Mixtape (4)

Diesmal ein altes Mixtape aus dem Jahr 1999, genauer vom 15. September 1999. Ganz spannend, wenn man die Songs fünf Jahre später nochmal hört…

01 ELEANOR McEVOY – PLEASE HEART YOU’RE KILLING ME
Eleanor McEvoy ist eine Sängerin aus Irland, deren Stimme mächtig an Dolores O’Riodon oder Sinéad O’Connor erinnert . Inzwischen ist die Dame in reichlich seichte Pop-Gefilde gedriftet, aber ihre drei Alben aus den Neunzigern sind wirklich unterhaltsam und gut.

02 CHRIS BARRON – TEDDY
„Shag“, die Akustik-Solo-Platte von Spin Doctors-Frontmann Chris Barron, ist eines der tollsten Alben, die ich je gehört habe. Pure Schönheit, intelligenter Humor und traumhafte Melodien. Entstanden in der wohl deprimierensten Phase der Spin Doctors, kein Plattenvertrag in Aussicht, kaum noch Menschen, die sich für die Band interessierten. Genau in dieser Zeit entsinnt sich Barron auf sein größtes Talent – sein Songwriting. „Teddy“ ist nur eines von ganz vielen brillianten Liedern.

03 GIN BLOSSOMS – AS LONG AS IT MATTERS
Ähnlich wie die Doctors waren auch die Gin Blossoms eine Band, die ihren Karrierehöhepunkt in der Mitte der neunziger Jahre hatte. „Hey Jealousy“ war ein massiver College-Radio-Hit, und mit der zweiten regulären Platte „Congratulations I’m Sorry“ lieferten die Blossoms eine fast noch bessere CD ab als mit dem Erfolgsdebüt „New Miserable Experience“. Eine weitere Parallele zu den Spin Doctors (mal abgesehen davon, dass die Bands sich gut kennen und auch mögen): auch sie haben sich kurz nach der Jahrtausendwende wieder zusammengefunden, und sind wieder alive & kickin‚!

04 TAL BACHMAN – IF YOU SLEEP
Schon komisch, jetzt über Tal Bachman zu schreiben, fünf Jahre später. Inzwischen hat das norwegische „Pop-Idol“ Kurt Nielsen Bachmans besten Song gecovert und damit den Erfolg gehabt (wenigstens in Europa), der Bachman nie beschieden war. Dabei war sein 1999er Album ein echter Genuß. „If You Sleep“ ist auch heute noch ein angenehmer, eingängiger Popsong. Mal sehen, wer den entdeckt und damit Geld macht…

05 JONO MANSON – LITTLE BABY
Er ist der Vater der New Yorker Jamband-Szene der späten Achtziger und frühen Neunziger, hat Bands wie Blues Traveler, God Street Wine, Aquarium Rescue Unit und (ja, mal wieder) die Spin Doctors gefördert. Manson ist ein Show-Man wie er im Buche steht, und hat eine Vorliebe für Popsongs, die ganz knapp am Prädikat „Country“ vorbeischlittern. Gutelaunelieder.

06 OCEAN COLOUR SCENE – SOUL DRIVER
Nach wie vor sind OCS eine der besten Bands aus England. „Soul Driver“ ist ein grandioses Stück aus dem sonst eher etwas schwächeren Album „One for the Modern“ aus dem Jahr, jaja, 1999. Treibender Beat, tolle Gitarrenlicks und eine Hookline, die man nie wieder vergißt. Qualitäten, die man – Gott sei Dank – auf jüngeren Platten der Band wieder stärker genießen kann als auf „Modern“.

07 STEREOPHONICS – I WOULDN’T BELIEVE YOUR RADIO
So richtig warm geworden bin ich mit den Stereophonics, ehrlich gesagt, nie. Aber „I Wouldn’t Believe Your Radio“ ist ein toller Song, und allein für dieses Stück sollte man die Band zumindest mögen.

08 AFRO CELT SOUND SYSTEM – RELEASE
In den Jahren 1998ff machte sich Sinéad O’Connor daran, zu einer Kultgröße im Electronic-Beats-Drum-And-Bass-Sektor zu entwickeln. Zwar war es noch ein paar Jahre hin, bis ihre Kooperationen mit Massive Attack, Moby, Conjure One oder Adrian Sherwood diesen Status endgültig manifestierten. Aber durch geniale Zusammenarbeiten wie dieser, und vorangegangenen Projekten wie Ghostland konnte man schon einen Trend ablesen. Aber das schreibt sich so leicht, fünf Jahre später. Damals war „Release“ (übrigens gibts unzählige brilliante Remixes dieses Songs, u.a. von Rollo von Faithless) einfach ein hypnotisierender Hybrid aus Pop, Dance und Folk. Wicked.

09 THE BEAUTIFUL SOUTH – PERFECT 10
Siehe Stereophonics. Auch nicht wirklich eine Band, die sich mir gänzlich erschließt. aber „Perfect 10“ ist funky, lustig und wunderbar gesungen. Der ging mir wochenlang nicht aus dem Kopf.

10 REEF – I’VE GOT SOMETHING TO SAY
Klasse Band aus dem Königreich, mit einem geilen Song. Diese whiskeygezeichnete Stimme, diese unmittelbaren Gitarren, dieser treibende Groove! Geiler Song halt.

11 JELLYFISH – NOW SHE KNOWS SHE’S WRONG
Über Jellyfish hab ich ja schonmal bei einem neueren Mixtape was geschrieben. Dieser Song bestätigt das nur: tolle, zu Recht hochgelobte Band, die einfach eine Handvoll echter Popperlen auf Lager hatte.

12 ELLIOTT SMITH – WALTZ #2 (XO)
Damals galt Smith als DER neue Up-and-coming-Songwriter aus den USA. Die Musikpresse kam aus dem Hochloben fast schon nicht mehr raus, und tatsächlich waren die Alben von Elliott Smith immer ganz faszinierende und irgendwie entrückte Angelegenheiten. Inzwischen ist Elliot fast ein Jahr tot, er hat sich (wenn auch unter reichlich seltsamen Umständen, die Verschwörungstheoretiker zu den spannendsten Ideen beflügeln) selbst das Leben genommen. Denmächst erscheint mit „From A Basement To A Hill“ das Vermächtnis dieses seltsamen, aber großen Künstlers.

