Ben Harper & The Blind Boys Of Alabama – There Will Be A Light (2004)

Neuigkeiten vom hoch geschätzten Ben Harper. Der Herr hat gemeinsam mit seinen Kumpels, den Blind Boys Of Alabama, eine Platte aufgenommen. Ein musikalische Allroundtalent trifft auf die beseelten, reifen, Grammy-gekrönten Gospelstimmen der Blind Boys. Zwei Sessions haben die Herrschaften gebraucht, um eine Platte einzuspielen, die ziemlich genau alle Erwartungen erfüllt an eine Platte, in der ein Songwriter und dessen Band mit gestandenen Gospelrecken zusammenarbeitet.

Hier wird gelobpreist und gejubelt, hier sind wahre Meister am Werk. In den besten Momenten der Platte fühlt man sich an Van Morrisson erinnert („There Will Be A Light“) oder kriegt bei „Mother Pray“, dem a capella-Stück der CD, eine Gänsehaut. In den schwächeren meint man zu hören, dass Herr Harper hier und da bei sich selbst stiebitzt oder einfach schonmal inspirierter war.

Aber es ist auch schwer, nach „Diamonds On The Inside“, dem letzten regulären Ben Harper-Album, auch nur irgendwas zu veröffentlichen, dass sich an dieser Sternstunde seines Schaffens messen kann. Insofern kein schlechter Schachzug, eine Platte zu machen, die, weil so außergewöhnlich, einfach außer Konkurrenz laufen MUSS.

„There Will Be A Light“ ist eine wirklich gelungene Dokumentation einer spannenden Zusammenarbeit mit vielen schönen Songs. 38 Minuten Gottesdienst für Deine Ohren. Aber Vorsicht: auch, wenn fast alle Stücke von Ben geschrieben wurden – das hier ist definitiv ein Gospel-Album, und keine Ben Harper & The Innocent Criminals-CD!

Gib mir Musik: Spin Doctors live – Below The Radar Tour 2002

Nach ihrer Reunion für eine Nacht im September 2001 gingen die Spin Doctors im Jahr 2002 auf eine 8-Konzerte-Mini-Reunion-Tour, die sie „Below The Radar Tour“ tauften. Auf der offiziellen Homepage der Band gibts mp3s von dieser Tour, die Du auch direkt über die Links in diesem Eintrag runterladen kannst. Mehr zu den Spin Doctors und ihrer Reunion liest Du im dunkelblau Weblog an dieser Stelle.

Spin Doctors live
Below The Radar Tour 2002

(official mp3 release from spindoctors.com, 2003)

01 Jimmy Olsen’s Blues (mp3-Download)
02 Bags Of Birt (mp3-Download)
03 Yo Mama’s A Pajama (mp3-Download)
04 House (mp3-Download)
05 What Time Is It? (mp3-Download)
06 Hungry Hamed’s (mp3-Download)
07 Big Fat Funky Booty (mp3-Download)

Tracks 01-04 recorded live on April 25, 2002 at Northern Lights in Clifton Park, New York; tracks 05-07 recorded Live on April 27, 2002 at The Chance in Poughkeepsie, New York. Officially released in 2003 at spindoctors.com.

Hinweis: Als diese mp3s im Jahr 2003 auf der offiziellen Seite der Band veröffentlicht wurden, waren für begrenzte Zeit auch noch die Songs „Freeway Of The Plains“, „Lady Kerosene“ und „Rosetta Stone“ verfügbar. Diese wurden aber von der Seite inzwischen entfernt. Bei Interesse an diesen Tracks bitte per e-Mail an mich wenden.

UPDATE 9. Dezember 2004: Nach einer Ankündigung der Band auf ihrer offiziellen Website sind die Files nur noch für wenige Tage erhältlich – wenn Du also erst nach dem 11. Dezember auf diese Seite gestoßen bist, funktionieren die Links mit hoher Sicherheit nicht mehr. Daher gilt ab sofort auch hier: Bei Interesse an den Files bitte per e-Mail an mich wenden.

Top 5 vom 20. September 2004

5 Ben Kweller – Living Life
4 Circus Whistle – Tragically Hip
3 Ben Folds – Judy
2 Jason Mraz – Not So Usual (live)
1 Spin Doctors – Margharita (live)

Eine neue Rubrik: die Top 5 sind, wie alles auf dieser Seite, rein subjektiv: meine fünf Songs der letzten Woche. Wo vorhanden, verlinkt mit passenden Einträgen aus dem dunkelblau Weblog.

