Mixtape (2): Schlechtwettersongs

Schlechtwettersongs: nicht, um Dich runterzuziehen, sondern um selbst die unerwartetste Regenhusche auch im Sommer mit ein paar herrlich melancholischen Songs zu überstehen (erstellt im Mai 2004).

01 BEAT DOWN SOUND – PIGLET’S LAMENT
Los gehts mit einem launischen Instrumental vom „September Sessions“-Soundtrack, einem Sampler von und mit Jack Johnson. Das Mistwetter zieht langsam, aber sicher herauf, und es wird Zeit, sich mit 80 Minuten Musik abzulenken…

02 PHISH – WASTE
…denn schließlich haben die Künstler auf diesem Mixtape die Einladung ausgesprochen: Come, waste your time with me! Eines der schönsten Lieder der Jamband-Helden rund um Trey Anastasio (vocals, guitar) und Mike Gordon (bass).

03 EELS – WODDEN NICKELS
Chefschrulle E von den Eels wirft bei so einem Mistwetter selbstredend auch einen Song in die Runde – „Wooden Nickels“ vom bis dato schönsten Eels-Album „Daisies from the galaxy“.

04 BIM SHERMAN – LOVER’S LEAP
Natürlich pieselts auch ab und an auf Jamaica, der Heimat von Bim Sherman. Unser lieber Buddy Bim, Gott hab ihn selig, weiß, womit sich der gemeine Jamaicanese den Platzregen versüßt – er macht ein bisschen Liebe in der Holzhütte seiner Wahl. Oder so.

05 THE MUSTARD SEEDS – QUICKSAND
Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht mehr erinnern, wie das Wetter am 31. Oktober 1996 war. Aber ich kann mich noch sehr gut an das Konzert der Mustard Seeds aus Los Angeles im Anker in Leipzig erinnern, und Simone sicher auch. „Quicksand“ ist bis heute einer meiner Lieblingssongs dieser Combo, aus der ja leider irgendwie nie was geworden ist. Schade eigentlich.

06 BLIND MELON – SOUL ONE
Ähnlich wie Bim von von gerade eben dürfte auch dem Sänger dieses Liedes das Wetter auf Erden inzwischen reichlich egal sein, Shannon Hoon ist nämlich auch schon gestorben. Im zarten Alter von 28 Jahren, an einer Überdosis Heroin. Der Vollidiot. Aber egal – „Soul One“ wurde posthum veröffentlicht, und das ist unser großes Glück. So können wir nämlich diesen wunderbaren Song genießen, während es bei uns schifft, und dort, wo Shannon und Bim gerade sind, wahrscheinlich Elvis und Jimi gerade ne Runde schmeissen.

07 JOSEPH ARTHUR – SEPTEMBER BABY
Joseph dagegen ist quicklebendig, zumindest ist das mein aktueller Stand an Informationen. Wäre auch wünschenswert, denn mit Liedern wie „September Baby“ lässt sich jedes Unwetter überstehen.

08 ELEMENT OF CRIME – ES REGNET
„Und im Garten blüht die Illusion, das kenn ich schon, mal sehn, ob sich das Warten lohnt. Und immer wieder geht ein Regen nieder, und am Himmel hängt ein halber Mond.“ Sollte bei Dir irgendein Zweifel aufkommen, warum dieses Lied auf diesem Mixtape drauf ist, dann käme in mir ein Zweifel auf, ob Du noch bei Sinnen bist. Das ist ein Regenwettersampler!!

09 NICK DRAKE – WAY TO BLUE
Okay, ich verschweige besser, dass der gute Nick auch schon bei Shannon, Elvis, Jimi, Bim, Bam und Bino ist. Der hat sich – zur Abwechslung – aber selber umgebracht. Ganz ehrlich, ich merke erst jetzt, beim Tippen dieser Zeilen, dass hier der ein oder andere Verstorbene mit von der Partie ist. Das war aber keineswegs ein Aufnahmekriterium zu diesem Mixtape. Ich liebe dieses Lied, ich krieg bei jedem Hören eine Hammermördergänsehaut und feuchte Augen, und kann kaum glauben, dass diese Aufnahme bereits 34 regnerische Jahre auf dem Buckel hat – erschienen 1970!

