Behind the music: Wetlands. Die Geschichte eines Liveclubs

Dies ist die Geschichte eines Liveclubs, der Geschichte machte: das „Wetlands Preserve“ in New York City.

Wenn Du auf die drei folgenden Links klickst, liest Du einen spannenden Rückblick auf zwölf Jahre Musikgeschichte in der Stadt, die niemals schläft. Wie aus einem versifften kleinen Laden ein renommierter Jamband-Schuppen wurde, welche Bands dort Liveplatten aufgenommen haben, und wie es 2001 zu Ende ging.

Die Originalakteure im Originalton, liebevoll zusammengestellt von Jesse Jarnow, Autor der Website jambands.com. Und viel zu gut, um einfach nur im Archiv dieser Seite zu verstauben!

The Wetlands Story
Das Vorwort von Jesse Jarnow
Teil 1: Our Dance With The Earth (1988 – 1994)
Teil 2: Of Bumble Bees And Sunflowers (1994 – 1998)
Teil 3: The Seventh-And-A-Half-Floor (1998 – 2001)

Mixtape (3)

Ein Mixtape, kompiliert am 26. April 2004. Hat kein bestimmtes Thema, einfach nur ein paar wunderschöne Songs, die gut zueinander passen…

01 JACK JOHNSON – TOMORROW MORNING
Jack Johnson ist der Meister des kleinen, entspannten Songs – wie dieser, geradezu zum Opener geborene, Song beweist: ruhige Gitarren, ganz relaxter Gesang – that’s allright…

02 GARISH – EINMAL AUS DEM NEST GEFALLEN FINDET MAN NICHT MEHR
Sperriger Songtitel, wunderschönes Lied – Garish kommen aus Österreich und sind dort recht berühmt für ihre poetischen Texte, verbunden mit dieser einmalig sanften, und trotzdem rockenden Musik. Meine Lieblingsstelle ist der Akkordwechsel am Ende – auf einmal sind da Sonnenaufgangs-Harmonien, und dann dieser Text: „Sing ich vor mich hin, ich singe vor mich hin…“ Ja, das ist es, was einen wunderbaren Frühlingstag ausmacht – es geht Dir gut und Du singst einfach vor Dich hin. Bingo!!!

03 DAMIEN DEMPSEY – APPLE OF MY EYE
Bisher hatte ich vier Mal das große, große Glück, diesen Mann live zu sehen – immer als Support für Sinéad O’Connor. Damien Dempsey ist der für mich beste aktuelle Songwriter in Irland. Sagenhaft poetische Texte, unglaubliches Harmonieverständnis. Alle Musiker, die Du auf diesem Track hörst, gehörten übrigens zu Sinéads Liveband, aber das nur am Rande.

04 GIN BLOSSOMS – NOT ONLY NUMB
Zu manchen Bands zeichnen sich ja im Kopf sofort Bilder aus dem eigenen Leben – wenn ich an die Gin Blossoms denke, denke ich an Prag – ein wunderbarer Urlaub in den frühen Neunzigern, ich war verliebt, und hörte da diesen einen Song „Hey Jealousy“… Wenig später erfuhr ich, dass es sich um die Gin Blossoms handelte – jene Band, die im selben Jahr mit Spin Doctors und Soul Asylum um die Welt tourte. Tja, und nachdem ich in Deutschland kein Glück hatte, das Album der Jungs zu finden, gelang es mir in Prag – etwa fünf Minuten bevor wir versehentlich mitten in eine Hare-Krisha-Demo auf dem Wenzelsplatz geplatzt sind. Dieses Stück ist vom zweiten Album der Band – ein herrliches, kleines Liebeslied…

05 MON)TAG – RUF MICH AN
Diese Band
hats mir einfach angetan. Ganz großer Pop, mit tollen Texten und buttergleichen Arrangements. Dieses Lied ist der erste Song ihres Albums, und ich hab mich lange nicht mehr so verstanden gefühlt, wie beim Hören dieses Songs im Spätherbst letzten Jahres – zwischen Prüfungsstress, Überstunden und Zumerstenmalalleinewohnen.