13 GENE – SOMETHING IN THE WATER
Eine von diesen verkannten Bands, auf die die Kritiker so stehen. Wenn irgendwo über diese Band geschrieben wird, dann immer solche doofen Sätze wie „Musik für traurige Menschen“, „Musik für alle, die sich unverstanden fühlen“ usw. Nicht, dass das falsch wäre, aber es ist halt nur die halbe Wahheit. Bloß weil eine Band, der der kommerzielle Durchbruch nie wirklich vergönnt war, melancholische Rockmusik macht, heißt das nicht, dass da kein Funken Lebensfreude wäre. Inzwischen habe ich Gene ein wenig aus den Augen verloren (gibts die eigentlich noch?), aber die drei, vier, fünf Platten die ich kenne, sind einfach empfehlenswert. Auch für Menschen, die keine Kritiker sind.

14 SEMISONIC – CLOSING TIME
Der einzige wirkliche Hit von Semisonic, der aber quasi automatisch zur Hymne avancierte. Schöner, energischer, emotionaler wurde wohl nie in der jüngeren Musikgeschichte über das Thema „Sperrstunden in Kneipen“ referiert. Born to be Mixtape-Schlußlied.

Gib mir Musik: Teddybut – My Country

Teddy Kumpel ist einer der rührigsten, talentiertesten und unterhaltsamsten Alternative-Rock-Helden, den New York zu bieten hat. Als Produzent, Gitarrist, Sänger, Songschreiber und Wasweißichnoch hat er schon für Leute wie Janet Jackson, Chris Barron, Laura Branigan, India Arie, Nine Inch Nails und viele andere gearbeitet.

Sein eigenes Projekt heißt seit einigen Jahren Teddybut, und seine 2001er CD „Songs In Tomato Sauce“ ist ein brilliantes, gitarrenschweres Rock-Satire-Comedy-Pop-Folk-Fest. In wenigen Wochen will Teddy Deutschland besuchen, und hier einige Gigs spielen. Bis es soweit ist, kannst Du Dich mit einem Song aus seinem neuen, demnächst erscheinenden Album vergnügen. Ein bitterböses Statement zum aktuellen US-Wahlkampf. Kein Wunder, engagiert sich Kumpel doch auch bei der Initiative „Bands Against Bush“…

Teddybut – My Country (mp3-Download)


what the heck do you think you’re doing to my country?
you don’t represent me
you’ll never understand me
you didn’t even count the votes to see if you’re supposed to be there?
and now we’re living in a nightmare
and you don’t care

First you tell me everbody thinks the same way as you think
have you had a few drinks
well… something stinks
then you got the balls to ask me if I’m patriotic?
this antibiotic
will keep you cool (got any duct tape, George? Home depot ran out)

hey people now
are we really too lazy for a revolution?
we can get it up to boot these fools?
we can’t let them get away with this
slap the handcuffs on my wrists
I refuse to to be scared

what the heck does he think he’s doing to my country?
he doesn’t represent me
he’ll never understand me
they didn’t even count the votes to see if he’s supposed to be there?
and now we’re living in a nightmare
and they don’t care

music and lyrics by Teddy Kumpel
Kumpelstiltskin Music/EMI Foray Music, SESAC

Gib mir Musik: Spin Doctors live – Below The Radar Tour 2002

Nach ihrer Reunion für eine Nacht im September 2001 gingen die Spin Doctors im Jahr 2002 auf eine 8-Konzerte-Mini-Reunion-Tour, die sie „Below The Radar Tour“ tauften. Auf der offiziellen Homepage der Band gibts mp3s von dieser Tour, die Du auch direkt über die Links in diesem Eintrag runterladen kannst. Mehr zu den Spin Doctors und ihrer Reunion liest Du im dunkelblau Weblog an dieser Stelle.

Spin Doctors live
Below The Radar Tour 2002

(official mp3 release from spindoctors.com, 2003)

01 Jimmy Olsen’s Blues (mp3-Download)
02 Bags Of Birt (mp3-Download)
03 Yo Mama’s A Pajama (mp3-Download)
04 House (mp3-Download)
05 What Time Is It? (mp3-Download)
06 Hungry Hamed’s (mp3-Download)
07 Big Fat Funky Booty (mp3-Download)

Tracks 01-04 recorded live on April 25, 2002 at Northern Lights in Clifton Park, New York; tracks 05-07 recorded Live on April 27, 2002 at The Chance in Poughkeepsie, New York. Officially released in 2003 at spindoctors.com.

Hinweis: Als diese mp3s im Jahr 2003 auf der offiziellen Seite der Band veröffentlicht wurden, waren für begrenzte Zeit auch noch die Songs „Freeway Of The Plains“, „Lady Kerosene“ und „Rosetta Stone“ verfügbar. Diese wurden aber von der Seite inzwischen entfernt. Bei Interesse an diesen Tracks bitte per e-Mail an mich wenden.

UPDATE 9. Dezember 2004: Nach einer Ankündigung der Band auf ihrer offiziellen Website sind die Files nur noch für wenige Tage erhältlich – wenn Du also erst nach dem 11. Dezember auf diese Seite gestoßen bist, funktionieren die Links mit hoher Sicherheit nicht mehr. Daher gilt ab sofort auch hier: Bei Interesse an den Files bitte per e-Mail an mich wenden.

Mixtape (3)

Ein Mixtape, kompiliert am 26. April 2004. Hat kein bestimmtes Thema, einfach nur ein paar wunderschöne Songs, die gut zueinander passen…

01 JACK JOHNSON – TOMORROW MORNING
Jack Johnson ist der Meister des kleinen, entspannten Songs – wie dieser, geradezu zum Opener geborene, Song beweist: ruhige Gitarren, ganz relaxter Gesang – that’s allright…

02 GARISH – EINMAL AUS DEM NEST GEFALLEN FINDET MAN NICHT MEHR
Sperriger Songtitel, wunderschönes Lied – Garish kommen aus Österreich und sind dort recht berühmt für ihre poetischen Texte, verbunden mit dieser einmalig sanften, und trotzdem rockenden Musik. Meine Lieblingsstelle ist der Akkordwechsel am Ende – auf einmal sind da Sonnenaufgangs-Harmonien, und dann dieser Text: „Sing ich vor mich hin, ich singe vor mich hin…“ Ja, das ist es, was einen wunderbaren Frühlingstag ausmacht – es geht Dir gut und Du singst einfach vor Dich hin. Bingo!!!

03 DAMIEN DEMPSEY – APPLE OF MY EYE
Bisher hatte ich vier Mal das große, große Glück, diesen Mann live zu sehen – immer als Support für Sinéad O’Connor. Damien Dempsey ist der für mich beste aktuelle Songwriter in Irland. Sagenhaft poetische Texte, unglaubliches Harmonieverständnis. Alle Musiker, die Du auf diesem Track hörst, gehörten übrigens zu Sinéads Liveband, aber das nur am Rande.

