NP: Eels (With Strings) – Live At Town Hall (2006)

Ich mag sie ja, die Eels. OK, früher mochte ich sie vielleicht noch ein bisschen mehr als heute, „Electro-Shock Blues“ und „Daisies Of The Galaxy“ waren klasse Platten. Das, was E so in den vergangenen Jahren veröffentlichte, so etwa von „Souljacker“ bis zum letztjährigen Doppelalbum „Blinking Lights And Other Revelations“ war immer fein und angenehm zu hören, und auch die diversen B-Seiten-Sammlungen und Liveplatten habe ich gemocht. Dennoch fehlte mir in der letzten Zeit immer ein wenig die Magie, die von den ersten drei Alben ausging.

Nie war da wirklich was schlecht, ach was. Klar waren das meistens gute bis sehr gute Songs, aber mich haben die letzten Eels-Platten nie so tief getroffen, wie ich es mir gewünscht hätte. Und so hatte ich mich eher gedämpft gefreut über die Veröffentlichung von Live at Town Hall, die Dokumentation eines Konzertes der 2005er „Eels With Strings“-Tour, die jetzt als DVD und CD vorliegt. Klar, ein Pflichtkauf. Mit ganz bestimmt schöner Musik. Eels halt.

Die DVD war ein paar Tage vor der CD da – und hat mich tatsächlich nicht vom Hocker gerissen. Diese bewusst auf krude gemachte Selbstdarstellung von E war mir ja schon immer ein wenig suspekt, die permanenten Wechsel von den Konzertschnipseln und Songs zu Backstage-, Proben- und Interviewfetzen wollen keine rechte Stimmung aufkommen lassen. Schöne Sache, insgesamt. Aber nichts, wofür ich wirklich brenne. Und dann kam die CD-Version. Ja, die muss man sich auch kaufen, weil da ja vier Songs drauf sind, die auf der DVD nicht dabei sind (dafür enthält die neun Stücke, die man nicht auf der CD findet – reichlich seltsame Politik).

Doch siehe da: die CD hat mich wirklich gepackt! Er hat’s endlich mal wieder geschafft, der alte Fuchs E. Ohne die lästigen Unterbrechungen kann man für eine gute Stunde eintauchen in seine Musik: die Streicher, nein, das ganze Eels-Kammerorchester, und die dargebotenen originellen Arrangements machen Laune; eine bittersüße Melancholie und dieser nur Eels-Platten vorbehaltener Witz herrschen vor. Höhepunkte sind für mich das Uraltstück „The Only Thing I Care About“ und das entzückende „Girl From The North Country“. Dieses Livealbum ist homogen, sensibel abgemischt, nicht zu lang oder zu kurz und birgt 22 Tracks, die einen gelungenen Querschnitt des Eels-Songrepertoires darstellen. „Live At Town Hall“ ist insgesamt das beste, was Mark Oliver Everett seit „Daisies Of The Galaxy“ verzapft hat – und diesen Satz bitte ich als großes Kompliment zu verstehen. (8/10 für die CD; 6/10 für die DVD)

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

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