NP: Pohlmann – Zwischen Heimweh und Fernsucht (2006)

Da hört man irgendwann im März einen Song im Radio, der einen noch eine ganze Weile lang beschäftigt. Aber weil es tausend andere Sachen zu tun gibt, nimmt man sich nicht die Zeit, mal nachzuforschen, was das denn war. Das war ein Lied auf Deutsch, angenehme Stimme, schönes Arrangement, irgendwas über Cyborgs und so.
Da bekommt man, ein paar Wochen später nur, zum Geburtstag eine CD geschenkt von einem der wenigen Mutigen, die sich trauen, einem Musikdauerkonsumierer wie mir Musik zu schenken. Und der Mutige landet damit einen Volltreffer: Zwischen Heimweh und Fernsucht ist das Debütalbum des meines Wissens in Hamburg beheimateten Sängers und Songschreibers Ingo Pohlmann. Und der letzte Song auf dieser Platte? Richtig, das Lied mit den Cyborgs, aus dem Radio.

Aber schon lange davor jede Menge hörenswerte Stücke. Die Musik von diesem Herrn Pohlmann ist sanft, intensiv und direkt. Das ist ziemlich entspannter, unangestrengter Pop. Und mittendrin eine wirklich gute, markante Stimme, die mit ein paar glänzenden Lyrics und einer sehr guten Darbietung aufwartet. Produziert haben das ganze maßgeblich H-Blockx-Mastermind Henning Wehland und Ex-Selig-Gitarrist und Niels Frevert-Freund Christian Neander. Besonders Neanders Einfluß ist auf dieser Platte nicht zu überhören: ab und an erinnert Pohlmanns Album an ruhigere Selig-Momente, bisweilen klingt seine Stimme auch mal der des Herrn Frevert ein wenig ähnlich.

Klar, die offizielle Biographie von Mr. Pohlmann bemüht Vergleiche, die heutzutage ziemlich schick sind: Jack Johnson und Ben Harper zum Beispiel. Das ist ohne Frage übertrieben, beschreibt die Musik dann aber doch durchaus besser als manch andere verschwurbelte Formulierung. Ich versuch’s mal so: das ist durchaus konventionelle Popmusik, diese aber absolut geschmackssicher dargeboten, eingängig, unpeinlich in Text wie auch Musik und Darbietung. Persönlich, angenehm. Nicht jede Nummer ist ein Volltreffer, hier und da wirds auch mal etwas beliebig und austauschbar. Aber insgesamt ein leichter, aber deswegen noch lange nicht anspruchsloser Hörgenuß. Oder noch kürzer: Ey, Pohlmann! Coole Platte! Wann spielstn ma‘ in Leipzig? (7/10)

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

2 Kommentare zu „NP: Pohlmann – Zwischen Heimweh und Fernsucht (2006)“

  1. Da kommst Du mir wieder mal mit einer Künstler-Vorstellung voraus😉 Habe die CD auch schon hier liegen und werde wohl auch noch drüber schreiben.
    Aber Du hast es ziemlich gut getroffen, Pohlmann und seine Musik zu beschreiben.
    Aber „Cyborg“ lief bei Euch im Radio?!? Ich dachte sein bisher einziger Hit sei „Wenn jetzt Sommer Wär“?! Der Song ist in Hamburg, wo Pohlmann auch herkommt, schon ziemlich populär.
    Das erste Mal habe ich ihn als Vorband für Revolverheld in Hamburg gesehen und war ziemlich beeindruckt, besonders stimmlich echt gut. Bekannt geworden ist Pohlmann meines Wissens auch über die Hamburger „Lausch Lounge“. Schau doch mal dort, es gibt noch mehr interessante Hamburger Künstler.

    Gruß
    Christoph

  2. Hab Pohlmann im März als Support bei Xavier Rudd in Köln gesehen. Sehr sympathisch der Kerl und ganz nette Songs. Manchmal kam’s mir nur so vor als ob er zu wenig Text für zu viel Musik hat (er wiederholte sich textlich ziemlich oft). Aber dafür hat er das mit Textzeilen wie „morgen werde ich mein Bett schlachten“ wieder wettgemacht🙂.

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