Behind the music: Eine Band namens Phish (1983 – 2004)

„Phish has nothing left to prove.“ (New York Times)

Trey Anastasio, Mike Gordon, Jon Fishman und Page McConnell – vier Musiker aus Burlington, Vermont. Besser bekannt sind die vier, zumindest in den Vereinigten Staaten, als Phish – eine Band in bester Tradition der Mutter aller Jambands, Grateful Dead. Simple Melodien, die in vertrackte kompositorische Wagnisse münden, schier endlose Liveshows voller Improvisation, Lebens- und Spielfreude.

Seit dem 15. August 2004 sind Phish Geschichte – fast 22 Jahre haben die vier gemeinsam Musik gemacht. Musik, die nicht immer sofort eingängig ist, oder das, was man gemeinhin als „schön“ bezeichnen würde. Im Gegenteil: Grenzen auszureizen, die Struktur „Song“ zu erforschen und zu hinterfragen, aber dabei nie allzu verkopfte Stücke abzuliefern, war das Hauptziel der Band. Und – natürlich Spaß an dem zu haben, was sie da tun.

Und den hatten sie, bis zuletzt. In den USA haben Phish eine unglaublich große Fangemeinde, hierzulande waren den Jungs nie nennenswerte Erfolge vergönnt. Warum es mit der Band zu Ende ging? Man soll aufhören, wenns am schönsten ist, heißt es bei uns. Und vielleicht war es für die Jungs gerade „am schönsten“. Vielleicht hatten sie diesen Punkt aber auch bereits überschritten. Hat die angebliche Drogensucht des Frontmanns Trey was mit dem Ende der Band zu tun? Gab es Streits? Worum geht es überhaupt, wenn man von Phish spricht? Im folgenden findest Du einige lesenswerte Seiten, die Dir Auskunft geben können über diese Band, und über das Phänomen Phish.

Besonders interessant sind die Berichte über die letzte Show der Band – ein Zweitagefestival, das gehörig ins Wasser fiel. Meilenweite Staus? Organisatorisches Debakel? Ausnahmezustand? Und dennoch eine Show für die Ewigkeit? Klingt übertrieben, war aber so!

Eines können diese Artikel und Seiten natürlich nicht vermitteln: die Essenz von Phish, die Musik. Ob späte Alben wie „Farmhouse“ oder „Billy Breathes“, oder aber frühe Meisterwerke wie „Rift“ – erst, wer sich mit den Platten dieser Ausnahmeband beschäftigt, kann – zumindest ansatzweise – verstehen, warum Phish mehr ist als „just another rock band“. Entschuldigung, war.

All things Phish
Das FAQ (frequently asked questions) über Phish auf Phish.net ist sensationell – in sich fast eine literarische Meisterleistung. Eine Sammlung von Zitaten, Geschichten und Originalinterviews mit der Band. Hier gehts lang!

Von Junta bis Undermind
Die Website phisharchive.com bietet einen Überblick über Phish-Alben, die Gold wert ist. Verständlich geschriebene Reviews, geschrieben zwar von überzeugten Phans, aber die waren schon immer auch die härtesten, weil herzlichsten Kritiker der Band. Hier lang, bitte!

Live is life
Die zentrale Botschaft der Band: es geht in erster Linie um die Liveshows. Jeder Auftritt ein Unikat, keine Setlist wie die andere, immer neue Experimente, Überraschungen und Sensationen. Nochmal gehts zu phish.net, und zwar auf diesem Weg!

The End
Das Ende der Band: in Conventry sollte ein unvergeßliches Musikspektakel steigen, mit dem Phish ihre Karriere beenden wollten. Es wurde ein unvergeßliches Spektakel. In jeder Hinsicht. Mehr kann bei einem Open-Air-Festival eigentlich nicht schieflaufen als bei diesem. Die Zeitschrift Caldedonian Record hat alle Ereignisse vor, während und nach dem Festival aufs genauste beobachtet. In Wort und Bild – die beste Informationsquelle über das, was Phish-Fans nur noch stirnrunzelnd als „Coventry incident“ bezeichnen. Darf ich bitten?