10 NEW YORK ELECTRIC PIANO – EAST VILLAGE BUFFALO PUPPY
Die leben. Alle drei. Ehrlich! Das sind Aaron von den Spin Doctors, Tim von Give Daddy Five und Pat. Alle drei aus New York. Spielen das live, was andere mühselig am Keyboard designen – Acidjazz nämlich.

11 BLUES TRAVELER – ALONE
Und weil es in New York so nett ist, auch bei Regen, bleiben wir doch gleich dort, gehen die paar Straßen von Aarons Studio runter zum Probenraum der Blues Traveler. Da sitzt der Popper John und wurde gerade von seiner Freunding verlassen. Tolle Wurst. Andererseits: würde jeder Mensch mit Liebeskummer automatisch solche Songs schreiben, dann könnten sich die Menschen meinetwegen dauernd trennen. Is doch wahr.

12 PEARL JAM – INDIFFERENCE
Ganz, ganz verregnet muß es wohl auch gewesen sein, als Eddie Vedder dieses Lied geschrieben hat. „Indifference“ ist das bei Weitem schönste Lied, das ich von Pearl Jam kenne.

13 DANIEL HEINZE & ROBERT KRATZSCH – NE STUNDE VORWÄRTS
Ja, ich schwöre – als Robert und ich diesen Song aufgenommen haben, es war irgendwann 2002, hat es geregnet! Robert wollte nämlich eigentlich an den Cospudener See fahren, aber aufgrund der unangenehmen Witterungsbedingungen hat er sich dann doch dafür entschieden, ein wenig mit mir Musik zu machen. Und da haben wir dann dieses Lied aufgenommen. Komm, lass uns den Becher wieder fülln…

14 IVAN NEVILLE – SAME OLD WORLD
Guck mal, da, ganz hinten! Da sind keine Wolken mehr, da ist blauer Himmel. Könnte das etwa bedeuten, dass dieser Scheissregen bald vorbei ist?! Jaaa! Hurraaaa! Dann lass uns ein frohes Lied anstimmen, am besten das von Ivan Neville, in dem er singt, dass, egal, was passiert, die Welt doch eigentlich immer die selbe ist…

15 SINÉAD O’CONNOR – A HUNDRED THOUSAND ANGELS
Ein wenig Spiritualität ist im Falle eines langsam, aber merklich zu Ende gehenden Regens ja wohl mehr als angebracht. Die Sinéad, ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent aus Irland, hat da eine nette Weisheit beizusteuern: There’s a hundred thousand angels by your side…

16 CORK – IN THIS WORLD
Der Erik von den Spin Doctors und der Corgy von Mountain sind ja auch da! Na, so eine Überraschung! Ach echt, die haben in der Zwischenzeit ein paar neue Lieder aufgenommen? Und eins davon ist herrlich melancholisch-postregnerisch-nachdenklich-optimistisch? Na, das passt ja wie die Faust aufs Auge! Dann lasst mal hören!!

17 TODD HORTON & BAND – QUEST
Nochmal fix zurück nach New York. In Aarons Studio sind nämlich ein paar weitere Musiker eingetroffen – zum Beispiel der Todd, der immer so schön Trompete spielt. Na, und wenn sich der Tim und der Aaron eh schon mit NYEP warmgespielt haben, dann könnte man doch eigentlich noch ein kleines Gleichhörtsaufmitregnenstück zum Besten geben, oder?

18 LENNY KRAVITZ – DESTINY
Das DER sich mal wieder blicken lässt, ist ja auch höchst erfreulich. Und er thinkt, he left seine past behind? Na, dann sing mal, wir lassen ja auch grade den rain behind, wenn du knowst, what we mean, Lenny…

19 THIMO SANDER – SONNE SCHEINT
Wie, Regen? War da was? Aber die Sonne scheint doch, guckt doch mal aus dem Fenster!

Gib mir Musik: Libertines – Never Never

Hätte nie gedacht, dass mir mal ein Song der Libertines wirklich gefällt. Finde die eigentlich doof. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: „Never Never“, Download hier.

Gib mir Musik: dunkelblau – Lass mich

Ein Song meiner Band dunkelblau. Den kannst Du Dir hier runterladen.

