Mein 2012: Lieblingsalben

(umgetextete Psalmen aus dem Alten Testament zu sehr sanfter Gitarrenbegleitung)

10 Kraftklub – Mit K
Keine andere deutsche Band erlebte 2012 einen derartigen Dauerhype, keine andere deutsche Band hatte ihn aber auch dermaßen verdient. Die Chemnitzer veröffentlichten früh im Jahr „Mit K“, eine an schlauen Texten und zwingender Gitarrenarbeit wahrlich reiche Songsammlung. Das Album ging auf 1, die Band spielte gefühlt mehr Konzerte, als das Jahr Tage hatte – und selbst ein knappes Jahr nach „Mit K“ wirkt alles an dieser Band frisch und glaubwürdig.

9 Ben Kweller – Go Fly A Kite
Der Typ wirkt auch mit über 30 noch wie der seltsame Nerd aus der Parallelklasse, der in der Hofpause heimlich im Gebüsch eine raucht. Dabei ist Ben Kweller längst ein profilierter Songwriter und begnadeter Multiinstrumentalist. Nach Ausflügen in Richtung Country und ein paar Monaten Pause nun also „Go Fly A Kite“: kein einziger Füller, jeder Song geradeheraus, herzlich und einprägsam. Sachen wie „Gossip“ und „Jealous Girl“ möchte ich tagein, tagaus im Radio hören.

8 Regina Spektor – What We Saw From The Cheap Seats
Gerade mal 36 Minuten dauert das Vergnügen, das „What We Saw From The Cheap Seats“ geworden ist. Die in Moskau geborene Sängerin präsentiert auf ihrem sechsten Album eine Mischung aus neuen und alten Stücken, so hat sie etwa das grandiose „Don’t Leave Me (Ne Me Quitte Pas)“ noch einmal neu arrangiert und aufgenommen. Wieder ist es ihre famose Stimme, die mich in ihren Bann zieht. Wieder ist es das Fehlen jedweder Beiläufigkeiten oder Belanglosigkeiten, das dieses Album zu einem Genuss macht. Zum Nebenbeikonsum ganz und gar nicht geeignet.

7 Martin Rossiter – The Defenestration Of St. Martin
Spät im Jahr gesellte sich Martin Rossiter zu meinen Lieblingsalben-Machern hinzu. Der ehemalige Sänger der wunderbaren britischen Band Gene („Olympian“, „Fighting Fit“) hat nach sieben Jahren Musik-Pause ein eigenwilliges, aber bemerkenswertes Album aufgenommen. „The Defenestration Of St. Martin“ lebt über die meiste Zeit ausschließlich von Piano und Gesang, nur gelegentlich setzt der Walise andere Dinge wie Chöre oder Drums ein – immer nur dann, wenn sie ihm wirklich notwendig erscheinen. So hat er einen musikalisch sanften und lyrisch herausfordernden Liederzyklus abgeliefert, in dem ich mich in diesem Winter nur allzu gern verlieren möchte.

6 The View – Cheeky For A Reason
Da sind sie wieder, The View. Auch auf die Gefahr hin, dass meine kleine Seite irgendwann als deutsches View-Fanblog gehandelt wird: auch das 2012er Album der Schotten ist wieder ein großer Wurf. Unerwartet schnell nach dem sehr üppigen „Bread And Circuses“ veröffentlicht, geht es auf „Cheeky For A Reason“ wieder rauer und reduzierter zu, was die Produktion betrifft. Keineswegs aber beim Songwriting: diese elf famosen Popsongs haben mich durch das gesamte zweite Halbjahr 2012 begleitet, wofür ich den vier Herren zutiefst dankbar bin.

