Unterwegs im Heiligen Land (3): Im Land der Freiheit. Köstliches Land.

Im Land der Freiheit

„Bethlehem ist sicher, Sie können hier ohne Sorge überall hingehen.“ Samir, unser palästinensischer Tourguide, ein römisch-katholischer Christ, fügt mit einem Lächeln hinzu: „Hier sind Sie ja im Land der Freiheit“. Es ist bemerkenswert, wie die Menschen, denen ich in Palästina begegne, mit der politischen Großwetterlage umgehen.
Kurz vor dem jüdischen Pessach-Fest hat Israel die Ausreisebestimmungen aus den besetzten Gebieten noch einmal verschärft, offiziell aus Sicherheitsgründen – als „normaler“ Palästinenser kommt man nicht mehr rüber nach Jerusalem. Für viele Menschen in Israel gelten Palästinenser grundsätzlich als potentielle Terroristen und Unruhestifter. Was wir hier hingegen erleben, in Bethlehem, auf der anderen Seite der Mauer (die Israelis nennen sie „Security Fence“, die Palästinenser „Apartheid Wall“), ist eine quirlige mittelgroße Stadt mit viel touristischem Trubel an der Geburtskirche Christi, lauten Muezzin-Rufen aus den Lautsprechern der Moschee am Markt, spielenden Kindern und typisch orientalischen Krimskrams-Händlern. Der Obst- und Fleischmarkt lockt mit üppigen Früchten, allerhand Leckereien, exotischen Gerüchen und Genüssen.
Die Menschen dieser Stadt wirken freundlich auf uns, wenn wir mit ihnen über Politik sprechen, sind sie verblüffend sachlich, beherrscht und klar. Das habe ich so nicht erwartet – von Leuten, die in einem „besetzten Gebiet“ leben. Mir scheint, diese Leute wollen, dass die Welt ihnen zuhört, sie versteht. Auch wird mir schnell klar, dass wir auch hier nur die „gute Seite“ der Stadt kennenlernen – denn geht man dann doch mal auf eigene Faust ein paar Straßen weiter, sieht man, dass hier auch Armut herrscht. Wir werden vor professionell bettelnden Kindern gewarnt und treffen tatsächlich viele von ihnen. Wir sehen in Hinterhöfe und kleine Gassen, in denen ins Leere starrende alte Menschen sitzen. Wir sehen viel Müll und viele unfertige Häuser.
Irgendwann weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. So sehr ich mitfühle mit den Menschen Palästinas, so sehr ich mir wünsche, dass Israel mit der Besetzung der Gebiete aufhört, so sehr sträubt sich alles in mir dagegen, „die Juden“ nur als die Bösen, Israel als Unrechtsstaat anzusehen. Ja, was denn nun? „Sie sind hier im Land der Freiheit“ – Samirs ironische Bemerkung klingt auch noch Stunden später in mir nach, und fühlt sich dann irgendwann an wie ein Hilferuf, ein Gebet. Und dann bleibt in mir nur noch der Wunsch zurück, dieses „Heilige Land“, auf beiden Seiten der Mauer, würde tatsächlich irgendwann zu einem „Land der Freiheit“ – für alle, die in ihm leben.

Köstliches Land

Kulinarisch ist das Heilige Land für mich der Himmel auf Erden. Ich esse die besten Falafel meines Lebens und kann nicht anders, als das, was daheim in Deutschland als Falafel verkauft wird, als geschmacksfreies Irgendwas abzuhaken. Wir werden allabendlich überhäuft mit wunderbaren Vorspeisen: Hummous, Sesamcremes, Salate, Avocados, Auberginen, Zuccini, Blumenkohl in allen nur erdenklichen Varianten, Oliven ohne Ende – es ist unmöglich, alles zu probieren, so voll sind die Tische bisweilen für uns gedeckt mit gutem Essen. Diese Aromen! Diese Farben! Diese Düfte! Dieser Geschmack!
Mir war ja vorher klar, dass ich mit orientalischer Küche wunderbar zurecht kommen würde. Aber dass sie mir derart gut gefällt, hat mich dann doch überrascht. Wir schwelgen in Gemüse-Irgendwas-Dingern mit Zimt, laben uns an Lamm mit Ben-Gurion-Reis, sind begeistert von koscherem Kuchen und Wein. Das beste Essen der gesamten Reise serviert man uns in Bethlehem, unweit der Hirtenfelder. Hier hat eine Beduinenfamilie ein Zelt-Restaurant eröffnet und tischt nur vom Feinsten auf, was diese Region zu bieten hat.
Israel und Palästina, so steht es in den Reiseführern, haben nicht wirklich eigenständige Küchen und nur sehr wenige „typische“, genuine Speisen. Dafür, so scheint mir, kommt hier nur das Beste aus dem Orient (arabische Bevölkerung) und aus aller Welt (jüdische Bevölkerung) zusammen und vermischt sich zu einer wirklich wunderbaren Patchwork-Cuisine. Lecker.