Lass mich
Text und Musik: Daniel Heinze & Matthias Frommann, 2003
Aus dem Album „in der zwischenzeit“ (2004)

Die Bilder aus dem letzten Jahr beweisen einwandfrei:
Die guten Zeiten warn einmal und sind dann auch vorbei.
Der Sommer streicht die Segel, und ich bin wieder heil.
Auch dieses Jahr, da weiß ich nicht, wozu ich hier verweil‘.

Die Stimme hier im Telefon sagt Worte, die ich kenn‘
Ich höre sie und merk sie mir und fange an zu rennen.
Warum, um alles in der Welt, ist denn das so wichtig?
Ich weiß, dass ich kein Monster bin, nur etwas arschgesichtig.

Komm, woher Du willst, geh wohin Du musst, aber laß mich
Glaub doch, wem Du willst, fühl Dich sonstwiewohl, aber laß mich
Tu, wonach Dir ist, sage, was Du denkst, aber laß mich
Nur heute Nacht in Deiner Nähe sein.

Die Zeit vergeht im Sauseschritt, da ist was Wahres dran.
Ich fühl mich wie ein leckgeschlagner Sommerschipperkahn.
Ich gebe Dir mein Ehrenwort, das hab ich so gemeint.
Kaum denke ich auch nur an Dich, hab ich schon geweint.

Komm, woher Du willst, geh wohin Du musst, aber laß mich
Glaub doch, wem Du willst, fühl Dich sonstwiewohl, aber laß mich
Tu, wonach Dir ist, sage, was Du denkst, aber laß mich
Nur heute Nacht in Deiner Nähe sein.

Ich weiß, wie schrecklich ungehalten Du jetzt reagierst,
Wenn ich Dir sage, dass Du heute garantiert verlierst.
Schon viel zu lange frag ich mich, wie ich es Dir sag.
Jetzt sag ich’s einfach, mache einfach – und draußen wird es Tag.

Komm, woher Du willst, geh wohin Du musst, aber laß mich
Glaub doch, wem Du willst, fühl Dich sonstwiewohl, aber laß mich
Tu, wonach Dir ist, sage, was Du denkst, aber laß mich
Nur heute Nacht in Deiner Nähe sein.
Nur heute Nacht in Deiner Nähe sein.
Nur heute Nacht in Deiner Nähe sein.

NP: Blues Traveler live – On The Rocks (2004)

Was haben sie nicht schon alles durchgemacht: ein bandmitglied, das wegen einer Überdosis Drogen starb. Motorradunfälle, Krisen, Sorgen. Dennoch sind die Blues Traveler eine der rührigsten, sympathischsten Bands aller Zeiten, über die in diesem Weblog mit Sicherheit bald noch viel, viel mehr geschrieben werden wird.

Fürs erste (und, was den heutigen Tag betrifft, fürs letzte) sei Dir diese CD empfohlen: „On The Rocks“, die Blues Traveler live im Jahr 2003 im traumhaft schönen Red Rocks Amphitheater in Denver, Colorado. Ein reichlich unvollständiger Mitschnitt jenes Konzertes, das auch (und fast vollständig) auf DVD erschienen ist.

Aber wenn Du filigrane, verspielte und dennoch gnadenlos rockende Musik mit in Dein Schlafzimmer nehmen möchtest, um sie als letzte Erinnerung des Tages Dein Eigen zu nennen, dann tuts auch dieser Ausschnitt aus dem Konzert. „Hook“, „Eventually“, „Support Your Local Emperor“ – aus allen Phasen der Bandgeschichte findest Du hier Auszüge. Garantiert nicht fehlerfrei gespielt, dafür aber immer herzlich und ehrlich.

Eine ganzes Blues Traveler-Studio(mini)album zum legalen Gratisdownload? Mehr dazu hier!

Gib mir Musik: Nationalgalerie – Hier und übermorgen

Neue Rubrik: Gib mir Musik! Hin und wieder regnets hier mp3-Downloads. Legale, soweit ich weiß. Hörenswerte allemal. Ohne viel Brimborium. Einfach Fundstücke aus dem Netz, die sich – in meinen Ohren – lohnen. Meist reicht ein Rechts-Mausclick auf den Link. Wenn nicht, geb ich Bescheid. Viel Spaß beim Hören!

Der erste seiner Art: Nationalgalerie – Hier und übermorgen (Akustik-Version).