5 Dave Matthews Band – Away From The World
Mit deutlich kleinerer PR-Maschine als beim Album drei Jahre zuvor lieferte die Dave Matthews Band 2012 eine neue Platte ab. Dabei galt die schon als Sensation, ohne dass man nur einen einzigen Ton gehört haben musste. Immerhin war erstmals seit 2000 wieder Steve Lillywhite Produzent der Band; jener Mann, der auch schon U2 groß gemacht und die ersten drei DMB-Major-Releases produziert hatte – allein dieser Name sorgte für massig Vorschusslorbeeren. Was die Fans zu hören bekamen, erfüllte die fast schon unmenschlich hohen Erwartungen überraschenderweise voll und ganz. „Away From The World“ ist keine reine Song-Ansammlung, sondern eine meisterlich kompilierte musikalische Reise. Statt „Hits“ gibt’s ein fünfzigminütiges Epos wie aus einem Guss.

4 The Avett Brothers – The Carpenter
Zum zweiten Mal produziert Rick Rubin die Gebrüder Avett, und erneut geht das richtig gut. „The Carpenter“ besticht durch grandioses Songwriting zwischen Folk, Rock, Country und Pop – und die Avett Brothers singen und spielen einmal mehr, als ginge es um ihr Leben.

3 Kid Kopphausen – I
Die tragischste Veröffentlichung des Jahres. Als „I“ herauskam, waren wir alle begeistert, verzückt, ja geradezu euphorisch: Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen, a match made in heaven. Tolle Stimmen, tolle Songs, ein Gesamtkunstwerk. Und dann, lächerlich wenige Wochen nach Veröffentlichung, schläft Koppruch einfach so ein. Bis heute macht mich sein Tod ratlos und traurig. Wer weiß, ob ich „I“ jemals wieder unbeschwert und ohne Wehmut hören kann. Dabei gehört dieses Album gehört, wieder und wieder und wieder. Mach’s gut, Nils.

2 Blues Traveler – Suzie Cracks The Whip
Unerträglich lange hat es gedauert, bis Blues Traveler ein neues Album fertig hatten – immerhin vier Jahre! Das lange Warten wurde aber reich belohnt. „Suzie“ ist eine Rückkehr zur Höchstform. Ging es in der letzten Zeit doch etwas behäbig und gesetzt zu bei den Herren um John Popper, so sind sie jetzt, in ihrem 25. Bandjahr, direkter, unmittelbarer und lauter denn je. Die zahlreichen Co-Autoren, die gewitzten Produzenten und nicht zuletzt natürlich die spielfreudigen Bandmitglieder hauchen dem Projekt Blues Traveler neues Leben ein. Das beste der Band seit dem 2003er Überalbum „Truth Be Told“. Things are looking up.

1 Sinéad O’Connor – How About I Be Me (And You Be You)?
Noch länger, nämlich fünf Jahre, hat es gedauert, bis Sinéad O’Connor mal wieder mit einem neuen Album um die Ecke kommt. Waren das 2007er „Theology“ (umgetextete Psalmen aus dem Alten Testament zu sehr sanfter Gitarrenbegleitung), das 2005er „Throw Down Your Arms“ (Reggae-Cover) und das 2002er „Sean-Nos Nua“ (sanft modernisierte Irish-Folk-Standards) eher Alben für echte O’Connor-Liebhaber, so ist „How About I Be Me…“ die erste „klassische“ Pop-CD der Irin seit dem 2000er Meisterwerk „Faith And Courage“. Die Platte wirkt wie eine Essenz ihres Schaffens, stimmlich ist sie in Bestform und nach wirklich jedem Lied habe ich ein zufriedenes, glückliches Grinsen im Gesicht. Seit über 20 Jahren begleitet mich die Musik dieser Frau durch’s Leben, in diesem Jahr intensiver denn je.

Musik-Jahrgang 2012? Das fängt ja gut an.

2012 ist schon jetzt ein gutes Jahr. Zumindest, was die Musik betrifft. Bergeweise neue Musik prasselt derzeit auf mich ein und vieles davon würde ausfühliche, wohlformulierte Lobreden verdienen. Aber sowas interessiert ja eh keinen, deshalb stattdessen ein profaner Sammel-Eintrag zu den akustischen Höhepunkten der letzten Wochen.

