Liebesbrief

Weit weg von zu Hause, harte Männer um ihn rum
Das Gewehr auf dem Rücken, der Rücken krumm
Gefühle vereisen, Kämpfen lautet der Zwang
Gefühle verreisen, aufzuhören, lautet der Drang

Kampfespause. Ein Blatt Papier, ein alter Stift.
Ein Brief an sein Mädchen, bevor ihn die Kugel trifft.
Er fängt an zu schreiben und kann es nicht lassen.
Er will seine Feinde lieben und muss sie doch hassen.

Er schreibt nen Liebesbrief,
Einen Liebesbrief aus’m Krieg.

Er schreibt, er ist nicht hart genug, um auf andre zu schießen,
Er denkt an die Frauen und Kinder, die sie hinterließen,
Er schreibt, er will nicht mehr morden, will endlich entfliehn.
Doch würde er das tun – sie töteten ihn.

Er schreibt nen Liebesbrief,
Einen Liebesbrief aus’m Krieg.

Er schreibt von Liebe, von Sehnsuch, vom Fehler, zur Armee zu gehn.
Er will das Hassen lassen und muss im Kampfe stehn.
Er schreibt, er will nicht mehr morden und er hat Angst um sie.
Doch was er nicht wusste: den Brief bekam sie nie.

Diesen Liebesbrief,
Liebesbrief aus’m Krieg.

Er schickte den Brief ab, er schickte ihn heim.
Er kam niemals heim, die Saat erstickte im Keim.
Der Krieg war zuende, vom Soldaten hat keiner was gehört,
ein kleiner Junge fand den Brief.
Da stand was von Liebe und Frieden. Und der Junge begriff…

Diesen Liebesbrief,
Liebesbrief aus’m Krieg.

Text & Musik: Daniel Heinze, 1993