Die Phans
Jede Menge Berichte von Fans existieren über das, was in Conventry geschah. Eine recht repräsentative und vor allen Dingen äußerst unterhaltsam zu lesende Auswahl an Augenzeugenberichten bietet die Fanseite phish.net hier.

Außerdem sei noch auf die offizielle Website phish.com verwiesen – allein an der News-Abteilung erkennst Du, was für ein Debakel der letzte Auftritt von Phish, zumindest organisatorisch, gewesen sein muss.

Das für diesen Eintrag genutzte Foto stammt von den Promo-Aufnahmen zum vorletzten Phish-Album „Round Room“, gefunden auf phisharchive.com.

Gib mir Musik: mp3s von David Poe und Stockholm Syndrome

Zwei interessante Stücke, die das kleine deutsche Label ulftone (einer der bekanntesten ulftone-Künstler ist sicher Danny Dziuk) auf seiner Website zum Download bereithält.

Erwähnter Danny Dziuk zog dieses Jahr als Keyboarder mit der Band Stockholm Syndrome durch die Lande. Die kann man durchaus als eine Art Supergroup bezeichnen – Songschreiber Jerry Joseph hat nicht nur eine angenehm whiskygetränkte Stimme, sondern schreibt auch schon seit langem erdige, rustikale Countryrocksongs. Dave Schools (ja, DER Dave Schools) ist normalerweise Bassist bei der US-Jamband Widespread Panic. Naja, und Danny Dziuk zählt einfach mal zu den nettesten, besten und talentiertesten Songschreibern aus good old Germany. Eher zufällig sind Stockholm Syndrome entstanden. Jetzt gibts ein Album („Holy Happy Hour“, natürlich bei ulftone erhältlich) und aus dem stammt auch dieses mp3: „Tight“ ist ein unkomplizierter, entspannter Song. Download hier.

Etwas düsterer gehts bei David Poe zu, einem von der Kritik gefeierten Songwriter aus New York. Auch von ihm vertreibt ulftone Platten, darunter die aktuelle CD „Love Is Red“. Daraus auch der Song „Settlement“, der von den Harmonien her ein wenig an Nirvana und deren Unplugged-Performance erinnert, und den Du dir hier, ebenfalls per Rechts-Mausklick, auf die Festplatte ziehen kannst.

NP: African Blue Note – "African Blue Note" (2004)

Musiker aus Kamerun, von der Elfenbeinküste, dem Senegal und New York in einer Band? Klingt erstmal seltsam, geht aber – seit fast zehn Jahren treffen sich die Musiker von African Blue Note immer wieder in New York, schreiben Stücke, jammen, und gehen gemeinsam auf die Bühne. Aus Spaß am Spielen als einziger Motivation. Immerhin hießen die früheren Auftraggeber der Herren mit so klangvollen Namen wie Aloune Faye (Sabar) oder Mamadou Ba (Bass) Harry Belafonte, Manu DiBango oder Paul Simon, und das sind nur ein paar der exquisiten Referenzen.

Gestandene Herren sind das, die da bei African Blue Note zusammenkommen. Was für Musik das ist? Ganz schwer zu sagen. Es groovt mächtig, alles fließt, sehr viel ist improvisiert, verliert aber nie ganz den roten Faden. Flinkes Bass-Spiel, dezente Keyboardsprengsel, unermüdliches Schlagzeug mit unüberhörbar afrikanischem Einschlag.

Herausragend sind immer wieder die Trompeten-Künste von Todd Horton, einem der wohl besten Jazztrompeter dieser Tage in New York. Auf dessen Label Soulsearch Music ist auch diese erste CD mit acht Stücken von African Blue Note erschienen. Musik, die zur gleichen Zeit beides schafft: Dich zu entspannen und/oder zum Tanzen zu animieren. Wunderbar und sehr stilvoll.

Hörproben zur CD von African Blue Note und eine Bestellmöglichkeit findest Du hier.

Das Label „Soulsearch Music“ wird demnächst im dunkelblau Weblog ausführlicher vorgestellt.

Tonight, Not Again – Jason Mraz live (CD/DVD, 2004)

John Mayer beweist, dass beseelter Bluesrock durchaus auch von Mittzwanzigern glaubhaft gespielt und komponiert werden kann. Sein in etwa gleichaltriger Kollege Howie Day singt sich in großen, hymnischen Liebesliedern die Seele aus dem Leib. Jason Mraz ist auch einer von diesen jungen US-Songwritern, die sich in den letzten Jahren zu Recht eine treue Gefolgschaft erspielt haben, und nach und nach die ersten Früchte ihrer Arbeit ernten können.