Da wären zunächst mal The Canoes, so eine Art Supergroup. Neben norwegischen Stars wie Hans Petter Aaserud oder Arne Hovda (einst bei den Getaway People am Keyboard) singt auch Spin Doctors-Frontmann Chris Barron mit. Die vier Herren haben sich in den letzten Jahren immer wieder zu Songwriting-Sessions in norwegischen Blockhütten getroffen und so ein wirklich entspanntes Popalbum geschrieben. „Booze And Canoes“ kommt äußerst eingängig daher und tendiert mal zum großen Soul-Pop, mal zum, nun ja, Schlager. Insgesamt ein unbeschwertes, gut gelauntes Stück Musik – angenehm leichtfüßig und unkompliziert.

Endlich, endlich veröffentlicht nun auch Sinéad O’Connor ihr lang angekündigtes neues Album. Nicht „Home“ heißt es (so der urspüngliche Titel), sondern „How About I Be Me (And You Be You)“. Meine Euphorie hielt sich zunächst in Grenzen, denn als Sinéad-Sammler und -Fan kannte man im Grunde bereits fast alle Songs der neuen CD von den Livekonzerten der letzten Jahre, von diversen Demos und Vorab-Versionen, die seit 2010 im Netz kursierten. Umso mehr hat mich dann doch das fertige Album umgehauen. Brilliant produziert, mit einer Sängerin, die so stimmgewaltig und furios daherkommt wie seit Jahren nicht mehr. So sehr mir die Konzeptalbum-Experimente der letzten Zeit (Roots-Reggae im Jahr 2005, „Theology“ zwei Jahre später) zugesagt haben – es ist fantastisch, mal wieder ein klassisches Popalbum von Sinéad zu hören. Das Gerede vom „Comeback“ halte ich für Unsinn, sie war ja nie weg. Ein return to form ist das neue Album aber auf alle Fälle.

Auch Ben Kweller hat sich ein paar Jahre Zeit gelassen für seine neue CD. Nun ist „Go Fly A Kite“ in den USA erschienen – und ich kann den Import des Albums nur wärmstens ans Herz legen. Es rumpelt und rockt wieder mehr als zuletzt, der Ausflug in Richtung Country ist vorbei, und Kweller liefert erneut einen charmanten Song nach dem nächsten. Wieder schafft er es, an jedem peinlichen Pathos geschmackssicher vorbeizunavigieren. Was bei anderen bemüht retro oder gar kitschig klingen würde, präsentiert Kweller mit sympahischer Nerdigkeit und Unaufgeregtheit. Wunderbare, große Platte.

Außerdem ganz famos:

„Natives“, das Soloalbum von Beirut-Trompeter Kelly Pratt unter dem Namen Bright Moments: von Beirut vertraute Klänge treffen auf Beats und Samples und bisweilen recht eindeutigen Pop. „Bringing In The Darlings“, eine neue, auf’s Wesentliche wie Gesang und Gitarre reduzierte EP von Josh Ritter. Perfume Genius‚ zum Heulen schönes zweites Album „Put Your Back N 2 It“, Leonard Cohens alterweise Meditationen auf „Old Ideas“ (wie grandios ist denn bitte alleine der Opener „Going Home“?). Und jetzt, wo der große Hype erstmal durch ist, sollte man es noch einmal ausdrücklich erwähnen, das bemerkenswert gute Kraftklub-Majordebüt „Mit K“.

So kann’s gerne weitergehen, dieses 2012.