Warren Haynes – Live at Bonnaroo (2004)

Er ist der Hans Dampf in allen Jamband-Gassen. Spielt mit den Dead (der Jetztwojerrygarciatotist-müssenwirjatrotzdemmusikmachenundgründeneinegratefuldeadrestmitgliederhurrawirlebennochnachfolgeband), den Allman Brothers, hat seine eigene Band Gov’t Mule (das neue Album dürfte bald vom netten DHL-Mitarbeiter geliefert werden) und ist überhaupt, erlaube mir diesen Ausdruck, ne coole Sau.

Im Jahr 2003 spielte Warren mit beim Bonnaroo-Festival, einer Art 21.-Jahrhundert-Version der Festivals Marke Woodstock, als Gast bei Widespread Panic mit, und als Gitarrist bei den Allmanns. Und: er hatte die undankbare Aufgabe, an einem der Festivaltage mittags um halb eins auf die Bühne zu gehen, um ein Solo-Set zu spielen.

Was anfangs nur ein paar tausend hartnäckige Fans aus den versifften Zelten herauslockte, sollte am Ende des Auftritts mehrere zehntausend begeistern (so will es zumindest die Legende, die Warren auch im Booklet zur CD pflegt): da steht ein gestandener Rocker, Mitte vierzig muß er sein, und singt sich, nur mit einer Gitarre bewaffnet, die Seele aus dem Leib. Singt Stücke der Grateful Dead, von Radiohead und U2. Wo er das gar nicht nötig hätte, sind doch die Stücke aus seiner eigenen Feder (Beautifully Broken! Beautifully Broken!!! Deepest End-Version! Hammer!! Aber die hier is auch schön) mindestens ebenbürtig.

Okay, Warren Haynes sieht so aus wie mein guter Freund Robert in zwanzig Jahren aussähe, tränke er fürderhin nur noch und reichlich Bier. Aber das hört man erstens auf einer CD nicht, dürfte mir zweitens mit wesentlich höherer Sicherheit ebenso widerfahren, und ist drittens sowieso egal. Deswegen ist diese Platte, veröffentlicht in diesem Sommer, rundum empfehlenswert. Für ruhigere Stunden.

Ach ja, probier mal den Bistdueinklotzodertustdunurso-Test anhand dieser CD: Frag einen Menschen, der Dir viel bedeutet, beim Eagles-Cover „Wasted Time“ einfach mal, was er über diesen Song denkt. Denkt er nicht viel, oder überhaupt nichts, oder zeigt nicht im geringsten eine Reaktion, dann wird ihn nichts, aber auch absolut gar nichts auf dieser Welt zu einem nennenswerten Gefühlsausbruch bewegen. Klappt immer, der Test.

Nix wie hin: musikreportage.de

Doch, es gibt sie. Deutschsprachige Musik, die Spaß macht, die Dich nachdenken läßt, die Dich mitreißt. Aufreibt. Anregt. Und die nicht von den üblichen Verdächtigen stammt. Musik von Künstlern, die auf Namen wie Niels Frevert, Garish oder Justin Balk hören.

Solche Musik hört das kleine, aber feine Team von musikreportage.de offensichtlich auch recht gerne. Schließlich porträtiert es bevorzugt Künstler wie die oben genannten. Und das tut es in herrlich subjektiven, phantasievoll gestrickten Reportagen. musikreportage.de ist offensichtlich kein kommerzielles Projekt, hier scheinen Fans das Heft in der Hand zu halten.

FAZIT
Das Ergebnis: eine sicher viel zu wenig beachtete Internetpräsenz voller lesenswerter Texte. Natürlich gibts für die Macher aber keine Landesgrenzen. Neben Porträts von Bands aus dem deutschsprachigen Raum gibts auch Reportagen über Musiker wie Marla Glen, The Boomtown Rats oder Therapy. Wundervolle Seite. Unbedingt besuchen!

