Nix wie hin: nancies.de

Die Dave Matthews Band zählt zu den erfolgreichsten, aber auch innovativsten Acts in den USA. Konzerte vor 20.000, gern auch 40.000 Gästen jeden Abend sind bei DMB (Fanjargon) keine Seltenheit.

Was ja noch nichts über die Musik der Combo aussagt. Aber auch die kann sich hören lassen. Ein schwer eingrenzbares Konglomerat aus Pop, Folk, Funk und Rock ist das. Charakteristisch für den Sound von DMB sind Geige und Saxophon, aber auch die verblüffend prägnante, glasklar und akzentuiert gespielte Gitarre des Sängers Dave Matthews. Um als Fan zu sprechen: das ist tolle Musik, detailverliebt, ausschweifend, extatisch, einmalig. Absolut hörenswert.

Leider kann DMB keine allzu große Fanschar in Europa vorweisen (was sicherlich auch der Band und ihrem Management anzulasten ist, aber das ist ein ganz anderes Thema). Dennoch gibt es sie, die europäischen und auch deutschen Nancies (so nennen sich die Fans in den USA seit Jahren, nach einem frühen Song der Band). Und die haben seit Januar 2003 auch ein gemütliches Zuhause im Internet gefunden. Auf nancies.de nämlich. Da gibts alles, was man so braucht, als Fan. Und auch mehr sogar (wer braucht 41 Gründe warum DMB „the Best of What’s Around“ sind? Andererseits: wer braucht Weblogs wie meines hier?)

Natürlich findet sich auch ein recht rege genutztes Forum auf nancies.de. Hier wird gestritten, debattiert, getauscht, kritisiert und geholfen – wie in jeder normalen Familie auch.

FAZIT
nancies.de ist eine äußerst gelungene Fanseite mit verdammt viel und verdammt gutem Lesestoff. Im Forum gehts hier und da auch mal ein wenig kindisch zu, was den Autoren dieses Textes aber nicht davon abhält, dort gern und viel mitzuschreiben und zu debattieren. Du triffst mich dort gelegentlich – na klar – als MoreThanMeetsTheEar.

Ben Folds – Speed Graphic / Sunny 16 / Super D (2003/2004)

Wenn die intimste Berührung, die Du seit langer Zeit gespürt hast, die einer gelangweilten Friseur-Azubine (Typ: war mal Punk, steht jetzt auf Gothicdudel) ist, die Dir mißmutig die Haare wäscht; wenn Dir Dein Lieblingsrezept (Salbei-Tomaten-Hühnchen mit Mozarella) nicht mehr einfällt, weil Du schon lange für niemanden mehr ein Essen zaubern brauchtest; wenn Du in einer Woche aus Langeweile mehr Bücher (Hesse, Eco, Mann) gelesen hast als sonst in einem ganzen Jahr; wenn Du langsam, aber sicher Gefallen an dem Gedanken findest, in eine andere Stadt (Hamburg? Wien?) zu ziehen, weil es ja eh egal ist, wo Du wohnst; kurz: wenn Du Dich wie der einsamste Zeitgenosse auf dem Erdenrund fühlst, dann gibt es Musik, die Dir glaubhaft vermitteln kann, dass alles halb so schlimm ist. Mehr noch: dass eigentlich alles gut ist, und dieses vermaledeite Selbstmitleid auch wieder vorrübergehen wird. Ben Folds‘ neueste EPs sind voll solcher Musik.

Er hat sie „Speed Graphic“, „Sunny 16“ und „Super D“ genannt und in den vergangenen anderthalb Jahren nach und nach veröffentlicht. Weil er jetzt ein eigenes Studio hat, und seine Musik immer dann veröffentlichen will, wann es ihm paßt. Immer sind fünf Stücke drauf, ein paar Cover (The Cure zum Beispiel), mal gehts ein wenig flotter zu, doch meistens sehr gediegen. Alles in allem satte sechzig Minuten Musik. Soweit die technischen Details.

Doch was hörst Du da? Ist das Elton John auf Gras? Adam Green in schön? Sinds die verschollen geglaubten Tagebücher von John und Paul? Vor allen Dingen sind es fünfzehn unnachahmliche, leidenschaftliche Lieder. Nichts, was jemanden, der bereits ältere Folds-Platten („Rockin The Suburbs“, „Whatever And Ever Amen“) kennt, überraschen würde. Das ist ein Kompliment. Denn nur selten hörst Du derart begnadete Songschreiber, derart virtuose Pianisten, derart – herzliche Menschen.