Jahresbestenlisten: siebenSÄTZE-Awards 2009

Alle lieben Listen, ich auch. Den völlig unsinnigen Versuch, das zurückliegende Jahr irgendwie in eine Tabellenform zu pressen, hab ich mir auch dieses Jahr wieder angetan. Und wie immer fühl ich mich mies, weil ich so viele gute Bücher, Songs, Momente, Platten dann nun doch nicht erwähnt habe, obwohl sie eigentlich hier mit hergehören. Aber egal. Die Platzierungen (das schreibt man doch jetzt so, oder?) sind eh nur Makulatur (das schreibt man doch so, oder?), die genannten Dinge, Lieder, Lobhudeleien (darf man das noch schreiben?) sind hingegen ernstgemeint (oder muss ich das jetzt auseinander schreiben?!).

Die Alben des Jahres

7 – Ben Harper & Relentless 7 – White Lies For Dark Times
Harper so unmittelbar, schroff und wütend wie schon länger nicht mehr. Und ein Dutzend starker Songs.

6 – Montag – Montag
Das Jahr ging gleich gut los, mit dem dritten Montag-Album. Wäre es nach mir gegangen, hätte ganz Deutschland in diesem Jahr wahlweise zu „Sommernacht“ getanzt oder auf jeder guten Party „…und lass die Finger von meinen CDs“ gebrüllt.

5 – John Mayer – Battle Studies
Mayer kam spät, aber gewaltig. Ein Liederzyklus über vergangene Liebe, Intrigen, Enttäuschungen – und hier und da dann aber doch Hoffnung. Dazu über jeden Zweifel erhabene Musik, absurd gute Instrumentalisten, eine herrlich organische Produktion und nicht eine Sekunde Langeweile.

4 – Ben Kweller – Changing Horses

Bens Countryausflug darf man in den Jahresbestenlisten einfach nicht unterschlagen, bloß, weil er so zeitig im Jahr rauskam. Der Ex-Antifolker, der seit Jahren wunderbare Songwriter-Alben raushaut, flirtet mit Countryharmonien, Steel-Guitars und Trucker-Themen. Und das auf glaubwürdige, ach was, herzergreifende Art und Weise!

3 – Dave Matthews Band – Big Whiskey & The GrooGrux King
Es war, als riefen alle DMB-Fans dieser Welt im Juni: „Eeeendlich“. Endlich wieder ein Album, dass nicht nur deutlich über dem Studio-Output-Qualitäts-Mittelmaß der letzten sechs, sieben Jahre lag, sondern sich mühelos einreiht in die 1. Liga der DMB-Platten. Ein würdiges Tribut an den verstorbenen LeRoi Moore, super Songwriting, tolle Arrangement-Ideen, starke Hooks. Eeeendlich.

2 – Alberta Cross – Broken Side Of Time
Für jemanden wie mich, der Selig mag, der gerne Blind Melon hört, der die Black Crowes genauso schätzt wie Bob Dylan, die Avett Brothers, Calexico und die frühen Pearl Jam, für den ist die Musik von Alberta Cross wie gemacht. Und doch wäre es ungerecht, diese Band auf die genannten Referenzen zu verkürzen. Bei aller Heldenverehrung, bei allen Zitaten: dieses Album ist originell, und es ist eine Naturgewalt.

1 – The Duke & The King – Nothing Gold Can Stay
Doch manchmal kommen die Platten des Jahres dann doch ganz heimlich, still und leise. Da fängt es an mit „If You Ever Get Famous“, einem Song, der sich recht früh in diesem Jahr in mein Herz musiziert hat. Nachdem ich dann das Album zum Song hörte, war ich aber endgültig hin und weg. Was für ein Kleinod, was für große Songs. Der Glaube an das Gute im Menschen, und so.

Persönliche Lieblingsorte des Jahres

7 – Leipzig
Mann, ich lebe gern in dieser Stadt und klebe an ihr. Oder sie an mir, je nachdem.

6 – Paris
Endlich mal wieder dort. Finde Paris immer wieder schön und, ja, gemütlich.

5 – Harz
Wernigerode – mein erstes Mal Wandern / Urlauben / Ausspannen im Harz. Trotz wahnwitzigem Speed-Abstieg vom Brocken eine sonst äußerst erholsame Reise.

