Van Morrison – Pay The Devil (2006)

Herzlich Willkommen zur jährlichen Rubrik „Die neue Van Morrison ist da“! Nach dem im Mai 2005 erschienenen „Magic Time“ legt der knurrige Ire jetzt schon wieder ein neues Album vor. Ein… – Trommelwirbel! – Countryalbum. Yiiiehaw!

Van Morrison goes Country? Hmpf. Beim letzten Mal ging das ja gehörig daneben – vor sechs Jahren wars, da veröffentliche der sonst so beseelte Kauz die Platte „You Win Again“. Ein Machwerk voller Duette mit der Sängerin und Pianistin Linda Gail Lewis. Bis auf ein paar lichte Momente war diese Scheibe damals ein Totalausfall. Da waren auch einige Country-Kamellen drauf, und die waren… naja… praktisch unhörbar. Umso besorgter war ich, als ich vor ein paar Wochen in einer Musikzeitschrift die Anzeige für Pay The Devil las. So heißt nämlich die neue CD von Mr. Morrison. Und sie solle nicht nur ein paar Ausflüge gen Country beinhalten, sondern – ein komplettes Countryalbum sein.

Tja. Der alte Mann überrascht einen immer wieder aufs Neue. Was gut und gerne ein ordentliches Debakel hätte werden können, das in Sachen cheesiness „You Win Again“ in den Schatten zu stellen vermochte, ist eine wirklich schöne Platte geworden! Auf „Pay The Devil“ jaulen die Violinen, jammert die Steel Guitar, knarzt das Honkytonk-Piano und – das kann man sich sogar anhören!! Sehr sorgsam hat sich Morrison einige Country-Klassiker rausgesucht, die gottlob nicht viel von dem verbrämten Top40-Landeicountry-Krams haben, der in den USA ja ungebrochen populär ist. Und obendrauf ein paar eigene Stücke geschrieben, die sich wunderbar mit den alten Originalen von Leuten wie Earl Carson, Hank Williams und Billy Wallace vertragen.

Das sind Songs über Arbeitslosigkeit, Alkohol, unerwiderte und erwiderte Liebe – das sind authentische Geschichten, das sind zum Teil echt grandiose Stücke. Gerade im hinteren Teil des Albums läuft Van zur Bestform auf – „What Am I Living For?“ fragt er, „More And More“ will er und wünscht sich in die Arme seiner Liebsten „Till I Gain Control Again“. Nach einer guten Dreiviertelstunde ist dann Schluß mit Country. Ziemlich genau an der richtigen Stelle, nämlich kurz bevor der Nashville-Sound zu nerven anfangen könnte – bei aller Faszination für die Art, wie Morrison das umsetzt, meine Lieblingsmusik wird Country sicherlich nie werden.

Dennoch: Respekt! „Pay The Devil“ ist eine runde Sache, Van Morrison hört man den Spaß an der ganzen Sache an, und man möchte kaum glauben, dass dieses Album irgendwo in Irland entstanden ist und nicht in Amerika. Schon verblüffend: was dieser Mann auch singt, es wird stets zu seiner ganz eigenen, unvergleichlichen Soul-Musik. Die einzige Künstlerin, die unterschiedliche Stile ähnlich souverän, glaubwürdig und herzlich meistert und sie sich tatsächlich zu Eigen macht, ist Vans Landsmännin Sinéad O’Connor. Muss am irischen Bier liegen. Oder am Whisky.

Da fällt mir ein: morgen ist St. Patrick’s Day. Na denn, cheers, Mr. Morrison. Und „You Win Again“ sei Dir hiermit endgültig verziehen. (6/10)

Advertisements

Autor: Daniel Heinze

radio guy, pr consultant, traveller, music enthusiast: 2% jazz & 98% funky stuff.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s