Kyle Riabko – Before I Speak (2005)

Siebzehn. Der Knabe ist gerade mal siebzehn Jahre alt. Legt aber mit Before I Speak ein Album vor, das locker von einem zehn oder auch zwanzig Jahre älteren Zeitgenossen stammen könnte. Der Kanadier Kyle Riabko bewegt sich zwischen Funk, Pop und Rock und fabriziert das, was Radioleute in Amerika gemeinhin als „Adult Alternative“ kategorisieren. Seine Musik kommt derart souverän, leicht und meisterlich daher, dass es eine Freude ist, zuzuhören.

Klar, mit seinen Texten versucht Kyle Riabko nicht, die Welt zu retten oder durch tiefe Philosophierereien zu glänzen; da gehts um erste Liebe (Do You Right), ersten Sex (Miss Behavin‘), um gute und schlechte Freunde (Teach Me), die zweite Liebe (Chemistry) und so weiter – aber das wirkt aufrichtig, echt und glaubwürdig. Vorgetragen von einer unverschämt souligen, desöfteren regelrecht sexy daherkommenden Stimme in einem perfekten musikalischen Umfeld.

Diese Perfektion wird Kyle Riabkos Debüt leider dann und wann zum Verhängnis: glänzen die ersten Tracks noch durch originelle Einschübe, kleine jazzige Eskapaden und hübsche Wendungen, so wird „Before I Speak“ gegen Ende ein wenig zu gleichförmig. Liegts an der prinzipiell grandiosen, bisweilen aber arg klinischen Produktion von Matt Wallace (Maroon 5, Faith No More, Spin Doctors)? Oder an den dann doch noch nicht im Übermaß vorhandenen Songideen des spielenden und singenden Ausnahme-Teenagers? Oder doch nur daran, dass 15 Songs (16 mit Hidden Track) vielleicht einfach ein paar Tracks zu viel waren?

Egal – selbst in den schlechteren Momenten musiziert hier einer auf höchsten Niveau, und es wäre ungerecht, über diese Platte mehr Schlechtes als Gutes zu schreiben. Nein, das sei hier nochmal betont: „Before I Speak“ ist toll, und das nicht nur für so einen jungen Herrn – so mancher alteingesessene Musiker würde sich danach sehnen, eine solche CD einzuspielen. Titel wie „Half As Much“, „Miss Behavin“ oder der zu unrecht ans hinterletzte Ende der Scheibe verbannte Hidden Track sind grandiose Tracks, dieser Kerl ist funky, ein talentierter Gitarrist und ein beneidenswert guter Sänger (mal glaubt man, Prince zu hören, mal erinnert er einen an den Sänger der Getaway People). Dieser Typ wird den jungen Damen Amerikas ob seines Aussehens den Kopf verdrehen, und hoffentlich dennoch von vielen, vielen Musikliebhabern Zustimmung und Wohlwollen ob seiner unbestreitbaren künstlerischen Fähigkeiten ernten.

Für die Zukunft vielleicht dieser eine Wunsch: Kyle, Du bist 17. Etwas weniger Hochglanz, ein paar mehr Ecken und Kanten – dann wärs noch besser, noch glaubwürdiger, noch cooler. Your name is Kyle and you are funky. Das wird schon. (7/10)

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

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