siebenSACHEN vom 31. Januar 2011: Heldenstadt.de, 2zueins!, Spin Doctors Archive, Chris Barron, Ben Folds

– Seit Ende Oktober gehöre ich zum Autorenteam von heldenstadt.de – hier veröffentlichen wir jeden Werktag gegen halb neun eine Leipzig-Morgenschau mit den wichtigsten Links, den kuriosesten Fundstücken und allem möglichen und unmöglichen Zeugs aus und über Leipzig, über das wir bei unseren Internetstreifzügen so stolpern.

– Endlich hatte ich mal wieder Zeit für ein Update des Spin Doctors Archive – neben der Diskographie hab ich alle aktuellen News aus 2010 und 2011 nachgetragen, auch sind sämtliche (mir bekannte) online legal erhältliche Liveshows der Band und diverse Nebenprojekte verlinkt.

More Than Meets The Ear – The Spin Doctors Archive ist jetzt außerdem auch bei diesem Facebook, von dem immer alle reden.

Neues von 2zueins!, Teil 1: Heiko und ich basteln derzeit an zehn neuen Songs, die wir in diesem Jahr nach und nach aufnehmen. Daraus soll dann ein weiteres Album werden. Wann das fertig wird, können wir natürlich noch nicht sagen.

Neues von 2zueins!, Teil 2: zum ersten Mal hören könnt Ihr einige der frischen Stücke bei unserem nächsten Konzert. Am Freitag, dem 18. März 2011 bitten wir zum Halali im Platzhirsch in der Leipziger Südvorstadt. Außerdem darf das werte Publikum sich auch Lieder wünschen, sofern Bedarf besteht.

– Mitte Januar war ich in Rom, um dort Jono Manson und Chris Barron live zu erleben – das wirklich hörenswerte Set von Chris Barron und die gemeinsamen Zugaben habe ich mitgeschnitten, die Aufnahme (mp3s) kann hier als .zip-Datei runtergeladen werden.

– …und schließlich: Vorfreude! Anfang März spielt Ben Folds live in Berlin:

Willkommen!

So, geschafft: ich bin mit Sack und Pack umgezogen – vom siebenSÄTZE-Blog hier rüber in dieses Blog. Hintergrund war der Wunsch, künftig nicht mehr ganz so viele Baustellen im Internet zu haben. Stattdessen bündele ich künftig alles hier auf dieser Seite: gelegentliche Blogeinträge, in der rechten Spalte die jeweils aktuellsten Links und Einträgen aus Twitter, Google Reader usw., und oben unter „Meine Musik“ meine kleine Diskografie. Allen, die ihr siebenSÄTZE-Lesezeichen aktualisiert haben und jetzt hier weiterlesen ein herzliches Danke fürs Mit-Umziehen, allen neuen Besuchern ein nicht minder herzliches Willkommen und viel Spaß beim Stöbern.

Jahresbestenlisten: siebenSÄTZE-Awards 2009

Alle lieben Listen, ich auch. Den völlig unsinnigen Versuch, das zurückliegende Jahr irgendwie in eine Tabellenform zu pressen, hab ich mir auch dieses Jahr wieder angetan. Und wie immer fühl ich mich mies, weil ich so viele gute Bücher, Songs, Momente, Platten dann nun doch nicht erwähnt habe, obwohl sie eigentlich hier mit hergehören. Aber egal. Die Platzierungen (das schreibt man doch jetzt so, oder?) sind eh nur Makulatur (das schreibt man doch so, oder?), die genannten Dinge, Lieder, Lobhudeleien (darf man das noch schreiben?) sind hingegen ernstgemeint (oder muss ich das jetzt auseinander schreiben?!).