06 BLUES TRAVELER – SWEET AND BROKEN
Einer dieser Momente, bei denen mir ganz, ganz ehrlich das Herz aufgeht – da veröffentlicht diese Band im August 2003 ihr neues Album (das achte oder neunte oder so), und was darf ich hören – einen Song, den John Popper (der Sänger) gemeinsam mit Chris Barron geschrieben hat (Sänger von Spin Doctors). Etwa zehn, elf Jahre vor dieser Zusammenarbeit haben die Bands der beiden legendäre Doppelkonzerte gegeben: erst die einen, dann ein großer Jam mit den anderen, dann die anderen, dann ein großer Jam mit den einen, dann wieder die einen – und so ging das fünf, sechs Stunden lang. Und jetzt, mehr als eine Dekade später, schreiben diese beiden engen Freunde mal wieder einen Song miteinander. Und was für einen – oh, she is so sweet. And broken…

07 SMH – SPÄTER (2003 edit)
Es grenzt schon fast an Größenwahn, nach so einem kompositorisch unangreifbaren Song ein eigenes Lied anzufügen. Aber: warum denn eigentlich nicht? Dieses Lied bedeutet mir ebenfalls sehr viel – bis heute bin ich von der Melodie und dem Text überzeugt. Wir waren fünf musikversessene Jungs, die 1998 eben diese Platte aufgenommen haben… Ganz abgesehen davon, dass ich das Lied heute sicher ganz anders arrangieren würde, mag ich das Teil einfach. Und erinnere mich sehr sehr gern an diese Zeit – jedes Wochenende Auftritte, mal vor zehn, mal vor tausend Leuten. War schon cool… Und alles andere kommt später.

08 JASON MRAZ – THE REMEDY (I WON’T WORRY)
Neben John Mayer, Howie Day und Jack Johnson ist Jason Mraz einer der im Moment angesagtesten jungen Songwriter in den Staaten. „The Remedy“ war sein Durchbruch – ein rundum gelungener Popsong, mit einer wunderbaren Hookline. Sein Album „Waiting For My Rocket To Come“ hat Preise noch und nöcher abgesahnt. Aber auch, wenn da der ein oder andere Song drauf ist, der mir persönlich nicht so gefällt, „The Remedy“ ist definitiv einer der geilsten Songs seit langem!

09 JAN PLEWKA – SEI HIER
Jan Plewka war Sänger bei Selig, und singt neuerdings bei Zinoba. Zwischendurch hat er ein Soloalbum gemacht, das für mich seinen bisher lichtesten Moment darstellt. Ausnahmsweise mal nicht auf irgenwelchen bizarren Selbstfindungs-, Drogen-, Alkoholtrips, hat Jan mit „Zuhause da war ich schon“ eine herausragende Platte abgeliefert. „Sei hier“ ist das Stück, das mich am stärksten berührt hat: ein unpeinliches, sehnsüchtiges, weites und tiefes Liebeslied mit einer wunderbar überraschenden Bridge.

10 DAVE MATTHEWS BAND – I’LL BACK YOU UP
Dazu kann und will ich nur ganz wenig schreiben. Ganz ehrlich, ich kenne kaum ein schöneres Lied überhaupt. Bei jedem, aber wirklich jedem Hören bekomme ich Gänsehaut. Vom 1992er Independent-Debüt der Jungs. Sometimes we walk, sometime we run away…

11 GUNDERMANN & SEILSCHAFT – ICH MACHE MEINEN FRIEDEN
Wir schreiben das Jahr 1993, Klein-Daniel, damals neunte Klasse, entdeckt deutschsprachige Musik, die nicht von Bababanküberfällen oder Jenseitsvoneden singt. Gerhard Gundermann war ein zauberhafter Musiker, den ich vier oder fünf Mal live erleben konnte. Das waren dann immer drei- bis vierstündige Shows mit Gerhard und einer fantastischen Band. „Ich mache meinen Frieden“ ist eines der Lieder, die mich seit dem allerersten Hören nicht mehr losgelassen haben, und die mir auch noch in den Sinn kommen, wenn ich sie ein, zwei Jahre lang mal nicht gehört habe. Bis heute ein absolut amtlicher Song, wenn Du mich fragst. Leider ist „Gundi“ schon tot – er starb irgendwann Ende der Neunziger mit Paarnvierzich an einem Herzinfarkt. Und Daniel, schon gar nicht mehr so klein, war ein paar Tage lang richtig fertig.

12 WILLY PORTER – HARD
Sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen, einen Film zu drehen, dann würde dieser Song irgendwann am Schluß laufen, kurz vor dem Abspann, wenn alle gerührt sind, oder glücklich, oder beides. Dieses unfaßbar schöne Stück Musik erinnert mich meine erste Liebe. Nach wie vor ein toller Song, auch ohne Schmetterlinge im Bauch!

