Kranksein und Heil-Werden – in biblischen Zeiten und heute

Schon ein paar Wochen her, dass diese Serie bei RADIO PSR on air war, da sie aber dauerhaft online abrufbar ist, möchte ich hier gerne auf sie hinweisen: in der Fastenzeit 2017 haben wir uns in einer sechsteiligen Reihe mit dem Titel „Heile, heile, Segen“ den Themen Krankheit, Gesundheit und Heil gewidmet.

Wieso erzählt die Bibel davon, wie Jesus Aussätzige, Frauen und Schwache heilt? Was bedeutet es überhaupt, „gesund“ zu sein? Was kann die moderne Medizin von uralten Heilsgeschichten lernen? Und macht mich Wasser aus dem Marienwallfahrtsort Lourdes tatsächlich gesund?

Die RADIO PSR-Kirchenredakteure Friederike Ursprung und Daniel Heinze berichten in der Reihe „Heile, heile, Segen“ von Heilserzählungen und -erfahrungen aus der Bibel, aber auch vom heutigen „ganzheitlichen“ Blick auf den Patienten als Mensch.

Die Gesprächspartner: Dr. Bettina Relke, Fachärztin für Innere Medizin und Hausärztin mit Schwerpunkt Diabetes in Leipzig, und Dominikanerpater Philipp König OP – er macht als Kaplan in der Leipziger Propsteigemeinde auf ganz andere Art Erfahrung mit Menschen, die „Heil“ suchen.

Hier geht’s zu Seite mit der kompletten Serie zum Nachhören.

Eine Auszeichung für „Zweitausend Jahre Christentum in zehn Stunden“

„Ihr könnt den Karfreitag haben – wie wär’s, wenn wir Ihr den ganzen Tag lang ein bissel Kirchen-Geschichtsunterricht macht?“ Als R.SA-Programmchef Uwe Fischer mir und meiner evangelischen Kollegin in der RADIO PSR/R.SA-Kirchenredaktion, Friederike Ursprung, Ende Februar diese Idee unterbreitete, hielt ich das für ziemlich tollkühn. Einen ganzen Tag lang Kirchenbeiträge? Im säkularen Sachsen? Zur Kirchengeschichte? Aber hey – challenge accepted!

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Das Konzept und der Titel entstanden dann fast wie von selbst: „Zweitausend Jahre Christentum in zehn Stunden – von der Kreuzigung Jesu bis zu Papst Franziskus“. Pro Sendestunde ein rund neunzigsekündiger Beitrag, der ein wenig so klingen soll, wie hochwertige Terra-X-Reportagen im Fernsehen aussehen. Dazu ein paar augenzwinkernde Promos, Moderationen und, sollte sich tatsächlich jemand melden, Hörer on air, die ihre Meinung zu dem Experiment kundtun.

Die große Herausforderung für Friederike und mich kam dann beim Texten: wie erklärt man solche Ereignisse wie die Kirchenspaltung von 1054, die Kreuzzüge, die Reformation oder das Zweite Vatikanische Konzil so, dass es einerseits unterhaltsam und spannend bleibt, andererseits aber nicht zu oberflächlich anmutet? Was muss unbedingt rein, was muss aus Zeit- und Formatgründen draußen bleiben? Diese Beiträge zu schreiben und zu bauen, hat großen Spaß gemacht; das Endergebnis erschien uns recht rund. Die durchweg positiven Rückmeldungen der R.SA-Hörer überraschten uns (wir kalkulieren ein Mindestmaß an als Hörerfeedback getarnter fundamentaler Kirchenkritik bei unseren Sendungen längst ein), freute uns aber auch.

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Vor ein paar Wochen haben wir für dieses Karfreitagsexperiment den Sonderpreis „Reformation und Eine Welt“ beim Hörfunkpreis Mitteldeutschland in Erfurt erhalten – von Kollegen und Freunden aus ganz Deutschland bekamen wir herzliche Glückwünsche und ehrliches Schulterklopfen. Schön, dass dieses Wagnis von Hörern wie Medienmachern goutiert wurde, ob sie nun mit Kirche was anfangen können oder nicht. Einen Zusammenschnitt der Sendung gibt’s übrigens hier.

