Mein 2018: Lieblingslieder

10 Leoniden – Kids
My ears are ringing, my throat is dry and my hands are trembling. Fuck it all, we killed it tonight.

9 George Ezra – Shotgun
Deep sea divin‘ round the clock, bikini bottoms, lager tops, I could get used to this.

8 Troye Sivan – The Good Side
I’m sure we’ll meet in the spring and catch up on everything. I’ll say I’m proud of all that you’ve done, you taught me the ropes, and you taught me to love.

7 Ben Harper & Charlie Musselwhite – When Love Is Not Enough
Choosing not to remember is no way to forget, that’s just a losing bet. It’s so unjust when love is not enough.

6 Jim James – Yes To Everything
Oh there was a time when I said yes to everything, completely open, was I mad? Or motherfuckin‘ out of my mind?

5 Pinegrove – Darkness
Some people spend their whole lives looking for someone who could understand, and while meanwhile a lilac blooming sometimes on the driest land.

4 Dawes – My Greatest Invention
You can turn a second inside out and end up with an eternity. But to polish up a diamond you have to clear some debris.

3 Blues Traveler – The Wolf Is Bumpin‘
It’s not running when you go nowhere or have no place to be, just to shuffle through the tearing smoke confused why you can’t see.

2 Brandi Carlile – Sugartooth
To think he had fought it all on his own just to lose the battle and die alone.

1 Andrew McMahon in the Wilderness – Teenage Rockstars
We taught ourselves to play and we’d play it loud.

Meine zehn Lieblingslieder 2018 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingslieder 2017 (Spotify), 2016 (Spotify), 2015 (Spotify), 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

Mein 2018: Lieblingsalben

10 The Decemberists – I’ll Be Your Girl
Spätestens in diesem Jahr hat dieser back-to-the-80s-Trend auch Acts erreicht, die ich normalerweise gerade dafür schätze, dass sie ganz und gar nicht nach den Achtzigern klingen: Dawes, Josh Rouse – und auch The Decemberists. Die Folkrocker aus Portland spielen auf „I’ll Be Your Girl“ mit Synthie-Arpeggios, Flanger-Drums, Saxophon-Solos, Fretless-Bässen und U2-Gitarren. Liest sich, als wäre das Musik zum Wegrennen. Doch auf wunderbare Weise funktioniert dieser Klang-Ausflug. Was an den starken Songs liegt („Cutting Stone“, „Sucker’s Prayer“ oder das geniale „Russalka, Russalka / The Wild Rushes“). Und daran, dass Colin Meloy & Co. diese Soundelemente stets gezielt und geschmackssicher einzusetzen wissen.

9 Van William – Countries
„Was sind das bloß für Menschen die Beziehungen haben / Betrachten die sich denn als Staaten?“ Diese Zeile von Heinz-Rudolf Kunze kommt mir in den Sinn, wenn ich an das Solo-Debüt von Ex-Port O’Brien-Sänger Van William denke. Auf „Countries“ verarbeitet der Fischersohn aus Alaska unter anderem das Ende einer sechsjährigen, naja… Beziehung und benutzt genau das gleiche Bild: ihn fessele die idea of two people in a relationship acting as separate countries, hat er in einem Interview gesagt. Mehr noch, er schlägt sogar den ganz großen Bogen zur Politik und vergleicht derart Zwischenmenschliches mit dem aktuellen politischen Klima in den USA. Was die Platte so charmant macht: diese inhaltliche Schwere hört man den im sonnigen Kalifornien aufgenommenen Songs kaum an – ein faszinierender Kontrast.

8 Ben Harper & Charlie Musselwhite – No Mercy In This Land
Wie relevant Blues als Protestmusik im Jahr 2018 ist, beweisen Ben Harper (Gitarre, Gesang) und Charlie Musselwhite (Mundharmonika, Gesang) auf ihrem zweiten gemeinsamen Album: sie besingen wütend die Flüchtlingspolitik der aktuellen US-Regierung, gehen gnadenlos mit der eigenen (überwundenen) Alkoholabhängigkeit ins Gericht, berühren mit Zeilen übers Älterwerden (Harper) oder gar den Mörder seiner Mutter (Musselwhite). Handwerklich sind die zwei und ihre Mitmusiker freilich über jeden Zweifel erhaben und die nahezu komplett live im Studio eingespielten Stücke klingen durchweg beseelt und zutiefst authentisch.

7 Lawrence – Living Room
Was für ein Jahr für die Geschwister Clyde und Gracie Lawrence und ihre Band! Ausverkaufte Konzerte, Touren durch die Vereinigten Staaten und Europa, ein erster Auftritt in einer landesweiten Late-Night-TV-Show. Vor allem aber: die Sache mit dem schwierigen zweiten Album souverän gemeistert. „Living Room“ bringt einerseits mehr von diesem gut gelaunten Funk-Pop, mit dem Lawrence sich einen Namen gemacht haben. Andererseits ist da eine neue Reife und Tiefe hörbar, der Mut zur Reduktion, zum Detail. Was die Sache gleich noch viel interessanter macht.

6 Dave Matthews Band – Come Tomorrow
Was für ein Jahr aber auch für Dave Matthews und sein Millionenunternehmenseine Band! Erst der Rausschmiss von Geiger Boyd Tinsley, der sich vor Gericht dem Vorwurf der sexuellen Nötigung stellen muss. Dann die erste Tour seit 2016, und das ohne Gründungsmitglied Tinsley, dafür mit dem neuen Keyboarder Buddy Strong. Und zwischen all dem stand da noch die Fertigstellung des lang erwarteten neunten Albums der Dave Matthews Band auf der To-Do-Liste. „Come Tomorrow“ ist ein Sammelsurium aus verschiedenen zwischen 2006 und 2017 abgehaltenen Aufnahmesessions, mit vier Produzenten und wechselnden Musiker-Line-Ups. Hätte also auch mächtig schief gehen können, hat aber geklappt. Matthews und seine Kollegen klingen auf „Come Tomorrow“ verblüffend zeitgemäß; live soll die Band in diesem Sommer eine Sensation gewesen sein.