13 STOPPOK – DEIN GLÜCK
Der vielleicht am härtesten arbeitende deutsche Musiker – Stefan Stoppok ist ein Poet, ein Genie, ein netter Kerl. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich den Knaben live gesehen habe. Es ist immer wie ein Nachhausekommen. Du kennst ihn, seine Musik, er ist immer der alte, aber überrascht Dich jedesmal mit einer neuen Handvoll Lieder. Und sehr, sehr gern erinnere ich mich an dieses Interview mit ihm – da hab ich meinen Status als Radioredakteur schamlos ausgenutzt, um mal mit dem Herrn ins Gespräch zu kommen. Hat sich gelohnt, nicht nur wegen der zahlreichen Freibiere, damals, in Glauchau… „Dein Glück“ ist von seinem letzten Album. Okay, die Akkordfolge ist dreist bei Bob Dylan geklaut, aber das macht nix. Der Text macht das wieder wett.

14 SINÉAD O’CONNOR – IT’S ALL GOOD
Hast Du denn ernsthaft geglaubt, eines meiner Mixtapes käme ohne Sinéad, the Goddess of Song, aus? Ich bitte Dich! „It’s All Good“ hat Damien Dempsey geschrieben (siehe oben), und das Lied wird wohl die vorerst letzte Single dieser wunderbaren Dame sein. Mir kommt da der erste herrliche Sonnenuntergang in meiner neuen Wohnung in den Sinn – die Platte war taufrisch, meine Wohnung war es auch, ich stand auf dem Balkon, und konnte einfach nur zustimmen: It’s all good.

15 SPIN DOCTORS – INDIFFERENCE
Zehn Jahre hat diese Aufnahme schon auf dem Buckel. Kein Jahr seither, in dem ich NICHT mindestens einmal den Repeat-Knopf gedrückt habe, weil mich dieses Stück geplättet hat und ich es nochmal, oder noch zwei Mal, oder drei Mal, hören musste. Was für eine wunderbare Ballade! Dieser Duettgesang von Eric und Chris! Dieses Akustikgitarrensolo! Dieses E-Gitarren-Solo! Und überhaupt. Und sowieso!

16 MARTYN JOSEPH – CARDIFF BAY
Eigentlich geht der Typ gar nicht. Macht kitschige Platten, wenn er nicht gerade mit Bernhard Langer, seinem besten Kumpel, golft. Kein Witz. Stimmlich irgendwo zwischen Bryan Adams und Phil Collins. Und musikalisch mehr als einmal mächtig daneben: Kinoleinwandpop, der mir normalerweise so gar nichts gibt. Aber ich kann nicht anders, als reumütig, ach was, stolz zuzugeben: Jawoll, ich steh auf Martyn Joseph. Einmal live im Fernsehen gesehen, fasziniert von seiner Bühnenpräsenz. Und die doofen Songs auf seinen CDs kann man ja skippen. Und der hier, der gehört definitiv nicht zu den skippenswürdigen (was bitte ist das denn für ein Wort?) Songs seines Schaffens…

17 ROBERT CRAY – LITTLE BOY BIG
Dieser Song fasst die Grundstimmung dieses Mixtapes recht gut zusammen – ohne, dass ich das so geplant hatte, ist das eine recht melancholische Platte mit vielen Erinnerungen geworden. So it’s all said and done… Robert Cray macht seit 30 Jahren Musik, und immer klingt sie so beseelt und rein wie auf diesem schönen Stück. Meine Lieblingsstelle: kurz vor Schluß – „Your hand in the pocket walking down the streets singing Lalalalalala..“ Oder wie Damien Dempsey sagen würde „It’s all good“.

18 TODD THIBAUD – ALREADY GONE
Melancholisch, traurig, aber vor allem wunderschön – Todd Thibaud ist ein Meister der kleinen, aber nahezu perfekten Songs. Allerdings ist das Lied meiner Meinung nach ein derartiger „Runterzieher“ (im besten Sinne), dass ich ihn ans Ende dieses Mixtapes packen mußte.

19 WHATSA – DRINK MIX
…aber so ganz ans Ende wollt ich ihn nu auch wieder nicht packen. Sonst wirst man noch ganz traurig! Deshalb abschließend dieser funky Jam begnadeter New Yorker Musiker als Abspannmusik.

