Mixtape 11: Sommer ohne Urlaub

Wenn mir schon kein Sommerurlaub 2005 vergönnt ist, so wenigstens dieses Mixtape. Ja, leider kann ich in diesem Jahr nicht die spanischen Strände, die italienische Küche oder den französischen Charme genießen wie in den vergangenen fünf Jahren. Job, Geld, Zeit, Gelegenheit heißen die zentralen Faktoren, die das in diesen Monaten erstmal vereiteln. Jedoch weigere ich mich, deswegen Trübsal zu blasen. Dann bleib ich eben in Leipzig und höre und mache Musik, so laut und schön ich kann. Und merke jeden Tag auf Neue: hey – sooo schlecht ist er gar nicht, der Sommer 2005. Viel Spaß mit meinem neusten Mixtape!

01 Ocean Colour Scene – My Time
Dieses Sommertape beginnt ganz gefühlvoll und entspannt, mit einem der besten Tracks des durchwachsenen 2005er Ocean Colour Scene-Albums „A Hyperactive Workout For The Flying Squad“. Ganz leichte Reggae-Ansätze und ein gewisses Jack Johnson-Flair zeichnen dieses Stück aus. Und hier singt erstmals nicht OCS-Frontmann Simon, sondern Schlagzeuger Oscar.

02 EMF – Unbelievable
Im Sommer will man tanzen, sich bewegen und was weiß ich – dieser Song eignet sich ganz hervorragend dafür. EMFs „Unbelievable“ war Anfang der Neunziger ein Megahit und ist bis heute ein saucooles Stück Musik. Zwei Erinnerungen verbinde ich mit „Unbelievable“: zum einen natürlich die Zeit, als dieser Song in den Charts war: Irgendwie schien alles möglich, wir träumten in den Tag und fühlten uns wie Könige. Beruhigend, dass sich soo viel dann doch nicht geändert hat. Zum anderen erinnere ich mich an den 9. November 2002 – ich durfte Sinéad O’Connor im Londoner Sheperd’s Bush Empire erleben. Nach einer atemberaubenden Show gabs für das verbliebene Publikum noch Musik vom Band. Und siehe da – die Konzertbesucher blieben, und Scheiße ja, wir tanzten wie die Blöden zu „Unbelievable“. Good times.

03 Saul Zonana – Chasing It
Vor Saul Zonana habe ich einen Riesenrespekt. Der Typ schmeißt mit schöner Beständigkeit eine coole Platte nach der nächsten auf den Markt, konnte aber bis heute keinen Major-Plattenvertrag einheimsen. Schade eigentlich, denn seine Musik ist melodieselig, ehrlich und absolut geschmackssicher produziert. „Chasing It“ stammt von seinem aktuellen Album „42 Days“.

04 Ben Folds – Late
In Sachen Ben Folds habe ich in der letzten Zeit weiß Gott ausreichend mit Superlativen um mich geschmissen – und das absolut zu Recht. „Songs For Silverman“ gehört mit zum Besten, was bislang im Jahr 2005 veröffentlicht wurde. „Late“, diese wunderschöne Hommage an den 2003 verstorbenen Elliot Smith, kommt seltsam lakonisch daher. Und ist doch zum Heulen schön.

05 Eva – Home
Sehr viel weiß ich nicht über „Eva“. Nur, dass sie irgendwie aus Deutschland kommen muss und vor ein paar Monden ein ganz beeindruckendes Album namens „Imported“ eingespielt hat. Genau von dieser CD stammt „Home“, eine schöne kleine Ballade, die zum Ende hin immer intensiver wird.

06 Amfibian – Lambertville
Hinter Amfibian steckt vor allen Dingen Tom Marshall, der Texter der inzwischen aufgelösten Jamband Phish. Seine Texte waren schon immer sehr eigen und schön. „Lambertville“ ist ein kleiner, unauffälliger, aber auf alle Fälle liebenswerter Song, den der sonst stets stumme Marshall auch sehr charmant singt. Dass das Stück mächtig nach Phish klingt, liegt sicher nicht zuletzt daran, dass Phish-Sänger Trey Anastasio für diesen Marshall-Text die Musik schrieb. „I’ll see you tonight in Lambertville…“