4 – Madrid
Menschen, unglaublich viele Menschen. Wein, unglaublich viel Wein. Kunst, unglaublich viel Kunst. Die vielleicht dekadenteste Kurzreise des Jahres. Ach ja: Serranoschinken, unglaublich viel Serranoschinken.

3 – Liverpool
Eine Woche zu Gast bei alten Freunden. Liverpool, die zweite – und das Gefühl, „daheim“ zu sein.

2 – Wroclaw
Eine Reise zu den Wurzeln meiner Familie. Mit meiner Familie. Tief berührend, bisweilen aber auch zum Brüllen komisch.

1 – Banja Luka
Bosnien hat mich schwer beeindruckt. Nirgendwo sonst habe ich bisher derart krasse Gräben zwischen arm und reich, hoffnungsvoll und verzweifelt, Schönheit und Zerstörung gespürt wie hier.

Die Bücher des Jahres

7 – Benjamin Lebert – Flug der Pelikane
Erst kam ich nicht so richtig rein in Leberts neues Büchlein, aber dann entwickelte die Erzählung eine interessante Dynamik. Angenehmes Lesevergnügen.

6 – Manfred Lütz – Gott. Eine kleine Geschichte des Größten
Steht nicht auf der Leseliste meines Theologie-Fernstudiums. Hab ich mir auch nur aus Lektüremangel heraus im Harz (siehe oben) gekauft, nachdem ich mit Platz 1 (siehe unten) durch war. Große Überraschung: Lütz‘ rheinisch-launische Gottesbetrachtung ist witzig, herzlich, niemals plump, aber auch nicht verkopft. Große Empfehlung – für Gläubige aller Couleur wie für Atheisten und Agnostiker.

5 – Daniel Kehlmann – Ruhm
Neun Geschichten, die auf unterschiedlichste Weise ineinandergreifen und spätestens am Ende ein Ganzes, wenn auch kein durchsichtiges Ganzes ergeben. Raffinierte Schreibübung, die aber auch dem Leser Spaß macht. Und einige sensationell gut gezeichnete Charaktere.

4 – Paul Peukert – Festung Breslau
Eine Reise nach Wroclaw, mit alten Tanten und Onkels, ohne jede revisionistische Scheiße, dafür mit vielen Fragen und vielen, vielen Eindrücken (siehe oben). Dieses Buch hat mich auf der Reise und danach sehr beschäftigt: katholischer Priester in Breslau führt Tagebuch über den Wahnsinn der letzten Kriegsjahre.

3 – Luke Haines – Bad Vibes. Britpop And My Part In Its Downfall
Ex-Auteurs-Hirn Haines schreibt seine Memoiren über die Britpop-Neunziger. Und ist dabei so gnadenlos ehrlich, bitterböse (gegenüber sich selbst und allen, wirklich allen anderen) und lustig, dass ich dieses Buch an nur einem Tag verschlungen – und dann am nächsten Tag gleich nochmal gelesen habe.

2 – Stefan Petermann – Der Schlaf und das Flüstern
Sowohl Stefan als auch sein Buch haben es gar nicht nötig, von mir gelobhudelt zu werden. Umso ehrlicher ist diese Platzierung gemeint: Stefans Debütroman hat mich angerührt und begeistert. Wäre Howie Days Song „I’ll Take You On“ ein Buch, es wäre dieses hier.

1 – Andreas Eschbach – Ein König für Deutschland
Einfach gutes Popcorn-Kino in Buchform. Es geht um Wahlmanipulation, ums Internet und um einen verklemmten deutschen Penne-Pauker als Hauptperson. Klingt lahm, ist aber alles andere als das. Definitv mein Lieblingsschmöker 09.