Gib mir Musik: Blues Traveler – Decisions of the Sky. A Traveler's Tale of Sun & Storm (EP, 2000)

Nach dem Tod des Originalbassisten Bobby Sheehan kamen zwei neue Mitglieder zu den Blues Traveler: Ben Wilson (Keyboards) und Tad Kinchla (Bass). Um den Fans die Wartezeit bis zu einem neuen Album zu verkürzen, um durch das Musikmachen die tragischen Ereignisse rund um Bobbys Drogentod zu verarbeiten und um sich im neuen Line-Up einzuspielen, nahmen Blues Traveler im Jahr 2000 eine EP auf, die sie als mp3-Files ins Internet stellten, als Geschenk an die Fans.

Bis heute kann man sich diese wirklich schöne und experimentelle Konzept-EP (eigentlich isses ja fast ein Album, 4 Songs, 38 Minuten Spielzeit) im Internet herunterladen. Bitteschön:

Blues Traveler
Decisions of the Sky. A Traveler’s Tale of Sun & Storm

01 12 Swords (mp3-Download)
02 The Sun & The Storm (mp3-Download)
03 Traveler Suite (mp3-Download)
04 The Path (mp3-Download)

Wenn Du Dir die EP inklusive Artwork zulegen willst, gibts den ganzen Spaß auch auf der Fanseite bluestraveler.net, da gibts obendrauf auch noch jede Menge Informationen zu den Stücken, ihrer Entstehung und die Geschichte eines Konzeptalbums, das nie das Licht der Welt erblickte, sondern schließlich in genau diese EP mündete.

Mehr zu Blues Traveler im dunkelblau Weblog gibts hier!

Nix wie hin: montag-musik.de

Das hier ist der Internetauftritt der tollen Band mon)tag. Ach, wäre nur jede Homepage jeder Band derart geschmackvoll gestaltet, derart aktuell, derart unterhaltsam! Die drei Herren von mon)tag informieren persönlich über die nächsten Konzerte, schreiben Kolumnen, stellen veröffentliche und unveröffentliche Titel zum Anhören bereit. Selbst ein eigenes mon)tag-Radio-Programm gibts, mit wirklich handverlesenen Perlen aus den letzten 30, 40 Jahren Popmusik. Wer Gefallen, das Debütalbum der Band, gehört hat, oder sie gar bereits live gesehen hat, findet hier das Rundumglücklichpaket zum Fanbleiben. Wer die Jungs noch nicht kennt, findet hier einen würdigen und repräsentativen Einblick in die sympathische Welt von mon)tag.

FAZIT
Super Band, super Website. montag-musik.de ist eine geradezu vorbildliche Netzpräsenz. Ideal, um ganz viel Zeit dort zu verbringen. Geil!

Ebenfalls sehenswert: die Homepage des Labels, bei dem mon)tag sind. Mehr dazu hier im dunkelblau Weblog!

Spin Doctors – Live in Cincinnati (2004)

Revenge is sweet but success is sweeter, take the salt from my wounds and put it in my margherita.

Jetzt ist es amtlich, jetzt ist es definitiv. Die Spin Doctors sind unkaputtbar. Die Spin Doctors sind immer noch da. Und sie sind besser denn je.

Zwölf lange Jahre ist es inzwischen her, da waren sie ganz oben. „Little Miss Can’t Be Wrong“ , „Two Princes“ und Jimmy Olsen’s Blues“, das magische Hit-Trio, kam über die USA wie eine frische Brise. In einer Zeit, in der Grunge die Charts dominierte, kam dieser gut gelaunte Vierer aus New York City daher, und präsentierte Songs voller Witz, guter Laune und Melodien. In ihren Liveshows bewiesen sie ihre Musikalität. Ja, die Hits waren auch immer mit dabei, aber was die Spin Doctors live auszeichnete, waren ihre begnadeten, mäandernden Improvisationen, die brüllend komische Interaktion mit dem Publikum, und vor allen Dingen: diese Seele, dieser Groove, dieser Funk. Die Spin Doctors waren „das nächste große Ding“, und sie waren es zwei Sommer lang.

Dass diesem kurzen Ruhm vier knochenharte Jahre des Rumtourens, In-jeder-noch-so-kleinen-Kaschemme-spielens und nicht zuletzt des Erwachsenwerdens vorausgingen, fiel schon damals kaum jemandem auf. Musste es auch gar nicht: Lehrjahre sind nun mal keine Meisterjahre, und bis heute geht es unzähligen Bands so. Was aber nach all den Headliner-Touren, der Zeit als Vorband für die Rolling Stones, einem Titelbild auf dem US-„Rolling Stone“ und einem legendären Auftritt beim 1994er Woodstock-Festival folgte, ist das, was sich nur als eine der größten Tragikkomödien der neueren Musikgeschichte beschreiben läßt.

