Jonathan Littell – Die Wohlgesinnten (1)

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Seit drei Wochen quäle ich mich inzwischen durch den heftig diskutierten Roman „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell. Zugegeben, so richtig aufmerksam auf diese fiktive Biographie eines reuelosen SS-Offiziers bin ich erst durch die radikalen Verrisse geworden, die das Buch hierzulande bekommen hatte – und die so sehr im Gegensatz stehen zu den Lobeshymnen, die man in Frankreich auf Littells Buch gesungen hat. Quälen ist übrigens das richtige Wort und dennoch bereue ich bis jetzt keine einzige Seite (bin etwa auf Seite 800, also habe noch gut 600 Seiten vor mir). Mal ekelt mich das, was da geschildert wird, mal wundere ich mich über mich selbst, weil ich für diesen Offizier in wenigen Passagen sogar so etwas ähnliches wie Sympathie empfinde. Soviel kann ich jetzt schon mal sagen: dieses Buch als Gewaltpornographie abzutun, scheint mir verkehrt und unsachlich. „Die Wohlgesinnten“ fordern mich, mehr als mir lieb ist (rund um Ostern könnte man auch erbaulicheres oder leichteres lesen) – sie lassen mich aber auch nicht los. Fortsetzung folgt.

Notizen vom 21. März 2008

– Eben im Radio gehört: Alela Diana – The Pirate’s Gospel. Bisschen anstrengend, aber irgendwie schön.

Do The Panic: Phantom Planet bringen demnächst ihr viertes Album raus und haben offenbar die Melodien wieder entdeckt. Die erste Single jedenfalls klingt vielversprechend.

– Ostern im KZ: Prälat Hermann Scheipers erinnert sich an Ostern im Konzentrationslager Dachau

Liam Finn, Sohn vom Crowded House-Sänger, musiziert bei KCRWs Morning Becomes Eclectic-Show.

laut.de versucht jetzt User Generated Radio

Wolke covern „Sunday Bloody Sunday“ bei KenFM. Tapete Records stellt das mp3 zum Download auf seine Seite.

Lisa Bonet ate no basil: Weird Al Yankovics grandiose Hommage an Bob Dylan ist eine Subterranean Homesick Blues-Parodie, die vollständig aus Palindromen besteht (gefunden in der TheWord-Aprilausgabe).

Öfter mal was Neues: dunkelblaue Buchtipps…

Hier ein paar Tipps, falls Euch gerade der Lesestoff ausgegangen ist – das sind ein paar der Bücher, die ich in den vergangenen Monaten gelesen habe und guten Gewissens zur Lektüre empfehle. Einfach mal selber googlen, bestellen und lesen… Kommentare, Meinungen etc. zu den einzelnen, hiermit ausdrücklich ans Herz gelegten Büchern sind absolut Willkommen!

Neil Gaiman – American Gods (Harpertorch, New York, 2001):
Fantasyhorrorhumorthrillerroman. Die perfekte Urlaubslektüre.

Roger Willemsen – Gute Tage (S. Fischer, Frankfurt/Main, 2004):
Roger berichtet ganz unverschwurbelt über Begegnungen mit Menschen wie Timothy Leary, Sinéad O’Connor, dem Dalai Lama oder auch Tina Turner. Anrührend, witzig und immer messerscharf und beneidenswert ideenreich geschrieben.

Stephen Clark – A Year In The Merde (Black Swan Books, London, 2005):
Episoden-Roman – britischer Geschäftsmann verbringt ein Jahr in Frankreich. Brüllend komisch, wurde mir unlängst von so einigen Briten (zu Recht) als unsagbar lustiges Buch empfohlen. Was habe ich gelacht – sehr zum Leidwesen einiger Mitreisenden im Zug…

Jonathan Safran Foer – Extrem laut und unglaublich nah (Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2005):
Zweiter „großer“ Roman von Foer, hat mir persönlich besser gefallen als der Vorgänger. Kleiner Junge, der durchs Post-9-11-New York läuft und nach Antworten sucht. Blechtrommel meets CNN und MTV, irgendwie. Spannende Sache, das.

Caspar Wintermans – Lord Alfred Douglas (Karl Blessing, München, 2001):
Erst der engste Vertraute Oscar Wildes, dann dessen liebster Intimfeind. Hochinteressante Biographie des Mannes im Schatten von Oscar Wilde, mit zahlreichen Gedichten des Lord Alfred. Erstaunlich spannende Lektüre!

Paul Badde – Das göttliche Gesicht (Pattloch, München, 2006):
Hochdekorierter und angesehener Vatikanjournalist recherchiert romanreife Geschichte eines Seidentuchs, das das „wahre Antlitz Jesu“ beinhalten soll. Spannender als „Sakrileg“ und Co., weil wahr…

Benjamnin Lebert – Kannst Du (Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2006):
Neuer Roman vom „Crazy“-Autor, kompakt, ehrlich, unverkrampft – besser als die Kritiken, die ich dazu gelesen habe. InterRail, Skandinavien, Schreibblockade, Psycho-Probleme. Serviert mit Witz und Scharfsinn. Gut!

Michel Houellebecq – Plattform (DuMont, Köln, 2002):
Zufallskauf. Sensationell. Erbarmungslos offene Schreibe, „kleine“ Geschichte, grandiose, „große“ Charakterzeichnungen. Hab’s verschlungen – aber nichts für zartbesaitete Gemüter, fürchte ich.

Mark Juergensmeyer – Terror im Namen Gottes (Herder, Freiburg im Breisgau, 2004):
Wirklich interessanter Aufsatz, der nach den Ursachen fundamentalistischen Terrors und den Einflüssen durch die Religionen bzw. durch religiöse Motive sucht. Wenn man’s kritisch liest, sehr aufschlußreich. Verblüffend, wie „veraltet“ manche Passage im Jahr 2006 bereits wirkt.

Peter Moore – No Shitting In The Toilet (Bantam Books, Sidney, 2002):
Der Anti-Reiseführer schlechthin. Stellenweise brüllend komisch – nette Nebenbei-Lektüre, besonders, wenn man (wie ich damals) nen Rucksackurlaub vor sich hat…