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Foto oben: meine Wenigkeit und Oberlandeskirchenrat Stefan Große von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands bei der Verleihung des „Rundfunkpreises Mitteldeutschland Hörfunk“ am 19. August 2016 in Erfurt. (c) Regiocast
Foto unten: ebenda, mit den (ebenfalls an diesem Tag mit diversen Preisen ausgezeichneten) R.SA-KollegInnen (v.l.) Marcus Poschlod, Susanne Böttcher, Katja Möckel, moi, Lena Mengler. (c) Regiocast.

Wunder gibt es immer wieder?

Im Rahmen des RADIO PSR-Kirchenmagazins „Themen, die Sachsen bewegen“ haben wir uns vor ein paar Wochen mal wieder an eine Schwerpunktsendung getraut. Pünktlich zum Pfingstsonntag ging es bei uns in vier auf zwei Stunden verteilten Beiträgen um das Thema Wunder.

Was bezeichnen die Menschen in Sachsen als „Wunder“? Wie sind die Wundergeschichten in der Bibel zu verstehen? Kann ich in einer aufgeklärten Welt an Wunder glauben? Diese und weitere Fragen haben wir mit dem Leipziger Religionspädagogen Uwe Hahn und vielen netten Antwortgebern aus der Leipziger Innenstadt erörtert – und haben dabei natürlich auch das Pfingstfest nicht ausgespart, an dem Christen ja auch ein Wunder feiern. Wer mag, kann hier gerne mal reinhören in unsere Wunder-Sendung:

RADIO PSR – Themen, die Sachsen bewegen Spezial zu Pfingsten:
Wunder gibt es immer wieder? (2012-05-27, 18-20 Uhr)

Unterwegs im Heiligen Land (5): Yad Vashem. Der da oben. Ihr werdet das nie verstehen.

Yad Vashem

Warum geht man freiwillig an einen Ort, von dem man schon vorher weiß, dass man dort nur traurig wird? Im Falle der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem war die Antwort vor meinem Besuch eine politisch korrekte: Weil ich als Deutscher förmlich eine Verpflichtung habe, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, weil Erinnern und Gedenken unerlässlich sind, weil Shoah und Holocaust hier keine Begriffe aus dem Geschichtsbuch sind, sondern allgegenwärtiger Teil der israelischen Identität.
Und tatsächlich kommt es wie erwartet: kann ich in der Dauerausstellung und auf der „Allee der Gerechten unter den Völkern“ meinen Kloß im Hals noch halbwegs bändigen, gelingt mir das im „Denkmal für die Kinder“ nicht mehr. Ein unterirdischer, dunkler Raum, in dem drei Kerzen brennen, die sich durch Spiegel scheinbar ins Unendliche vervielfachen. Dazu werden die Namen der 1,5 Millionen jüdischen Kinder verlesen, die im Holocaust ermordet wurden. Mit Tränen in den Augen gehe ich zurück ins Tageslicht.
Nach meinem Besuch lautet meine Antwort auf die eingangs gestellte Frage ein wenig anders: ich gehe nach Yad Vashem, um zu verstehen. Um mit den Juden über das unendliche Leid zu trauern, das ihnen widerfahren ist. Und um mich daran zu erinnern, dass die Umstände, in denen ich leben darf, alles andere als selbstverständlich sind.