Vor zwei Jahren erschien sein Major-Debüt „Waiting For My Rocket To Come“, welches prompt auch zwei mittelschwere Hits abwarf: „You And I Both“ ist ein Collegeradio-Superhit in den Staaten, „The Remedy (I Won’t Worry)“ schaffte es sogar, in hiesige Gehörgänge vorzudringen. Beide Stücke sind natürlich drauf, auf Mraz‘ erster Live-CD/DVD.

„Tonight, Not Again“ ist aber weit mehr als nur die Liveversion seines Studioalbums. Im Gegenteil: fast die Hälfte der Songs sind neu beziehungsweise bislang unveröffentlicht, Mraz‘ Band ist eine Sensation in Sachen Timing, Groove und Spielfreude, und Jason selbst besticht durch seinen unverwechselbaren Gesang: immer wirkt er ein wenig gehetzt, bringt mehr Text in einem Song unter andere auf ganzen Alben, und seine Stimme benutzt er mehr als einmal, um gnadenlos gut zu scatten und anderweitig lautmalerisch zu improvisieren.

Seine Musik versteht durch ihre Unkonventionalität zu begeistern, ist aber zur gleichen Zeit glasklar und detailverliebt produziert. Die DVD (Setlist fast identisch mit der CD-Version) ist unterhaltsam und aufschlußreich gestaltet, und hält zur großen Freude der Fans auch noch ein paar Bonusfilmchen und -performances parat.

Schon an diesem Punkt könnte man dieses CD/DVD-Doppelpaket wärmstens ans Herz legen. Wer aber noch ein paar Argumente braucht, warum „Tonight, Not Again“ einfach Pflicht ist, dem sei geholfen: Ober-Blues Traveler John Popper ist bei zwei Stücken (dem sensationellen „Curbside Prophet“ und der Schlußnummer „Too Much Food“) als Gast mit dabei, und das fast komplett improvisierte „The Right Kind“ (nur auf der DVD) ist einer der gelungensten Flirts von Popmusik und Jazz seit langem.

Einziger Wermutstropfen: zur Zeit gibts „Tonight, Not Again“ nur als Import. Zwar sind die Preise recht günstig, allerdings sollte Dein DVD-Player in der Lage sein, Region-1-DVDs abzuspielen (US-Code). Sonst siehst Du nämlich nichts. Die CD hingegen, die läuft natürlich in jedem Abspielgerät.

Behind the music: Wetlands. Die Geschichte eines Liveclubs

Dies ist die Geschichte eines Liveclubs, der Geschichte machte: das „Wetlands Preserve“ in New York City.

Wenn Du auf die drei folgenden Links klickst, liest Du einen spannenden Rückblick auf zwölf Jahre Musikgeschichte in der Stadt, die niemals schläft. Wie aus einem versifften kleinen Laden ein renommierter Jamband-Schuppen wurde, welche Bands dort Liveplatten aufgenommen haben, und wie es 2001 zu Ende ging.

Die Originalakteure im Originalton, liebevoll zusammengestellt von Jesse Jarnow, Autor der Website jambands.com. Und viel zu gut, um einfach nur im Archiv dieser Seite zu verstauben!

The Wetlands Story
Das Vorwort von Jesse Jarnow
Teil 1: Our Dance With The Earth (1988 – 1994)
Teil 2: Of Bumble Bees And Sunflowers (1994 – 1998)
Teil 3: The Seventh-And-A-Half-Floor (1998 – 2001)

Mixtape (3)

Ein Mixtape, kompiliert am 26. April 2004. Hat kein bestimmtes Thema, einfach nur ein paar wunderschöne Songs, die gut zueinander passen…

01 JACK JOHNSON – TOMORROW MORNING
Jack Johnson ist der Meister des kleinen, entspannten Songs – wie dieser, geradezu zum Opener geborene, Song beweist: ruhige Gitarren, ganz relaxter Gesang – that’s allright…

02 GARISH – EINMAL AUS DEM NEST GEFALLEN FINDET MAN NICHT MEHR
Sperriger Songtitel, wunderschönes Lied – Garish kommen aus Österreich und sind dort recht berühmt für ihre poetischen Texte, verbunden mit dieser einmalig sanften, und trotzdem rockenden Musik. Meine Lieblingsstelle ist der Akkordwechsel am Ende – auf einmal sind da Sonnenaufgangs-Harmonien, und dann dieser Text: „Sing ich vor mich hin, ich singe vor mich hin…“ Ja, das ist es, was einen wunderbaren Frühlingstag ausmacht – es geht Dir gut und Du singst einfach vor Dich hin. Bingo!!!