Mixtape (1): Spätsommersongs

Musik für die letzten sommerlichen Sonnenstrahlen, und die ersten kuschelig-nachdenklichen Herbstmomente. Möge Dich diese sanfte, meist sehr stille Musik ganz zart in die kühleren Jahreszeiten hinübertragen, und Dir immer mal wieder ein wissendes Lächeln auf die Lippen zaubern: „Der nächste Sommer kommt bestimmt!“

01 MAX – MORNING TIME
Den Anfang macht ein melancholisches Liebeslied einer britischen Band, aus der nie etwas wurde: Max. Die fünf Herren brachten 1992 ein wunderbar verträumtes, sehnsüchtiges Popalbum auf: „Silence Running“ ist ein gefragter Sammlerartikel geworden, aber mehr nicht. Schade eigentlich. Das bestechende Tempo und die sanfte Instrumentierung machen aus „Morning Time“ einen Song, der eigentlich täglich auf guten Radiostationen laufen könnte…

02 LENNY KRAVITZ – ELEUTHERIA
Ein entspannter Reaggae von Lenny Kravitz, aufgenommen in den frühen Neunzigern. „Eleutheria“ ist angeblich eine Insel irgendwo in der Karibik, auf der Herr Kravitz wohl das ein oder andere Jahr seiner Kindheit verbracht hat.

03 JASON MRAZ – YOU AND I BOTH
Der gute Jason aus Amerika ist so alt wie ich, schreibt leicht neurotische, aber immer sehr herzliche Lieder, und hat sich in den letzten 2, 3 Jahren in den Staaten eine recht ansehnliche Fangemeinde erspielt. Schuld daran sind unter anderem Songs wie dieser: „You And I Both“.

04 ELEMENT OF CRIME – DAS ALLES KOMMT MIT
Was für ein herrliches Lied! Sven Regener ist einfach einer der begnadetsten Poeten unserer Muttersprachregion. Ein Stück aus dem zweiten deutschsprachigen Album der Berliner Band, „Weißes Papier“. „Das alles kommt mit“ war ein Song, den ich eine zeitlang bei jedem Lagerfeuer, das gerade irgenwo entfacht wurde, zur Gitarre geschrammelt und aus voller Kehle gesungen habe… Nie schön, aber immer sehr leidenschaftlich.

05 BLUES TRAVELER WITH ZIGGY MARLEY – NO WOMAN NO CRY
Diese Performance läßt mich zur Zeit einfach nicht los. Wie die Herren Blues Traveler und Mister Bob Junior hier diesen Song interpretieren, ist schon geil – völlig respektvoll, trotzdem eigen und unaffektiert. Toll, toll, toll. Und keiner kann so lange wie John Popper – einen einzigen Ton halten…

06 MARC COHN – SAINTS PRESERVE US
Bleiben wir noch kurz in New York. Marc Cohn hatte mal einen Riesenhit mit „Walking In Memphis“. Aber auch die Alben, die nach dem Hit kamen, hatten es echt in sich, leider ohne eine allzu breite Öffenntlichkeit zu erreichen. „Saints Preserve Us“ (übrigens mit Aaron Comess von den Spin Doctors am Schlagzeug) ist eine der tollsten Nummern aus dem Album „Burning Daze“.

07 JELLYFISH – THE MAN I USED TO BE
Die Band Jellyfish galt im Jahr 1990 als „das nächste große Ding“ in den Staaten. Die Kritiker überschlugen sich vor Lobesarien auf das erste Album der Jungs, da wurde gar von den „neuen Beatles“ gesprochen! Ganz so extrem würde ich das nicht sehen, aber in der Tat ist das Debutalbum dieser fünf Herren eines der besten Popalben, die ich je gehört habe. Das hier ist der anfangs etwas schwermütige, zum Schluß hin dann aber quicklebendige Opener ihres selbstbetitelten Erstlings.

08 STOPPOK – UND RETOUR
Das nächste Stück hat musikalisch eine sehr ähnliche Grundstimmung wie „The Man I Used To Be“. Nur isses halt auf Deutsch gesungen, und nicht ganz so pompös. Und vor allen Dingen ist es natürlich ein völlig eigenständiger, anderer Song. Stoppok mit einer macho-esken Liebesschnulze, in gewohnt lakonischem Vortrag. Einfach ganz großes Kino. Aus dem sehr empfehlenswerten Stoppok-Album „Silber“. „Es schien, als wäre, im Grund genommen, jeder mit jedem auf den Hund gekommen…“

09 VANESSA PARADIS – AS LONG AS YOU ARE THERE
Da schleicht sich doch glatt der Herr Kravitz nochmal durch die Hintertür auf diesen Sampler. Soll er, gerne. Lenny hat nämlich in den frühen Neunzigern mal ein Album von Vanessa Paradis produziert. Und diese angenehm soulige Nummer ist einfach ein Lied, was man im September und Oktober gerne hören möchte. Immer noch fröhlich, aber längst nicht mehr so aufdringlich-schwül wie die ganzen Sommerhits, die glücklicherweise größtenteils hinter einem liegen.