Die Alben des Jahres

7 – Ben Harper & Relentless 7 – White Lies For Dark Times
Harper so unmittelbar, schroff und wütend wie schon länger nicht mehr. Und ein Dutzend starker Songs.

6 – Montag – Montag
Das Jahr ging gleich gut los, mit dem dritten Montag-Album. Wäre es nach mir gegangen, hätte ganz Deutschland in diesem Jahr wahlweise zu „Sommernacht“ getanzt oder auf jeder guten Party „…und lass die Finger von meinen CDs“ gebrüllt.

5 – John Mayer – Battle Studies
Mayer kam spät, aber gewaltig. Ein Liederzyklus über vergangene Liebe, Intrigen, Enttäuschungen – und hier und da dann aber doch Hoffnung. Dazu über jeden Zweifel erhabene Musik, absurd gute Instrumentalisten, eine herrlich organische Produktion und nicht eine Sekunde Langeweile.

4 – Ben Kweller – Changing Horses

Bens Countryausflug darf man in den Jahresbestenlisten einfach nicht unterschlagen, bloß, weil er so zeitig im Jahr rauskam. Der Ex-Antifolker, der seit Jahren wunderbare Songwriter-Alben raushaut, flirtet mit Countryharmonien, Steel-Guitars und Trucker-Themen. Und das auf glaubwürdige, ach was, herzergreifende Art und Weise!

3 – Dave Matthews Band – Big Whiskey & The GrooGrux King
Es war, als riefen alle DMB-Fans dieser Welt im Juni: „Eeeendlich“. Endlich wieder ein Album, dass nicht nur deutlich über dem Studio-Output-Qualitäts-Mittelmaß der letzten sechs, sieben Jahre lag, sondern sich mühelos einreiht in die 1. Liga der DMB-Platten. Ein würdiges Tribut an den verstorbenen LeRoi Moore, super Songwriting, tolle Arrangement-Ideen, starke Hooks. Eeeendlich.

2 – Alberta Cross – Broken Side Of Time
Für jemanden wie mich, der Selig mag, der gerne Blind Melon hört, der die Black Crowes genauso schätzt wie Bob Dylan, die Avett Brothers, Calexico und die frühen Pearl Jam, für den ist die Musik von Alberta Cross wie gemacht. Und doch wäre es ungerecht, diese Band auf die genannten Referenzen zu verkürzen. Bei aller Heldenverehrung, bei allen Zitaten: dieses Album ist originell, und es ist eine Naturgewalt.

1 – The Duke & The King – Nothing Gold Can Stay
Doch manchmal kommen die Platten des Jahres dann doch ganz heimlich, still und leise. Da fängt es an mit „If You Ever Get Famous“, einem Song, der sich recht früh in diesem Jahr in mein Herz musiziert hat. Nachdem ich dann das Album zum Song hörte, war ich aber endgültig hin und weg. Was für ein Kleinod, was für große Songs. Der Glaube an das Gute im Menschen, und so.

Persönliche Lieblingsorte des Jahres

7 – Leipzig
Mann, ich lebe gern in dieser Stadt und klebe an ihr. Oder sie an mir, je nachdem.

6 – Paris
Endlich mal wieder dort. Finde Paris immer wieder schön und, ja, gemütlich.

5 – Harz
Wernigerode – mein erstes Mal Wandern / Urlauben / Ausspannen im Harz. Trotz wahnwitzigem Speed-Abstieg vom Brocken eine sonst äußerst erholsame Reise.

4 – Madrid
Menschen, unglaublich viele Menschen. Wein, unglaublich viel Wein. Kunst, unglaublich viel Kunst. Die vielleicht dekadenteste Kurzreise des Jahres. Ach ja: Serranoschinken, unglaublich viel Serranoschinken.

3 – Liverpool
Eine Woche zu Gast bei alten Freunden. Liverpool, die zweite – und das Gefühl, „daheim“ zu sein.

2 – Wroclaw
Eine Reise zu den Wurzeln meiner Familie. Mit meiner Familie. Tief berührend, bisweilen aber auch zum Brüllen komisch.

1 – Banja Luka
Bosnien hat mich schwer beeindruckt. Nirgendwo sonst habe ich bisher derart krasse Gräben zwischen arm und reich, hoffnungsvoll und verzweifelt, Schönheit und Zerstörung gespürt wie hier.

