Willy Porter – Available Light (2006)

Alle paar Jahre veröffentlicht Willy Porter Alben, die immer ganz typisch klingen, sich aber ob ihrer Vielseitigkeit ganz schlecht beschreiben lassen. Ja, was macht er da, der Porter? Pop, irgendwie. Mit einer ausdrücklichen Vorliebe für die akustische Gitarre, seinem Leib- und Mageninstrument. Mit viel Orgel, hier und da einer Slideguitar, unüberhörbaren Anleihen bei Rock und Blues – zeitlos, schön, makellos. Porter-Platten bohren keine Hooks in Dein Hirn oder sorgen dafür, dass sich Deine Welt ändert. Sie kommen auf leisen Sohlen, schleichen sich an, sind da, sind weit mehr als nur Teppich, aber drängeln sich so gar nicht in den Vordergrund.

Und so ist es auch bei Porters sechstem Album, bei Available Light. Eine fast schon schwebende, schöne, runde Platte mit zehn absolut durchdachten Tracks. Aber doch, da ist etwas anders als sonst. Die Beliebigkeit, an der manche Passagen der letzten Alben stellenweise krankten, ist – man konnte es schon auf dem wunderbaren Live-Album von 2003 ahnen – wieder gänzlich verschwunden. Das hier ist stärker, klarer und prägnanter als alles, was nach seinem „legendären“ „Hitalbum“ „Dog Eared Dream“ Mitte der Neunziger erschienen ist. Genau wie damals, als ich erstmals auf ihn gestoßen bin, fesselt Willy Porter von der ersten Sekunde bis zur letzten. „Still Doing Time“ muss als einer der schönsten Tracks des Jahres gewürdigt werden, der Titelsong „Available Light“ ist ein Volltreffer, die letzten beiden Tracks „One More September“ (ein gar nicht mal so kitschiger Song über Porters verstorbene Mutter) und „Where Are My Keys?“ (ein filigranes Instrumentalstück) sind dennoch genau die Höhepunkte, auf die das Album die ganze Zeit hin arbeitet.

Nix mit Stadion, großer Pose oder falscher Gänsehaut. Willy Porter zieht auch diesmal die stillen den lauten Tönen vor, er kann auch diesmal keinen Hit, keine „Hookline für die Ewigkeit“ vorlegen. Aber er hat sein stimmigstes, stringentestes, klanglich und künstlerisch brilliantestes Album seit elf Jahren veröffentlicht, und dazu kann man ihm nur gratulieren. Ein Album, das ohne größere Probleme zu einem meiner Lieblinge des anstehenden Herbstes werden dürfte. (9/10)

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