Top 10 2006. Platz 4: John Popper Project featuring DJ Logic

Wenn ich meinen Mitmenschen nur adäquat die Magie dieser Musik nahebringen könnte… In Sachen Blues Traveler werde ich ja immer gerne zum Missionar. Ich bin mir der Tatsache völlig bewußt, dass John Popper und seine Band hierzulande geradezu sagenhaft unbekannt und unpopulär sind. Ich bin mir ebenfalls der Tatsache bewußt, dass es selbst in den USA eine Weile mächtig uncool war, Blues Traveler-Fan zu sein…

Das war mir bis jetzt immer egal, und das wird es auch bleiben. Dennoch erfüllt es mich mit enormer Genugtuung, dass Blues Traveler (in ihrem Heimatland) ein Jahr hinter sich haben, das so erfolgreich war wie seit 1994 kaum eines: ausverkaufte Hallen, Auftritte auf namhaften Festivals, Fernsehauftritte etc. Ja, die Zeit seit der Veröffentlichung von „Bastardos!“ (2005) ist wirklich eine gute für die Band. Sie haben einer endlich wieder immer größer werdenden Öffentlichkeit gezeigt, wie relevant sie für die Jambandszene nach wie vor sind, sie stellen immer wieder unter Beweis, dass sie in der Lage sind, großartige Songs zu schreiben, für die andere sich ganze Körperteile abhacken würden. Und live sind sie einfach eine Macht, das attestieren dieser Band selbst ihrer gemeinsten Kritiker.

Umso besser, dass Sänger und Frontmann in diesen guten Zeiten die Zeit fand, seinem John Popper Project featuring DJ Logic ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit zu verschaffen. Neben einer Handvoll Liveshows schaffte es das Project endlich, mal ein Album rauszubringen. Und das ist grandios.

Schon seltsam, was für einen unglaublich schlüssigen, aber dennoch unbekannten, fremden Soundkosmos dem Hörer eine Band eröffnen kann, die aus DJ, Drummer, Bassisten, Sänger & Mundharmonika-Spieler besteht. Das Project-Album ist pure Magie – verträumte Jams treffen auf knallharte, konkrete, unmißverständliche Beats. Flehende Lyrics und Gesangseskapaden paaren sich mit bestechenden, treibenden, zwingenden Grooves. Großartige Musiker spielen großartige, tanzbare Musik, die nicht nur in die Beine geht, sondern die auch noch Melodien mitbringt, die sich konsequent ins Hirn fräsen. Ihr Sidos und Bushidos dieser Welt: das hier, das ist die ganz hohe Schule der Coolness. Und sie ist – im Gegensatz zu vielem anderen – kein bißchen peinlich. I think I get what the children mean…

Um den Bogen zu schließen: einer Band wie Blues Traveler, die in diesem Jahr sensationelle Liveshows gespielt hat und mit einem Selbstbewußtsein auftritt, dass lange verdient ist und ebensolange vermißt wurde, und die es sich leisten kann, zwei Fünftel mal eben für ein Weltklasse-Sideproject auszuleihen, steht eine strahlende Zukunft bevor. Dessen bin ich mir spätestens jetzt absolut, absolut sicher.

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