Der da oben

Nach einem Essen in einem Kibbuz am Stadtrand von Jerusalem gehe ich mit einem pensonierten Priester zurück zu unserem Reisebus. Man hat uns vorher erzählt, dass hier, wo wir jetzt so gemütlich laufen, im Sechstagekrieg erbittert gekämpft wurde, um jeden Meter Land. Ein wenig naiv frage ich den Pfarrer, wie man denn den Konflikt in diesem Land auflösen könne, was den die beste Idee sei, um hier so etwas wie Frieden hinzubekommen. Der Pfarrer zögert keinen Moment, sondern schaut mich nur an, schüttelt mit dem Kopf und zeigt mit dem Zeigefinger gen Himmel: „Wir beide? Können da gar nichts auflösen, fürchte ich. Aber ich bete jeden Tag, dass der da oben uns Menschen irgendwie hilft.“
Überhaupt, scheint mir, ruhen die Hoffnungen vieler Menschen auf „dem da oben“, wenn es um die politische Lage in Israel und Palästina geht. Ob von Muslimen, Juden oder Christen – immer wieder hören wir auf dieser Reise diese eine Bitte: „Betet zu Gott um Frieden für dieses Land.“

Ihr werdet das nie verstehen

Auf dem Weg zum Flughafen in Tel Aviv. Im Reisebus herrscht Abschiedsstimmung. Erstaunlich, wie man sich in zehn Tagen aneinander gewöhnt, wie man Mitreisende ins Herz schließt und selbst ins Herz geschlossen wird. Es ist Zeit, sich bei unserem Tourguide Aki zu verabschieden. Der deutsche Reiseleiter hält eine kurze Rede über die Bus-Lautsprecheranlage. Er bedankt sich bei Aki für seine in der Tat ausgezeichneten Dienste, für sein Organisationstalent. Und auch dafür, dass er mit seiner politischen Meinung zwar nie hinter dem Berg gehalten hat – er ist israelischer Patriot durch und durch und konnte unsere Sympathien für Palästina nur schwer nachvollziehen -, aber immer für eine angeregte, faire Diskussion zu haben war. Er habe uns Deutschen geholfen, sein Land und die Situation hier etwas besser zu verstehen, sagt der deutsche Reiseleiter zu Aki. Aki schmunzelt nur, auch, wenn er tatsächlich ein wenig gerührt scheint ob der Danksagung. Dann sagt er: „Nein, nein, Ihr werdet das nie verstehen. Das hier, das ist der Orient.“
Und dann, an uns alle im Bus gerichtet, äußert er eine Bitte, die bei mir Gänsehaut auslöst: „Wenn ihr nach Hause kommt, dann berichtet Euren Freunden und Familien nicht, was ich Euch gesagt habe. Erzählt nicht, was ich denke oder der Reiseleiter in Bethlehem. Nein, erzählt, was Ihr mit eigenen Augen gesehen und erlebt und gespürt habt. Dann hat sich diese Reise gelohnt – für Euch und für uns.“

Unterwegs im Heiligen Land (4): Sie wollen Euch beschützen. Oase für den Kopf.

Sie wollen Euch beschützen

„Sie wollen Euch alle beschützen, und das ist gar nicht so einfach.“ Aki, unser israelischer Reiseführer, erklärt mir, warum an diesem Sonntag so eine merkwürdige Anspannung spürbar ist in Jerusalem. Es ist schließlich nicht irgendein Sonntag – es ist der christliche Palmsonntag, der Beginn der Karwoche vor dem Osterfest. Und in diesem Jahr feiern alle christlichen Kirchen zur gleichen Zeit Ostern, dementsprechend ist in der Stadt noch mehr los als sonst. Dazu beginnt einen Tag darauf auch noch das achttägige Pessach-Fest der Juden, zeitgleich zu Ostern. Kurz und gut: ganz viele religiöse Feste, ganz viele religiöse Pilger, ganz viele Sicherheitsbedenken.
Die Stadt ist voll von Polizisten und Soldaten; irgendwann gewöhnt man sich an die schwer bewaffneten Männer und Frauen, von denen die meisten aussehen, als seien sie noch keine zwanzig Jahre alt. „Glaub mir, unsere Polizisten gehen jeden Abend zur Klagemauer, und beten dafür, dass nichts passiert und ihr alle sicher seid bei uns“, sagt Aki.
Am Nachmittag nehmen wir an der großen Palmsonntags-Prozession teil: von Betfage aus ziehen tausende Christen – ein griechisch-katholischer Ordensmann aus dem Libanon sagt mir, es wären in diesem Jahr wohl so um die 25.000 – bis zur St. Anna-Kirche in der Jerusalemer Altstadt. Lautstark singen und beten sie, es ist ein kunterbuntes Treiben in unzähligen Sprachen, wir treffen Polen, Amerikaner, Südafrikaner, Belgier. „Nur die Palästinenser fehlen“, so der Ordensmann betrübt. „Die Christen von nebenan dürfen seit acht Jahren nicht mehr einreisen, um Ostern mit uns zu feiern.“
Die Prozession verläuft friedlich, die Polizisten und Soldaten blieben dezent am Rande, nichts ist passiert. Viele von ihnen werden nach Ostern wohl wieder an die Klagemauer gehen, um sich bei Gott dafür zu bedanken, dass alles gut gegangen ist in dieser religiösen Hochsaison in Jerusalem. Jedenfalls wünsche ich ihnen das von ganzem Herzen.