5 Isaac Gracie – Isaac Gracie
Die Musik des langhaarigen Londoners ist absolut nicht innovativ oder revolutionär. Aber sie ist sagenhaft gut. Isaac Gracie sieht aus, als hätten wir noch 1993, doch er schreibt und singt im besten Sinne zeitlose Songs – über sich selbst, die Liebe, den Alkohol, über Hoffnung und Verzweiflung. Mal erinnert er mich an Nick Drake, mal an Jeff Buckley, was ja nicht die schlechtesten Assoziationen sind. Trotzdem ist da ein eigenständiger Gracie-Sound, eine durchaus selbstbewusste Haltung; für’s bloße Zitieren oder Nachahmen ist er viel zu clever und versiert. Meine persönliche Singer-/Songwriter-Entdeckung des Jahres.

4 Dawes – Passwords
Mir war vollkommen klar, dass der Nachfolger zu „We’re All Gonna Die“ ebendieses Meisterwerk im Dawes-Katalog nicht würde toppen können. Muss es auch gar nicht. Dafür sind die einzelnen Alben der Band zu verschieden, auch erwarte ich von keiner Band, dass sie sich ständig überbieten muss. Tatsächlich ist „Passwords“ ziemlich anders als „We’re All Gonna Die“. War die 2016er Platte sowas wie der perfekte Soundtrack für einen Nachmittag mit Freunden am Strand, so ist die 2018er eher Musik für einen Winterabend mit Scotch und schweren Gesprächen. Dawes verhandeln auf „Passwords“ die ganz großen Themen wie gesellschaftlichen Zusammenhalt, ewige Liebe und technischen Wandel und packen dies in ein synthesizerlastiges, geradezu spaciges Klanggewand. Und machen damit mal wieder alles richtig.

3 Pinegrove – Skylight
Warum Pinegrove seit Herbst 2017 eine knapp einjährige Zwangspause eingelegt haben, lässt sich nicht kurz und knapp erklären, dafür aber in aller Ausführlichkeit nachlesen. Schön, dass die Band seit September wieder „da“ ist und „Skylight“ nun doch erschienen ist. Wie keine andere Band mixen Pinegrove Indie-Rock und Alternative Country. Verblüffend, wie viel Tiefe und Seele auch in diese Anderthalbminüter passen, die sie immer wieder zwischen ihren längeren Songs einstreuen. Nach wie vor: das Kollektiv um Evan Stephens Hall hat eine große Zukunft vor sich.

2 Blues Traveler – Hurry Up & Hang Around
Blues Traveler-Fans mussten in letzter Zeit sehr geduldig sein – erst wurde das im Mai 2017 eingespielte Album für den Herbst des gleichen Jahres angekündigt. Dann für Januar 2018. Dann für Juni 2018. Nur, um es im Mai auf den Oktober zu verschieben. Doch dann kam es wirklich, und für die Warterei wurde man bestens entschädigt. Kaum zu glauben, dass dies der Output einer Band ist, die bereits mehr als 30 gemeinsame Jahre auf dem Buckel hat. Die Zeit der Songwriting-Kooperationen und Soundexperimente ist erstmal vorbei. Lustigerweise hat uns genau das das inspirierteste und selbstbewussteste Blues Traveler-Album seit vielen Jahren beschert.

1 Brandi Carlile – By The Way, I Forgive You
Die Geschichten, die Brandi Carlile auf diesem Album erzählt, berühren mich zutiefst. Das geht mit der Titelzeile los, gerichtet an jenen Pastor, der sich weigerte, Brandi im Teenageralter zu taufen, weil sie schon damals offen mit ihrer Homosexualität umging. Da ist „The Mother“, in dem sie die Liebe zu ihrer Tochter Evangeline besingt. Da ist aber auch die Story von „Sugartooth“, der den Drogen nicht entsagen konnte. Und und und. Dass Carlile zu den ganz großen Sängerinnen unserer Zeit gehört, war ja lange klar. „By The Way, I Forgive You“ ist ihr bisheriges Meisterwerk. Und das Herzergreifendste, was ich in diesem Jahr hören durfte.

Meine zehn Lieblingsalben 2018 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Mein 2017: Lieblingsalben

10 Garish – Komm schwarzer Kater
Erstmals aufgefallen sind mir Garish 2004 mit ihrem Album „Absender auf Achse“. Songs wie „Einmal aus dem Nest gefallen findet man nicht mehr“ klangen faszinierend, ein wenig verspult und seltsam – wunderbar also! Auch alle weiteren Garish-Veröffentlichungen waren interessant, hörenswert, jeweils besonders. Dieses Mal haben sie mich aber so richtig gekriegt. „Komm schwarzer Kater“, das siebente Album der Österreicher, quillt geradezu über vor tollen Melodien, detailversessenen Arrangements und famosen Texten irgendwo zwischen plakativ und poetisch. Zehn Songs, zehn Ohrwürmer – das muss man erstmal hinkriegen.

9 John Mayer – The Search For Everything
Nein, das erhoffte „Continuum 2.0“ ist „The Search For Everything“ nicht geworden. Dennoch war es ein cleverer Zug von John Mayer, der dieser Tage auch bei Dead & Company dem Werk Jerry Garcias huldigt, die Leute, die für sein bislang gelungenstes Studioalbum verantwortlich waren, nach über zehn Jahren wieder um sich zu scharen. Mayer und sein Team komponieren geschmackvoll, performen makellos und liefern eine technisch über jeden Zweifel erhabene Produktion ab. Gern hätte es etwas mehr Gitarre und etwas weniger Puderzucker sein dürfen, insgesamt überzeugt „The Search For Everything“ aber auf ganzer Linie.

