Timmerevers: „Jeder ist eine Mission – an seinem oder ihrem Ort“

Katholikenrat diskutiert auf Herbstvollversammlung über die Zukunft des Bistums

SCHMOCHTITZ (11. November 2017). „Großartig, was die Bischöfe hier zur Zukunft der Kirche geschrieben haben – fortschrittlich, modern, auf Beteiligung aller ausgerichtet. Doch wie können wir diese Vision von Kirche am besten zu den Gläubigen in unseren Dekanaten, Verbänden und Gemeinden tragen?“ Angelika Pohler aus Leipzig ist beeindruckt vom 2015er Dokument „Gemeinsam Kirche sein“ der Deutschen Bischofskonferenz. Gemeinsam mit Bischof Heinrich Timmerevers und rund dreißig weiteren Delegierten aus den Gemeinden, christlichen Gemeinschaften und Verbänden diskutierte sie bei der Herbstvollversammlung des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen am vergangenen Wochenende im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz das Schreiben zur Erneuerung der Pastoral.

Für Bischof Heinrich liegt das die Antwort auf diese Frage ganz nahe. Er ermutigte die Mitglieder der Kirchenvolksvertretung, selbst aktiv zu werden und zu bleiben, jede und jeder an seinem oder ihrem Ort: „Um es mit Papst Franziskus zu sagen: ‚Ich bin eine Mission‘ – dieser Gedanke sollte uns allen in Fleisch und Blut übergehen. Wer glaubwürdig lebt, kann andere mitreißen und für Gott begeistern. In unseren Gemeinden, aber und gerade auch darüber hinaus.“

In der Diskussion über die Zukunft des Bistums Dresden-Meißen überraschte der Bischof mit seiner Antwort auf die Frage, ob er sich eine gemeinsame Synode von Kirchenleitung und Kirchenvolk vorstellen könne. „Ja, kann ich. Allerdings nicht jetzt. Derzeit laufen in unserem Bistum so viele wichtige Dinge wie etwa der Erkundungsprozess oder die Überarbeitung der Räteordnung, da würde eine ‘Synode obendrauf’ alle überfordern und verunsichern – mich eingeschlossen.“

Weiteres Schwerpunktthema der Herbstvollversammlung war die Rolle der Christen in Gesellschaft und Politik, besonders im Blick auf die Ergebnisse der diesjährigen Bundestagswahl. Hierzu lieferte Thomas Arnold, Leiter der Katholischen Akademie des Bistums, Impulse und Analysen. Martina Breyer, Vorsitzende des Katholikenrates, berichtete außerdem vom Treffen des Ratsvorstandes mit Ministerpräsident Stansilaw Tillich; ebenso informierte der ratsinterne Ausschuss “Familie und Soziales” über seine Arbeit. Den Delegierten wurde auch ein neuer Kommunikationsleitfaden präsentiert; außerdem stellte der neu gegründete Verein „engagiert-katholisch.de – Trägerverein für das Engagement von Katholiken im Bistum Dresden-Meißen in Kirche und Gesellschaft e.V.“ sich und seine zukünftigen Arbeitsfelder vor.

In einer letzten großen Arbeitseinheit erörterten die Delegierten schließlich den aktuellen Arbeitsstand der AG Räteordnung. Dieses vom Bischof 2016 einberufene Gremium erstellt derzeit Vorschläge für die künftigen Strukturen der Räte auf Gemeinde-, Dekanats- und Bistumsebene. Hierbei wurde besonders über das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen und die künftige Rolle der Dekanate diskutiert.

Der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen (früher: Diözesanrat) ist die demokratisch gewählte und anerkannte Vertretung des Kirchenvolkes und repräsentiert die katholischen Frauen und Männer aus den Pfarreien, Verbänden und Initiativen Sachsens und Ostthüringens. Die nächste Vollversammlung des Gremiums ist für den 10. März in Zwickau geplant.

Disclosure:
Dieser Text ist von mir im Auftrag des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen für verschiedene kirchliche Medien verfasst worden. Ich bin selbst Mitglied des Katholikenrates und kümmere mich dort u.a. um die Öffentlichkeitsarbeit.

Fotos: Stephanie Hauk, Rafael Ledschbor, Daniel Heinze.