Die Bücher des Jahres

7 – Benjamin Lebert – Flug der Pelikane
Erst kam ich nicht so richtig rein in Leberts neues Büchlein, aber dann entwickelte die Erzählung eine interessante Dynamik. Angenehmes Lesevergnügen.

6 – Manfred Lütz – Gott. Eine kleine Geschichte des Größten
Steht nicht auf der Leseliste meines Theologie-Fernstudiums. Hab ich mir auch nur aus Lektüremangel heraus im Harz (siehe oben) gekauft, nachdem ich mit Platz 1 (siehe unten) durch war. Große Überraschung: Lütz‘ rheinisch-launische Gottesbetrachtung ist witzig, herzlich, niemals plump, aber auch nicht verkopft. Große Empfehlung – für Gläubige aller Couleur wie für Atheisten und Agnostiker.

5 – Daniel Kehlmann – Ruhm
Neun Geschichten, die auf unterschiedlichste Weise ineinandergreifen und spätestens am Ende ein Ganzes, wenn auch kein durchsichtiges Ganzes ergeben. Raffinierte Schreibübung, die aber auch dem Leser Spaß macht. Und einige sensationell gut gezeichnete Charaktere.

4 – Paul Peukert – Festung Breslau
Eine Reise nach Wroclaw, mit alten Tanten und Onkels, ohne jede revisionistische Scheiße, dafür mit vielen Fragen und vielen, vielen Eindrücken (siehe oben). Dieses Buch hat mich auf der Reise und danach sehr beschäftigt: katholischer Priester in Breslau führt Tagebuch über den Wahnsinn der letzten Kriegsjahre.

3 – Luke Haines – Bad Vibes. Britpop And My Part In Its Downfall
Ex-Auteurs-Hirn Haines schreibt seine Memoiren über die Britpop-Neunziger. Und ist dabei so gnadenlos ehrlich, bitterböse (gegenüber sich selbst und allen, wirklich allen anderen) und lustig, dass ich dieses Buch an nur einem Tag verschlungen – und dann am nächsten Tag gleich nochmal gelesen habe.

2 – Stefan Petermann – Der Schlaf und das Flüstern
Sowohl Stefan als auch sein Buch haben es gar nicht nötig, von mir gelobhudelt zu werden. Umso ehrlicher ist diese Platzierung gemeint: Stefans Debütroman hat mich angerührt und begeistert. Wäre Howie Days Song „I’ll Take You On“ ein Buch, es wäre dieses hier.

1 – Andreas Eschbach – Ein König für Deutschland
Einfach gutes Popcorn-Kino in Buchform. Es geht um Wahlmanipulation, ums Internet und um einen verklemmten deutschen Penne-Pauker als Hauptperson. Klingt lahm, ist aber alles andere als das. Definitv mein Lieblingsschmöker 09.

Persönliche Lieblingsluxusgüter des Jahres

7 – Relix-Abo
Es ist ja nicht so, dass ich nicht schon genug Musikzeitschriften abonniert hätte (jetzt sinds fünf). Aber ich hatte eben noch keine amerikanische. Und da in so ziemlich allen anderen Blättern dieser Galaxie zu wenig über all die schrägen Jambands und Folkies geschrieben wird, die ich nun mal gerne höre, musste es Relix sein. Habs nicht bereut – deren Avett Brothers- und Monsters Of Folk-Texte waren das beste, was ich in Sachen Musik in diesem Jahr lesen durfte.

6 – Fotoapparat
War einfach bitter nötig. Nach nem halben Jahr mit dem Teil bin ich zufrieden, aber nicht begeistert. Und eine wichtige Lektion hab ich auch gelernt: bloss, weil ich ’nen neuen Apparat habe, mache ich nicht zwingend mehr Fotos.

5 – Internet-Stick
Doch, das hat was, einfach seinen Laptop per UMTS mit dem Internet zu verbinden. Vor anderthalb Jahren war für mich noch n Laptop unvorstellbar, seit ein paar Monaten isses der Internet-Stick. Bin eben ein Spätentwickler.

4 – Digitaler Videorecorder
Noch so eine praktische Sache: einfach die Sachen aufnehmen, die mich interessieren, im Zweifelsfall auch mal zwei Sendungen parallel. Ohne DVDs, VHS-Kassetten, Showview und diesen ganzen Mist, sondern einfach nur per Knopfdruck. Was es nicht alles gibt. Toll.