8 Rhiannon Giddens – Freedom Highway
Frau Giddens trat in mein Leben als Mitglied der „New Basement Tapes“ im Jahr 2014: was für eine Stimme! Seit Ewigkeiten macht die Musikerin aus North Carolina bereits Musik, und doch ist „Freedom Highway“ erst ihr zweites Soloalbum. Ergreifend, wie sie Folk und Blues ins Hier und Heute holt, wie sie in die lange amerikanische Songwriter-Tradition eintaucht und diese mit eigenen Geschichten und Beobachtungen fortschreibt. Eine Platte, in der man sich verlieren kann – traumhaft schön, aber dennoch mit Biss und reichlich Ecken und Kanten.

7 John Moreland – Big Bad Luv
Gar nicht sooo weit Weg von Rhiannon Giddens ist John Moreland – auch ihm tut man nicht Unrecht, wenn man seine Musik im Bereich Americana / Alternative Country ansiedelt. Moreland ist dabei aber eher am Singer-/Songwriter-Ende dieses Spektrums zu Hause als im folkloristischen Bereich. Die eingängigen, bisweilen fast lieblichen Melodien auf „Big Bad Luv“ stehen im krassen Gegensatz zu Morelands Texten, die von häufig von Schmerz, Leid und unerfüllter Liebe erzählen. Ein melancholisches Meisterwerk.

6 Conor Oberst – Salutations
Bei seinen Backingbands macht Conor Oberst keine Kompromisse – 2014 begleiteten ihn die wunderbaren Dawes auf Tour und waren Vorband und Mitmusiker in einem. Diesmal hat sich der Bright-Eyes-Erfinder für sein neues Album die nicht minder wunderbaren Felice Brothers ins Studio geholt. Noch so ein match made in heaven. Die starken Songs, zum Teil bereits bekannt durch das introvertierte Vorgängeralbum „Ruminations“, kommen in üppigen und quietschfidelen Folkrock-Arrangements daher und ergeben zusammen die bislang bestgelaunte Oberst-Soloplatte, ohne dabei irgendwelche Kompromisse in Sachen Qualität zu machen.

5 Portugal. The Man – Woodstock
Portugal. The Man haben sich vier Jahre Zeit gelassen, bevor sie uns 2017 statt der siebenten Auflage ihres bewährten und geschätzen Indie-Rocks erstmals ihre Version von Blockbuster-Popmusik vorstellten. Ein Teil der Fans schrie „Sellout“, doch der Rest der Welt verliebte sich in Songs wie „Feel It Still“ und „Live In The Moment“, die zu Hits des Jahres wurden. „Woodstock“ macht Riesenspaß und ich finde es bemerkenswert, wie gut der Spagat zwischen Altem und Neuem gelungen ist – man erkennt die Band sofort, und doch klingt sie anders als bisher – auf gute Art zeitgemäßer. Hut ab!

4 Declan McKenna – What Do You Think About The Car
Heiligabend wird Declan McKenna 19 Jahre alt. In den letzten zwölf Monaten jazzte ihn die britische Musikpresse zur „Stimme seiner Generation“ hoch und freute sich, endlich einen neuen Indie-Posterboy zu haben. Clever, wie sich der selbstbewusste Teenager diesen Erwartungshaltungen entzog: er wolle doch nur Musik spielen, die Leute sollen mal nicht so ein Gewese um ihn machen. Und das Album brauche halt noch etwas Zeit, also nimmt er sich die. Tatsächlich: nähert man sich McKenna ganz ohne Hype, bleibt ein Ausnahmetalent mit einem hammerguten Debütalbum übrig. Herz, was willst Du mehr.

3 Phoebe Bridgers – Stranger in the Alps
Wären das hier die späten neunziger oder frühen nuller Jahre, hätte man aus Phoebe Bridgers sowas wie die nächste Alanis Morissette machen können. Oder eine Folkversion von Avril Lavigne. Aber Gott sei Dank ist das hier 2017 und es versucht gerade keiner, diese junge Künstlerin aus L.A. in ein majorlabeltaugliches Klischee zu stecken. „Stranger in the Alps“ ist ganz, ganz große Singer-/Songwriterkunst, die sich aller möglichen Stile bedient und durch die sanfte, glasklare, doch an keiner Stelle beliebigen Stimme von Phoebe Bridgers zusammengehalten wird.

2 Chris Barron – Angels And One-Armed Jugglers
Wer hier regelmäßig mitliest, weiß längst, dass ich Chris Barron für einen der besten Songwriter unserer Zeit halte – in und außerhalb seiner Hausband Spin Doctors, die dieser Tage zwar regelmäßig tourt, aber seit vier Jahren keine neue Musik veröffentlicht hat. Stattdessen also ein weiteres Soloalbum. „Angels And One-Armed Jugglers“ gleicht einer Show-Revue voller großer und kleiner Kunststücke, Schmunzler, anrührender Momente und tiefgründiger Erkenntnisse. Unmöglich, sich an dieser Platte satt zu hören. Applaus!

1 Doc Robinson – Deep End
Zwei Dudes aus Columbus, Ohio. Noch weit, weit weg vom ganz großen Hype. Nach einer ersten EP das Debüt-Album. Sie nennen es „backyard BBQ breakup music“ und führen als wichtigste Einflüsse „Trennungen, lange Nächte, die gute alte Zeit, Poolpartys und den Sommer“ an. Pop, ordentlich versetzt mit Soul und R’n’B, aber auch auch einer Prise Folk. Nichts unerhört Neues, aber eben genau das Richtige, extrem entspannt und doch voller Spielfreude dargeboten. Und tatsächlich meine „Platte für alle Gelegenheiten 2017“: fürs Sonntagmorgenkaterfrühstück mit Freunden und Gartenpartys genauso wie für lange Zugfahrten durch den trübgrauen deutschen Herbst.