04 GIN BLOSSOMS – NOT ONLY NUMB
Zu manchen Bands zeichnen sich ja im Kopf sofort Bilder aus dem eigenen Leben – wenn ich an die Gin Blossoms denke, denke ich an Prag – ein wunderbarer Urlaub in den frühen Neunzigern, ich war verliebt, und hörte da diesen einen Song „Hey Jealousy“… Wenig später erfuhr ich, dass es sich um die Gin Blossoms handelte – jene Band, die im selben Jahr mit Spin Doctors und Soul Asylum um die Welt tourte. Tja, und nachdem ich in Deutschland kein Glück hatte, das Album der Jungs zu finden, gelang es mir in Prag – etwa fünf Minuten bevor wir versehentlich mitten in eine Hare-Krisha-Demo auf dem Wenzelsplatz geplatzt sind. Dieses Stück ist vom zweiten Album der Band – ein herrliches, kleines Liebeslied…

05 MON)TAG – RUF MICH AN
Diese Band
hats mir einfach angetan. Ganz großer Pop, mit tollen Texten und buttergleichen Arrangements. Dieses Lied ist der erste Song ihres Albums, und ich hab mich lange nicht mehr so verstanden gefühlt, wie beim Hören dieses Songs im Spätherbst letzten Jahres – zwischen Prüfungsstress, Überstunden und Zumerstenmalalleinewohnen.

06 BLUES TRAVELER – SWEET AND BROKEN
Einer dieser Momente, bei denen mir ganz, ganz ehrlich das Herz aufgeht – da veröffentlicht diese Band im August 2003 ihr neues Album (das achte oder neunte oder so), und was darf ich hören – einen Song, den John Popper (der Sänger) gemeinsam mit Chris Barron geschrieben hat (Sänger von Spin Doctors). Etwa zehn, elf Jahre vor dieser Zusammenarbeit haben die Bands der beiden legendäre Doppelkonzerte gegeben: erst die einen, dann ein großer Jam mit den anderen, dann die anderen, dann ein großer Jam mit den einen, dann wieder die einen – und so ging das fünf, sechs Stunden lang. Und jetzt, mehr als eine Dekade später, schreiben diese beiden engen Freunde mal wieder einen Song miteinander. Und was für einen – oh, she is so sweet. And broken…

07 SMH – SPÄTER (2003 edit)
Es grenzt schon fast an Größenwahn, nach so einem kompositorisch unangreifbaren Song ein eigenes Lied anzufügen. Aber: warum denn eigentlich nicht? Dieses Lied bedeutet mir ebenfalls sehr viel – bis heute bin ich von der Melodie und dem Text überzeugt. Wir waren fünf musikversessene Jungs, die 1998 eben diese Platte aufgenommen haben… Ganz abgesehen davon, dass ich das Lied heute sicher ganz anders arrangieren würde, mag ich das Teil einfach. Und erinnere mich sehr sehr gern an diese Zeit – jedes Wochenende Auftritte, mal vor zehn, mal vor tausend Leuten. War schon cool… Und alles andere kommt später.

08 JASON MRAZ – THE REMEDY (I WON’T WORRY)
Neben John Mayer, Howie Day und Jack Johnson ist Jason Mraz einer der im Moment angesagtesten jungen Songwriter in den Staaten. „The Remedy“ war sein Durchbruch – ein rundum gelungener Popsong, mit einer wunderbaren Hookline. Sein Album „Waiting For My Rocket To Come“ hat Preise noch und nöcher abgesahnt. Aber auch, wenn da der ein oder andere Song drauf ist, der mir persönlich nicht so gefällt, „The Remedy“ ist definitiv einer der geilsten Songs seit langem!

09 JAN PLEWKA – SEI HIER
Jan Plewka war Sänger bei Selig, und singt neuerdings bei Zinoba. Zwischendurch hat er ein Soloalbum gemacht, das für mich seinen bisher lichtesten Moment darstellt. Ausnahmsweise mal nicht auf irgenwelchen bizarren Selbstfindungs-, Drogen-, Alkoholtrips, hat Jan mit „Zuhause da war ich schon“ eine herausragende Platte abgeliefert. „Sei hier“ ist das Stück, das mich am stärksten berührt hat: ein unpeinliches, sehnsüchtiges, weites und tiefes Liebeslied mit einer wunderbar überraschenden Bridge.

10 DAVE MATTHEWS BAND – I’LL BACK YOU UP
Dazu kann und will ich nur ganz wenig schreiben. Ganz ehrlich, ich kenne kaum ein schöneres Lied überhaupt. Bei jedem, aber wirklich jedem Hören bekomme ich Gänsehaut. Vom 1992er Independent-Debüt der Jungs. Sometimes we walk, sometime we run away…

11 GUNDERMANN & SEILSCHAFT – ICH MACHE MEINEN FRIEDEN
Wir schreiben das Jahr 1993, Klein-Daniel, damals neunte Klasse, entdeckt deutschsprachige Musik, die nicht von Bababanküberfällen oder Jenseitsvoneden singt. Gerhard Gundermann war ein zauberhafter Musiker, den ich vier oder fünf Mal live erleben konnte. Das waren dann immer drei- bis vierstündige Shows mit Gerhard und einer fantastischen Band. „Ich mache meinen Frieden“ ist eines der Lieder, die mich seit dem allerersten Hören nicht mehr losgelassen haben, und die mir auch noch in den Sinn kommen, wenn ich sie ein, zwei Jahre lang mal nicht gehört habe. Bis heute ein absolut amtlicher Song, wenn Du mich fragst. Leider ist „Gundi“ schon tot – er starb irgendwann Ende der Neunziger mit Paarnvierzich an einem Herzinfarkt. Und Daniel, schon gar nicht mehr so klein, war ein paar Tage lang richtig fertig.

12 WILLY PORTER – HARD
Sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen, einen Film zu drehen, dann würde dieser Song irgendwann am Schluß laufen, kurz vor dem Abspann, wenn alle gerührt sind, oder glücklich, oder beides. Dieses unfaßbar schöne Stück Musik erinnert mich meine erste Liebe. Nach wie vor ein toller Song, auch ohne Schmetterlinge im Bauch!

13 STOPPOK – DEIN GLÜCK
Der vielleicht am härtesten arbeitende deutsche Musiker – Stefan Stoppok ist ein Poet, ein Genie, ein netter Kerl. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich den Knaben live gesehen habe. Es ist immer wie ein Nachhausekommen. Du kennst ihn, seine Musik, er ist immer der alte, aber überrascht Dich jedesmal mit einer neuen Handvoll Lieder. Und sehr, sehr gern erinnere ich mich an dieses Interview mit ihm – da hab ich meinen Status als Radioredakteur schamlos ausgenutzt, um mal mit dem Herrn ins Gespräch zu kommen. Hat sich gelohnt, nicht nur wegen der zahlreichen Freibiere, damals, in Glauchau… „Dein Glück“ ist von seinem letzten Album. Okay, die Akkordfolge ist dreist bei Bob Dylan geklaut, aber das macht nix. Der Text macht das wieder wett.