Oase für den Kopf

Nur eine gute Stunde braucht man von Jerusalem aus, um ans Tote Meer zu gelangen. Viele hundert Meter unter dem Meeresspiegel ist man hier, und nicht in einer pulsierenden Metropole mit ganz viel Grün darin und darum. Nein, das hier ist die Wüste. Das sind Steine, Sand – und eben das, was vom Toten Meer noch übrig ist. Vergesst jede Landkarte, in der das Meer eingezeichnet ist – inmitten der unendlich scheinenden Sandweiten wirkt das Tote Meer wie eine winzig kleine Pfütze. Es ist eigenartig schön hier – wir besuchen Qumran, die Oase Ein Gedi, den Berg und das israelische Nationalheiligtum Masada. Immer wieder beeindruckt mich, wie viel Leben in so einer Wüste steckt. Natürlich baden wir auch im Toten Meer. Natürlich dauert es nur wenige Augenblicke, bis man wirklich auf dem Wasser treibt und nicht untergeht. Natürlich kriegen wir kleine Spritzer der salzigen Brühe in kleine Narben und spüren das Salz. Nur auf das obligatorische Foto mit Tageszeitung, auf dem Wasser sitzend, verzichte ich.
Ein durch und durch touristischer Tag. Vielleicht der einzige auf dieser Reise, an dem ich nicht permanent über Religion, Politik, Krieg, Frieden, Geschichte und Glauben nachsinne. Auch mal gut. Die Wüste und das Tote Meer entpuppen sich als willkommene Oase für meinen Kopf.

Unterwegs im Heiligen Land (3): Im Land der Freiheit. Köstliches Land.