Meine zehn Lieblingsalben 2017 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingsalben 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Mein 2016: Lieblingslieder

Stoppok - Operation 17

10 The Avett Brothers – Ain’t No Man
There ain’t nobody here who can cause me pain or raise my fear because I got only love to share. If you’re looking for truth I’m proof you’ll find it there

9 Ove – Wo Du schläfst
In all die Löcher, die Du gräbst, fall ich rein. Da, wo Du schläfst, möcht ich sein

8 The Tallest Man On Earth – Time Of The Blue
Now, is it fear? How does it ring? How does it teach young birds to sing? And riot through the orchestra? When is quiet coming?

7 Yeasayer – I Am Chemistry
My mama told me not to fool with oleander and never handle the deadly quaker buttons again

6 Ansel Elgort – Home Alone
At the end of the night when I turn off the lights and the bullshit fades away, I don’t wanna go home alone

5 Sinéad O’Connor – Trouble Will Soon Be Over
Though my burden may be heavy, my enemies crush me down, someday I’ll rest with Jesus and wear a starry crown

4 Die Höchste Eisenbahn – Erobert & Geklaut
Was ich nicht kenne, muss ich fürchten, es könnte meine Rettung sein. Unter der Wolkendecke ist Platz für alle – nur wenn es regnet, gehen nicht alle rein

3 Jake Bugg – Love, Hope And Misery
They say it comes in threes; love, hope and misery, and the first two have gone and tell me if I’m wrong, I hope that I am and you don’t hate me

2 Dawes – Quitter
Quit wasting my time because pretty soon you’ll find it’s the only thing of value that we own. You’re gonna have to quit everything, until you find one thing you won’t

1 Stoppok – 1 Weg hier raus
Es muss n Weg hier raus geben, raunzt der Teufel, mir wird die Sache hier zu heiss

Meine zehn Lieblingslieder 2016 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingslieder 2015 (Spotify), 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

Mein 2016: Lieblingsalben

Dawes - We're All Gonna Die. Mein Album des Jahres 2016.

10 Stoppok – Operation 17
Schafft auch nicht jeder: Stoppok kam dieses Jahr mit dem 17. Studio-Werk seiner Karriere um die Ecke. Allein dafür gebührt Deutschlands unkapputbarstem Barden höchster Respekt. Dass dieses Album dann aber auch noch bergeweise tolle Songs enthält, ist umso feiner – Stücke wie „Rausch ab“, „Regenlied II“, „1 Weg hier raus“ oder „Planlos durch das All“ sind frisch, geistreich, absolut geschmackssicher produziert und performt; es ist eine wahre Freude. Stoppoks neues Material ist so gut, dass man ihm den einzigen Ausrutscher der „Operation 17“ („Friss den Fisch“, ein unnötiges „Dumpfbacke“-Ripoff) lächelnd nachsieht.

9 John Legend – Darkness And Light
Spätestens seit er das letzte Studioalbum der Alabama Shakes veredelt hat, gilt Blake Mills als einer der angesagtesten Produzenten der Stunde. Zu Recht: was auch immer dieser schluffihaft-schlacksig wirkende Kerl zur Zeit auch anfasst, wird zu Gold. Das gilt für eine Platte ganz besonders, von der hier später noch zu lesen sein wird. Das gilt aber auch für das fantastische neue Soloalbum von Jim James und eben für „Darkness And Light“ von R’n’B-Star John Legend. Ganz und gar nicht platte Soulmusik, der Mills clevere Arrangements spendiert, die den Kern des Songs jeweils zielsicher herausarbeiten. Dazu grandiose Gesänge und ein unfassbar cooler, knackiger Gesamtsound – das macht den Herren Mills und Legend so leicht keiner nach.

8 Open Hearts Society – Driftwood Radio
Als „Rural Folk Boogie“ bezeichnet das Trio seine Musik, und diese Beschreibung passt wie die Faust aufs Auge. Fünf Jahre nach „Love In Time“ folgt nun also „Driftwood Radio“, eine komplett unaufgeregte, wunderschöne Platte irgendwo zwischen Folk, Country und Blues. Dass Eric Schenkman in dieser Band so ganz und gar nicht nach seiner Hauptband Spin Doctors klingt, sondern wesentlich sanfter, versponnener und relaxter, überrascht zunächst, passt aber hervorragend. Mit seinen gerade mal acht Songs mag diese Veröffentlichung wie ein Minialbum wirken. Wer sich drauf einlässt, merkt aber schnell, wie groß(artig) „Driftwood Radio“ geworden ist.

(Zu den Songs von „Driftwood Radio“ gibt’s noch keine Videos, daher hier ein älterer Song der Band. You get the idea.)

7 Ben Harper & The Innocent Criminals – Call It What It Is
Hätte ja auch schief gehen können. Ben Harper trommelt seine Innocent Criminals nach fast sieben Jahren Funkstille wieder zusammen. In den Urlaub geschickt hatte er sie damals, weil er ihrer wohl ein wenig überdrüssig war. Doch das ist lange her – nach einer gefeierten Comeback-Tour kam dieses Jahr nun „Call It What It Is“. Das Album ist durchweg kurzweilig und bunt, Harper glänzt mit starken Songs und die Band groovt so famos wie eh und je. Meine einzige Kritik ist, dass das Ganze leider etwas überraschungsarm geraten ist. Doch das sei als Kritik auf allerhöchstem Niveau verstanden.

6 PROSE – Home Of The Brave
Meine Neuentdeckung des Jahres. Ein junges Trio aus Manchester, das Rap, Akustik-Folk und Pop auf eine Weise vermischt, wie ich sie bisher noch nicht gehört habe. Dabei spürt man deutlich, dass die Jungs tief im Hip Hop verwurzelt und beheimatet sind; andererseits aber auch ein Händchen für große Melodien haben. Kurzweilig, clever, wunderbar.

