere. Ziel war es, die im Sommer zuvor aufgenommenen Demos so effizient und gut wie möglich im Studio zu reproduzieren. Keine Gastmusiker, keine unnötigen Effekte oder Manierismen, nur „wir fünfe“ und unsere besten Songs. Anfang 1999 konnten wir das Ergebnis dieser Sessions in der ausverkauften Werdauer „Bruchbude“ der Weltöffentlichkeit präsentieren: „Daheim“ war da – und die Kräfte als Band schwanden. Zwar traten wir noch für ein gutes Jahr weiter auf (sogar in Berlin!) und schlugen uns die Wochenenden in Jugendclubs und Bierkneipen musizierend um die Ohren und ja, die CD verkaufte sich ganz ordentlich … Doch irgendwie war „die Luft raus“, Sachen wie Studium, Freundinnen oder Jobs verschoben unsere Prioritäten immer mehr, sodass s.m.h. irgendwann vorbei war, ohne, dass wir uns je bewusst aufgelöst hätten. Ein einmaliges Reunion-Konzert paar Jahre später, wiederum in Werdau, wiederum mit über 350 Gästen restlos ausverkauft, verdeutlichte uns nochmal, dass wir und unsere Musik offenbar einigen Leuten echt was bedeutet haben – ein schönes Gefühl, bis heute.

Fast forward ins Jahr 2018: zwanzig Jahre später mache ich immer noch hauptberuflich Radio und nebenbei, so oft es geht, Musik – heute mit meinen Freunden Heiko und Dirk in der Band 2zueins! und auch solo als Singer-/Songwriter. Dazu noch der 40. Geburtstag – klar, dass man da schon mal Rückschau hält und auch musikalisch Bilanz zieht. Es war mein Wunsch, die ersten beiden „richtigen“ Platten, an denen ich maßgeblich mitgeschrieben und -performt habe, digital verfügbar zu machen. Die 2003er Veröffentlichung „In der Zwischenzeit“ meines Projektes dunkelblau mit Matthi Frommann erschien daher im letzten Herbst, pünktlich zum 15jährigen Jubiläum. Jetzt, genau 20 Jahre nach Release, ist also auch „Daheim“ dran. Beide Machwerke hat marQs Plietsch im Authentic Audio Studio in Hof meisterlich und in liebevoller Kleinarbeit in die „klangliche Gegenwart“ katapultiert. Gerade das Album „Daheim“ klingt 2019 dadurch druckvoller und selbstbewusster denn je.

Als junge Band, die wir 1999 zweifelsohne waren, hadert man mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Das Album, so stolz es uns gemacht hat, gab unserer Meinung nach nie so ganz wieder, was wir musikalisch „sagen“ wollten. Schon ein paar Monate Abstand reichten, um zu denken: „Ach Mensch, das oder das hätten wir doch auch ganz anders machen, aufnehmen, arrangieren können …“ Höre ich mir jetzt, heute, im Februar 2019, das Remaster jener Platte aus dem letzten Jahrtausend (!) an, dann bin ich tief versöhnt und zufrieden mit dem Ergebnis und wirklich stolz darauf: doch, ja, das waren wir. Und genau so waren wir. Wir hatten „Sehnsucht nach Blues“, wussten „Wo es langgeht“, waren „Daheim“ in unserer Welt. Schön, dass es diese Erinnerungen ab heute überall zu hören gibt, wo online Musik gestreamt oder verkauft wird, zum Beispiel bei Spotify, YouTube Music, Apple Music, iTunes, Google Play, Amazon MP3. Ich wünsche viel Spaß damit. Und alles andere kommt später …

Mein 2018: Lieblingslieder

10 Leoniden – Kids
My ears are ringing, my throat is dry and my hands are trembling. Fuck it all, we killed it tonight.

9 George Ezra – Shotgun
Deep sea divin‘ round the clock, bikini bottoms, lager tops, I could get used to this.

8 Troye Sivan – The Good Side
I’m sure we’ll meet in the spring and catch up on everything. I’ll say I’m proud of all that you’ve done, you taught me the ropes, and you taught me to love.