07 Spin Doctors – Can’t Kick The Habit
Nie, nie, nie hätte ich vor zwei oder drei Jahren auch nur im entferntesten daran gedacht, dass diese Band mich im Sommer 2005 mit einer Hammerballade namens „Can’t Kick The Habit“ beglücken würde. Die original Spin Doctors! Mit einer Single! Im Jahr 2005! Es ist schon schizophren – die Nummer klingt einerseits so gar nicht nach Spin Doctors. Andererseits hat sie all das, was ich an Songs dieser Band liebe: eine Mörder-Hookline, ein punktgenaues, effektives Spiel (huch, das klingt ja jetzt fast wie beim Fußball) und diesen leidenschaftlichen, unvergleichlichen Gesang. Meine Lieblingsband ist zurück, ohne Wenn und Aber. Diesen Satz kann und will ich gar nicht oft genug schreiben!!

08 Deanna Kirk – I Want It Now
Deanna Kirk kann man grundsätzlich guten Gewissens mit Damen wie Norah Jones vergleichen. Besonders das 2002er Album „Beautiway“ schlägt deutlich in dieselbe Kerbe. „I Want It Now“ ist eine etwas flottere Nummer aus Deannas zweitem Album aus dem Jahr 1998. Mit dabei: die D-Bop Horns alias Todd Horton und Erik Lawrence. Fantastisch. Funky. Aggressiv. Aber nicht zu doll. Kurz und gut: Geil.

09 Dave Matthews Band – Trouble With You
Jedes neue DMB-Album sorgt bei Fans und Kritikern für leidenschaftliche Diskussionen. So auch „Stand Up“, das im Mai erschienen ist. Mir gefällts ja ausgezeichnet, auch wenn um mich rum ganz viele DMB-Freunde diese Platte nur mit Kopfschütteln und Verwunderung goutieren. Ich finde, „Stand Up“ ist ein mutiger Schritt nach vorn und enthält eine ganze Reihe echter Songperlen. Dennoch ist es mir unverständlich, warum es das süße „Trouble With You“ nicht aufs Album geschafft hat, sondern sein Dasein als B-Seite auf der Fürvorbestelleronly-Bonus-CD fristet.

10 The Contes – Bleed Together
Die Conte-Brüder haben mit „Bleed Together“ ein mitunter schräges, allgemein aber beachtliches und schönes Album hingelegt. Der Titelsong kommt soulig und entspannt daher, der Rest der kurzweiligen CD hat aber auch Power-Pop-Stücke und klassische Songwriter-Titel in petto. Sehr empfehlenswert!

11 Robert Cray – Poor Johnny
Er spielt und spielt und spielt… Klar, von Robert Cray erwartet inzwischen keiner mehr irgendwelche revolutionären, trendsetzenden Songs. Der Mann spielt seit fast 30 Jahren seine ganz eigene Mischung aus Blues und Soul. Und, ehrlich gesagt, ringt mir das jede Menge Respekt ab. Derart zeitgeistresistent kommt momentan nur noch Van Morrison daher. Aber der ist später dran. Jetzt erstmal der Opener aus Crays aktuellem Album „Twenty“. Zeitlos. Und: gut!

12 Mon)tag – Ich Du Er Sie Es
Bislang der einzige deutschsprachige Song, der mit Fug und Recht den Titel „Sommerhit 2005“ verdient. Vom neuen Album „Sender“.

13 Gavin DeGraw – Chariot
Gavin DeGraw, der Sänger mit dem Maroon-5-Timbre, ist derzeit ein echter Hype in den USA und Kanada. Hierzulande kann aber noch lange nicht von einem „Durchbruch“ die Rede sein. Ist ja letztlich auch egal. „Chariot“ ist ein tolles Album, und der Titelsong ein feines Stück Musik. Einer von diesen Künstlern, denen ich alles, alles Gute und ein treues Publikum wünsche. So, wie vor drei, vier Jahren John Mayer und Howie Day.

14 Van Morrison – Just Like Greta
Siehe Robert Cray. Mehr oder weniger. In Sachen Beständigkeit und Zeitlosigkeit übertrumpft Morrison Cray natürlich nochmal um Längen. Der alte Mann hat mit „Magic Time“ in diesem Jahr ein gutes, wenngleich nicht spektakuläres Album abgeliefert. Aber um Spektakel gehts ja auch gar nicht, siehe oben. „Just Like Greta“ ist, wie der Titel schon vermuten läßt, eine verschrobene Hommage an Frau Garbo.