10 BEN FOLDS – TINY DANCER
Nein, was freue ich mich auf Ende November!! Da werde ich diesen Herrn endlich wieder live erleben – und zwar genau so, wie Du ihn hier hörst: Solo, nur mit einem Klavier bewaffnet. Ben Harper ist einer der einfühlsamsten Songschreiber unserer Zeit. Und gleichzeitig ein ausgemachter Virtuose an den Tasten. Der Knabe kann tatsächlich mit dem Hintern, den Füßen und auch mit dem Rücken zum Klavier in die Tasten hauen. Was natürlich die im Grunde recht besinnliche Atmosphäre eines Ben Folds-Konzertes enorm auflockert. „Tiny Dancer“ ist von Bens wunderbarem Solo-Live-Album.

11 JOSEPH PARSONS – ANGELINE
Joseph Parsons ist einer dieser Musiker, die tagein, tagaus in irgendwelchen Kneipen und kleinen Clubs spielen, und immer mal wieder eine Platte aufnehmen, die dann auf einem Mini-Label veröffentlicht werden. In diesem Fall ein amerikanischer Musiker mit einem Label aus Baden-Würtemberg. Inzwischen ist Joseph Parsons auch Mitglied der Combo „Hardpan“, bei der ja auch sein Kumpel (und das meine ich tatsächlich so, die zwei sind gut befreundet) Todd Thibaud mitsingt.

12 COMPAY SEGUNDO & ANTONIO BANDERAS – BEAUTIFUL SOUL OF MARIA

Im vergangegen Jahr ist Compay Segundo gestorben, in einem gesegneten Alter oberhalb der 70. Compay war Teil des von Ry Cooder wiederentdeckten Buena Vista Social Club. Nach dem enormen Erfolg des BVSC hat Compay (sein Name bedeutet übrigens „zweiter Kumpel“, weil er im Social Club immer der war, der die Harmoniegesänge, also die zweiten Stimmen, übernahm) noch ein paar Soloalben rausgebracht. Und eine CD voller Duette. Wie zum Beispiel dieses ergreifende Stück mit dem Schauspieler Antonio Banderas. Sehr interessante Kombination, oder?

13 EELS – MISTER E’S BEAUTIFUL BLUES
Eine Gutelaunenummer von Obermegasuperschrulle E von den Eels. Das war die erste Single des fantastischen Albums „Daisies Of The Galaxie“. Aber nicht, dass dieser Song irgendwie regulär auf der Scheibe auftauchen würde, nö, das ist der versteckte Titel ganz am Ende der Platte. Er is halt eigen, der E. Aber er schreibt einfach tolle Lieder. Wie zum Beispiel dieses. Nein, das ist nicht Dein Telefon, was da gerade klingelt. Das kommt von der CD.

14 DAVID GRAY – SAIL AWAY
Jahrelang krähte kein Hahn nach ihm, inzwischen ist er einer der gefeiertsten Poppoeten der britischen Insel. David Gray aus Wales schaffte mit seinem Album „White Ladder“ nach vier schrecklich erfolglosen, aber dennoch umwerfend schönen Alben den Durchbruch. „Sail Away“ ist ein Stück aus dieser hypnotisierenden Sammlung. Diese Version, die Du hier hörst, ist allerdings die Single-Version, die etwa eineinhalb Jahre nach Veröffentlichung des Albums nochmal etwas aufgemöbelt wurde, und ein wenig frischer daherkommt als auf der Scheibe. Aber alles in allem ist es der gleiche Song. Nur mit mehr Bass.

15 WILLY PORTER – ANGRY WORDS
Und ganz ohne böse Worte oder Gefühle verabschieden wir uns langsam, aber sicher von diesem seltsam unspektakulären Sommer – zumindest, was das Wetter anbelangt. Aber immerhin versprechen uns die Wetterfrösche einen goldenen Oktober. Was ja auch viel Wert ist. Willy Porter liefert den Soundtrack zum ersten Blatt, was Du von einem Baum segeln siehst. Ja, es ist schon wieder soweit. But I have no angry words to say.