14 SINÉAD O’CONNOR – IT’S ALL GOOD
Hast Du denn ernsthaft geglaubt, eines meiner Mixtapes käme ohne Sinéad, the Goddess of Song, aus? Ich bitte Dich! „It’s All Good“ hat Damien Dempsey geschrieben (siehe oben), und das Lied wird wohl die vorerst letzte Single dieser wunderbaren Dame sein. Mir kommt da der erste herrliche Sonnenuntergang in meiner neuen Wohnung in den Sinn – die Platte war taufrisch, meine Wohnung war es auch, ich stand auf dem Balkon, und konnte einfach nur zustimmen: It’s all good.

15 SPIN DOCTORS – INDIFFERENCE
Zehn Jahre hat diese Aufnahme schon auf dem Buckel. Kein Jahr seither, in dem ich NICHT mindestens einmal den Repeat-Knopf gedrückt habe, weil mich dieses Stück geplättet hat und ich es nochmal, oder noch zwei Mal, oder drei Mal, hören musste. Was für eine wunderbare Ballade! Dieser Duettgesang von Eric und Chris! Dieses Akustikgitarrensolo! Dieses E-Gitarren-Solo! Und überhaupt. Und sowieso!

16 MARTYN JOSEPH – CARDIFF BAY
Eigentlich geht der Typ gar nicht. Macht kitschige Platten, wenn er nicht gerade mit Bernhard Langer, seinem besten Kumpel, golft. Kein Witz. Stimmlich irgendwo zwischen Bryan Adams und Phil Collins. Und musikalisch mehr als einmal mächtig daneben: Kinoleinwandpop, der mir normalerweise so gar nichts gibt. Aber ich kann nicht anders, als reumütig, ach was, stolz zuzugeben: Jawoll, ich steh auf Martyn Joseph. Einmal live im Fernsehen gesehen, fasziniert von seiner Bühnenpräsenz. Und die doofen Songs auf seinen CDs kann man ja skippen. Und der hier, der gehört definitiv nicht zu den skippenswürdigen (was bitte ist das denn für ein Wort?) Songs seines Schaffens…

17 ROBERT CRAY – LITTLE BOY BIG
Dieser Song fasst die Grundstimmung dieses Mixtapes recht gut zusammen – ohne, dass ich das so geplant hatte, ist das eine recht melancholische Platte mit vielen Erinnerungen geworden. So it’s all said and done… Robert Cray macht seit 30 Jahren Musik, und immer klingt sie so beseelt und rein wie auf diesem schönen Stück. Meine Lieblingsstelle: kurz vor Schluß – „Your hand in the pocket walking down the streets singing Lalalalalala..“ Oder wie Damien Dempsey sagen würde „It’s all good“.

18 TODD THIBAUD – ALREADY GONE
Melancholisch, traurig, aber vor allem wunderschön – Todd Thibaud ist ein Meister der kleinen, aber nahezu perfekten Songs. Allerdings ist das Lied meiner Meinung nach ein derartiger „Runterzieher“ (im besten Sinne), dass ich ihn ans Ende dieses Mixtapes packen mußte.

19 WHATSA – DRINK MIX
…aber so ganz ans Ende wollt ich ihn nu auch wieder nicht packen. Sonst wirst man noch ganz traurig! Deshalb abschließend dieser funky Jam begnadeter New Yorker Musiker als Abspannmusik.

Spin Doctors – Live in Cincinnati (2004)

Revenge is sweet but success is sweeter, take the salt from my wounds and put it in my margherita.

Jetzt ist es amtlich, jetzt ist es definitiv. Die Spin Doctors sind unkaputtbar. Die Spin Doctors sind immer noch da. Und sie sind besser denn je.

Zwölf lange Jahre ist es inzwischen her, da waren sie ganz oben. „Little Miss Can’t Be Wrong“ , „Two Princes“ und Jimmy Olsen’s Blues“, das magische Hit-Trio, kam über die USA wie eine frische Brise. In einer Zeit, in der Grunge die Charts dominierte, kam dieser gut gelaunte Vierer aus New York City daher, und präsentierte Songs voller Witz, guter Laune und Melodien. In ihren Liveshows bewiesen sie ihre Musikalität. Ja, die Hits waren auch immer mit dabei, aber was die Spin Doctors live auszeichnete, waren ihre begnadeten, mäandernden Improvisationen, die brüllend komische Interaktion mit dem Publikum, und vor allen Dingen: diese Seele, dieser Groove, dieser Funk. Die Spin Doctors waren „das nächste große Ding“, und sie waren es zwei Sommer lang.

Dass diesem kurzen Ruhm vier knochenharte Jahre des Rumtourens, In-jeder-noch-so-kleinen-Kaschemme-spielens und nicht zuletzt des Erwachsenwerdens vorausgingen, fiel schon damals kaum jemandem auf. Musste es auch gar nicht: Lehrjahre sind nun mal keine Meisterjahre, und bis heute geht es unzähligen Bands so. Was aber nach all den Headliner-Touren, der Zeit als Vorband für die Rolling Stones, einem Titelbild auf dem US-„Rolling Stone“ und einem legendären Auftritt beim 1994er Woodstock-Festival folgte, ist das, was sich nur als eine der größten Tragikkomödien der neueren Musikgeschichte beschreiben läßt.

Hier der Plot im Zeitraffer: Die vier Mitglieder einer Rock-Funk-Jamband auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes zerstreiten sich, versuchen, mit immer wieder neuen Bandmitgliedern an alte Erfolge anzuknüpfen (was musikalisch fast immer gelingt, nur interessiert es irgendwann niemanden mehr). Just zu dem Zeitpunkt, an dem die Sterne wieder günstiger stehen, sie wieder einen Hit in der Tasche haben, den die ersten DJs bereits als Comeback-Hit rotieren lassen („The Bigger I Laugh The Harder I Cry“ heißt er, was für eine Ironie des Schicksals!), eine ausgedehnte Tour geplant und ein neues Album fertig ist, verliert der Sänger und kreative Kopf der Band (außer dem Schlagzeuger das einzige vom Original-Lineup verbliebene Mitglied) seine Stimme, im wahrsten Sinne des Wortes. Er kann nicht mehr sprechen, geschweige denn singen. Die Tour wird abgeblasen, der Sänger ein Dreivierteljahr ärztlich behandelt, die Band – auf Eis gelegt. Das war viele Sommer später, 1999.