Hier der Plot im Zeitraffer: Die vier Mitglieder einer Rock-Funk-Jamband auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes zerstreiten sich, versuchen, mit immer wieder neuen Bandmitgliedern an alte Erfolge anzuknüpfen (was musikalisch fast immer gelingt, nur interessiert es irgendwann niemanden mehr). Just zu dem Zeitpunkt, an dem die Sterne wieder günstiger stehen, sie wieder einen Hit in der Tasche haben, den die ersten DJs bereits als Comeback-Hit rotieren lassen („The Bigger I Laugh The Harder I Cry“ heißt er, was für eine Ironie des Schicksals!), eine ausgedehnte Tour geplant und ein neues Album fertig ist, verliert der Sänger und kreative Kopf der Band (außer dem Schlagzeuger das einzige vom Original-Lineup verbliebene Mitglied) seine Stimme, im wahrsten Sinne des Wortes. Er kann nicht mehr sprechen, geschweige denn singen. Die Tour wird abgeblasen, der Sänger ein Dreivierteljahr ärztlich behandelt, die Band – auf Eis gelegt. Das war viele Sommer später, 1999.

Doch dann der Wendepunkt, die nicht für möglich gehaltene Peripetie: die Stimme des Sängers kehrt zurück, fester und souveräner denn je. Er schart alte und neue Freunde um sich, spielt Gelegenheitsgigs in New Yorker Jazzbars (und nennt seinen losen Musikerverbund „The Give Daddy 5“, den Nobelpreis für Humor bitte!), singt alte und neue Lieder und arrangiert sich mit der alten und neuen Situation, wieder ganz am Anfang zu stehen, als kleiner, unbekannter Musiker. Dann kommt das Angebot, das alles ändern wird: nur dieser Abend, nur dieses eine Mal, aus hehren Motiven, kommt, das tut Euch doch nicht weh. Die Wiedervereinigung für eine Nacht, die wahren Vier, wie in alten Zeiten. Das große, rührende Finale, im September vor drei Jahren.

Das große, rührende Finale? Nein, nur ein weiteres retardierendes Moment in dieser unglaublichen Geschichte. Der einen Nacht folgt die ehrliche Versöhnung, später folgt eine einwöchige Tour der vier durch kleine und kleinste Clubs der USA. Dann kommt gleich noch eine, dann eine ganze Sommertour mit anderen Bands, dann die nächste Tour, und noch eine… Womit wir in der Gegewart angekommen wären.

Die Spin Doctors 2004 sind, was das Personal betrifft, die selben wie vor dem Streit vor zehn Jahren. Aber sie weigern sich, ein Abziehbild ihrerselbst zu werden, schreiben neue Songs, verändern alte, spielen aber auch die alten Hits, voller Respekt, voller Hingabe, gerade so, als wären sie eben erst entstanden.

Am 12. September 2004 endete die diesjährige Sommertour der Doctors. Auf einem „Chili-Fest“ in Cincinnati, Ohio (so ne Art Stadtteilfest). Ja, die Zeiten ändern sich: da stehen ein paar hundert vor der Bühne, und nicht mehr tausende. Da ist kein Platinalbum, das es zu betouren gilt. Da stehen vier Herren Ende 30, die Musik aus Leidenschaft spielen. Die dem Publikum einmal mehr ihre so unnachahmlichen (gibt es das Wort uncoverbar?) Lieder vorspielen, es entscheiden lassen, welchen Song aus frühen Tagen es hören wolle, um ihm gleich danach einen neuen, mindestens genauso guten neuen um die Ohren zu schleudern. Da ist die alte Frau, die rummeckert, weil die Musik zu laut sei. Da ist der Sänger, der dieser Frau zur großen Freude des restlichen Publikums erklärt, was Rockmusik ist, warum verstärkte Gitarren lauter sind als unverstärkte und dass ein Stehplatz hinten am Bierstand in ihrer Situation ihrem momentanen Aufenthaltsort, direkt vor den Boxen, vorzuziehen wäre.

Knapp neunzig Minuten purer, glückseligmachender, mitreißender Rock’n’Roll. Euphorie. Jubelnde Menschen vor der Bühne, die ein Bestandteil der Show werden. Von einem Fan mitgeschnitten (das ist bei dieser Band erlaubt, ja von ihr sogar gewünscht) und dadurch unsterblich geworden. Im Internet erhältlich (Interesse? Beeilen! BitTorrents sind oft nur für wenige Wochen wirklich aktiv).