Im Land der Freiheit

„Bethlehem ist sicher, Sie können hier ohne Sorge überall hingehen.“ Samir, unser palästinensischer Tourguide, ein römisch-katholischer Christ, fügt mit einem Lächeln hinzu: „Hier sind Sie ja im Land der Freiheit“. Es ist bemerkenswert, wie die Menschen, denen ich in Palästina begegne, mit der politischen Großwetterlage umgehen.
Kurz vor dem jüdischen Pessach-Fest hat Israel die Ausreisebestimmungen aus den besetzten Gebieten noch einmal verschärft, offiziell aus Sicherheitsgründen – als „normaler“ Palästinenser kommt man nicht mehr rüber nach Jerusalem. Für viele Menschen in Israel gelten Palästinenser grundsätzlich als potentielle Terroristen und Unruhestifter. Was wir hier hingegen erleben, in Bethlehem, auf der anderen Seite der Mauer (die Israelis nennen sie „Security Fence“, die Palästinenser „Apartheid Wall“), ist eine quirlige mittelgroße Stadt mit viel touristischem Trubel an der Geburtskirche Christi, lauten Muezzin-Rufen aus den Lautsprechern der Moschee am Markt, spielenden Kindern und typisch orientalischen Krimskrams-Händlern. Der Obst- und Fleischmarkt lockt mit üppigen Früchten, allerhand Leckereien, exotischen Gerüchen und Genüssen.
Die Menschen dieser Stadt wirken freundlich auf uns, wenn wir mit ihnen über Politik sprechen, sind sie verblüffend sachlich, beherrscht und klar. Das habe ich so nicht erwartet – von Leuten, die in einem „besetzten Gebiet“ leben. Mir scheint, diese Leute wollen, dass die Welt ihnen zuhört, sie versteht. Auch wird mir schnell klar, dass wir auch hier nur die „gute Seite“ der Stadt kennenlernen – denn geht man dann doch mal auf eigene Faust ein paar Straßen weiter, sieht man, dass hier auch Armut herrscht. Wir werden vor professionell bettelnden Kindern gewarnt und treffen tatsächlich viele von ihnen. Wir sehen in Hinterhöfe und kleine Gassen, in denen ins Leere starrende alte Menschen sitzen. Wir sehen viel Müll und viele unfertige Häuser.
Irgendwann weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. So sehr ich mitfühle mit den Menschen Palästinas, so sehr ich mir wünsche, dass Israel mit der Besetzung der Gebiete aufhört, so sehr sträubt sich alles in mir dagegen, „die Juden“ nur als die Bösen, Israel als Unrechtsstaat anzusehen. Ja, was denn nun? „Sie sind hier im Land der Freiheit“ – Samirs ironische Bemerkung klingt auch noch Stunden später in mir nach, und fühlt sich dann irgendwann an wie ein Hilferuf, ein Gebet. Und dann bleibt in mir nur noch der Wunsch zurück, dieses „Heilige Land“, auf beiden Seiten der Mauer, würde tatsächlich irgendwann zu einem „Land der Freiheit“ – für alle, die in ihm leben.

Köstliches Land

Kulinarisch ist das Heilige Land für mich der Himmel auf Erden. Ich esse die besten Falafel meines Lebens und kann nicht anders, als das, was daheim in Deutschland als Falafel verkauft wird, als geschmacksfreies Irgendwas abzuhaken. Wir werden allabendlich überhäuft mit wunderbaren Vorspeisen: Hummous, Sesamcremes, Salate, Avocados, Auberginen, Zuccini, Blumenkohl in allen nur erdenklichen Varianten, Oliven ohne Ende – es ist unmöglich, alles zu probieren, so voll sind die Tische bisweilen für uns gedeckt mit gutem Essen. Diese Aromen! Diese Farben! Diese Düfte! Dieser Geschmack!
Mir war ja vorher klar, dass ich mit orientalischer Küche wunderbar zurecht kommen würde. Aber dass sie mir derart gut gefällt, hat mich dann doch überrascht. Wir schwelgen in Gemüse-Irgendwas-Dingern mit Zimt, laben uns an Lamm mit Ben-Gurion-Reis, sind begeistert von koscherem Kuchen und Wein. Das beste Essen der gesamten Reise serviert man uns in Bethlehem, unweit der Hirtenfelder. Hier hat eine Beduinenfamilie ein Zelt-Restaurant eröffnet und tischt nur vom Feinsten auf, was diese Region zu bieten hat.
Israel und Palästina, so steht es in den Reiseführern, haben nicht wirklich eigenständige Küchen und nur sehr wenige „typische“, genuine Speisen. Dafür, so scheint mir, kommt hier nur das Beste aus dem Orient (arabische Bevölkerung) und aus aller Welt (jüdische Bevölkerung) zusammen und vermischt sich zu einer wirklich wunderbaren Patchwork-Cuisine. Lecker.

Unterwegs im Heiligen Land (2): Das fünfte Evangelium. Auf den zweiten Blick. Alle suchen Gott.

Das fünfte Evangelium

Ich hielt das zu Beginn unserer Fahrt für einen für meinen Geschmack etwas zu frommen Spruch: „Das Heilige Land ist das fünfte Evangelium.“ Immer und immer wieder hörte ich diesen Satz. Damit ist gemeint, dass das, was in den vier Evangelien des Neuen Testaments steht, erst hier, „vor Ort“ also, so richtig plastisch, anschaulich und lebendig wird.
Doch schon nach wenigen Tagen ist mir klar: das ist kein frommer Spruch, das stimmt. Sei es das Gehen auf der Via Dolorosa, auf der Jesus sein Kreuz zu seiner eigenen Hinrichtung schleppen musste, oder aber der Berg der Seligpreisungen im hohen Norden des Landes, auf dem Jesus seinen Zuhörern seine Sicht der Dinge in der berühmten „Bergpredigt“ darlegte; ob Ölberg, Gethsemane, Betesda – auf einmal wird das, was man Sonntag für Sonntag in der Kirche gehört hat, konkret. Ja, das hier ist das fünfte Testament.

