Josh Rouse – Subtítulo (2006)

Draußen will sich ein mächtiger Frühlings-Platzregen Aufmerksamkeit verschaffen. Wird ihm aber nicht gelingen, wenigstens nicht jetzt und wenigstens nicht bei mir. Denn jetzt ist es für mich Zeit für eines der schönsten Rituale überhaupt: da war schließlich eine CD im Briefkasten, auf die ich schon lange gewartet habe. Und jetzt kann ich sie endlich hören. Für die nächste Zeit gibt’s also erstmal nur mich, die Stereoanlage, mein Sofa und die CD. Die neue von Josh Rouse, um genau zu sein.

Auf seinem sechsten Studioalbum nimmt der US-Songwriter die Hörer mit in seine neue Wahlheimat, nach Spanien – dort entstanden die meisten Songs von Subtítulo. Und er hat die Erwartungshaltung vor dieser akustischen Reise mächtig hoch geschraubt: die Vorgänger „1972“ und „Nashville“ waren beides Meisterwerke voller großartiger Lieder und bestechend feinsinnigen Arrangements. Nun waren beides keine dezidiert lauten Platten, ganz und gar nicht. Aber dass „Subtítulo“ auf derart leisen Sohlen daher kommt, das überrascht anfangs schon.

Spanien scheint dem Herrn Rouse äußerst gut zu tun – so ruhig, sanft und gelassen klang er bis jetzt noch nie. Sein neues Album ist eine absolut runde Sache geworden – da sind wieder diese sympathischen, klaren, filigranen Arrangements. Da sind wieder diese wunderbaren kleine Melodiebögen. Da ist wieder dieser mitunter leicht unsicher wirkende, scheue, aber zutiefst authentische Gesang. Schön zu hören, dass Josh nicht der allzu billigen Versuchung erliegt, einen auf spanische Folklore zu machen. Sicher, die Platte besitzt durchaus eine, na sagen wir mal, mediterrane Note, die „Nashville“ nicht hatte und die man auf der zwischendurch eingeschobenen „Bedroom Classics 2“-EP nur erahnen konnte. Aber die ist herzlich willkommen und passt ganz wunderbar zu Rouses Musik.

Ja, das ist die nächste großartige Josh Rouse-CD. Eine, die zart und still anfängt, in der Mitte eine Nuance lauter und launischer daherkommt und schließlich nach viel zu kurzen 33 Minuten genauso sanft-sehnsüchtig endet, wie sie begann. Kurze, kleine Geschichten und Momentaufnahmen, die große und eindrucksvolle Erinnerungen schaffen. War „Nashville“ sein Abschieds-Winter-Aufbruchs-Album, so ist „Subtítulo“ sein Neuanfangs-Sommer-Ankunfts-Werk. Beeindruckend, diese schon seit Jahren gleich bleibend hohe Qualität seiner Musik. Beeindruckend, dieses offenherzige Aneinerspannendenbiografieteilhabendürfen. Beeindruckend, dieser Mann. I think you’re wonderful, don’t change your way at all…

Ach ja, der Regen draußen. Hat sich verzogen. Hab ihn schließlich auch geflissentlich ignoriert. Und wahrscheinlich ganz nebenbei mit „Subítulo“ in die Flucht geschlagen. (10/10)

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

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