03 DAMIEN DEMPSEY – APPLE OF MY EYE
Bisher hatte ich vier Mal das große, große Glück, diesen Mann live zu sehen – immer als Support für Sinéad O’Connor. Damien Dempsey ist der für mich beste aktuelle Songwriter in Irland. Sagenhaft poetische Texte, unglaubliches Harmonieverständnis. Alle Musiker, die Du auf diesem Track hörst, gehörten übrigens zu Sinéads Liveband, aber das nur am Rande.

04 GIN BLOSSOMS – NOT ONLY NUMB
Zu manchen Bands zeichnen sich ja im Kopf sofort Bilder aus dem eigenen Leben – wenn ich an die Gin Blossoms denke, denke ich an Prag – ein wunderbarer Urlaub in den frühen Neunzigern, ich war verliebt, und hörte da diesen einen Song „Hey Jealousy“… Wenig später erfuhr ich, dass es sich um die Gin Blossoms handelte – jene Band, die im selben Jahr mit Spin Doctors und Soul Asylum um die Welt tourte. Tja, und nachdem ich in Deutschland kein Glück hatte, das Album der Jungs zu finden, gelang es mir in Prag – etwa fünf Minuten bevor wir versehentlich mitten in eine Hare-Krisha-Demo auf dem Wenzelsplatz geplatzt sind. Dieses Stück ist vom zweiten Album der Band – ein herrliches, kleines Liebeslied…

05 MON)TAG – RUF MICH AN
Diese Band
hats mir einfach angetan. Ganz großer Pop, mit tollen Texten und buttergleichen Arrangements. Dieses Lied ist der erste Song ihres Albums, und ich hab mich lange nicht mehr so verstanden gefühlt, wie beim Hören dieses Songs im Spätherbst letzten Jahres – zwischen Prüfungsstress, Überstunden und Zumerstenmalalleinewohnen.

06 BLUES TRAVELER – SWEET AND BROKEN
Einer dieser Momente, bei denen mir ganz, ganz ehrlich das Herz aufgeht – da veröffentlicht diese Band im August 2003 ihr neues Album (das achte oder neunte oder so), und was darf ich hören – einen Song, den John Popper (der Sänger) gemeinsam mit Chris Barron geschrieben hat (Sänger von Spin Doctors). Etwa zehn, elf Jahre vor dieser Zusammenarbeit haben die Bands der beiden legendäre Doppelkonzerte gegeben: erst die einen, dann ein großer Jam mit den anderen, dann die anderen, dann ein großer Jam mit den einen, dann wieder die einen – und so ging das fünf, sechs Stunden lang. Und jetzt, mehr als eine Dekade später, schreiben diese beiden engen Freunde mal wieder einen Song miteinander. Und was für einen – oh, she is so sweet. And broken…

07 SMH – SPÄTER (2003 edit)
Es grenzt schon fast an Größenwahn, nach so einem kompositorisch unangreifbaren Song ein eigenes Lied anzufügen. Aber: warum denn eigentlich nicht? Dieses Lied bedeutet mir ebenfalls sehr viel – bis heute bin ich von der Melodie und dem Text überzeugt. Wir waren fünf musikversessene Jungs, die 1998 eben diese Platte aufgenommen haben… Ganz abgesehen davon, dass ich das Lied heute sicher ganz anders arrangieren würde, mag ich das Teil einfach. Und erinnere mich sehr sehr gern an diese Zeit – jedes Wochenende Auftritte, mal vor zehn, mal vor tausend Leuten. War schon cool… Und alles andere kommt später.

08 JASON MRAZ – THE REMEDY (I WON’T WORRY)
Neben John Mayer, Howie Day und Jack Johnson ist Jason Mraz einer der im Moment angesagtesten jungen Songwriter in den Staaten. „The Remedy“ war sein Durchbruch – ein rundum gelungener Popsong, mit einer wunderbaren Hookline. Sein Album „Waiting For My Rocket To Come“ hat Preise noch und nöcher abgesahnt. Aber auch, wenn da der ein oder andere Song drauf ist, der mir persönlich nicht so gefällt, „The Remedy“ ist definitiv einer der geilsten Songs seit langem!