Auf den zweiten Blick

Von Streitereien zwischen den unterschiedlichen Religionen bekommt man als pilgernder christlicher Tourist aus Mitteleuropa in Israel nicht besonders viel mit. Zu gesichert sind die Orte, zu denen man uns bringt, die Menschen, denen wir begegnen, sind – ganz gleich, woran sie glauben – freundlich, aufgeschlossen und interessiert an uns. Oder aber wenigstens an unserem Geld. Wie zum Beispiel die vielen Händler rund um die Heiligtümer der einzelnen Religionen.
So auch an der Verkündigungsbasilika in Nazareth – ein prächtiger, ziemlich junger christlicher Bau, hier soll der Erzengel Gabriel Maria erschienen sein. Christliche Touristen aus aller Herren Länder kommen hierher. Draußen, vor der Kirche, die Händler. Sie verticken Rosenkränze, Priestergewänder, Gewürze und Getränke, sie sind freundlich und geschäftig. Viele von ihnen sind muslimische Araber. Alles gut, denke ich – warum sollen sie nicht von den Touris profitieren? Man muss ja dort kein Geld loswerden, aber wer es mag… Ist ja auch eine Art von interreligiösem Dialog, witzele ich zu meinen Mitreisenden.
Doch dann kommen wir ans Ende der Einkaufsstraße, und schauen noch mal hoch zur Basilika. Da fällt uns ein großes Plakat auf, geschrieben in Arabisch und Englisch. Und es sagt den hoch zum christlichen Heiligtum pilgernden Menschen unmissverständlich: „Wer auch immer einer anderen Religion nachfolgt als dem Islam, der wird niemals von ihm (Gott) akzeptiert und wird im Jenseits einer der Verlierer sein.“ Die Zwietracht und scheinbare Unversöhnlichkeit der Religionen in dieser Ecke der Welt ist nicht auf den ersten Blick auszumachen. Auf den zweiten dafür aber bisweilen umso heftiger und deutlicher.

Alle suchen Gott

Wer in Jerusalem vom Jaffator zur West- oder Klagemauer spaziert, sieht sie alle: die orthodoxen Juden mit ihren Hüten und den Zöpfchen, verschleierte Muslime, Christen aller Konfessionen, in Trachten und Gewändern, die man noch nie gesehen hat. Patriarchen, Pilger, Priester, Ordensleute, Rabbiner, Imane – Menschen, die in dieser Stadt nicht weniger wollen, als ihrem Glauben nachzuspüren. Hier ist Gott keine Randerscheinung wie in meiner Heimat. Hier scheint sich alles über Religion zu definieren. Drei Weltreligionen, für die diese Stadt das Zentrum, die Hauptstadt, ein heiliger Ort ist. Das nicht für möglich Gehaltene tritt bei mir ein: in all diesem Trubel, zwischen Fremdem und Vertrautem, bekomme ich das Gefühl, irgendwas in mir habe „Klick“ gemacht, scheine ich meinem Gott näher zu sein als anderswo. Ich schaue in die Augen der Fremden, die mir begegnen und ahne, dass es vielen von ihnen ganz ähnlich geht. Wenn sie das mit ähnlicher Freude erfüllt wie mich, wenn diese Stadt in allen ihren Besuchern so etwas Gutes, Wohliges auslöst wie in mir – wie um alles in der Welt kann man sich dann so erbittert und gnadenlos um sie streiten und bekriegen?

Unterwegs im Heiligen Land (1): Am See Genezareth. Es geht ums Wasser. In fremden Heiligtümern.