Ist das jetzt der Moment, an dem der Vorhang fallen müßte? Die Katharsis im kleinen, verborgenen? Alles gut, alles schön, alles nett? Oder ist es wieder erst die Ruhe vor dem nächsten Sturm? Die Band kommt bald nach Europa, nimmt zur Zeit ein Album auf, und will es auch veröffentlichen. Nächstes Jahr vielleicht, sagen die Spin Doctors. Und dann wirds auch wieder eine Tour geben, wenns nach ihnen geht.

Nein, so viel ist sicher: Der Vohang fällt noch nicht. Nächster Akt.

Spin Doctors
September 12, 2004
Goldstar Chilifest
Cincinnati, OH

Disc 1 – 48:51

01. What Time Is It? >
02. Nice Talking To Me*
03. Little Miss Can’t Be Wrong
04. Off My Line
05. My Problem Now** >
06. Happily Ever After**
07. Margerita**
08. Jimmy Olsen’s Blues
09. I’d Like To Love You But I Think You Might Be Crazy**

Disc 2 – 35:13

01. Sugar** >
02. Lady Kerosene
03. Two Princes
04. Big Fat Funky Booty
05. Cleopatra’s Cat
06. Yo Mamas a Pajama

Total – 84:05

Chris Barron – vocals
Eric Schenkman – guitar, vocals
Mark White – bass
Aaron Comess – drums

* – previously unreleased song (pre-1994)
** – previously unreleased song (post-2001)
Audience recording. Not for sale. Share and spread the music.

MEHR ZUM THEMA
Die Reunion der original Spin Doctors stieg am 7. September 2001 im legendären Wetlands Preserve in New York. Der Laden sollte eine Woche später dicht gemacht werden, aber vorher organisierten die Wetlands-Macher neine Reihe unvorstellbarer Konzerte: Reunions, One-Night-Only-Shows von Bands, die sich längst aufgelöst hatten und mehr. Die Geschichte des Wetlands ist nicht nur Teil der Geschichte der Spin Doctors, sie ist auch so absolut lesenswert. Hier gehts zur absolut unterhaltsamen Wetlands Story von Jesse Jarnow (jambands.com).

Nix wie hin: tapeterecords.de

Tapete Records ist ein Hamburger Plattenlabel, das CDs von phantastischen Künstlern wie Niels Frevert, mon)tag, Samba oder Paul Dimmer Band (Foto, geklaut von der Tapete-Seite) vertreibt. Von hier aus kannst Du Dir einen ganz besonderen musikalischen Kosmos erschließen: Musik abseits des Mainstreams, und dennoch zugänglich und sympathisch. Musik, die in einer besseren Welt jeden Tag ganz selbstverständlich im Radio laufen würde.

FAZIT
Aber weil die Welt nun mal so ist, wie sie ist, warten wir nicht auf bessere Zeiten, sondern genießen die Musik von Plattenfirmen wie dieser. Auf der Seite kannst Du übrigens auch direkt die CDs aller tapete-Acts kaufen.

Die Kategorien in diesem Weblog / Weblog-Adressen

Willkommen im dunkelblau Weblog!

Du erreichst dieses Blog über folgende Adressen:
http://dunkelblau.blogg.de oder
http://www.dunkelblau-weblog.de.vu

Dieses Weblog besteht derzeit aus neun verschiedenen Kategorien. Hier eine kurze Erklärung dazu.

01 Now playing
Kurze Musikempfehlungen, geschrieben immer dann, wenn die erwähnten CDs gerade in meinem Abspielgerät rotieren.

02 Behind the music
Themen, Debatten, Trends aus den verschiedenen Musikszenen und dem Musikgeschäft. Aktuelle Nachrichten über neue Alben, Touren etc.

03 All in the groove (Rezensionen)
Ausführliche CD-, Konzert-, Musikbesprechungen. Reguläre Alben sind hier genauso Thema wie im Netz frei verfügbare Liveshows von Bands, die das Mitschneiden ihren Shows gestatten und fördern. Aber auch selbst besuchte Shows oder einzelne Lieder können Inhalt von Artikeln dieser Rubrik sein.

04 Gib mir Musik!
Links und Erläuterungen zu lohnenswerten mp3s, die im Internet kostenfrei und ganz legal erhältlich sind.

05 Nix wie hin: Trips worth taking
Internetseiten, die sich lohnen. Die Dich fesseln könnten.

06 Mixtape
Ein Spleen von mir. Seit einigen Jahren stelle ich für mich und andere Mixtapes (inzwischen sinds eher CDs) zusammen. Eine Auswahl dieser Mixtapes stelle ich in loser Folge in dieser Rubrik vor.