09 JAN PLEWKA – SEI HIER
Jan Plewka war Sänger bei Selig, und singt neuerdings bei Zinoba. Zwischendurch hat er ein Soloalbum gemacht, das für mich seinen bisher lichtesten Moment darstellt. Ausnahmsweise mal nicht auf irgenwelchen bizarren Selbstfindungs-, Drogen-, Alkoholtrips, hat Jan mit „Zuhause da war ich schon“ eine herausragende Platte abgeliefert. „Sei hier“ ist das Stück, das mich am stärksten berührt hat: ein unpeinliches, sehnsüchtiges, weites und tiefes Liebeslied mit einer wunderbar überraschenden Bridge.

10 DAVE MATTHEWS BAND – I’LL BACK YOU UP
Dazu kann und will ich nur ganz wenig schreiben. Ganz ehrlich, ich kenne kaum ein schöneres Lied überhaupt. Bei jedem, aber wirklich jedem Hören bekomme ich Gänsehaut. Vom 1992er Independent-Debüt der Jungs. Sometimes we walk, sometime we run away…

11 GUNDERMANN & SEILSCHAFT – ICH MACHE MEINEN FRIEDEN
Wir schreiben das Jahr 1993, Klein-Daniel, damals neunte Klasse, entdeckt deutschsprachige Musik, die nicht von Bababanküberfällen oder Jenseitsvoneden singt. Gerhard Gundermann war ein zauberhafter Musiker, den ich vier oder fünf Mal live erleben konnte. Das waren dann immer drei- bis vierstündige Shows mit Gerhard und einer fantastischen Band. „Ich mache meinen Frieden“ ist eines der Lieder, die mich seit dem allerersten Hören nicht mehr losgelassen haben, und die mir auch noch in den Sinn kommen, wenn ich sie ein, zwei Jahre lang mal nicht gehört habe. Bis heute ein absolut amtlicher Song, wenn Du mich fragst. Leider ist „Gundi“ schon tot – er starb irgendwann Ende der Neunziger mit Paarnvierzich an einem Herzinfarkt. Und Daniel, schon gar nicht mehr so klein, war ein paar Tage lang richtig fertig.

12 WILLY PORTER – HARD
Sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen, einen Film zu drehen, dann würde dieser Song irgendwann am Schluß laufen, kurz vor dem Abspann, wenn alle gerührt sind, oder glücklich, oder beides. Dieses unfaßbar schöne Stück Musik erinnert mich meine erste Liebe. Nach wie vor ein toller Song, auch ohne Schmetterlinge im Bauch!

13 STOPPOK – DEIN GLÜCK
Der vielleicht am härtesten arbeitende deutsche Musiker – Stefan Stoppok ist ein Poet, ein Genie, ein netter Kerl. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich den Knaben live gesehen habe. Es ist immer wie ein Nachhausekommen. Du kennst ihn, seine Musik, er ist immer der alte, aber überrascht Dich jedesmal mit einer neuen Handvoll Lieder. Und sehr, sehr gern erinnere ich mich an dieses Interview mit ihm – da hab ich meinen Status als Radioredakteur schamlos ausgenutzt, um mal mit dem Herrn ins Gespräch zu kommen. Hat sich gelohnt, nicht nur wegen der zahlreichen Freibiere, damals, in Glauchau… „Dein Glück“ ist von seinem letzten Album. Okay, die Akkordfolge ist dreist bei Bob Dylan geklaut, aber das macht nix. Der Text macht das wieder wett.

14 SINÉAD O’CONNOR – IT’S ALL GOOD
Hast Du denn ernsthaft geglaubt, eines meiner Mixtapes käme ohne Sinéad, the Goddess of Song, aus? Ich bitte Dich! „It’s All Good“ hat Damien Dempsey geschrieben (siehe oben), und das Lied wird wohl die vorerst letzte Single dieser wunderbaren Dame sein. Mir kommt da der erste herrliche Sonnenuntergang in meiner neuen Wohnung in den Sinn – die Platte war taufrisch, meine Wohnung war es auch, ich stand auf dem Balkon, und konnte einfach nur zustimmen: It’s all good.