Es sind die kleinen Begegnungen und Momente, die eine Reise zu etwas Besonderem machen. Mein zehntägiger Trip durch Israel und Palästina kurz vor Ostern war derartig voll von solchen Momenten, dass es mir schwer fällt, meine Gedanken zu sortieren. Aber bevor mich der Alltag wieder fest im Griff hat und mir dann Zeit und Muße fehlen, das niederzuschreiben, was mich im Heiligen Land fasziniert und bewegt hat, möchte ich hier über die Kar- und Ostertage ein paar ungeordnete Notizen und Fotos ablegen und konservieren.

Am See Genezareth

Kommt man an den See Genezareth, ist man erstmal sprachlos. Rund um den See wimmelt es von exotischen Pflanzen, putzigen Tieren und frischem Leben, das Gewässer selbst wirkt erhaben und mächtig. Kein Wunder, dass hier seit Tausenden von Jahren Menschen leben, wohnen und arbeiten. Wie eben auch Jesus, oder die Fischer, die er zu seinen Jüngern machte.
Der erste Eindruck vom See Genezareth: das ist das Paradies. Doch es dauert nur wenige Stunden, bis man auch die andere Seite dieser Landschaft kennenlernt. Aus einem lauen Lüftchen wird ein ausgewachsener Sturm, das Wasser wirkt nicht mehr erhaben, sondern rau und unberechenbar. Und plötzlich kapiert man die eine oder andere Stelle in der Bibel, plötzlich sieht man sie beinahe vor sich, die in Seenot geratenden Fischer, die dem See und seiner Naturgewalt ausgesetzt sind.

Es geht ums Wasser

Banyas waterfall

„Wasser. Es dreht sich fast alles ums Wasser.“ Von allen Versuchen, mir die verfahrene politische Situation zwischen Israel, seinen Nachbarländern und den Palästinensern erklären zu lassen, war der unseres israelischen Tourguides der pragmatischste. Israel sei angewiesen auf die spärlichen Wasserquellen im Norden wie den See Genezareth und die Golan-Höhen, um das ganze Land mit Wasser zu versorgen. Ein Kanal, der Trinkwasser aus dem See Genezareth bis in die Wüsten des Südens transportiert, wird von Polizei und Militär bewacht wie ein Hochsicherheitstrakt – zu groß ist die Angst vor Anschlägen und Sabotage. Wer den Dauer-Konflikt in der Region verstehen will, dürfe den Aspekt Wasserversorgung keinesfalls außer Acht lassen. Klingt soweit nachvollziehbar.
Kommt man dann aber nach Palästina, dann erfährt man auf dieser „anderen Seite“, dass Israel systematisch versucht, die natürlichen Wasservorräte der West Bank zu kontrollieren. Die Checkpoints der Israelis verlaufen so entlang von Seen und Teichen, dass die Palästinenser keinen oder nur erschwerten Zugang zu diesem Wasser haben. Als wäre Wasser nicht auch für Palästina essentiell, als hätte Israel ein alleiniges Anrecht auf diese lebensnotwendige Ressource.

In fremden Heiligtümern

Jerusalem, Westmauer (aka Klagemauer)

So müssen sich meine Freunde fühlen, wenn ich sie in einen katholischen Sonntagsgottesdienst in einer deutschen Kirche schleifen würde. Ich stehe an der Westmauer in Jerusalem (in Deutschland sagt man oft Klagemauer zu ihr) und beobachte die frommen Juden bei ihren Gebeten.
Ich habe keine Ahnung, was die da tun. Weiß nicht, wie die Rituale funktionieren oder was sie zu bedeuten haben. Ich sehe orthodoxe Juden und liberale, Menschen aus Israel und aller Herren Länder. Das hier ist ein heiliger Ort für Sie. Zielstrebig gehen sie zu den Bücherregalen in den Räumen, die als Synagoge genutzt werden, greifen sich ihre Schriften und… ja, klagen und beten dann an dieser weltberühmten Mauer.
Jeden meiner Schritte überlege ich mir ganz genau. Sie lassen mich ungehindert zu sich, an die Mauer, in die Synagoge. Sie lassen zu, dass ich ihnen zuschaue bei ihrem Gebet. Sie beachten mich gar nicht, aber dennoch fühle ich mich in diesem mir fremden Heiligtum willkommen. Wir Christen sprechen bei den Juden gerne von unseren „älteren Brüdern und Schwestern“ im Glauben. Das sagt sich so leicht. Hier bekomme ich erst mal mit, wie wenig ich über meine älteren Geschwister weiß. Aber ich spüre, wie wichtig ihnen ihr Glaube ist – Ehrfurcht gebietend wichtig.