3 – Big Whiskey Deluxe Edition
Nee, schon klar. Ich hab das neue DMB-Album (siehe ziemlich weit oben) in zweifacher CD-Ausführung (Standardversion US, Standardversion Europa), als iTunes-Pass (wegen der Bonusdownloads) und hatte es *hüstel* auch schon vorab auf nicht hundertprozentig legale Weise „erstanden“. Aber dennoch musste diese Deluxe-Box sein – dieses edle Fotobuch! Die wunderschönen Lithographien! Die Bonus-EP! Ach ja, und das Album is natürlich auch nicht schlecht (wie gesagt, siehe ziemlich weit oben).

2 – Spotify-Abo
Ich kann nicht anders, als in den Chor der Spotify-Lobhudler einstimmen. Es ist so simpel wie genial, dieses schwedische Streaming-Angebot, das hoffentlich 2010 auch endlich regulär in Deutschland zu haben sein wird. Warum ich schon in den Genuß eines Spotify-Abos gekommen bin? Offenbar hatte ich einfach nur Glück – wenige Wochen nach meiner ersten 10-Euro-Rate wurde die Option, von Deutschland aus wenigstens den Premiumaccount buchen zu können, erstmal wieder abgeschafft.

1 – Android-Handy
Es war keine rationale Entscheidung. Eher so meine notorische Liebe für Underdogs und die wachsende Verwunderung darüber, was für Menschen neuerdings iPhones besaßen und damit auszudrücken meinten. Nachdem ich mich in die Materie eingelesen hatte, schien mir ein Android-Handy eine gute Alternative zu sein. Killer-Grund war für mich die im Hintergrund laufende Spotify-App. Und jetzt? Bin ich echt zufrieden mit meinem HTC Magic – wobei… so ein Nexus One oder wenigstens ein Milestone wären auch nicht übel. Aber hey, bald ist ja 2010.

Die Songs des Jahres (Spotify-Playlist)

7 – Selig – Ich dachte schon
Ich dachte schon, du seist ausgezogen aus den Kammern meiner Erinnerung. Doch durch irgendeine Lücke kriechst du immer wieder rein… Lass mich allein.

6 – K’Naan – Take A Minute
And any man who knows a thing knows he knows not a damn damn thing at all…

5 – Sometymes Why – My Crazy
They say I’m talking to myself when I’m talking to you, they say I’m going crazy, crazy. Am I just true?

4 – Montag – Part 1
Plötzlich ist der Kopf klar, fahr jetzt los! Halt‘ Deine Briefe aus dem Fenster und lass sie los…

3 – Brother Ali – Fresh Air
I’m surrounded by greatness, my loved ones are amazin‘, sometimes, I look in their faces and just think of the lifes they’re changin

2 – Mein Mio – Es gibt immer
…und glaub, ich brauche kein Ziel und kein‘ Halt, doch als ich mich erinnere, ist es kalt. Es gibt immer, es gibt immer, es gibt immer… jemanden, auf den man wartet.

1 – Monsters Of Folk – Temazcal
Searchin‘ west and east and all points in between and underneath the hand of god, you’re there and then you’re not…

Persönliche Erfolge des Jahres

7 – drei Phish-Shows am Stück angehört
6 – ein weiteres Jahr ohne Zigaretten
5 – „Six Feet Under“ von der ersten bis zur letzten Folge sehen können
4 – meine Solo-EP Stundevorwärts
3 – einen regionalen & einen internationalen Preis erhalten
2 – immer noch Freunde zu haben, die mich ernsthaft als Trauzeugen wollen
1 – Simsalaboom, die neue CD meiner Band 2zueins!, die nun endlich fertig ist. Also, die CD.

Die Konzerte des Jahres

7 – Selig, September, Leipzig
Homogener Sound. Druck. Gefühl. Zeitreise Teil 2, diesmal fühlt sichs aber schon wieder ganz natürlich an.

6 – Bright Blue Gorilla, April, Halle
Robyn und Michael im Objekt 5. Am Tag vorher gemeinsames Essen in Leipzig. Dazu Besuch aus Holland – perfekte Tage.

