Neue Musik: Regina Spektor, Ben Harper, Wilco, Rachael Yamagata u.a.

Kurz vorm Monatsende hier mal wieder ein paar Kurzkritiken zu diversen Neuheiten in meinem Plattenschrank…

Ben Harper & Relentless 7 – White Lies For Dark Times (2009)
Kann ja bald nicht glauben, dass ich diese Platte hier noch nicht ausführlicher gelobt habe… Die Story zum Album kennt ja sicher mittlerweile jeder: Harper hat seinen Innocent Criminals Freigang gegönnt und die neue Band Relentless 7 um sich geschart. Mit der rockt er, dass es eine Freude ist – ein deutlicher Kontrast zu den schönen, aber schon recht betulichen Acoustic-Soul-Ausflügen auf „Lifetime“ und „Both Sides…“. „Lay Down & Hate Me“ und „Boots Like These“ waren der Soundtrack meiner Reise nach Bosnien und Kroatien, und insgesamt werde ich dieses tolle Album in diesem Sommer noch so einige Dutzend Male hören. Wunderbar.

Jack Penate – Everything Is New (2009)
Eher eine Zufallbekanntschaft, der Jack. „Everything Is New“ ist sein zweites Album, kam eben raus. Sein erstes Album kenne ich nicht, aber das Internet sagt, seine neue Platte wäre poppiger, mainstreamiger, bunter als die ältere. Auf mich wirkt sie leicht, aber nicht platt, kurzweilig, aber nicht dumm. Mal erinnert es mich an The Coral und Last Shadow Puppets, im nächsten Moment dann an Edwyn Collins und Pulp. Alles ziemlich britisch, mit ein paar echten Hits („Every Glance“, „Pull My Heart Away“) und ein paar Songs, die gerade langsam, aber sicher zu Lieblingsliedern mutieren („Body Down“, „So Near“).

Regina Spektor – Far (2009)
Endlich – das neue Regina Spektor-Album. Weiß nicht, wie oft ich seit 2006 „Begin To Hope“ und „Soviet Kitsch“ gehört habe. Damals habe ich Regina für mich entdeckt. Habe schonmal irgendwo geschrieben, dass Frau Spektor die erste Sängerin überhaupt ist, die mich mit ihrer Musik genau so heftig berührt wie Sinéad O’Connor, wenn auch auf ganz andere Weise. „Far“ ist wirklich rund, aber eine Platte, die nach und nach wächst. Hits wie „On The Radio“ oder „Hotel Song“ mögen vielleicht fehlen, die Intensität von Songs wie „Samson“ oder „Better“ erreicht sie aber dauernd. „Laughing With“, „Eet“, „Human Of The Year“, „Genius Next Door“ heißen die akustischen Zauberkunststücke, die ich seit ein paar Tagen rauf- und runterhöre. Diese Frau hat das Zeug, eine der ganz Großen zu werden.

Sometymes Why – Your Heart Is A Genius Machine (2009)
Inzwischen ziemlich typisch für mich, wie ich nun wieder diese drei selbsternannten Sirenen kennengelernt habe: von ihnen gehört und gelesen in der Juliausgabe des phänomenal guten „The Word“-Magazins aus England. Das Album dann bei Spotify gefunden und für ein paar Tage immer wieder gehört. Heute schließlich hab ich mir die mp3s bei eMusic besorgt. Die drei machen Folk, Blues, Pop – sehr minimalistisch, sehr hymnisch, sehr einnehmend. Besonders angetan haben mirs die Stücke „Joey“, „My Crazy“ und „Cold Feet Blues“. Ein bißchen wie Norah Jones, nur ohne Jones‘ seltsame Latte-Macchiato-Mainstream-Beliebigkeit.

Rachael Yamagata – Elephants… Teeth Sinking Into Heart (2008)
Ziemlich frauenlastig heute… Auch Rachael Yamagata hat eine neue Platte, bereits 2008 kam die raus. Die Frau, von der ich über Aaron Comess erfahren habe (er hat auf ihrem ersten Album Schlagzeug gespielt), und die mich dann fast schon verfolgt hat (z.B. war sie die weibliche Stimme auf Jason Mraz‘ „Did You Get My Message“). Diese 2-CD-Geschichte hier scheint eine Art Flucht vom Pop zu sein: aufgenommen mit Musikern aus dem Bright Eyes-Umfeld, sehr verschlossen anfangs, ungewohnt ruppig am Ende. Ich mag viele Sequenzen dieser Platte, zum Teil sogar sehr. Dieses Album komplett am Stück durchzuhören, habe ich allerdings bis jetzt noch nicht geschafft – dafür ist sie mir dann doch etwas zu „schwierig“.

Luke Winslow-King – Old/New Baby (2009)
Stinknormaler US-Singer-/Songwriter will auf neuer Platte alles anders machen. Dafür macht er statt stinknormalem US-Singer-/Songwriter-Zeugs eine Platte voll mit Bluegrass, Dixieland, klassischem Barjazz und Swing. Eine herrliche Hommage auf den Sound von New Orleans, und ein paar unglaublich gute Songs: das Gegenteil von stinknormal.

Wilco – Wilco (The Album) (2009)
Wilco höre ich im Grunde erst seit ein paar Wochen wirklich bewußt, auch wenn ich in den letzten zehn Jahren immer mal wieder was von Jeff Tweedy und Co. mitbekommen habe. Letzte Woche kam nun das neue Album „Wilco (The Album“) raus – mein erster Eindruck: es ist nicht so beliebig und gleichförmig wie „Sky Blue Sky“, einige Stücke finde ich sogar bemerkenswert gut (z.B. „Solitaire“ und „Country Disappeared“). Aber irgendwie will der Funke zwischen Wilco und mir auf Albumlänge nicht so recht überspringen. Ich mag, was ich höre, nur ach, ich höre nichts, was ich echt liebe. Das ist bei den älteren Platten so, und daran ändert „Wilco (The Album)“ auch nix. Wilco und ich bleiben aber Freunde.

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

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