07 Top 5
Meine fünf Songs der letzten Woche. Gerne auch mal die fünf aktuellen Lieblingsalben oder auch thematische Listen. Wo vorhanden, verlinkt mit passenden Einträgen aus dem dunkelblau Weblog.

08 Rock Hard Times
Eine Art Netz-Presseschau mit interessanten Fundstücken auf anderen Seiten. Hauptsächlich gehts natürlich auch hier um Musik. Wann immer mir ein lesenswerter Artikel begegnet, wird er hier erwähnt und verlinkt.

09 Über diese Seite
Beiträge, die in keine andere Kategorie passen oder Informationen über dieses Weblog enthalten. So wie dieser hier.

NP: Spin Doctors live 12. September 2004, Cincinnati, OH.

Gib mir Musik: New York Electric Piano – Hidden Path

„New York Electric Piano“, das sind die New Yorker Musiker Pat Daugherty (E-Piano), Tim Givens (Bass) und Aaron Comess (Spin Doctors, Schlagzeug). Vor zwei, drei Jahren haben sie ein Album veröffentlicht, das man durchaus als bahnbrechend beschreiben kann: Federleichte Instrumentalstücke, die oft wie Acid Jazz klingen, aber durchweg live eingespielt wurden. Ein warmer, einmaliger Pianosound sorgt für den nötigen Wiedererkennungswert. Die Platte, bis heute nur über US-Independent-Mailorder zu bestellen, wurde denn auch schnell zu einem wahren Insider-Tipp, und ist bis heute in vielen New Yorker Cafés und Kneipen als Barmusik zu hören. Aaron Comess hat auf seiner Website unlängst angekündigt, dass noch in diesem Jahr eine weitere NYEP-Scheibe erscheinen soll. Und siehe da, seit dieser Woche ist „War Oracle“ erhältlich. Bis die den weiten Weg aus den USA in heimische CD-Player schafft, kann es aber noch etwas dauern (Rezension folgt, sobald es soweit ist). Fürs erste lohnt sich die Probe aufs Exempel mit einem typischen Stück aus der ersten Veröffentlichung.

Das Stück „Hidden Path“ gibts hier.

PS: Das schreibt Aaron Comess über das Projekt NYEP: „New York Electric Piano is the brain child of Pat Daugherty. Pat is a pianist and songwriter whom I play with in many other groups. We made this album in four hours one night in Manhattan. I like this record and I highly recommend checking it out. Tim Givens plays upright bass in the group. Through the years, Tim and I have played together extensively in The City.

Behind the music: Wieviel "Heimat" darfs denn sein?

Diesen sehr interessanten Artikel kannst Du derzeit auf tagesschau.de lesen. Sarah Strohschein schreibt über den neuen Trend in der deutschen Popmusik, immer öfter positiv, oder zumindest ein wenig naiv in deutschen Popsongs über die Themen Heimat, Vaterland, Nation zu schreiben und zu singen.
Beispiele sind die jüngste Kooperation von Paul van Dyk und Heppner und der Song „Was es ist“ von Mia. So singen Mia: „Ein Schluck vom schwarzen Kaffe macht mich wach, dein roter Mund berührt mich sacht, in diesem Augenblick es klickt, geht die gelbe Sonne auf. (…) Fragt man mich jetzt woher ich komme, tu ich mir nicht mehr selber leid, ich riskier was für die Liebe, ich fühle mich bereit.“ Um das unsägliche Lied von Heppner und van Dyk kommt man ja derzeit im Radio und im Fernsehen nicht drumrum: „Wir sind wir, wir stehn hier…“
Ebenfalls in der Diskussion (an anderer Stelle) sind auch Lieder der Band Virginia Jetzt!, Songs von Rammstein sind es ja seit eh und je.

Die Debatte darum, wieviel Heimat- und/oder Vaterlandstolz in Popsongs erlaubt sein darf, scheint in diesen Tagen aber zu einem Thema für die Feuilletons zu mutieren. Zu Recht. Allerdings bleibt zu hoffen, dass in dieser zu erwartenden Debatte auch wirklich der erste Schritt vor den zweiten gesetzt wird. Die spannende Frage ist ja nicht, ob man „das“ darf oder sollte, sondern aus welchen Motiven heraus „das“ geschieht.