Doch dann der Wendepunkt, die nicht für möglich gehaltene Peripetie: die Stimme des Sängers kehrt zurück, fester und souveräner denn je. Er schart alte und neue Freunde um sich, spielt Gelegenheitsgigs in New Yorker Jazzbars (und nennt seinen losen Musikerverbund „The Give Daddy 5“, den Nobelpreis für Humor bitte!), singt alte und neue Lieder und arrangiert sich mit der alten und neuen Situation, wieder ganz am Anfang zu stehen, als kleiner, unbekannter Musiker. Dann kommt das Angebot, das alles ändern wird: nur dieser Abend, nur dieses eine Mal, aus hehren Motiven, kommt, das tut Euch doch nicht weh. Die Wiedervereinigung für eine Nacht, die wahren Vier, wie in alten Zeiten. Das große, rührende Finale, im September vor drei Jahren.

Das große, rührende Finale? Nein, nur ein weiteres retardierendes Moment in dieser unglaublichen Geschichte. Der einen Nacht folgt die ehrliche Versöhnung, später folgt eine einwöchige Tour der vier durch kleine und kleinste Clubs der USA. Dann kommt gleich noch eine, dann eine ganze Sommertour mit anderen Bands, dann die nächste Tour, und noch eine… Womit wir in der Gegewart angekommen wären.

Die Spin Doctors 2004 sind, was das Personal betrifft, die selben wie vor dem Streit vor zehn Jahren. Aber sie weigern sich, ein Abziehbild ihrerselbst zu werden, schreiben neue Songs, verändern alte, spielen aber auch die alten Hits, voller Respekt, voller Hingabe, gerade so, als wären sie eben erst entstanden.

Am 12. September 2004 endete die diesjährige Sommertour der Doctors. Auf einem „Chili-Fest“ in Cincinnati, Ohio (so ne Art Stadtteilfest). Ja, die Zeiten ändern sich: da stehen ein paar hundert vor der Bühne, und nicht mehr tausende. Da ist kein Platinalbum, das es zu betouren gilt. Da stehen vier Herren Ende 30, die Musik aus Leidenschaft spielen. Die dem Publikum einmal mehr ihre so unnachahmlichen (gibt es das Wort uncoverbar?) Lieder vorspielen, es entscheiden lassen, welchen Song aus frühen Tagen es hören wolle, um ihm gleich danach einen neuen, mindestens genauso guten neuen um die Ohren zu schleudern. Da ist die alte Frau, die rummeckert, weil die Musik zu laut sei. Da ist der Sänger, der dieser Frau zur großen Freude des restlichen Publikums erklärt, was Rockmusik ist, warum verstärkte Gitarren lauter sind als unverstärkte und dass ein Stehplatz hinten am Bierstand in ihrer Situation ihrem momentanen Aufenthaltsort, direkt vor den Boxen, vorzuziehen wäre.

Knapp neunzig Minuten purer, glückseligmachender, mitreißender Rock’n’Roll. Euphorie. Jubelnde Menschen vor der Bühne, die ein Bestandteil der Show werden. Von einem Fan mitgeschnitten (das ist bei dieser Band erlaubt, ja von ihr sogar gewünscht) und dadurch unsterblich geworden. Im Internet erhältlich (Interesse? Beeilen! BitTorrents sind oft nur für wenige Wochen wirklich aktiv).

Ist das jetzt der Moment, an dem der Vorhang fallen müßte? Die Katharsis im kleinen, verborgenen? Alles gut, alles schön, alles nett? Oder ist es wieder erst die Ruhe vor dem nächsten Sturm? Die Band kommt bald nach Europa, nimmt zur Zeit ein Album auf, und will es auch veröffentlichen. Nächstes Jahr vielleicht, sagen die Spin Doctors. Und dann wirds auch wieder eine Tour geben, wenns nach ihnen geht.

Nein, so viel ist sicher: Der Vohang fällt noch nicht. Nächster Akt.

Spin Doctors
September 12, 2004
Goldstar Chilifest
Cincinnati, OH

Disc 1 – 48:51

01. What Time Is It? >
02. Nice Talking To Me*
03. Little Miss Can’t Be Wrong
04. Off My Line
05. My Problem Now** >
06. Happily Ever After**
07. Margerita**
08. Jimmy Olsen’s Blues
09. I’d Like To Love You But I Think You Might Be Crazy**

Disc 2 – 35:13

01. Sugar** >
02. Lady Kerosene
03. Two Princes
04. Big Fat Funky Booty
05. Cleopatra’s Cat
06. Yo Mamas a Pajama

Total – 84:05

Chris Barron – vocals
Eric Schenkman – guitar, vocals
Mark White – bass
Aaron Comess – drums

* – previously unreleased song (pre-1994)
** – previously unreleased song (post-2001)
Audience recording. Not for sale. Share and spread the music.

MEHR ZUM THEMA
Die Reunion der original Spin Doctors stieg am 7. September 2001 im legendären Wetlands Preserve in New York. Der Laden sollte eine Woche später dicht gemacht werden, aber vorher organisierten die Wetlands-Macher neine Reihe unvorstellbarer Konzerte: Reunions, One-Night-Only-Shows von Bands, die sich längst aufgelöst hatten und mehr. Die Geschichte des Wetlands ist nicht nur Teil der Geschichte der Spin Doctors, sie ist auch so absolut lesenswert. Hier gehts zur absolut unterhaltsamen Wetlands Story von Jesse Jarnow (jambands.com).

Gib mir Musik: New York Electric Piano – Hidden Path

„New York Electric Piano“, das sind die New Yorker Musiker Pat Daugherty (E-Piano), Tim Givens (Bass) und Aaron Comess (Spin Doctors, Schlagzeug). Vor zwei, drei Jahren haben sie ein Album veröffentlicht, das man durchaus als bahnbrechend beschreiben kann: Federleichte Instrumentalstücke, die oft wie Acid Jazz klingen, aber durchweg live eingespielt wurden. Ein warmer, einmaliger Pianosound sorgt für den nötigen Wiedererkennungswert. Die Platte, bis heute nur über US-Independent-Mailorder zu bestellen, wurde denn auch schnell zu einem wahren Insider-Tipp, und ist bis heute in vielen New Yorker Cafés und Kneipen als Barmusik zu hören. Aaron Comess hat auf seiner Website unlängst angekündigt, dass noch in diesem Jahr eine weitere NYEP-Scheibe erscheinen soll. Und siehe da, seit dieser Woche ist „War Oracle“ erhältlich. Bis die den weiten Weg aus den USA in heimische CD-Player schafft, kann es aber noch etwas dauern (Rezension folgt, sobald es soweit ist). Fürs erste lohnt sich die Probe aufs Exempel mit einem typischen Stück aus der ersten Veröffentlichung.

