Niels Frevert: In Wien…

Mal wieder ein Gastbeitrag von meinem geschätzen Freund und Kollegen Robby aka indigoo. Gastbeitrag? Ach was, der is ja auch zu Hause hier, irgendwie…

Ein Gewölbekeller unter einem U-Bahndamm in der Wiener Josefstadt. Es sieht ein bisschen aus wie ein miefig-schmuddeliger Probenraum, an den Wänden hängen Eierpappen, hier und da stehen ein paar alte Sessel und Couches rum, ein kleines Podest erhebt ein paar Kabel, Verstärker und Musikgeräte in die tabakschwangere, ofengewärmte Luft. Ein Bretterverschlag dient als Klo, ein umgekipptes Ölfass mimt die Kasse, da drüben in einer Nische fließt Bier vom Fass. Willkommen im ?Einbaumöbel?, willkommen ?in Wien.?

Niels Frevert spielt heute hier, unter der U-Bahn Linie 6. Hat sich als Support den befreundeten Lokalmatador ?Linger? mitgebracht, der diesen Abend mit schrägen Klängen eröffnet. Der bejubelt, beklatscht und auch ausgebuht wird, während irgendwann ein Hamburger Jung im Publikum erscheint. Braune Lederjacke, ein mehr als drei Tage alter Bart, sieht ein wenig verschlafen aus. Noch ein Bier aus grüner Dose, dann wird die Gitarre gestimmt, ein paar schüchterne Worte suchen das Publikum, stottern beinahe, beide Hände fahren durchs Haar, all das kennt man schon. Auch in Wien?

?Seltsam öffne mich? ist auch an diesem Abend der passende Opener, gewinnt das Publikum, bringt ersten Beifall. Bis zur zweiten Zugabe (Glückskeks) hört man alte und neuere Bekannte, Stücke von den beiden Soloalben. Die obligatorischen Lindenbergsongs fehlen genauso wenig wie die passenden Geschichten dazu. Hier und da ein Lachen, ein Satzabbruch, der Griff durch die Haare, der Griff zum Bier, man kennt das eben. Auch in Wien kriechen ?Wann kommst Du vorbei? und ?Du musst zuhause sein? ins Ohr, werden mehrstimmig, bleiben haften. ?Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs ? SIEBEN.?

So vergehen gut zwei Stunden (oder weniger?) grinsend, kopfnickend und fußklopfend, und auch der seltsam schöne Abend mit und von Niels Frevert, zum Teil ?mit geschlossenen Augen.? Irgendwo dazwischen, fast unbemerkt, hat sich in die gewohnt frevertschen Klänge auch ein neuer Song ins Set geschlichen ? ?Waschmaschine?. Dass dieser erst im kommenden Herbst als Konserve zu haben sein wird, bleibt das einzig Betrübliche an diesem zehnten November im herbstkühlen Wien. Der Verstärker brummt noch, als die Tür hinter dem ofenbeheizten Gewölbe ins Schloss fällt und einen Abend beschließt, der sich mehr als gelohnt hat.

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

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