„Speed Graphic“, die erste der drei EPs, kommt sehr leichtfüßig daher. „Give Judy My Notice“, bittet der Knabe. Er singt von „Protection“, bietet sie Dir an, und sucht sie zur gleichen Zeit. Genau wie Du. Und er schließt mit „Wandering“, einem Song, der Dich unverzüglich der grobschlächtigen Friseuse von vorhin vergeben läßt. Denn Du hast da etwas viel näheres, zarteres, liebevolleres gefunden.

Müßte er nochmal von vorn anfangen, er benutzte „Sunny 16“ als sein Demotape, schreibt Ben auf seiner Homepage. Recht hat er: mit dieser CD sänge er sich in die Herzen seines bald sehr treuen und ergebenen Publikums. Das sind fünf federleichte, entzückende „beautiful songs of love“. Wie ein Rendezvous bei Kerzenlicht, mit Dreigängemenü und einem Gegenüber, das fast zu gut ist, um wahr zu sein.

„Super D“ fordert Dich da schon etwas mehr. Die jüngste der drei EPs verbüfft Dich erstmal mit deutlich zickigeren, gereizteren Klängen. Um dann doch wieder liebevoll und zart zu enden – mit einer unfaßbaren Interpretation von Ray Charles‘ „Them That Got“, aufgenommen in Boston. Ja, Boston, das wär auch was. Soll schön sein dort.

Hör sie Dir an. Lass Dich entführen, begeistern, berühren. Du wirst lächeln, den wohligsten Wonneschauer seit langem spüren. Du wirst leise „Danke“ sagen, und zum ersten Mal in dieser Woche glücklich zu Bett gehen. Gerade so, als wäre alles gut. Aber halt: Es IST ja alles gut.

NP: Ben Kweller – On My Way (2004)

Hier ist nichts perfekt. Gar nichts. Hier ist alles rau, ungefiltert, ehrlich. Diese Platte rotiert seit vier Tagen in meinem CD-Player. Gott sei Dank. Dieser 23jährige Nerd, Außenseiter, Freak zaubert hier 42 Minuten Musik, die mich umhaut. Ben Kweller ist ein ganz großer, auch, wenn alles, was er spielt, ganz klein klingt. Eine große, fette Produktion? Wozu? Wo doch die Songs auch so bestehen können. Und Dich mitten ins Herz treffen. Hier wird geschrammelt, gelitten, gelebt. Schön, dass es dieses Album gibt.

Ach ja, willkommen!

Willkommen zu einem neuen Weblog voller Musik. Voller Sehnsucht, subjektiver Einschätzungen. Voller Glücksgefühle und Gedanken. Denn auch wenn das abgedroschen oder flach klingt: Musik ist für mich das schönste, was mir in meinem Leben immer und immer wieder begegnet.

Deshalb soll es in diesem Weblog um Musik gehen. Meinungen, Empfehlungen, Gedanken rund um Musik, die mir gefällt. Und die vielleicht auch Dir gefallen wird. Nein, kein Musik-Tagebuch. Keine perfekt formulierten Rezensionen. Einfach Schnipsel, Splitter meines Lebens, an denen Du gerne teilhaben darfst. Und sollst.

Zu meiner Person: ich heiße Daniel, bin 26 Jahre alt, und lebe und arbeite als Hörfunkredakteur in Leipzig, Deutschland. Privat beschäftige ich mich, so oft ich nur kann, mit Musik. Entweder solo, oder mit meiner Band dunkelblau. Oder auch mit der Musik anderer. Das alles erklärt bislang nur einen Teil des Namens dieses neuen Weblogs. „More Than Meets The Ear“ ist der zweite Teil des Namens. Und der Name eines Songs, der die Welt für mich bedeutet. Und der Name einer Website, um die ich mich kümmere. Ja, um eine Fanseite im Internet. Und das tue ich sehr, sehr gerne, und aus voller Überzeugung.

Warum schreiben Menschen Weblogs? Ich kann und will darauf keine allgemeingültige Antwort geben. Für mich selbst kann ich sagen: um mit Dir ins Gespräch zu kommen. Um Dich anzuregen, aufzuregen, zu Reaktionen zu bewegen. Um mit neuen und alten Freunden zu diskutieren, zu schwärmen, Musik zu erleben. Ja, wie wär’s denn damit: Lass uns zusammen ein wenig älter, weiser und glücklicher werden. Das wär doch schon mal was!

Auf eine gute Zeit!
Daniel

Now playing: Jason Mraz Live: Tonight, Not Again
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