Persönliche Lieblingsluxusgüter des Jahres

7 – Relix-Abo
Es ist ja nicht so, dass ich nicht schon genug Musikzeitschriften abonniert hätte (jetzt sinds fünf). Aber ich hatte eben noch keine amerikanische. Und da in so ziemlich allen anderen Blättern dieser Galaxie zu wenig über all die schrägen Jambands und Folkies geschrieben wird, die ich nun mal gerne höre, musste es Relix sein. Habs nicht bereut – deren Avett Brothers- und Monsters Of Folk-Texte waren das beste, was ich in Sachen Musik in diesem Jahr lesen durfte.

6 – Fotoapparat
War einfach bitter nötig. Nach nem halben Jahr mit dem Teil bin ich zufrieden, aber nicht begeistert. Und eine wichtige Lektion hab ich auch gelernt: bloss, weil ich ’nen neuen Apparat habe, mache ich nicht zwingend mehr Fotos.

5 – Internet-Stick
Doch, das hat was, einfach seinen Laptop per UMTS mit dem Internet zu verbinden. Vor anderthalb Jahren war für mich noch n Laptop unvorstellbar, seit ein paar Monaten isses der Internet-Stick. Bin eben ein Spätentwickler.

4 – Digitaler Videorecorder
Noch so eine praktische Sache: einfach die Sachen aufnehmen, die mich interessieren, im Zweifelsfall auch mal zwei Sendungen parallel. Ohne DVDs, VHS-Kassetten, Showview und diesen ganzen Mist, sondern einfach nur per Knopfdruck. Was es nicht alles gibt. Toll.

3 – Big Whiskey Deluxe Edition
Nee, schon klar. Ich hab das neue DMB-Album (siehe ziemlich weit oben) in zweifacher CD-Ausführung (Standardversion US, Standardversion Europa), als iTunes-Pass (wegen der Bonusdownloads) und hatte es *hüstel* auch schon vorab auf nicht hundertprozentig legale Weise „erstanden“. Aber dennoch musste diese Deluxe-Box sein – dieses edle Fotobuch! Die wunderschönen Lithographien! Die Bonus-EP! Ach ja, und das Album is natürlich auch nicht schlecht (wie gesagt, siehe ziemlich weit oben).

2 – Spotify-Abo
Ich kann nicht anders, als in den Chor der Spotify-Lobhudler einstimmen. Es ist so simpel wie genial, dieses schwedische Streaming-Angebot, das hoffentlich 2010 auch endlich regulär in Deutschland zu haben sein wird. Warum ich schon in den Genuß eines Spotify-Abos gekommen bin? Offenbar hatte ich einfach nur Glück – wenige Wochen nach meiner ersten 10-Euro-Rate wurde die Option, von Deutschland aus wenigstens den Premiumaccount buchen zu können, erstmal wieder abgeschafft.

1 – Android-Handy
Es war keine rationale Entscheidung. Eher so meine notorische Liebe für Underdogs und die wachsende Verwunderung darüber, was für Menschen neuerdings iPhones besaßen und damit auszudrücken meinten. Nachdem ich mich in die Materie eingelesen hatte, schien mir ein Android-Handy eine gute Alternative zu sein. Killer-Grund war für mich die im Hintergrund laufende Spotify-App. Und jetzt? Bin ich echt zufrieden mit meinem HTC Magic – wobei… so ein Nexus One oder wenigstens ein Milestone wären auch nicht übel. Aber hey, bald ist ja 2010.

Die Songs des Jahres (Spotify-Playlist)

7 – Selig – Ich dachte schon
Ich dachte schon, du seist ausgezogen aus den Kammern meiner Erinnerung. Doch durch irgendeine Lücke kriechst du immer wieder rein… Lass mich allein.

6 – K’Naan – Take A Minute
And any man who knows a thing knows he knows not a damn damn thing at all…

5 – Sometymes Why – My Crazy
They say I’m talking to myself when I’m talking to you, they say I’m going crazy, crazy. Am I just true?