15 SPIN DOCTORS – INDIFFERENCE
Zehn Jahre hat diese Aufnahme schon auf dem Buckel. Kein Jahr seither, in dem ich NICHT mindestens einmal den Repeat-Knopf gedrückt habe, weil mich dieses Stück geplättet hat und ich es nochmal, oder noch zwei Mal, oder drei Mal, hören musste. Was für eine wunderbare Ballade! Dieser Duettgesang von Eric und Chris! Dieses Akustikgitarrensolo! Dieses E-Gitarren-Solo! Und überhaupt. Und sowieso!

16 MARTYN JOSEPH – CARDIFF BAY
Eigentlich geht der Typ gar nicht. Macht kitschige Platten, wenn er nicht gerade mit Bernhard Langer, seinem besten Kumpel, golft. Kein Witz. Stimmlich irgendwo zwischen Bryan Adams und Phil Collins. Und musikalisch mehr als einmal mächtig daneben: Kinoleinwandpop, der mir normalerweise so gar nichts gibt. Aber ich kann nicht anders, als reumütig, ach was, stolz zuzugeben: Jawoll, ich steh auf Martyn Joseph. Einmal live im Fernsehen gesehen, fasziniert von seiner Bühnenpräsenz. Und die doofen Songs auf seinen CDs kann man ja skippen. Und der hier, der gehört definitiv nicht zu den skippenswürdigen (was bitte ist das denn für ein Wort?) Songs seines Schaffens…

17 ROBERT CRAY – LITTLE BOY BIG
Dieser Song fasst die Grundstimmung dieses Mixtapes recht gut zusammen – ohne, dass ich das so geplant hatte, ist das eine recht melancholische Platte mit vielen Erinnerungen geworden. So it’s all said and done… Robert Cray macht seit 30 Jahren Musik, und immer klingt sie so beseelt und rein wie auf diesem schönen Stück. Meine Lieblingsstelle: kurz vor Schluß – „Your hand in the pocket walking down the streets singing Lalalalalala..“ Oder wie Damien Dempsey sagen würde „It’s all good“.

18 TODD THIBAUD – ALREADY GONE
Melancholisch, traurig, aber vor allem wunderschön – Todd Thibaud ist ein Meister der kleinen, aber nahezu perfekten Songs. Allerdings ist das Lied meiner Meinung nach ein derartiger „Runterzieher“ (im besten Sinne), dass ich ihn ans Ende dieses Mixtapes packen mußte.

19 WHATSA – DRINK MIX
…aber so ganz ans Ende wollt ich ihn nu auch wieder nicht packen. Sonst wirst man noch ganz traurig! Deshalb abschließend dieser funky Jam begnadeter New Yorker Musiker als Abspannmusik.

Gib mir Musik: Blues Traveler – Decisions of the Sky. A Traveler's Tale of Sun & Storm (EP, 2000)

Nach dem Tod des Originalbassisten Bobby Sheehan kamen zwei neue Mitglieder zu den Blues Traveler: Ben Wilson (Keyboards) und Tad Kinchla (Bass). Um den Fans die Wartezeit bis zu einem neuen Album zu verkürzen, um durch das Musikmachen die tragischen Ereignisse rund um Bobbys Drogentod zu verarbeiten und um sich im neuen Line-Up einzuspielen, nahmen Blues Traveler im Jahr 2000 eine EP auf, die sie als mp3-Files ins Internet stellten, als Geschenk an die Fans.

Bis heute kann man sich diese wirklich schöne und experimentelle Konzept-EP (eigentlich isses ja fast ein Album, 4 Songs, 38 Minuten Spielzeit) im Internet herunterladen. Bitteschön:

Blues Traveler
Decisions of the Sky. A Traveler’s Tale of Sun & Storm

01 12 Swords (mp3-Download)
02 The Sun & The Storm (mp3-Download)
03 Traveler Suite (mp3-Download)
04 The Path (mp3-Download)

Wenn Du Dir die EP inklusive Artwork zulegen willst, gibts den ganzen Spaß auch auf der Fanseite bluestraveler.net, da gibts obendrauf auch noch jede Menge Informationen zu den Stücken, ihrer Entstehung und die Geschichte eines Konzeptalbums, das nie das Licht der Welt erblickte, sondern schließlich in genau diese EP mündete.

Mehr zu Blues Traveler im dunkelblau Weblog gibts hier!