5 – Stoppok, April, Leipzig
Absolut das, was ich mir von einem Stoppok-mit-Band-Abend erhofft hatte: tolle Musik, viele bekannte Gesichter im Publikum, ausgelassene Musiker.

4 – Alberta Cross, Juli, Paris
Musikalische Neuentdeckung des Jahres, hatte sich im Vorprogramm versteckt. So unscheinbar die Herren angeschlurft kamen, so bombastisch war im Gegensatz dazu ihre Musik.

3 – Amarcord, Dezember, Leipzig
Was für ein liebevoll ausgewähltes Programm, ausschließlich Stücke mit direktem Thomaskirchen-Hintergrund. Und dann natürlich: diese Stimmen!

2 – Selig Reunion Show, März, Dresden
Zeitreise, Teil 1: Selig spielen ihr erstes öffentliches Konzert seit 1998 und wir waren dabei. Die Nostalgie wich binnen weniger Songs der alten Euphorie. Immer noch die beste Liveband Deutschlands.

1 – Dave Matthews Band, Juli, Paris
Celebrate we will, ‚cause life is short but sweet for certain. Was soll ich noch schreiben – auch DMB-Konzert Nummer 3 war außerirdisch gut, ich freu mich schon auf #4 und #5.

Hurra…

…ich lebe noch!

Dies ist ein kurzes, aber heftiges Lebenszeichen auf diesen Seiten. Wer die Links und Kästchen rechts verfolgt, stellt schnell fest, dass ich alles andere als internetfaul war in den letzten Wochen – ich war eher siebensätzefaul, that’s it. Aber als ich eben zum gefühlt achtzigsten Mal den Fiji Meat Man hier als aktuellsten Eintrag sah, war mir klar, dass ich dringend mal wieder was schreiben sollte – was ich hiermit tue.

Ich freue mich – auf meine persönlichen Jahrescharts, die hier bald stehen werden; auf ein paar der Platten, die für mich das letzte Jahrzehnt ausgemacht haben, auch davon will ich hier berichten; über die Entscheidung, künftig nicht nur über Musik und Bücher tippen zu wollen, sondern gegebenenfalls auch über alles andere, was halt so anliegt. Für den Moment möchte ich die Ruhe in diesem Blog nur kurz begründen – zum einen hat mich meine Band in den letzten Wochen sehr beansprucht (wir veröffentlichen grade ne neue CD), zum anderen ist es halt unglaublich einfach und schnell, interessante Links zu twittern, per Delicious zu verbreiten oder einfach mal im Google Reader gut zu finden (wie gesagt: siehe rechts).

Kurz und gut: alles bestens hier, jetzt auch wieder mit mehr Inhalt – und schließlich muss es wenigstens ein Blog auf diesem schönen Planeten geben, das keinen Adventskalender mit täglichen Nettigkeiten feilbietet…

Ten years ago today: Bobby Sheehan

Auch und gerade dieses Jahr sei an dieser Stelle „Brooklyn Bob“, Bobby Sheehan, gewürdigt. Heute vor zehn Jahren starb der Blues Traveler-Bassist: völlig unerwartet und viel zu früh. Deshalb gibt’s heute Abend für mich nur old school BT auf die Ohren, zum Beispiel die Show hier und auch die. Und wenn ich dann noch kann, gerne auch noch die hier (seine letzte…). Tolle Erinnerungen von Menschen, die das Glück hatten, Bobby Sheehan getroffen zu haben oder gar mit ihm befreundet gewesen zu sein, finden sich hier – das ideale Lesefutter für einen melancholischen Abend mit viel guter Musik wie heute. Here’s to you, Brooklyn Bob!

Warum ich Josh Rouse nicht die Freundschaft, aber das Abo kündige

Gestern bekam ich eine e-Mail von einem Mitarbeiter von JoshRouse.com, der mich sehr freundlich darauf hinwies, dass mein einjähriges Abo von Josh Rouses „Bedroom Classics Closet Archives“ ausläuft und ich mich nun neu anmelden müsse, wenn ich es verlängern möchte. Möchte ich aber nicht. Nicht, dass mir die Idee nicht gefiele – meine Güte: jeden Monat ein paar neue Live-Songs, exklusive Singles, B-Seiten und Outtakes eines Künstlers, den man mag, downloaden zu dürfen, klingt in der Theorie verlockend und ist ganz bestimmt 30 Dollar wert.