4 – Montag – Part 1
Plötzlich ist der Kopf klar, fahr jetzt los! Halt‘ Deine Briefe aus dem Fenster und lass sie los…

3 – Brother Ali – Fresh Air
I’m surrounded by greatness, my loved ones are amazin‘, sometimes, I look in their faces and just think of the lifes they’re changin

2 – Mein Mio – Es gibt immer
…und glaub, ich brauche kein Ziel und kein‘ Halt, doch als ich mich erinnere, ist es kalt. Es gibt immer, es gibt immer, es gibt immer… jemanden, auf den man wartet.

1 – Monsters Of Folk – Temazcal
Searchin‘ west and east and all points in between and underneath the hand of god, you’re there and then you’re not…

Persönliche Erfolge des Jahres

7 – drei Phish-Shows am Stück angehört
6 – ein weiteres Jahr ohne Zigaretten
5 – „Six Feet Under“ von der ersten bis zur letzten Folge sehen können
4 – meine Solo-EP Stundevorwärts
3 – einen regionalen & einen internationalen Preis erhalten
2 – immer noch Freunde zu haben, die mich ernsthaft als Trauzeugen wollen
1 – Simsalaboom, die neue CD meiner Band 2zueins!, die nun endlich fertig ist. Also, die CD.

Die Konzerte des Jahres

7 – Selig, September, Leipzig
Homogener Sound. Druck. Gefühl. Zeitreise Teil 2, diesmal fühlt sichs aber schon wieder ganz natürlich an.

6 – Bright Blue Gorilla, April, Halle
Robyn und Michael im Objekt 5. Am Tag vorher gemeinsames Essen in Leipzig. Dazu Besuch aus Holland – perfekte Tage.

5 – Stoppok, April, Leipzig
Absolut das, was ich mir von einem Stoppok-mit-Band-Abend erhofft hatte: tolle Musik, viele bekannte Gesichter im Publikum, ausgelassene Musiker.

4 – Alberta Cross, Juli, Paris
Musikalische Neuentdeckung des Jahres, hatte sich im Vorprogramm versteckt. So unscheinbar die Herren angeschlurft kamen, so bombastisch war im Gegensatz dazu ihre Musik.

3 – Amarcord, Dezember, Leipzig
Was für ein liebevoll ausgewähltes Programm, ausschließlich Stücke mit direktem Thomaskirchen-Hintergrund. Und dann natürlich: diese Stimmen!

2 – Selig Reunion Show, März, Dresden
Zeitreise, Teil 1: Selig spielen ihr erstes öffentliches Konzert seit 1998 und wir waren dabei. Die Nostalgie wich binnen weniger Songs der alten Euphorie. Immer noch die beste Liveband Deutschlands.

1 – Dave Matthews Band, Juli, Paris
Celebrate we will, ‚cause life is short but sweet for certain. Was soll ich noch schreiben – auch DMB-Konzert Nummer 3 war außerirdisch gut, ich freu mich schon auf #4 und #5.

Meine Top 7 2008: Songs

7 Sinéad O’Connor – Baby Let Me Buy You A Drink
Dass sie in diesem Jahr bei der „Night Of The Proms“ in den Niedelanden mitgemacht hat, habe ich ja eher skeptisch zur Kenntnis genommen. Nachdem ich dann die ersten Mitschnitte auf Youtube gesehen habe, war mir aber klar, was für einen „return to form“ sie damit hingelegt hat. Und zum Jahresende beglückt sie ihre Fans noch mit einem hervorragenden Charity-Song, der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will. I, too, was a slave, I was told to die. I was locked into history before I learned to fly.

6 Ben Kweller – Fight
Yeah, Ben. Eines der besten Konzerte des Jahres für mich. Und der Country-Trip, auf dem everbody’s indie darling derzeit ist, gefällt mir ausnehmend gut. Fight ist sauwitzig und – saugut. I’m like my grandma: short but I stand tall / Playin‘ every single card that’s dealt to me / Some days are aces and some days are faces / well, some days are 2s and 3s.

