NP: Element Of Crime – Mittelpunkt der Welt (2005)

Zum ersten Mal trat diese Band in meiner Zeit als Pennäler in mein Leben. „Weißes Papier“ hieß das Album, mit dem Element Of Crime erstmals meine Aufmerksamkeit erlangten. Das war irgendwie unerhört. Und so seltsam. Grandiose Texte, die sich mit sanften, bisweilen gar ironischen Gitarrenläufen paaren, ein sanft tänzelndes Schlagzeug, die zwischen Texmex-Romantik und französischem Chanson lustwandelnde Trompete – zu Zeiten von Grunge und Eurodancetrash war der Sound von EoC eine wunderbare Alternative.

Keine Frage, sehr schnell erschloß ich mir die zurückliegenden Platten der Band – die paar englischen Alben (haben ebenfalls ihren Charme, besonders „Try To Be Mensch“), aber gerade auch „Damals hinterm Mond“, dem fast noch besseren Vorgänger von „Weißes Papier“. „Irre, warum bin ich nicht eher auf die gestoßen“, hab ich mich damals gefragt. Element Of Crime sind seither ein echter Begleiter geworden – so eine Art musikgewordener treuer Hund, der einem immer zur Seite steht. Das erstaunlich sanfte Timbre von „An einem Sonntag im April“ war Salz in eine Beziehungswunde; „Die schönen Rosen“, gekauft in Köln, kurz nach dem Abi, war der Soundtrack zum Ersten Semester. Auf der Tour zum vergleichsweise wilden „Psycho“-Album hab ich die Band erstmals live sehen dürfen, und „Romantik“ erinnert mich wohl mein Leben lang ans wunderbare Leben in einer musikverrückten Wohngemeinschaft.

Und jetzt? Jetzt führen mich Element Of Crime zum Mittelpunkt der Welt, so heißt die neue Platte. Mitten in einer schrecklich hektischen und unruhigen Zeit setzt dieses Album einen wohltuenden Kontrapunkt. Da ist sie wieder, diese melancholietrunkene Lyrik von Sven Regener, diese lakonische Musik, diese dauerngrinsende Sehnsucht. Ob „Mittelpunkt der Welt“ besser oder schlechter ist als die alten Alben? Was weiß ich?! Das ist unüberhörbar EoC, vielleicht ein wenig „trockener“, sparsamer als zuletzt. Aber unverändert gut, unverändert schön, unverändert hilfreich. Musik, die den Hörer erdet und gleichzeitig entführt und schweben lässt.

Hier müssten jetzt die üblichen Element-Assoziationen kommen: Rotwein, Herbst, Hängematte… Aber die wurden (zu Recht) schon bei so vielen anderen aufgeführt. Ich gönn‘ mir, in Ermangelung besserer Bilder (ja, ich bin gerade müde und will eigentlich nur noch die Platte zu Ende hören und dann ins Bett) das vom „Fels in der Brandung“. Genau das sind EoC für die hiesige Musiklandschaft nämlich: unkaputtbar, unverzichtbar, unverbesserlich. Ein tolles Album – ohne Wenn und Aber. „Sag, dass ich bekloppt bin, aber sag nicht, ich hätt Euch nicht gewarnt…“ (10/10)

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Musik

Eine Antwort zu “NP: Element Of Crime – Mittelpunkt der Welt (2005)

  1. Die Mucke ist sehr fein. Bisher hat mich die Stimme von Herrn Lehmann – pardon, Herrn Regener daran gehindert EOC zu erwerben. Vielleicht leih ich mir mal eine Platte aus und versuche eine sanfte Desensibilisierung.

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