Das Stück „Hidden Path“ gibts hier.

PS: Das schreibt Aaron Comess über das Projekt NYEP: „New York Electric Piano is the brain child of Pat Daugherty. Pat is a pianist and songwriter whom I play with in many other groups. We made this album in four hours one night in Manhattan. I like this record and I highly recommend checking it out. Tim Givens plays upright bass in the group. Through the years, Tim and I have played together extensively in The City.

Mixtape (2): Schlechtwettersongs

Schlechtwettersongs: nicht, um Dich runterzuziehen, sondern um selbst die unerwartetste Regenhusche auch im Sommer mit ein paar herrlich melancholischen Songs zu überstehen (erstellt im Mai 2004).

01 BEAT DOWN SOUND – PIGLET’S LAMENT
Los gehts mit einem launischen Instrumental vom „September Sessions“-Soundtrack, einem Sampler von und mit Jack Johnson. Das Mistwetter zieht langsam, aber sicher herauf, und es wird Zeit, sich mit 80 Minuten Musik abzulenken…

02 PHISH – WASTE
…denn schließlich haben die Künstler auf diesem Mixtape die Einladung ausgesprochen: Come, waste your time with me! Eines der schönsten Lieder der Jamband-Helden rund um Trey Anastasio (vocals, guitar) und Mike Gordon (bass).

03 EELS – WODDEN NICKELS
Chefschrulle E von den Eels wirft bei so einem Mistwetter selbstredend auch einen Song in die Runde – „Wooden Nickels“ vom bis dato schönsten Eels-Album „Daisies from the galaxy“.

04 BIM SHERMAN – LOVER’S LEAP
Natürlich pieselts auch ab und an auf Jamaica, der Heimat von Bim Sherman. Unser lieber Buddy Bim, Gott hab ihn selig, weiß, womit sich der gemeine Jamaicanese den Platzregen versüßt – er macht ein bisschen Liebe in der Holzhütte seiner Wahl. Oder so.

05 THE MUSTARD SEEDS – QUICKSAND
Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht mehr erinnern, wie das Wetter am 31. Oktober 1996 war. Aber ich kann mich noch sehr gut an das Konzert der Mustard Seeds aus Los Angeles im Anker in Leipzig erinnern, und Simone sicher auch. „Quicksand“ ist bis heute einer meiner Lieblingssongs dieser Combo, aus der ja leider irgendwie nie was geworden ist. Schade eigentlich.

06 BLIND MELON – SOUL ONE
Ähnlich wie Bim von von gerade eben dürfte auch dem Sänger dieses Liedes das Wetter auf Erden inzwischen reichlich egal sein, Shannon Hoon ist nämlich auch schon gestorben. Im zarten Alter von 28 Jahren, an einer Überdosis Heroin. Der Vollidiot. Aber egal – „Soul One“ wurde posthum veröffentlicht, und das ist unser großes Glück. So können wir nämlich diesen wunderbaren Song genießen, während es bei uns schifft, und dort, wo Shannon und Bim gerade sind, wahrscheinlich Elvis und Jimi gerade ne Runde schmeissen.

07 JOSEPH ARTHUR – SEPTEMBER BABY
Joseph dagegen ist quicklebendig, zumindest ist das mein aktueller Stand an Informationen. Wäre auch wünschenswert, denn mit Liedern wie „September Baby“ lässt sich jedes Unwetter überstehen.

08 ELEMENT OF CRIME – ES REGNET
„Und im Garten blüht die Illusion, das kenn ich schon, mal sehn, ob sich das Warten lohnt. Und immer wieder geht ein Regen nieder, und am Himmel hängt ein halber Mond.“ Sollte bei Dir irgendein Zweifel aufkommen, warum dieses Lied auf diesem Mixtape drauf ist, dann käme in mir ein Zweifel auf, ob Du noch bei Sinnen bist. Das ist ein Regenwettersampler!!

09 NICK DRAKE – WAY TO BLUE
Okay, ich verschweige besser, dass der gute Nick auch schon bei Shannon, Elvis, Jimi, Bim, Bam und Bino ist. Der hat sich – zur Abwechslung – aber selber umgebracht. Ganz ehrlich, ich merke erst jetzt, beim Tippen dieser Zeilen, dass hier der ein oder andere Verstorbene mit von der Partie ist. Das war aber keineswegs ein Aufnahmekriterium zu diesem Mixtape. Ich liebe dieses Lied, ich krieg bei jedem Hören eine Hammermördergänsehaut und feuchte Augen, und kann kaum glauben, dass diese Aufnahme bereits 34 regnerische Jahre auf dem Buckel hat – erschienen 1970!

10 NEW YORK ELECTRIC PIANO – EAST VILLAGE BUFFALO PUPPY
Die leben. Alle drei. Ehrlich! Das sind Aaron von den Spin Doctors, Tim von Give Daddy Five und Pat. Alle drei aus New York. Spielen das live, was andere mühselig am Keyboard designen – Acidjazz nämlich.

11 BLUES TRAVELER – ALONE
Und weil es in New York so nett ist, auch bei Regen, bleiben wir doch gleich dort, gehen die paar Straßen von Aarons Studio runter zum Probenraum der Blues Traveler. Da sitzt der Popper John und wurde gerade von seiner Freunding verlassen. Tolle Wurst. Andererseits: würde jeder Mensch mit Liebeskummer automatisch solche Songs schreiben, dann könnten sich die Menschen meinetwegen dauernd trennen. Is doch wahr.

12 PEARL JAM – INDIFFERENCE
Ganz, ganz verregnet muß es wohl auch gewesen sein, als Eddie Vedder dieses Lied geschrieben hat. „Indifference“ ist das bei Weitem schönste Lied, das ich von Pearl Jam kenne.

