Damien Dempsey – Shots (2005)

Damien Dempsey ist, mit Verlaub, eine coole Sau. Es gibt derzeit nur wenige Songwriter in Europa, die derart ehrliche, leidenschaftliche und aufrichtige Musik darbieten. In seiner Heimat Irland ist er inzwischen ein Star, und wer Damien schon einmal live erlebt hat, weiß, wie ernst dieser Mann seine Sache nimmt und – wie gut er sie macht.

Mit seinem Debüt „They Don’t Teach This Shit In School“ fand der rothaarige Musiker im Jahr 2000 erste Beachtung – neu und originell war seine Mischung aus traditionellem irischen Storytelling und Einflüssen von Rap und Reggae, ganz zu schweigen von dieser berauschenden Stimme. Im Jahr 2003 schließlich sollte aus dem up-and-coming act ein etablierter und von Musikerkollegen auf der grünen Insel geradezu euphorisch verehrter Künstler werden. Schuld daran war „Seize The Day“, Dempseys zweites Album und das erste unter der Ägide von Produzent John Reynolds. Mit Stücken wie „Negative Vibes“, „Ghost Of Overdoses“ oder „Apple Of My Eye“ bewies der Sänger, dass nicht nur die „alte Garde“ der irischen Songschreiber (Christy Moore, Van Morrison etc.) etwas zu sagen hat, sondern auch die jüngere Generation. Wer „Seize The Day“ nicht kennt, sollte das schleunigst ändern – ein großes Album, dem – wenigstens in Irland und England – auch die verdiente Beachtung zuteil wurde.

Jetzt also „Shots“, das dritte Album von Mr. Dempsey. Musikalisch geht es genau dort weiter, wo „Seize The Day“ aufhörte: eingängige, bisweilen hymnische Arrangements, große Melodien, leidenschaftlicher Gesang und fesselnde Texte über das Leben in Irland und überhaupt. Einmal mehr hat John Reynolds an den Reglern gezaubert und mit seinem unverwechselbaren Schlagzeugspiel dem Album seinen Stempel aufgedrückt. Auch die Tatsache, dass viele Musiker, die auch schon bei „Seize the Day“ dabei waren, wieder im Boot sind, erlaubt ein sofortiges Wiedereintauchen in den Demsey’schen Musikkosmos. „Not On Your Own Tonight“, „Colony“ oder „Patience“ heißen einige der tollsten neuen Stücke und beweisen aufs Neue, dass Damien sein Handwerk versteht und liebt. Schön auch, dass mit Titeln wie „Party On“ und „Cursed With A Brain“ auch ein paar Songs auf dem Album vertreten sind, die schon lange zum Live-Repertoire des bezaubernden Iren gehören.

Kaum ist „Spraypaint Backalley“, das letzte Stück auf „Shots“, verklungen, drückt man wie hypnotisiert noch einmal auf „Play“ und hört sich die ganze Scheibe nochmal und nochmal an. Gut möglich, dass „Shots“ nicht ganz die Dichte und Intensität von „Seize The Day“ erreicht. Nichtsdestotrotz ist Dempseys drittes Album ein kleines Meisterwerk, vollgepackt mit Geschichten, die unbedingt erzählt werden mussten und Gefühlen, wie sie direkter und unverblümter kaum sein könnten. Das hier ist kein altbackenes Folkgegniedel, sondern zeitgemäße Popmusik eines Genies, das sich seiner irischen Wurzeln bewußt ist und immer wieder gern und erfolgreich mit musikalischen Zitaten und Anleihen anderer Kulturen flirtet.

Und auf meine ganz persönliche To-Do-Liste setze ich hiermit ganz oben folgende Notiz: Damien wieder live sehen. Das letzte Mal ist nämlich schon viel zu lange her.

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