15 Chris Belden – It Could Happen To You
Schauspieler, Künstler, Kabarettist und – Sänger. Chris Beldens „Songs About Anything“, so der Name der CD, überraschen, bringen Dich zum Lachen und zum Überdieweltsinnieren. „It Could Happen To You“ ist eines meiner Lieblingsstücke seines Albums und ich hoffe inständig, dass „Songs About Everything“ nicht der einzige Ausflug Beldens in Musikgefilde bleiben wird.

16 Daniel Heinze – Ich würd so gern in Dir lesen
Hmmm… Eigenwerbung gefällig? Dann einfach ein wenig herunterscrollen und alles über „Gewinner“, mein neues Album, lesen. Ich fand, das Stück passt an dieser Stelle ganz hervorragend. Und da das hier ja eine Sommer-2005-CD ist, und die CD am Mittwoch erst erschienen ist, ist so ein shameless plug doch mal gestattet, oder? Alsdenn: ich habe eine CD! Anhören! Kaufen! Jetzt!🙂

17 Deena Goodman – Your Rock
Deena Goodmans e-Mails sind mindestens ebenso liebenswürdig wie ihre Songs: kurz, bündig, herzlich. Die Sängerin aus New York kann ich jetzt mal ganz ohne Angeberei als Geheimtipp verkaufen: ihre erste EP „Hard To Get To“ ist erst vor kurzem erschienen (im Eigenvertrieb) und besticht durch prägnante, humorvolle Songs mit Country- und Funkeinflüssen. Auf der EP arbeitet sie u.a. mit Musikern der legendären, doch leider völlig unterschätzten Getaway People und mit Chris Barron von den Spin Doctors zusammen. Das Ergebnis kann sich hören lassen – ein schönes, doch leider viel zu kurzes Debüt, über das ich in den nächsten Tagen unbedingt noch mehr schreiben muss.

18 Palestar – #1069

Für mich DIE Entdeckung des Jahres: Palestar, eine Band aus Leipzig, präsentieren epischen, großformatigen Rock, der hier und da an Radiohead und Muse erinnert. Auch, wenn das neue Album „Mind The Landscapes“ nicht von vorne bis hinten die gleiche Intensität besitzt wie die Liveauftritte der Band, so gehört es doch ohne Zweifel zu den beachtlichsten Veröffentlichungen des nicht mehr ganz so jungen Jahres 2005. Zu „#1069“ selbst möchte ich gar nicht viel schreiben. Nur das: dieser Song ist ganz, ganz, ganz groß.

19 Rene Lopez – All The Stars
Ich merke gerade, wie sehr ich im Weblog-Rückstand bin: auch über „One Man’s Year“, die neue CD vom Ex-The Authority-Sänger Rene Lopez, hätte ich schon längst eine Lobesrede schreiben müssen. Geiles Album mit elf hymnischen Songs, eine Schande, dass noch kein Major auf Herrn Lopez aufmerksam geworden ist. „All The Stars“ ist einer meiner Sommerhits des Jahres.

20 Howie Day – Collide (live)
Da schreib ich gar nicht viel. Howie. Day. Collide. Live. Die. Sexieste. Männerstimme. Around. Live. Mit. Band. Sommer. Punkt. Aus. Schluß.

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

1 Kommentar zu „Mixtape 11: Sommer ohne Urlaub“

  1. Hier mal etwas anderes zum Thema Urlaub – Ein Gedicht gegen die Flugangst

    Höhenflug von Peter Voß

    Endlich, der Flieger schwebt
    und hebt sich über alles,
    hebt mich wie einen Sieger
    hoch hinaus, als käme
    es nie zum Fall des Falles.

    Mir ist so leicht, als lähme
    mich nicht die Erdenschwere,
    die alles runterdrückt,
    und nicht die Weltraumleere,
    die schluckt, was lebt und glückt.

    Mir ist so leicht, als wäre,
    was ich zu sein begehre,
    aus blauem Dunst gewebt.

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