Ocean Colour Scene – Live Acoustic At The Jam House (2006)

Als wollten sie etwas wieder gut machen. Als fragten sie ganz subtil: Du, wollen wir wieder Freunde sein? Guck mal, was wir hier für Dich haben… Als wollte sich ein alter Freund für etwas entschuldigen, was Du ihm eh längst verziehen hast. Und du freust Dich trotzdem über sein „Sorry“.

Ocean Colour Scene melden sich zurück – mit einem Livealbum: Live Acoustic At The Jam House zeigt die Band um Simon Fowler und Steve Cradock in Bestform. Meine Lieblings-Früher-Hieß-Das-Mal-Britpop-Band spielt die ruhigeren Stücke aus ihrem Katalog, legt vier wunderbare neue Tracks obendrauf und sorgt für Glücksgefühle noch und nöcher. Hier ist mal ne Geige dabei, dort gar eine irische Flöte und anderes Pfeifengezeugs, meistens aber sind es Simon, Steve, Oscar und die beiden Neuzugänge Andy und Dan, die hier ein beseeltes, rundes Konzert spielen.

Auch, wenn ich ja nie wirklich richtig sauer war, spätestens jetzt ist aber der Ausrutscher mit „A Hyperactive Workout For The Flying Squad“, diesem, milde geschrieben, etwas konfusen Übergangs-Studioalbum aus dem vergangenen Jahr, endgültig vergeben. Hier stimmt nämlich wieder alles: die Songauswahl, die Performance, die sanften Arrangements, der mitreißende Gesang von Simon… Wunderbare Scheibe, großartige Momentaufnahme. Kitsch und große Emotionen in der genau richtigen Dosis.

Und ja, es gäbe durchaus ein paar Dinge zu bekritteln: mussten die paar nachträglichen Overdubs wirklich sein? Und warum ständig diese Applaus-Fade-Outs nach den Songs? Aber das ist dann plötzlich alles egal, wenn man sich zum ichweißnichtmehrwievielten Male neu an Stücken wie „Foxy’s Folk Faced“ oder „Beautiful Thing“ kaum satt hören kann. Oder mit „The Word“ und „Still Trying“ auf einmal zwei neue OCS-All-Time-Favourites in sein Herz schließt. Ja, sie können es nach wie vor, und sind so gut wie schon länger nicht mehr. Geil.

Wie gut, dass es dieses Album gibt. Wenn irgendwas gerade nicht passt im Leben. Einem irgendwas die Laune verhagelt oder man an allem zweifelt oder gar verzweifelt – dann, ja, genau dann ist „Live Acoustic At The Jam House“ die perfekte Platte. Denn nach dem Hören fühlt man sich plötzlich wieder verstanden, umarmt, angenommen: besser eben. Und wenn gerade alles gut und wunderbar ist, dann sorgt sie dafür, dass alles noch ein wenig besser und wunderbarer wird. (9/10)

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Autor: Daniel Heinze

radio guy, pr consultant, traveller, music enthusiast: 2% jazz & 98% funky stuff.

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