16 SMH – WIEDER EIN JAHR
Da kommt natürlich gleich noch ein Herbstsong hinterher. Das Lied fanden besonders die Mädels immer toll, wenn wir es live gespielt haben. Weil es doch so romantisch wäre. Komisch, dabei hab ich das Lied gar nicht als Jahreszeitenbeschreibung verstanden. Geschrieben am ersten Todestag meiner Großmutter, im Oktober 1997.

17 DAVE MATTHEWS BAND – THE SPACE BETWEEN
Ach, was haben sich die Fans aufgeregt. Wie konnte die DMB nur „Everyday“ veröffentlichen. Dieses schrecklich kommerzielle, glatt produzierte Album. Wo die Jungs doch unsere Alternative-Helden sind! Verrat! Alles Quatsch. Ja, mit „Everyday“ haben die Herren eine Platte gemacht, die deutlich mehr Menschen zugänglich war als die Platten zuvor. Aber betrachtet man sich mal die einzelnen Songs, kommt man nicht umhin zu attestieren, dass das alles sehr clevere, ausgereifte und ergreifende Kompositionen sind. So eine Ballade wie „The Space Between“ ist für mich einfach Weltklasse. Egal, was die stets unzufriedenen Hardcore-Fans meckern mögen.

18 OCEAN COLOUR SCENE – TELE HE’S NOT TALKING
Auf Ocean Colour Scene ist Verlaß – die vier schreiben einfach tolle kleine Lieder, die ins Herz treffen. „Tele He’s Not Talking“ stammt von meinem heimlichen Lieblingsalbum der OCS, „Marchin‘ Already“.

19 SUNHOUSE – HARD SUN
Mein kleiner Spätsommerzyklus endet mit alten Bekannten. Sowohl den Schlagzeuger dieses Stückes als auch die Backround-Sängerin haben schon eingangs für uns musiziert – im kleinen Kreis von „Max“. Es handelt sich um John Reynolds und Sinéad O’Connor. Die beiden unterstützen hier eine andere wunderbare Band, der völlig zu Unrecht eine große musikpublizistische Öffentlichkeit verwehrt blieb. Tja, so schließt sich der Kreis. Soll der Winter doch kommen.

Nix wie hin: nancies.de

Die Dave Matthews Band zählt zu den erfolgreichsten, aber auch innovativsten Acts in den USA. Konzerte vor 20.000, gern auch 40.000 Gästen jeden Abend sind bei DMB (Fanjargon) keine Seltenheit.

Was ja noch nichts über die Musik der Combo aussagt. Aber auch die kann sich hören lassen. Ein schwer eingrenzbares Konglomerat aus Pop, Folk, Funk und Rock ist das. Charakteristisch für den Sound von DMB sind Geige und Saxophon, aber auch die verblüffend prägnante, glasklar und akzentuiert gespielte Gitarre des Sängers Dave Matthews. Um als Fan zu sprechen: das ist tolle Musik, detailverliebt, ausschweifend, extatisch, einmalig. Absolut hörenswert.

Leider kann DMB keine allzu große Fanschar in Europa vorweisen (was sicherlich auch der Band und ihrem Management anzulasten ist, aber das ist ein ganz anderes Thema). Dennoch gibt es sie, die europäischen und auch deutschen Nancies (so nennen sich die Fans in den USA seit Jahren, nach einem frühen Song der Band). Und die haben seit Januar 2003 auch ein gemütliches Zuhause im Internet gefunden. Auf nancies.de nämlich. Da gibts alles, was man so braucht, als Fan. Und auch mehr sogar (wer braucht 41 Gründe warum DMB „the Best of What’s Around“ sind? Andererseits: wer braucht Weblogs wie meines hier?)

Natürlich findet sich auch ein recht rege genutztes Forum auf nancies.de. Hier wird gestritten, debattiert, getauscht, kritisiert und geholfen – wie in jeder normalen Familie auch.

FAZIT
nancies.de ist eine äußerst gelungene Fanseite mit verdammt viel und verdammt gutem Lesestoff. Im Forum gehts hier und da auch mal ein wenig kindisch zu, was den Autoren dieses Textes aber nicht davon abhält, dort gern und viel mitzuschreiben und zu debattieren. Du triffst mich dort gelegentlich – na klar – als MoreThanMeetsTheEar.