Es ist nur leider so, dass mich das Angebot im letzten Jahr einfach nicht überzeugt hat – es ging stark los, mit kompletten Shows, tollen EPs usw. – inzwischen gibt es in der Regel immer zwei Songs pro Monat und das war’s. Doch nicht nur das, der ganze Downloadprozess ist a pain in the *ss: das Einloggen funktioniert selten beim ersten Mal, das Runterladen von zip-Archiven ist mühsam und für mich als (faulen) Nutzer viel zu pflegeintensiv. Dazu kommt, dass ich die letzten paar Monate schlichtweg vergessen hatte, dass ich ja mal wieder auf der Seite nach den zwei, drei Liedern schauen könnte – und dass ich im letzten Jahr dann doch eher die regulären Josh Rouse-Veröffentlichungen angehört habe und nicht den ganzen Bonuskrams.

Kurz und gut: Herrn Rouse mag ich auch weiterhin, und seine Ideen, Fans zu unterhalten, finde ich aller Ehren wert – nur ganz praktisch hat mich das einfach nicht überzeugt, was er da in Zeiten von Spotify, iTunes, Steereo, Livedownloads.com und Live Music Archive etc. als „Bedroom Classics Closet Archives“ anbietet.

siebenSACHEN vom 6. Mai 2009

Ich…

– verstehe jetzt, warum Six Feet Under so bejubelt wurde.
– finde es toll, dass Ben Harper wieder rockt, und zwar derbst.
– freue mich sehr über Stefans Erfolg vom letzten Montag.
– genieße es, das neue Buch von Benjamin Lebert zu lesen.
– nehme das Comeback von Howie Day erfreut zur Kenntnis.
– bin gespannt auf Banja Luka und Rijeka.
– habe mir einen neuen Fotoapparat gekauft.

newcamtest

Der letzte Schrei? Spotify.

spotify_logo

Vor fünf Jahren habe ich jedem einen Vogel gezeigt, der behauptete, ich würde schon bald ganz regulär mp3s kaufen, so wie ich damals ganz normal CDs kaufte. Mein eMusic-Abo habe ich inzwischen seit fast drei Jahren, bei iTunes bin ich auch Kunde, und über den Start von Amazon MP3 neulich war ich sehr erfreut. Vor einem Jahr noch habe ich jedem einen Vogel gezeigt, der behauptete, ich würde schon bald Flatrate-Musikmodelle nutzen und Musik nicht mehr besitzen, sondern stattdessen Geld für einen Zugang zu Musikdatenbanken bezahlen. Seit ein paar Tagen bin ich Kunde bei Spotify, für knapp zehn Euro im Monat kann ich hören, was ich will und kriege gar nicht mehr mit, dass sich die Musik nicht auf meiner Festplatte befindet.

Spotify schafft es, einen echt euphorisch werden zu lassen: all die gute Musik, für die bisher das Geld gefehlt hat, oder die nur halbinteressant war, aber eine Suche wert, all die Klassiker und alten Meister, all das Chartsgedöns, dass man sich nie kaufen würde, das man aber doch gelegentlich hören möchte – all das liefert mir Spotify, ohne Downloadzeiten, ohne lange Suche, ohne das Gefühl, etwas Illegales, Kriminelles zu tun; während ich dies tippe, höre ich Leonard Cohens „Live In London“-Platte – Musik, die ich gar nicht „besitze“, zu der ich jetzt aber einen „Zugang“ habe!

Ist das jetzt die Zukunft, der Weisheit letzter Schluss für das Musikbusiness? Keine Ahnung… sicher, mir fehlt bei Spotify so mancher (vorwiegend amerikanische) Act, klar, die fehlende Kompatibilität in Richtung iPod ist natürlich ein Manko, logisch, auch weiterhin werde ich CDs, Deluxeboxen, EPs usw. kaufen und mich nicht immer nur mit Streams und Accounts begnügen (können/wollen); ich merke allerdings, wie ich Musikfan (so möchte ich auch künftig betitelt werden, und nicht als „User“) immer stärker bereit bin, diese neuen Wege, an Musik zu kommen, anzunehmen – Spotify jedenfalls verblüfft mich und gibt mir als erstes Online-Musikangebot überhaupt das Gefühl, dass „da draußen“ jemand ist, der mich und meine Musikfan-Bedürfnisse versteht und erhört.