Fernkurs Theologie: Basis für „lebenslanges Lernen“


Jahrgang 2008 beendet Aufbaustudium „Theologie im Fernkurs“ an Katholischer Akademie Magdeburg

Halle/Saale. Mit einem „Tag der Theologie“ in Halle ging für 19 Absolventen am 27. März 2010 ein Aufbaukurs Theologie an der Katholischen Akademie des Bistums Magdeburg zu Ende. Die Studierenden aus den Bistümern Magdeburg und Dresden-Meißen erhielten von Kursleiter Dr. Michael Paetz Teilnahmebescheinigungen für ihr zweijähriges Fernstudium – die Zeugnisse über Abschlussarbeiten und Prüfungen erhalten die Studenten in den kommenden Wochen von der Domschule Würzburg. Akademiedirektor Hans-Joachim Marchio würdigte die Leistungen der Kursteilnehmer, die sich freiwillig und parallel zu Familie und Beruf für den insgesamt fünfjährigen Ausbildungsgang entschieden haben: „Der Kurs bietet philosophische und theologische Reflexion, die einmünden soll in einen Mentalitäts- und Bewusstseinswandel: den Kirchenraum zu verlassen und öffentlich Zeugnis zu geben.“

Besonders erfreut zeigte sich Marchio über das ungebrochene Interesse an den Theologie-Ausbildungen, die von der Magdeburger Akademie in Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg angeboten werden. „Oftmals denke ich, wie schön wäre es, wenn das Durchschnittsalter unserer sonntäglichen Gottesdienstbesucher auch so gut wäre wie hier in den Kursen – Menschen aller Generationen!“ Derzeit befinden sich noch rund 30 Studierende im dreijährigen Grundkurs, der im Dezember mit mündlichen Prüfungen endet und im Januar 2011 in einen weiteren Aufbaukurs mündet. Der Start des inzwischen vierten Grundkurses ist für den 28. August 2010 anberaumt, wieder sollen Interessierte aus den Bistümern Magdeburg und Dresden-Meissen an den Konsultationsorten Halle, Magdeburg und Zwochau theologische Grundlagen vermittelt bekommen.

Für die Absolventen, die jetzt in Halle ihren Aufbaukurs beendet haben, müsse damit nicht zwangsläufig die Beschäftigung mit der Theologie enden, betonte Marchio: „Vom letzten Kurs sagte mir jemand, er habe fünf Jahre studiert – und was nun? Es müsse doch weitergehen! Dem kann ich entgegnen: es geht weiter, es ist ein lebenslanges Lernen – nicht zuletzt mit den zahlreichen Angeboten der katholischen Akademien.“ So wurde auch beim „Tag der Theologie“ in Halle nicht nur gefeiert, sondern Wissen vermittelt: in einem Festvortrag sprach Dr. Stefan G. Reichelt vom Institut für Kirchengeschichte der Universität Leipzig über die Märtyer des 20. Jahrhunderts und den Umgang der christlichen Konfessionen mit diesen modernen Glaubenszeugen.

Hintergrund: Diesen Artikel habe ich für die katholische Wochenzeitung „Tag des Herrn“ geschrieben, wo er in der Printausgabe vom 11. April 2010 erschienen ist. Ich bin selbst Teilnehmer eines solchen Fernkurses im Bistum Magdeburg. Links zum Thema: Tag des HerrnFernkurs TheologieKatholische Akademie Magdeburg.