Ben Folds – Speed Graphic / Sunny 16 / Super D (2003/2004)

Wenn die intimste Berührung, die Du seit langer Zeit gespürt hast, die einer gelangweilten Friseur-Azubine (Typ: war mal Punk, steht jetzt auf Gothicdudel) ist, die Dir mißmutig die Haare wäscht; wenn Dir Dein Lieblingsrezept (Salbei-Tomaten-Hühnchen mit Mozarella) nicht mehr einfällt, weil Du schon lange für niemanden mehr ein Essen zaubern brauchtest; wenn Du in einer Woche aus Langeweile mehr Bücher (Hesse, Eco, Mann) gelesen hast als sonst in einem ganzen Jahr; wenn Du langsam, aber sicher Gefallen an dem Gedanken findest, in eine andere Stadt (Hamburg? Wien?) zu ziehen, weil es ja eh egal ist, wo Du wohnst; kurz: wenn Du Dich wie der einsamste Zeitgenosse auf dem Erdenrund fühlst, dann gibt es Musik, die Dir glaubhaft vermitteln kann, dass alles halb so schlimm ist. Mehr noch: dass eigentlich alles gut ist, und dieses vermaledeite Selbstmitleid auch wieder vorrübergehen wird. Ben Folds‘ neueste EPs sind voll solcher Musik.

Er hat sie „Speed Graphic“, „Sunny 16“ und „Super D“ genannt und in den vergangenen anderthalb Jahren nach und nach veröffentlicht. Weil er jetzt ein eigenes Studio hat, und seine Musik immer dann veröffentlichen will, wann es ihm paßt. Immer sind fünf Stücke drauf, ein paar Cover (The Cure zum Beispiel), mal gehts ein wenig flotter zu, doch meistens sehr gediegen. Alles in allem satte sechzig Minuten Musik. Soweit die technischen Details.

Doch was hörst Du da? Ist das Elton John auf Gras? Adam Green in schön? Sinds die verschollen geglaubten Tagebücher von John und Paul? Vor allen Dingen sind es fünfzehn unnachahmliche, leidenschaftliche Lieder. Nichts, was jemanden, der bereits ältere Folds-Platten („Rockin The Suburbs“, „Whatever And Ever Amen“) kennt, überraschen würde. Das ist ein Kompliment. Denn nur selten hörst Du derart begnadete Songschreiber, derart virtuose Pianisten, derart – herzliche Menschen.

„Speed Graphic“, die erste der drei EPs, kommt sehr leichtfüßig daher. „Give Judy My Notice“, bittet der Knabe. Er singt von „Protection“, bietet sie Dir an, und sucht sie zur gleichen Zeit. Genau wie Du. Und er schließt mit „Wandering“, einem Song, der Dich unverzüglich der grobschlächtigen Friseuse von vorhin vergeben läßt. Denn Du hast da etwas viel näheres, zarteres, liebevolleres gefunden.

Müßte er nochmal von vorn anfangen, er benutzte „Sunny 16“ als sein Demotape, schreibt Ben auf seiner Homepage. Recht hat er: mit dieser CD sänge er sich in die Herzen seines bald sehr treuen und ergebenen Publikums. Das sind fünf federleichte, entzückende „beautiful songs of love“. Wie ein Rendezvous bei Kerzenlicht, mit Dreigängemenü und einem Gegenüber, das fast zu gut ist, um wahr zu sein.

„Super D“ fordert Dich da schon etwas mehr. Die jüngste der drei EPs verbüfft Dich erstmal mit deutlich zickigeren, gereizteren Klängen. Um dann doch wieder liebevoll und zart zu enden – mit einer unfaßbaren Interpretation von Ray Charles‘ „Them That Got“, aufgenommen in Boston. Ja, Boston, das wär auch was. Soll schön sein dort.

Hör sie Dir an. Lass Dich entführen, begeistern, berühren. Du wirst lächeln, den wohligsten Wonneschauer seit langem spüren. Du wirst leise „Danke“ sagen, und zum ersten Mal in dieser Woche glücklich zu Bett gehen. Gerade so, als wäre alles gut. Aber halt: Es IST ja alles gut.