Zum Ende des „Rheinischen Merkurs“

Als vor knapp neun Jahren von heute auf morgen „Die Woche“ eingestellt wurde – ich war begeisterter Abonnent dieser Wochenzeitung und mochte die unkonventionelle Art des Blattes – und mir statt „meiner“ Zeitung plötzlich der „Rheinische Merkur“ aus dem Briefkasten entgegenlachte, war ich entsetzt. Das sollte das Alternativaangebot für Ex-Woche-Leser sein? Der RM?? Offenbar hatte das Blatt aus Bonn die Adressdatei der „Woche“-Abonnenten erstanden und wollte jetzt so viele Leute wie möglich zum „Rheinischen Merkur“ konvertieren. Ich kannte den Merkur gut, nach der Wiedervereinigung verschenkte der Verlag (mithilfe spendenfreudiger Alt-Abonnenten aus dem Westen) massenweise Abos an ostdeutsche Familien und Kirchgemeinden. Und so kam ich schon als Teenager regelmäßig in den Genuss der Wochenzeitung – was sicherlich auch wesentlich zu meinem Entschluss beitrug, später doch lieber „Die Woche“ zu lesen , weil sie halt so anders war als der RM.

„Die Woche“ ist lange Geschichte, inzwischen bin ich seit Jahren Leser der „Zeit“ und habe mich nicht nur an sie gewöhnt, sondern mag sie sehr. Der „Rheinische Merkur“ spielte für mich kaum noch eine Rolle, es gab ihn halt, gelegentlich flatterte mal eine Testausgabe in unsere Redaktion. Vielleicht war ja genau das das große Problem der Wochenzeitung: sie hatte ohne Frage publizistisches Gewicht in Deutschland, als katholische, wertkonservative Stimme. Sie hatte bestimmt auch treue Leser. Nur eben kaum Käufer: in all den Jahren, die ich den RM bewußt mitbekommen und gelegentlich auch gelesen hatte, musste ich ihn mir nicht ein einziges Mal bezahlen, sondern bekam ihn stets hinterhergeworfen.

Jetzt haben die Gesellschafter, darunter maßgeblich die deutschen katholischen Bischöfe, dem RM in seiner bisherigen Form ein Ende gemacht – das Blatt verliert seine Eigenständigkeit, die Bestandsabonnenten bekommen künftig „Die Zeit“ mit einer sechsseitigen Beilage „Rheinischer Merkur – Christ und Welt“. Auch, wenn ich nie ein Fan oder regelmäßiger Leser war: ich finde es bedauerlich, dass der Merkur bald Geschichte ist. Angeblich war die Zeitung einigen Bischöfen zu liberal und ihnen deshalb ein Dorn im Auge. Offiziell begründet man die Einstellung bzw. die Umstrukturierung jedoch mit der fehlenden wirtschaftlichen Perspektive – so hat das Blatt wohl tiefrote Zahlen geschrieben und wurde von der Bischofskonferenz mit mehreren Millionen Euro pro Jahr bezuschusst.

Kam einigen Bischöfen die prekäre finanzelle Lage des Merkurs womöglich gelegen – um dem offenbar als zu „aufmüpfig“ empfundenen Treiben ein Ende zu machen? Wenn das tatsächlich stimmt – ich kann mich nur auf das berufen, was ich bei anderen zum Thema gelesen habe – dann wäre das Ende der Zeitung doppelt traurig.

Zum einen, weil ich es für wichtig halte, dass eine starke, klare und vor allen Dingen seriöse Stimme des konservativen katholischen Deutschlands existiert, auch wenn diese nicht meine eigene Meinung wiedergibt. Das würde die Kirche auch davor bewahren, dass zweifelhafte Fundamentalisten oder Hardliner zu „Lautsprechern“ in der Öffentlichkeit werden. Zum anderen, weil es mich in der Sorge bestärkt, dass meine Kirche in Sachen Öffentlichkeitsarbeit derzeit eher mauert, dichtmacht, schließt und ausschließt, statt Diskurs zu ermöglichen, Diskussionen mitzugestalten und Dialoge zu fördern.

Den Kollegen vom „Rheinischen Merkur“, die jetzt ohne Job dastehen, wünsche ich alles Gute und viel Erfolg beim Finden eines neuen Arbeitgebers. Denen, die die neue „Zeit“-Beilage gestalten, wünsche ich ebenfalls gutes Gelingen für diese sicherlich spannende Aufgabe. Unseren Bischöfen und meiner Kirche hier im Lande wünsche ich mehr Mut zur Debatte und zum Tragen (und manchmal auch Er-Tragen) von Mitchristen, die auch mal anderer Meinung sind.