5 Hana Pestle – Hallelujah
Es ist nich besonders originell, Leonard Cohen’s „Hallelujah“ zu covern. Aber dieser Song ist zum einen absolut unkaputtbar, und zum anderen ist diese Version von Hana Pestle einfach atemberaubend. Ich wünsche der Dame, die ich im Juli in Colorado persönlich kennenlernen durfte, nur das Beste – und eine Mordskarriere obendrauf. Love is not a victory march / it’s a cold and it’s a broken Hallelujah.

4 Bon Iver – The Wolves (Act 1 And 2)
Bon Iver halt. Sensationelle Platte, sensationelle Songs. Für mich der erste unter gleichen: The Wolves (Act 1 And 2). What might have been lost / Don’t bother me…

3 Band Marino – Every Time I Make A Girl Cry I Know I’ve Done My Job
Eine Band, auf die ich zufällig im Netz gestoßen bin und die mich stark an die folkigere Seite von Blind Melon erinnert. Dieser Song ist extrem eingängig und recht zynisch, und ich bin mir sicher, dass ich ihn in diesem Jahr weit mehr als hundert Mal gehört habe. I wont marry your there’s too much to do / Take my hand and you’ll fall…

2 Blues Traveler – Borrowed Time
Hängt vom Blickwinkel ab: man könnte diesem Lied unterstellen, eine ziemlich kitschige Pianoballade zu sein. Für mich ist „Borrowed Time“ einerseits nah dran am perfekten Song, andererseits – und vor allen Dingen – meine Hymne auf das zu Ende gehende Jahr: eines, das alles hatte – Anfänge, Enden, Begrüßungen, Abschiede… Insgesamt ein gutes Jahr, mit einer bittersüßen Note. Und das hier ist der Song dazu. All our time ist borrowed, no deposit no return, and no promise of tomorrow or the next day / What was lent you can never earn.

1 MGMT – Time To Pretend
Dieser Song ist alles mögliche: rebellisch, naiv, übertrieben, visionär, albern, groß. In jedem Fall aber der hartnäckigste Ohrwurm des Jahres. I’m feeling rough, I’m feeling raw, I’m in the prime of my life. / Let’s make some music, make some money, find some models for wives.

siebenSONGS 22. Mit Ben Kweller, Architecture In Helsinki, Friendly Foes u.a.

Ben Kweller – Hurtin‘ You (mp3)

Cut Off Your Hands – Happy As Can Be (mp3)

Architecture In Helsinki – That Beep (Radioclit Remix) (mp3)

Friendly Foes – Get Yr Shit Together (mp3)

Sean Madigan Hoen – If You Must Dance (Do So Darkly) (mp3)

School Of Seven Bells – Connjur (mp3)

Pale Young Gentlemen – The Crook Of My Good Arm (mp3)

siebenSACHEN vom 9. September 2008. Mit Radiohead, Ben Kweller, Phish u.a.

– Ein komplettes 2008er Radiohead-Konzert in bester Qualität zum Gratis-Download – NPR macht’s möglich (mp3).

– Viele neue Songs vom demnächst erscheinenden neuen Ben Kweller-Album gibts bei dieser Liveshow zu hören.

Phish haben sich wiedervereinigt – wenn auch vorerst nur für eine Nacht.

– Bob Lefsetz fand die MTV Video Music Awards am Sonntag ganz ganz gruselig (was ich nachvollziehen kann, hab den Mist gestern gesehen…).

– Im NPR-Porträt: Joan Osborne anläßlich ihres heute erscheinenden neuen Album „Little Wild One“ (mp3)

– Berkeley Place und Leser kürten vor geraumer Zeit die 25 besten Indie-Rock-Alben aller Zeiten.

John Popper zu Gast bei einer Chris Barron & The Time Bandids-Show (Mai 2008):