Was treibt Berliner Independent-Bands, Hochglanztechnoproduzenten, EBM-Heroen oder Popacts dazu, so scheinbar unreflektiert, in jedem Falle aber unverkrampft über die in Deutschland zweifellos heiklen Themen Heimat und Nationalgefühl zu singen? Da hat sicher jeder Künstler seine eigene Antwort, für die einen dürfte es unter die Kategorie „Sooo hab ich das doch gar nicht gemeint“ fallen (und das, davon gehe ich mal aus, ist dann wohl auch die Wahrheit). Andere, auch da schwinden inzwischen meine Zweifel, betreiben diese Deutschtümelei garantiert ganz gezielt und aus Kalkül: Rechte Deppen haben schließlich auch ein Recht auf Popmusik, und wenn die jetzt womöglich raffen, dass sogar radiokompatible Musiker leichtfüßiger denn je mit solchen Dingen wie Heimat und Vaterlandsstolz umgehen, dann kaufen die unter Umständen auch unsere Platten…

Das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, und ohne Frage sind die Zusammenhänge komplexer, die Motive vielfältiger und die möglichen Interpretationen zahlreicher. Besorgniserregend ist der Trend zum heimeligen Deutschtum in der Popmusik allemal. Andererseits finden sich auch in anderen Genres, gerade auch im Schlager- und volkstümliche Musik-Sektor, schon seit Unzeiten Beispiele, die in dieselbe Kerbe hauen. Letztenendes läufts wohl auf eine ganz grundsätzliche Debatte zu dem Themenkomplex hinaus, die uns da in den nächsten Tagen ereilt.

Im besten Fall. Im schlechtesten Fall tritt das ein, was man bislang nur unterstellen und befürchten kann: dass der dumpfe, braune Beigeschmack tatsächlich gewollt, genau so gemeint und leider erst der Anfang ist.

Ganz bestimmt ist die Musik einer Band wie Blumfeld nicht jedermanns Sache (meine schonmal nicht). Aber sollte sich aber der Verdacht bestätigen, und es sich hier nicht um Mißverständnisse und Fehlinterpretationen handeln, dann kann ich dem Statement, das die Band zu genau diesem Thema veröffentlicht hat, nur aus vollem Herzen beipflichten.

Hier ein Auszug:

„Wie aus unserem Schaffen und Verhalten klar erkennbar sein sollte, haben wir es stets abgelehnt, uns in die heimatduselige Front all derer einzureihen, die es für angebracht halten, sich in ihrem Denken, Fühlen, Singen und Handeln positiv auf Deutschland ( als Kulturnation und Heimat ) zu beziehen. Wer (…) mit geschichtsrevisionistischen „Wir sind wir“-Parolen zur „Normalität“ eines positiven deutschen Selbstverständnisses zurückkehren will, (…) wer sich – warum auch immer – etwas davon verspricht einer deutschtümelnden Öffentlichkeit den kleinen Finger oder mehr zu reichen, der oder die ist entweder tatsächlich stolz auf sein Land, darauf ein Deutscher zu sein ( warum? wozu? ), vielleicht auch nur etwas zu ( pseudo- ) naiv und unreflektiert oder aber eben so erfolgsversessen, dass er oder sie es billigend in Kauf nimmt, die in deutschem Namen begangenen Verbrechen und ( Un- ) Taten der Vergangenheit und Gegenwart zu ignorieren und vergessen zu machen, um seine Zielgruppe zu erreichen. (…) dem sei mit dieser Mitteilung noch mal ausdrücklich erklärt, dass wir für derartigen Populismus und Vaterlandsliebe jedweder Art nach wie vor nicht zur Verfügung stehen.“

NP: Maroon 5 – 1.22.03 Acoustic EP (2004)

Keine Ahnung, warum es so lange gedauert hat, bis die hervorragenden „Songs About Jane“, also das erste Album der Maroon 5, hier in Europa gezündet haben. Um die Wartezeit bis zu einem nächsten Album zu verkürzen, haben Maroon 5 in diesem Sommer eine Live-EP rausgebracht, aufgenommen im Januar 2003 in New York City. Fünf Songs aus dem Album sind da drauf, alle als Lagerfeuer-Akustikgitarren-Versionen; und außerdem noch eine wirklich schöne Version des Beatles-Songs „If I Fell“. Als Bonustrack gibts ein Cover von AC/DCs „Highway To Hell“ (wer singt da eigentlich?), aufgenommen in Hamburg und garantiert NICHT als Akustik-Klampfen-Version. Hervorragende Liveband, die Maroon 5. Und im Herbst wohl auch mal wieder in Deutschland unterwegs.