Mein 2020: Ein Fazit.

Wie war das doch gleich, in diesem Lied von Niels Frevert, in meinen Lieblingsliedern 2019? „So lebe wohl, du rettungslos verlor‘nes Jahr, zieh‘ dahin mit dem Flüstern des Flusses, Strömung tief und klar.“ Geradezu prophetisch, wenn ich so auf 2020 zurückschaue. Corona hat natürlich auch meinen Alltag geprägt: Home Office, Masken, Sorgen um Mitmenschen, mehr Zeit in Zoom verbracht als im Wald, you name it.
Ganz für den Arsch war 2020 aber trotzdem nicht: bin unheimlich stolz auf’s Handgemenge, mein Album mit Robert. Glücklich über die eine Woche EP-Aufnahmen mit den 2zueins!-Jungs (mehr dazu 2021, versprochen). Begeistert von neuen Projekten wie dem Podcast Mit Herz und Haltung, froh über Konstanten im Leben wie den Heldenstadt-Podcast mit Guido oder die Arbeit im Katholikenrat und im Trägerverein. Erleichtert, dass wir allen Einschränkungen zum Trotz Woche für Woche möglichst abwechslungsreiche Radiosendungen basteln konnten. Dass ich kurz vor der Pandemie in diesem Jahr noch Tirana und Albanien entdecken und im Sommer ein paar Tage in Potsdam Urlaub machen konnte, empfinde ich angesichts des aktuellen Lockdowns zum Jahreswechsel regelrecht als Privileg.
Und doch: so viele durchkreuzte Pläne, so viele Menschen, denen ich nicht begegnen konnte, so viele Unsicherheiten, so viel Ungewohntes. Ich hoffe und bete, dass 2021 da wieder anders wird, dass wir mit Zuversicht und Rücksicht die Pandemie in den Griff kriegen und so viel wie möglich von dem zurück bekommen, was uns gerade an Zwischenmenschlichem, Nähe und Kultur fehlt. So, Niels, jetzt Du nochmal, bitte. „Was vergangen ist, ist vergangen und lange her, irgendwann nur noch Rost an den Händen vom Brückengeländer.

Hier noch einmal meine Lieblings-Listen 2020 im Überblick:
Lieblingsalben 2020
Lieblingskonzerte 2020
Lieblingslieder 2020

Danke, werter Besucher, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2020 – ich freue mich auf 2021 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.

Ältere Jahresrückblicke:
2019 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2018 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2017 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2016 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2015 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2014 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2013 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2012 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2011 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2010 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2009
2008
2006
2005
2004

Mein 2020: Lieblingskonzerte


Normalerweise liste ich an dieser Stelle immer zehn Konzerte in eher willkürlicher Reihenfolge auf, an die ich mich im jeweils zu Ende gehenden Jahr am liebsten erinnere. Das ist 2020 aus allgemein bekannten Gründen nicht möglich: Corona hat auch im Kulturbereich gewütet; das war alles, nur kein gutes Jahr für Livemusik.

Insofern bin ich dankbar, sowohl am Anfang als auch gegen Ende des Jahres dann doch zwei „relativ normale“ Konzerte erlebt zu haben, lustigerweise auch noch von miteinander befreundeten Musikern. Als Stoppok Anfang März mit seiner Band im pickepackevollen Leipziger Anker aufspielte, bat er noch das werte Publikum für den Fall, dass unter den Anwesenden nachträglich Corona festgestellt wird, doch bitte anzugeben, man sei bei Helene Fischer gewesen, nicht bei ihm … damit er seine Tour noch fertig spielen könnte … Daraus wurde nichts, wenige Tage danach musste Stoppi seine Konzertreise abbrechen – wie so viele andere Künstler*innen auch.

Als dann im Oktober Danny Dziuk und Karl Neukauf im Neuen Schauspiel gastierten, war die Welt eine andere: das Häufchen Publikum saß auf Abstand, man ging mit Maske zum Tresen Getränke holen und die ersten Klänge von Klavier und Gitarre genügten bei mir für Gänsehaut und feuchte Augen – irre, wie sehr mir das alles fehlt, die kleinen Clubs, laute Musik, selbst das Gedränge und von mir aus sogar der immer ein wenig zu groß geratene Vordermann!

Lichtblicke waren auch die Leipziger Abendlobe in der Propsteikirche, die den einen oder anderen Musikgenuss ermöglichten, so konnte ich das Calmus Ensemble und Vocalkonsort Leipzig hören und sehen. Natürlich galt auch hier: Abstand, Masken, höchste Vorsicht. Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch die vielen Donnerstagabende, an denen ich Woche für Woche mit ein paar Dutzend anderer Fans via stageit.com im Wohnzimmer von Chris Barron in New York zu Gast sein durfte – wir haben ein paar Dollar Trinkgeld in den virtuellen Hut geschmissen; Chris hat uns dafür alte und neue Lieder vorgesungen, über Gitarren und Ukulelen gefachsimpelt und von seinem selbstgemachten Meerrettichvodka geschwärmt. Die „Thirsty Thursday Happy Hour“ war ein wöchentliches Ritual, das einfach gut getan und Spaß gemacht hat.

Gov’t Mule in Torgau, Pinegrove in Hamburg, Bright Eyes in Berlin – die Tickets hängen noch immer ungenutzt an meiner Pinnwand, einige Shows wurden verlegt, andere abgesagt. Frustrierend für den Musikfan, existenzgefährdend für die, die in der Eventbranche arbeiten, komplett nebensächlich wiederum angesichts des Leids und der Trauer, die das Coronavirus in diesem Jahr in so viele Familien gebracht hat. Wenn ich in diesem Jahr meine Lebensqualität mal tatsächlich als spürbar eingeschränkt empfunden habe, dann durch die Abwesenheit von Livemusik – mit echten Bands, mit echten anderen Menschen, zur selben Zeit, am selben Ort, klatschen, mitsingen, über den Sound lästern, noch eine Runde Bier besorgen …

Ich wünsche mir sehr, dass sie bald zurück kommt, die Livemusik. Und dass ich im nächsten Jahr dieser Stelle wieder von wunderbaren Konzertmomenten schwärmen kann. Es müssen ja nicht gleich wieder zehn sein.


Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.