Spice – 69 Overdrive (2005)

Sie haben uns die Neunziger versüßt – mit ihrem dreisten, stets und ständig rollenden Funk, ihren Grooves, ihren unwiderstehlichen Hooklines. Sie waren live unschlagbar und helfen uns mit ihren Alben bis heute, auch die schlechteste Party irgendwie in Gang zu bringen. „Uns“, das sind nicht gerade wenige geschätzte Zeitgenossen im meinem Freundeskreis und ich. Und „sie“ – sind Spice. Oder besser: waren. Heimlich, still und leise lösten sich Spice irgendwann rund um die Jahrtausendwende auf, seit Jahren warteten die Fans auf ein Nachfolgealbum zu den beiden grandiosen Platten „Fred’s Bowling Center“ (1994) und „Vario Bel Air“ (1996). Vergeblich…

Vergeblich? Naja, wenigstens bis ins Jahr 2005. Denn da erschien – ebenso heimlich, still und leise, wie auch die Trennung vonstatten ging – 69 Overdrive, das definitiv letzte Album von Spice. Eigentlich sollte es schon 2001 in den Läden stehen, aber aus welchen Gründen auch immer, dauerte es weitere vier Jahre, bis es endlich rauskommen sollte. Da kommt es schon mal vor, dass man erst durch einen Freund Ende 2005 in einem Nebensatz darauf aufmerksam gemacht wird: Ach, übrigens, Spice haben ein neues Album draussen. Gar nicht mal schlecht…. Jetzt, im Februar 2006, läuft „69 Overdrive“ nun endlich auch in meiner Stereoanlage rauf und runter.

Gar nicht mal schlecht? Stimmt. Und ist untertrieben. Diese Platte ist klasse, funky wie sonstwas und entspannt zugleich. Ja, gefällt mir sogar besser als „Vario Bel Air“. Nein, kann den Jahrhundertwurf „Fred’s Bowling Center“ sicher nicht toppen. Aber wozu auch? Das Album macht Spaß – in seinen schwächsten Momenten erinnert es an Lenny Kravitz in seiner Post-Circus-Phase („Can’t Get Enough“), in seinen besten wippt man mit, ach was, bewegt sich heftigst, und schließt sie sofort wieder ins Herz, die Band, die einst den „Funkiest Body In Town“ besang und mit „Never Let You Down Again“ Gänsehaut machte („Mirror“, „Doin‘ It“). Nicht, dass sie jemals nicht Lieblinge waren – es ist aber alles nur leider so schrecklich lange her.

Umso schöner, nach all den Jahren diesen letzten Abschiedsgruß einer wirklich großen Band aus heimischen Gefilden hören zu dürfen. Einer Band, die eine Hammerkarriere verdient hätte. Die locker europaweit so etwas wie Superstars hätten sein können. Wenn alles ein bißchen anders gelaufen wäre für die Herrschaften. Something’s Out There Waiting For You… singt Martin Bettinghaus am Ende des Albums. Da will man sich für einen kurzen Moment eine kleine Träne aus dem Knopfloch wischen. Spice, macht’s gut. Und danke für den Fisch. Äh, Funk. (8/10)

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s