5 Bon Iver – 22, A Million
Album Nummer drei von Bon Iver also. Auf Waldhüttenliebeskummerfolk und großen Kammerpop folgt ein sperriger Hybrid aus klassischem Songwriting, (w)irren Samples, unzählbaren Grooves und kruder Zahlenmystik. Was bei den ersten paar Durchläufen erstmal gehörig fordert und überfordert, entpuppt sich nach und nach als Meisterwerk. Justin Vernon weiß in jeder Sekunde ganz genau, was er da tut und spendiert der Welt damit so ganz nebenbei auch noch eine Handvoll wunderbarer Melodien, die sich souverän aus den komplexen Klanglandschaften herausschälen. Und immer wieder tönt aus der Ferne ein Saxophon. Im besten Sinne ein anstrengendes Vergnügen.

4 The Avett Brothers – True Sadness
Produzentenguru Rick Rubin und die Gebrüder Avett scheinen einen Narren aneinander gefressen zu haben – immerhin ist „True Sadness“ bereits das vierte Album, dass die Alternative-Folk-Helden mit dem bärtigen Soundgenie aufgenommen haben. Es ist ein großer Wurf geworden! Die Avett Brothers tasten sich angstfrei in neue musikalische Gefilde vor und erkunden dabei weniger wie in der Vergangenheit eher schrammelige Rock-Ecken, sondern vielmehr elektronisches und Progrock-Terrain. Das geht deshalb gut, weil im Kern stets rustikale, leidenschaftliche Songs zu finden sind. Und so klingt dieses Album halt sowohl klassisch-zeitlos als auch modern und experimentierfreudig.

3 Die Höchste Eisenbahn – Wer bringt mich jetzt zu den Anderen
Was einst als loses Nebenprojekt begann, wurde spätestens 2016 zur obersten Instanz in Sachen Songwriter-Pop in Deutschland. Irre, wie viele Menschen unterschiedlichster musikalischer „Heimaten“ sich derzeit auf diese Band und ihre Songs einigen können. „Wer bringt mich jetzt zu den Anderen“ ist ein in jeder Hinsicht gelungener Nachfolger von „Schau in Lauf Hase“; die Herren Krämer und Wilking haben den Stil, wie sie die kleinen großen Dramen des Erwachsenseins in lakonische Lieder gießen, weiter perfektioniert. Schlau, aber nicht binsenweise. Eingängig, aber nicht beliebig. Herzlich, aber kein bisschen kitschig. Okay, nur ein ganz kleines bisschen.

2 Lawrence – Breakfast
Als diese Platte erschien, hatten Lawrence noch keinen Plattenvertrag. Kurz vor Jahresende konnte die Band um die höllisch talentierten Geschwister Clyde (23) und Gracie (19) bei einem der letzten Majorlabels unterschreiben. Wenn man sich anhört, wozu die beiden und ihre durchweg hervorragenden Mitmusiker im Stande sind, wird schnell klar, warum das geklappt hat: das hier ist geschmeidiger Pop mit ganz viel Funk und Soul, handwerklich über jeden Zweifel erhaben, dennoch frisch und zeitgemäß. Würde mich nicht wundern, wenn uns die Lawrence-Bande in Kürze von den oberen Charts-Rängen aus zuwinkt.

1 Dawes – We’re All Gonna Die
Schon wieder Dawes? Ja, schon wieder. Aber nicht, weil ich halt ein treudoofer Fan bin, sondern weil dieses nur 15 Monate nach „All Your Favorite Bands“ wie aus dem Nichts gekommene Album einen Triumph auf ganzer Linie darstellt. Blake Mills (siehe oben) ist es zu verdanken, dass Dawes nicht einfach zum fünften Mal eine Platte im ähnlichen Stil aufgenommen haben, sondern ihren Sound deutlich erweitern konnten: viel mehr Keyboard, klangliche Spielereien an Schlagzeug und Bass, harmonisch gewagtere Songstrukturen und und und. Herz und Seele der Band sind dabei aber nicht auf der Strecke geblieben, im Gegenteil. Was einem hier so modern und frisch entgegentönt, sind einige der stärksten Songs im an starken Songs wahrlich nicht armen Dawes-Katalog.

Meine zehn Lieblingsalben 2016 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Mein 2015: Lieblingslieder

Nathaniel Rateliff & The Night Sweats

10 Houndmouth – My Cousin Greg
If you wanna live the good life, well, you better stay away from the limelight.

9 The View – Talk About Two
Laugh at things no one else finds funny, things we pluck out of thin air. Try not to sing and let’s talk about the thing that make them bells ring everywhere.

8 Wilco – Magnetized
I sleep underneath a picture that I keep of you next to me. I realize we’re magnetized.

7 Jed Appleton – Too Scared
So where are you now, well take a look at yourself. Are you too scared of failure, just like everyone else?

6 Greg Holden – Boys In The Street
There was no way of knowing ‚cause all I was taught is men only love women, but now I’m not sure. My son, keep kissing boys in the street.

5 My Morning Jacket – Believe (Nobody Knows)
It begins and on and on a baby’s born, the elder’s down, all in their time. Start a door, the setting sun, the day has come, my mind is open, my oh my.

4 Dawes – All Your Favorite Bands
Do you really wanna know about these lines on my face? Well, each and every one is testament to all the mistakes I’ve had to make to find courage.

3 The Canoes – Candle
Let the snow dance in your eyes and we’ll forget the whens and whys. For you and i there’s only birds and blues and skies.

2 Blues Traveler feat. Secondhand Serenade – The Darkness We All Need
And it swept away my fears and who I used to be learning that the good will overcome and set me free.

1 Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – S.O.B.
Now for seventeen years I’ve been throwing them back, seventeen more will bury me. Can somebody please just tie me down or somebody give me a goddamn drink?