7 Ben Harper & Charlie Musselwhite – When Love Is Not Enough
Choosing not to remember is no way to forget, that’s just a losing bet. It’s so unjust when love is not enough.

6 Jim James – Yes To Everything
Oh there was a time when I said yes to everything, completely open, was I mad? Or motherfuckin‘ out of my mind?

5 Pinegrove – Darkness
Some people spend their whole lives looking for someone who could understand, and while meanwhile a lilac blooming sometimes on the driest land.

4 Dawes – My Greatest Invention
You can turn a second inside out and end up with an eternity. But to polish up a diamond you have to clear some debris.

3 Blues Traveler – The Wolf Is Bumpin‘
It’s not running when you go nowhere or have no place to be, just to shuffle through the tearing smoke confused why you can’t see.

2 Brandi Carlile – Sugartooth
To think he had fought it all on his own just to lose the battle and die alone.

1 Andrew McMahon in the Wilderness – Teenage Rockstars
We taught ourselves to play and we’d play it loud.

Meine zehn Lieblingslieder 2018 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingslieder 2017 (Spotify), 2016 (Spotify), 2015 (Spotify), 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

„Komm, wir tanzen“ – jetzt neu als Remix mit spannender B-Seite

Ab heute überall, wo’s online Musik gibt: der „JZ Beat Mix“ meines Songs „Komm, wir tanzen“ aus dem aktuellen Album „Viel zu lang zu leise“ – gebastelt von Jonas Zimmermann, mit dem wir 2zueins!ler bereits auf unserer 2016er EP „Plus X“ zusammenarbeiten durften. Außerdem hab ich noch eine B-Seite dazu gepackt. Der „Johnzndahelk-Mix“ des Stückes „Lass los“ (aus dem „Gewinner“-Album von 2005) entstand vor ziemlich genau zehn Jahren. Mein Freund John Helke (R.I.P.) hat mit dem Song herumexperimentiert und mir eine mp3 davon geschickt. Jetzt hat marQs Plietsch bei Authentic Audio Johns Demo release-tauglich gemacht und ich kann es endlich mal als kleine Hommage und Erinnerung an „Johnzndahelk“ in die Welt entlassen.

Die beiden Tracks findet Ihr ab sofort u.a. bei Spotify, Google Play, Apple Music und Amazon Music – viel Vergnügen!

Neues Lyrics-Video zu „London im Regen“ #ListentoLeipzig

Was Frisches zum Angucken, Mitlesen und Mitsingen: mein 2zueins!-Bandkumpan Heiko Dietze hat ein Lyrics-Video zu „London im Regen“ gezaubert, dem ersten Song auf meinem aktuellen Soloalbum „Viel zu lang zu leise“ (gibt’s hier digital und hier als CD inkl. Live-Bonusalbum). Danke, Heiko – und allseits viel Spaß beim Anschauen!

Zu Gast im Leipzig Fernsehen

Neulich war ich zu Gast in Tim Thoelkes Sendung „Tim im Turm“ bei Leipzig Fernsehen. Wir haben über meine neue CD geredet, aber auch übers Radiomachen, die katholische Kirche und meinen Hang zu Künstlern mit Achterbahnkarrieren … Die Sendung könnt Ihr jetzt im LF-Nachtprogramm sowie in der Mediathek des Senders anschauen.

„Komm, wir tanzen“ – das Making-Of zum Video

Hier das Making Of zu meinem nagelneuen Video „Komm, wir tanzen“ – dem Vorboten zur CD „Viel zu lang zu leise“ (Vorbestellung hier). Danke besonders an Regisseur Lukas Drangmeister und unseren wunderbaren Assistenten Marcus Poschlod, der, wie im Making Of eindrucksvoll zu sehen, ganz besonders unter meiner herrschsüchtigen Art zu leiden hatte 🙂