13 DANIEL HEINZE & ROBERT KRATZSCH – NE STUNDE VORWÄRTS
Ja, ich schwöre – als Robert und ich diesen Song aufgenommen haben, es war irgendwann 2002, hat es geregnet! Robert wollte nämlich eigentlich an den Cospudener See fahren, aber aufgrund der unangenehmen Witterungsbedingungen hat er sich dann doch dafür entschieden, ein wenig mit mir Musik zu machen. Und da haben wir dann dieses Lied aufgenommen. Komm, lass uns den Becher wieder fülln…

14 IVAN NEVILLE – SAME OLD WORLD
Guck mal, da, ganz hinten! Da sind keine Wolken mehr, da ist blauer Himmel. Könnte das etwa bedeuten, dass dieser Scheissregen bald vorbei ist?! Jaaa! Hurraaaa! Dann lass uns ein frohes Lied anstimmen, am besten das von Ivan Neville, in dem er singt, dass, egal, was passiert, die Welt doch eigentlich immer die selbe ist…

15 SINÉAD O’CONNOR – A HUNDRED THOUSAND ANGELS
Ein wenig Spiritualität ist im Falle eines langsam, aber merklich zu Ende gehenden Regens ja wohl mehr als angebracht. Die Sinéad, ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent aus Irland, hat da eine nette Weisheit beizusteuern: There’s a hundred thousand angels by your side…

16 CORK – IN THIS WORLD
Der Erik von den Spin Doctors und der Corgy von Mountain sind ja auch da! Na, so eine Überraschung! Ach echt, die haben in der Zwischenzeit ein paar neue Lieder aufgenommen? Und eins davon ist herrlich melancholisch-postregnerisch-nachdenklich-optimistisch? Na, das passt ja wie die Faust aufs Auge! Dann lasst mal hören!!

17 TODD HORTON & BAND – QUEST
Nochmal fix zurück nach New York. In Aarons Studio sind nämlich ein paar weitere Musiker eingetroffen – zum Beispiel der Todd, der immer so schön Trompete spielt. Na, und wenn sich der Tim und der Aaron eh schon mit NYEP warmgespielt haben, dann könnte man doch eigentlich noch ein kleines Gleichhörtsaufmitregnenstück zum Besten geben, oder?

18 LENNY KRAVITZ – DESTINY
Das DER sich mal wieder blicken lässt, ist ja auch höchst erfreulich. Und er thinkt, he left seine past behind? Na, dann sing mal, wir lassen ja auch grade den rain behind, wenn du knowst, what we mean, Lenny…

19 THIMO SANDER – SONNE SCHEINT
Wie, Regen? War da was? Aber die Sonne scheint doch, guckt doch mal aus dem Fenster!

Mixtape (1): Spätsommersongs

Musik für die letzten sommerlichen Sonnenstrahlen, und die ersten kuschelig-nachdenklichen Herbstmomente. Möge Dich diese sanfte, meist sehr stille Musik ganz zart in die kühleren Jahreszeiten hinübertragen, und Dir immer mal wieder ein wissendes Lächeln auf die Lippen zaubern: „Der nächste Sommer kommt bestimmt!“

01 MAX – MORNING TIME
Den Anfang macht ein melancholisches Liebeslied einer britischen Band, aus der nie etwas wurde: Max. Die fünf Herren brachten 1992 ein wunderbar verträumtes, sehnsüchtiges Popalbum auf: „Silence Running“ ist ein gefragter Sammlerartikel geworden, aber mehr nicht. Schade eigentlich. Das bestechende Tempo und die sanfte Instrumentierung machen aus „Morning Time“ einen Song, der eigentlich täglich auf guten Radiostationen laufen könnte…

02 LENNY KRAVITZ – ELEUTHERIA
Ein entspannter Reaggae von Lenny Kravitz, aufgenommen in den frühen Neunzigern. „Eleutheria“ ist angeblich eine Insel irgendwo in der Karibik, auf der Herr Kravitz wohl das ein oder andere Jahr seiner Kindheit verbracht hat.

03 JASON MRAZ – YOU AND I BOTH
Der gute Jason aus Amerika ist so alt wie ich, schreibt leicht neurotische, aber immer sehr herzliche Lieder, und hat sich in den letzten 2, 3 Jahren in den Staaten eine recht ansehnliche Fangemeinde erspielt. Schuld daran sind unter anderem Songs wie dieser: „You And I Both“.

04 ELEMENT OF CRIME – DAS ALLES KOMMT MIT
Was für ein herrliches Lied! Sven Regener ist einfach einer der begnadetsten Poeten unserer Muttersprachregion. Ein Stück aus dem zweiten deutschsprachigen Album der Berliner Band, „Weißes Papier“. „Das alles kommt mit“ war ein Song, den ich eine zeitlang bei jedem Lagerfeuer, das gerade irgenwo entfacht wurde, zur Gitarre geschrammelt und aus voller Kehle gesungen habe… Nie schön, aber immer sehr leidenschaftlich.

05 BLUES TRAVELER WITH ZIGGY MARLEY – NO WOMAN NO CRY
Diese Performance läßt mich zur Zeit einfach nicht los. Wie die Herren Blues Traveler und Mister Bob Junior hier diesen Song interpretieren, ist schon geil – völlig respektvoll, trotzdem eigen und unaffektiert. Toll, toll, toll. Und keiner kann so lange wie John Popper – einen einzigen Ton halten…

06 MARC COHN – SAINTS PRESERVE US
Bleiben wir noch kurz in New York. Marc Cohn hatte mal einen Riesenhit mit „Walking In Memphis“. Aber auch die Alben, die nach dem Hit kamen, hatten es echt in sich, leider ohne eine allzu breite Öffenntlichkeit zu erreichen. „Saints Preserve Us“ (übrigens mit Aaron Comess von den Spin Doctors am Schlagzeug) ist eine der tollsten Nummern aus dem Album „Burning Daze“.

07 JELLYFISH – THE MAN I USED TO BE
Die Band Jellyfish galt im Jahr 1990 als „das nächste große Ding“ in den Staaten. Die Kritiker überschlugen sich vor Lobesarien auf das erste Album der Jungs, da wurde gar von den „neuen Beatles“ gesprochen! Ganz so extrem würde ich das nicht sehen, aber in der Tat ist das Debutalbum dieser fünf Herren eines der besten Popalben, die ich je gehört habe. Das hier ist der anfangs etwas schwermütige, zum Schluß hin dann aber quicklebendige Opener ihres selbstbetitelten Erstlings.

08 STOPPOK – UND RETOUR
Das nächste Stück hat musikalisch eine sehr ähnliche Grundstimmung wie „The Man I Used To Be“. Nur isses halt auf Deutsch gesungen, und nicht ganz so pompös. Und vor allen Dingen ist es natürlich ein völlig eigenständiger, anderer Song. Stoppok mit einer macho-esken Liebesschnulze, in gewohnt lakonischem Vortrag. Einfach ganz großes Kino. Aus dem sehr empfehlenswerten Stoppok-Album „Silber“. „Es schien, als wäre, im Grund genommen, jeder mit jedem auf den Hund gekommen…“

09 VANESSA PARADIS – AS LONG AS YOU ARE THERE
Da schleicht sich doch glatt der Herr Kravitz nochmal durch die Hintertür auf diesen Sampler. Soll er, gerne. Lenny hat nämlich in den frühen Neunzigern mal ein Album von Vanessa Paradis produziert. Und diese angenehm soulige Nummer ist einfach ein Lied, was man im September und Oktober gerne hören möchte. Immer noch fröhlich, aber längst nicht mehr so aufdringlich-schwül wie die ganzen Sommerhits, die glücklicherweise größtenteils hinter einem liegen.