Meine zehn Lieblingslieder 2015 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingslieder 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

Mein 2015: Lieblingsalben

My album of the year 2015.

10 My Morning Jacket – The Waterfall
Es ist ja eher selten, dass man durch das siebente Album einer Band zum Fan wird. Mit My Morning Jacket ist es mir aber tatsächlich so ergangen! Immer wieder bin ich in den letzten Jahren über Jim James gestolpert – sein Soloalbum von 2013 fand ich klasse, seine Mitarbeit bei den Monsters Of Folk und den New Basement Tapes ebenso. War also nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich endlich mal seiner „Hauptband“ widmen würde. „The Waterfall“ war dann in diesem Jahr der Einstieg: mir imponiert die Leichtigkeit, mit der MMJ unterschiedlichste Stile zusammenwürfeln. Mal kauzig, mal genial, stets hörenswert.

9 Galactic – Into The Deep
Die Funk-Jazz-Electro-Bande aus New Orleans hat mal wieder zugeschlagen: „Into The Deep“ ist ein musikgewordener melting pot – Mardi Gras-Euphorie vermischt sich mit Soul und Pop; mal wird ungehemmt herumgejammt, im nächsten Moment kommen Galactic mit einer radiotauglichen R’n’B-Nummer um die Ecke. Dazu unglaublich viele gute Gäste – von Macy Gray und Mavis Staples bis Ryan Montbleau. Right on!

8 Houndmouth – Little Neon Limelight
Dieser hallverliebte Schrammelsound, der an längst vergangene Jahrzehnte erinnert, war ja DAS große Indie-Ding 2015. Als hätten all die folkig-countryesken Americana-Bands, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen, mit einem Mal E-Gitarren, Verstärker und Schweineorgeln für sich entdeckt. Mit „Little Neon Limelight“ machen Houndmouth dabei für meinen Geschmack irgendwie alles richtig: diese Hippieseligkeit, mit der sie ihre großen Melodien in die Welt hinaussingen! Diese schnodderigen Gitarren! Kann es kaum erwarten, diese Band mal live zu sehen.

7 Jed Appleton – The Other Side Of Home
Jed Appleton ist eine musikalische Zufallsbekanntschaft – der gerade mal 20jährige Australier war „nur“ die „Vorband“ von Stu Larsen in Brighton, hat aber tatsächlich den bleibenderen Eindruck hinterlassen. Appleton schreibt gewaltige, spannende Songs und performt diese zutiefst leidenschaftlich. Später im Jahr erschien dann „The Other Side Of Home“, eine Platte, die den formidablen Live-Eindruck bestens abbildet, aber obendrein auch noch mit wirklich sensationellen Bandarrangements aufwartet.

6 Josh Ritter – Sermon On The Rocks
Seit Jahren liefert Josh Ritter verlässlich gute Alben und EPs ab. Aber selten war er so hörbar gut gelaunt wie auf „Sermon On The Rocks“. Das Album erinnert mich an eine komplexere TV-Serie: jeder Song erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, jeder Song wartet mit anderen musikalischen Akzenten auf – am Ende ergeben alle „Folgen“ aber ein großes Ganzes. Meisterlich.

5 Bilderbuch – Schick Schock
Als „Schick Schock“ Anfang des Jahres erschien, war der mediale Hype um Bilderbuch gigantisch: die „Retter des Austro-Pops“, die „Erben Falcos“, „die Kanye Wests der Alpenrepublik“ und was weiß ich noch alles. Inzwischen gehören Bilderbuch längst zum Festival-Standard-Lineup und sind „Mainstream“, längst suchen die Magazine und Meinungsbildner nach neuen Hypes. Das Wunderbare an der ganzen Sache: „Schick Schock“ ist auch fast ein Jahr nach Veröffentlichung immer noch ein großer Spaß, ein famoses und so in deutscher Sprache bislang „unerhörtes“ Album.

4 Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – Nathaniel Rateliff & The Night Sweats
Siehe Platz 8. Als hätte man den recht interessanten, aber bisher nicht so wirklich herausragenden Songwriter Rateliff von der Leine gelassen und zusammen mit einer Rockkapelle aus den Siebzigern in einen Proberaum gesperrt. Das Ergebnis: wo gerade noch Folk und Americana waren, regieren jetzt soulige Vocals, übermütige Brass-Lines und und psychedelische Orgeln. Eine wunderbar aufeinander eingespielte Band legt mit Mörderhits gespicktes Album vor, das wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

3 Blues Traveler – Blow Up The Moon
Kann man ein Album lieben und gleichzeitig hassen? Und dann auch noch auf Platz drei seiner persönlichen Lieblingsplatten des Jahres setzen? Ich muss es einfach tun. Ja, ich liebe Blues Traveler für ihren Mut, ein Album wie dieses aufzunehmen: jeder Song eine Zusammenarbeit mit einem anderen musikalischen B-Promi – mal Mainstreamcountry, mal Dancehall, mal Pop. Kollaborationen, so bizarr, dass man sie sich nie und nimmer ausdenken könnte – Blues Traveler featuring 3OH3? Oder Hanson? Oder Jewel? Noch bizarrer ist nur, dass das Konzept aufgegangen und das Ergebnis unerwartet hörenswert ist. Hier ist nichts Routine, hier ist nichts „wie immer“. Das fördert einerseits wirklich starke Songs zu Tage, die ich nicht mehr missen möchte. Das nervt den eingefleischten Fan andererseits aber auch zutiefst, weil der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich mal wieder ein „klassisches“ Blues-Traveler-Album „aus einem Guss“. Doch davon ist „Blow Up The Moon“ tatsächlich meilenweit entfernt.

