Küchenphilosoph

Der Wecker neben meinem Bett sagt „Viertel zwei“.
Das warn wohl gestern dreivier Bier zuviel.
Der Tag hat kaum begonnen und ist schon vorbei.
Ich geh‘ heut‘ wohl als letzter durchs Ziel.
Was soll’s, die letzte Nacht war wirklich einwandfrei.
Nur ich an meiner eignen kleinen Bar.
Ich glaub‘, es war um vier. Auf alle Fälle war’s nach drei.
Bald ist es wieder drei, und langsam werd ich klar.
Heut Nacht, da hatt‘ ich Lösungen für die Fragen dieser Welt.
Heut Nacht, da war ich weise und gelehrt.
Jetzt brüllt mich nur der Kaffee an, der mich am Leben hält.
Der schmeckt wie immer sonderbar, doch das ist nicht verkehrt.

Ich bin ein Küchenphilosoph, ich bin ein fabelhaftes Wesen
Zum Denken nicht zu doof, aber viel zu faul zum Lesen.
Und wenn mich einer fragt: „Wieso, weshalb und was?“
Dann sag ich ihm, die Antwort liegt im nächsten Glas.

Das Wasser hinter’m Duschvorhang ist viel zu kalt.
Um Himmels Willen, nein! Jetzt bin ich wach.
Was soll’s! Die nächste lange Nacht kommt sicher bald!
Da überleb‘ ich auch den Rest von diesem Tag.
Heut Nacht, da war ich witzig, doch ich war’s für mich allein.
Heut Nacht, da lachte ich mich mir im Chor.
Jetzt weiß‘ ich nicht mehr, warum mußte das so sein,
Jetzt steh‘ ich hier, ich armer Thor, und bin so klug als wie (sic!) zuvor…

Ich bin ein Küchenphilosoph…

Und wird’s dann wieder dunkel, rette ich die Welt aufs Neue.
Das ist es, worauf ich mich den ganzen Tag schon freue.
Dann werd‘ ich wieder weise, dann werd‘ ich wieder schlau.
Will mir das nicht gelingen, dann werd‘ ich halt nur blau.

Ich bin ein Küchenphilosoph…

Text & Musik: Daniel Heinze (2002)