10 BEN FOLDS – TINY DANCER
Nein, was freue ich mich auf Ende November!! Da werde ich diesen Herrn endlich wieder live erleben – und zwar genau so, wie Du ihn hier hörst: Solo, nur mit einem Klavier bewaffnet. Ben Harper ist einer der einfühlsamsten Songschreiber unserer Zeit. Und gleichzeitig ein ausgemachter Virtuose an den Tasten. Der Knabe kann tatsächlich mit dem Hintern, den Füßen und auch mit dem Rücken zum Klavier in die Tasten hauen. Was natürlich die im Grunde recht besinnliche Atmosphäre eines Ben Folds-Konzertes enorm auflockert. „Tiny Dancer“ ist von Bens wunderbarem Solo-Live-Album.

11 JOSEPH PARSONS – ANGELINE
Joseph Parsons ist einer dieser Musiker, die tagein, tagaus in irgendwelchen Kneipen und kleinen Clubs spielen, und immer mal wieder eine Platte aufnehmen, die dann auf einem Mini-Label veröffentlicht werden. In diesem Fall ein amerikanischer Musiker mit einem Label aus Baden-Würtemberg. Inzwischen ist Joseph Parsons auch Mitglied der Combo „Hardpan“, bei der ja auch sein Kumpel (und das meine ich tatsächlich so, die zwei sind gut befreundet) Todd Thibaud mitsingt.

12 COMPAY SEGUNDO & ANTONIO BANDERAS – BEAUTIFUL SOUL OF MARIA

Im vergangegen Jahr ist Compay Segundo gestorben, in einem gesegneten Alter oberhalb der 70. Compay war Teil des von Ry Cooder wiederentdeckten Buena Vista Social Club. Nach dem enormen Erfolg des BVSC hat Compay (sein Name bedeutet übrigens „zweiter Kumpel“, weil er im Social Club immer der war, der die Harmoniegesänge, also die zweiten Stimmen, übernahm) noch ein paar Soloalben rausgebracht. Und eine CD voller Duette. Wie zum Beispiel dieses ergreifende Stück mit dem Schauspieler Antonio Banderas. Sehr interessante Kombination, oder?

13 EELS – MISTER E’S BEAUTIFUL BLUES
Eine Gutelaunenummer von Obermegasuperschrulle E von den Eels. Das war die erste Single des fantastischen Albums „Daisies Of The Galaxie“. Aber nicht, dass dieser Song irgendwie regulär auf der Scheibe auftauchen würde, nö, das ist der versteckte Titel ganz am Ende der Platte. Er is halt eigen, der E. Aber er schreibt einfach tolle Lieder. Wie zum Beispiel dieses. Nein, das ist nicht Dein Telefon, was da gerade klingelt. Das kommt von der CD.

14 DAVID GRAY – SAIL AWAY
Jahrelang krähte kein Hahn nach ihm, inzwischen ist er einer der gefeiertsten Poppoeten der britischen Insel. David Gray aus Wales schaffte mit seinem Album „White Ladder“ nach vier schrecklich erfolglosen, aber dennoch umwerfend schönen Alben den Durchbruch. „Sail Away“ ist ein Stück aus dieser hypnotisierenden Sammlung. Diese Version, die Du hier hörst, ist allerdings die Single-Version, die etwa eineinhalb Jahre nach Veröffentlichung des Albums nochmal etwas aufgemöbelt wurde, und ein wenig frischer daherkommt als auf der Scheibe. Aber alles in allem ist es der gleiche Song. Nur mit mehr Bass.

15 WILLY PORTER – ANGRY WORDS
Und ganz ohne böse Worte oder Gefühle verabschieden wir uns langsam, aber sicher von diesem seltsam unspektakulären Sommer – zumindest, was das Wetter anbelangt. Aber immerhin versprechen uns die Wetterfrösche einen goldenen Oktober. Was ja auch viel Wert ist. Willy Porter liefert den Soundtrack zum ersten Blatt, was Du von einem Baum segeln siehst. Ja, es ist schon wieder soweit. But I have no angry words to say.

16 SMH – WIEDER EIN JAHR
Da kommt natürlich gleich noch ein Herbstsong hinterher. Das Lied fanden besonders die Mädels immer toll, wenn wir es live gespielt haben. Weil es doch so romantisch wäre. Komisch, dabei hab ich das Lied gar nicht als Jahreszeitenbeschreibung verstanden. Geschrieben am ersten Todestag meiner Großmutter, im Oktober 1997.

17 DAVE MATTHEWS BAND – THE SPACE BETWEEN
Ach, was haben sich die Fans aufgeregt. Wie konnte die DMB nur „Everyday“ veröffentlichen. Dieses schrecklich kommerzielle, glatt produzierte Album. Wo die Jungs doch unsere Alternative-Helden sind! Verrat! Alles Quatsch. Ja, mit „Everyday“ haben die Herren eine Platte gemacht, die deutlich mehr Menschen zugänglich war als die Platten zuvor. Aber betrachtet man sich mal die einzelnen Songs, kommt man nicht umhin zu attestieren, dass das alles sehr clevere, ausgereifte und ergreifende Kompositionen sind. So eine Ballade wie „The Space Between“ ist für mich einfach Weltklasse. Egal, was die stets unzufriedenen Hardcore-Fans meckern mögen.

18 OCEAN COLOUR SCENE – TELE HE’S NOT TALKING
Auf Ocean Colour Scene ist Verlaß – die vier schreiben einfach tolle kleine Lieder, die ins Herz treffen. „Tele He’s Not Talking“ stammt von meinem heimlichen Lieblingsalbum der OCS, „Marchin‘ Already“.

19 SUNHOUSE – HARD SUN
Mein kleiner Spätsommerzyklus endet mit alten Bekannten. Sowohl den Schlagzeuger dieses Stückes als auch die Backround-Sängerin haben schon eingangs für uns musiziert – im kleinen Kreis von „Max“. Es handelt sich um John Reynolds und Sinéad O’Connor. Die beiden unterstützen hier eine andere wunderbare Band, der völlig zu Unrecht eine große musikpublizistische Öffentlichkeit verwehrt blieb. Tja, so schließt sich der Kreis. Soll der Winter doch kommen.