2 Dawes – All Your Favorite Bands
Klassischer könnte hingegen das vierte Album von Dawes kaum ausgefallen sein. Die Goldsmiths und ihre Bandkollegen liefern einmal mehr eine von vorne bis hinten gelungene Songsammlung ab. Alles, was ich an den bisherigen Platten der Band klasse finde, taucht hier wieder auf: sie scheinen einfach von einem Songwriting-Zaubertrunk genascht oder eine magische Formel für perfekte Lieder vererbt bekommen zu haben. Dennoch klingt das alles nicht nach viertem Aufguss, sondern frisch, selbstbewusst und herrlich entspannt.

1 My Brothers & I – Don’t Dream Alone
Überraschung! Eine junge Indieband aus Portland, die bisher weder den Durchbruch in den USA, geschweige denn weltweit geschafft hat, liefert „mein“ Album des Jahres ab. Die drei Gebrüder Wurgler und ihre zwei Kumpels aus Kindertagen mixen Pop, Motown, Soul, Rock und den einen oder anderen Hip-Hop-Groove. Diese Mischung ergibt ein vor Lebensfreude und cleveren Einfällen nur so strotzendes Album – mich erinnert „Don’t Dream Alone“ sowohl an den frühen John Mayer als auch an Klassiker wie Bill Withers und ja, manchmal auch eine poppigere Variante der verehrten Dawes. Diese Platte mag vielleicht nicht die Welt verändern. Aber sie sorgt für gute Laune und stärkt das Vertrauen auf das Gute im Menschen – da bin ich mir sicher.

Meine zehn Lieblingsalben 2015 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

May all your favorite bands stay together …

Dawes - All Your Favorite Bands

Dawes, die Band, der ich seit gut zwei Jahren total verfallen bin, weil sie einfach mal brilliant, anrührend, cool, wunderbar und naihrwisstschonbinhaltfan ist, bringt Anfang Juni ihr viertes Album raus. Es wird „All Your Favorite Bands“ heißen. Und was Sänger Taylor Goldsmith über die Bedeutung dieses Albumtitels sagt, ist von solcher Wahrheit und Schönheit, dass ich es hier einfach zitieren muss…:

„I know that my favorite bands are a really deep part of who I am. They help define me, they help represent me, they trigger certain emotional memories, and they stand for the ideals and lifestyle that I will always hope to achieve. And I don’t mean rock and roll fantasies, but rather concepts like freedom and enlightenment. I would love for someone wishing me well to put it in the terms of ‚may all your favorite bands stay together.‘ That would be a real friend. That person would know what truly matters.“ (Quelle)

Bis Juni isses noch lange hin, die erste Single gibt’s aber schon jetzt, bebildert durch ein amüsantes Video (siehe unten). Wie schön, dass Dawes eine meiner „favorite bands“ ist – und es gewiss noch lange, lange bleiben wird.

Dawes – Things Happen (Youtube)

Mein 2014: Lieblingskonzerte

10 – Malky, Leipzig, 24. Januar
Das Video zum Song „Diamonds“ war längst draußen, in Leipzig erzählte man sich von DER großen nächsten Live-Sensation der Stadt – Ende Januar hatte ich Gelegenheit, mir davon ein Bild zu machen. Und tatsächlich: Malky waren an dem Abend im Werk II eigentlich „nur“ die Vorband, hinterließen bei mir aber einen bleibenden Eindruck. Kommt ja selten genug vor, aber … der Hype war gerechtfertigt.

9 – Orgelkonzert, Leipzig, 15. März
Die Orgel in der Evangelisch-Reformierten Kirche am Leipziger Tröndlinring feierte ihren 45. Geburtstag. Da nicht nur Menschen, sondern auch Orgeln in diesem Alter die eine oder andere Schönheits-OP brauchen, organisierte die Gemeinde kurzerhand ein gelungenes Benefizkonzert. Hauptteil des Konzerts war die Messe für Chor und Orgel von Anton Dvorak aus dem Jahr 1887, aufgeführt mit der Kantorei der Gemeinde und tollen Solisten. Außerdem bot Universitätsmusikdirektor David Timm anschließend noch einige gewagte Improvisationen an der Jehmlich-Orgel. Ein spannender, packender Musikgenuss.

Spaceman Spiff & Enno Bunger, Leipzig 2014

8 – Spaceman Spiff & Enno Bunger, Leipzig, 4. Dezember
Das Vorurteil: das wird ein Abend mit zwei ganz gefühligen Boys, die schüchtern ihre durchaus schönen Problemlieder zum Besten geben. Die Überraschung: Spaceman Spiff und Enno Bunger können auch richtig laut und sogar tanzbar und sind auf der Bühne so gar nicht die maulfaulen Schwerstmelancholiker, sondern unterhaltsame Rampensäue mit, gewiss, in der Mehrzahl eher balladesken Songs. Das Ergebnis: ein wirklich kurzweiliger, toller Abend.

7 – Selig, Leipzig, 23. August
Ach Mensch, Selig. Ende August an der Parkbühne konnte ich noch nicht ahnen, dass ich mich später im Jahr tierisch über Euch ärgern würde. Die CD „Die Besten“ gefiel mir nämlich gar nicht, lieblose und blutleere Eigen-Cover waren das, in einem halbakustischen, seltsam schaumgebremsten Gewand. Und dann verlässt auch noch Keyboarder Malte die Band? Was mir Freunde von der Herbst-Tour berichten, lässt mich ahnen, dass die PUR-Werdung meiner einstigen Lieblingsband gerade im Eiltempo voranschreitet. Zum Glück war von all dem an diesem viel zu kühlen Sommerabend im August noch nichts zu spüren: meine fünf Helden spielten sich lautstark und ohne Wenn und Aber durch die derbsten Bretter ihrer Karriere – ich war völlig überrascht und geplättet und begeistert. Umso trauriger, wie es dann im Herbst mit der Band weiterging. Aber hey hey hey, natürlich bleibe ich voller Hoffnung und gespannt auf das, was da noch kommen mag.

6 – Stoppok, Leipzig, 20. November
Ein Dauergast in meinen Lieblingskonzertlisten. Auch 2014 lieferte der alte Recke mit seiner in Teilen neuen Band ein wunderbares Konzert ab.

Die Höchste Eisenbahn, Leipzig 2014

5 – Die Höchste Eisenbahn, Leipzig, 12. Februar
Eine zum Bersten volle NaTo. Und eine höchst spielfreudige Höchste Eisenbahn, die auf der ganzen Linie überzeugte. Francesco Wilking und Co. intonierten die Songs ihrer ersten beiden Platten, wechselten nach fast jedem Song die Instrumente und machten den Abend durch ihre äußerst lustigen Ansagen und Anekdoten erst so richtig rund. Ich glaub ja, dass hier gerade DIE deutschprachige Pop-Instanz der nächsten Jahre entsteht.

4 – The Hilliard Ensemble & Jan Garbarek, Halle, 20. Oktober
Ein wohliger Schauer nach dem nächsten jagte mir in Halle in der Marktkirche an diesem Abend über den Rücken: die Herren vom Hilliard Ensemble waren gekommen, um ein letztes Mal in unseren Breitengraden ihre unfassbar gute Vokalkunst zum Besten zu geben. Und das Publikum war gekommen, um von diesen großen Künstlern Abschied zu nehmen: Ende 2014 sangen sie das letzte Konzert ihrer Karriere. Mit dabei war der norwegische Jazzsaxofonist Jan Garbarek, mit dem die Hilliards drei Alben aufnahmen. Schade, dass ich das wohl nie wieder live erleben werde. Schön, dass ich in Halle dabei sein durfte.

Spin Doctors, Paris 2014

3 – Spin Doctors, Paris, 24. Februar
Auch in diesem Jahr durfte ich die Lieblingsband ein paar Mal live erleben. Drei Mal, um genau zu sein: in Paris, Amsterdam und Leuven. Die Pariser Show soll exemplarisch für diesen äußerst spannenden Run stehen. Die Band variierte die Setlisten von Nacht zu Nacht wie zuletzt in den frühen 90er Jahren, alte und neue Stücke fügten sich zu tollen Gesamtkunstwerken ineinander. Chris, Aaron, Mark und Eric sind und bleiben die coolsten Säue unter dieser Sonne und ich freu mich schon aufs nächste Dutzend Shows.

2 – Conor Oberst & Dawes, Hamburg, 11. August
A match made in heaven: Dawes, die sich 2013 in mein Herz spielten, als Backing Band für Conor Oberst, den ich bislang noch nie live gesehen hatte. Praktischerweise gaben Dawes auch gleich noch die Vorband, was mich natürlich doppelt freute. Das neunminütige „Peace In The Valley“ am Ende des Dawes-Sets in der restlos ausverkauften Hamburger „Fabrik“ war für mich der Konzertmoment des Jahres. Das Set mit Conor Oberst war bis zum letzten Song erstklassig und einnehmend, verstörend war jedoch dann die Zugabe: Dawes mussten fast acht Minuten instrumental überbrücken, bevor Oberst schließlich doch völlig verwirrt und neben sich stehend zurück auf Bühne wankte und die letzten beiden Stücke mit Mühe und Not durchhielt. Ein seltsames Ende einer sonst tadellosen, berauschenden Show, die mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Niels Frevert, Dresden 2014

1 – Niels Frevert, Dresden, 22. November
Was für ein Genuss! Frevert mit Band in der Dresdener Scheune. Niels war an dem Abend gut drauf und zum Plaudern aufgelegt, und die Band war aufeinander eingespielt wie in diesem Jahr sonst nur die deutsche Fußball-Nationalelf. Das Schönste: live kommen auch die Songs der jüngeren Frevert-Platten etwas rauher und gitarrenlastiger daher, was ihnen extrem gut bekommt. Ob neue Meisterwerke wie „Muscheln“ oder alte Gassenhauer wie „Seltsam öffne mich“ und „Doppelgänger“ – was für ein Glück, dass es Niels Frevert gibt.

Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.

Mein 2013: Lieblingslieder

Dawes - Stories Don't End

10 Jim James – State Of The Art (A.E.I.O.U.)
We got our wires all crossed, the tubes are all tied and I’m straining to remember just what means to be alive.

9 Joseph Arthur – I Used To Know How To Walk On Water
Forgive me now my useless thunder when I was such a dynamo. I am here and I am humble for I know not which way to go.

8 Iron & Wine – Joy
Deep inside the heart of this troubled man, there’s an itty bitty boy tugging hard at your hand. Born bitter as a lemon but you must understand that you’ve been bringing me joy.

7 Ina Müller – Pläne
Wie ich mit diesem harten Schluss ein Stück erwachsner werden muss …

6 The Shouting Matches – Gallup, NM
You know that your lies are talking, when you know that your lies are walking with the truth. And you were always looking, and I was always cooking up the proof.

5 Bilderbuch – Plansch
Her mit dem Käscher und holt ihn raus, er treibts wieder grün und blau. So ein frecher Beckenverdrecker, Beckenverdrecker.

4 The Avett Brothers – Morning Song
‚Cause even though I know there’s hope in every morning song, I have to find that melody alone.

3 Spin Doctors – So Bad
He’s got a tattoo of an angel weeping in the rain.

2 Die Höchste Eisenbahn – Isi
Isi mach die Tür von innen zu! Es waren mehr als zwei Gläser und auch mehr als zehn. Du darfst nicht mit dem Fahrrad und du sollst auch nicht zu Fuß, Du darfst überhaupt nicht mehr gehn.

1 Dawes – Bear Witness
As if the world revealed its secret and it’s asking me to keep it like a kid that hears the ocean in a shell: that’s the love that I came to bear witness to and the love I’m taking with me when I go.

Meine zehn Lieblingslieder 2013 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingslieder 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.