Sinéad O'Connor – Collaborations (2005)

Das wurde aber auch Zeit: endlich ist mal ein halbwegs repräsentativer Überblick über die Zusammenarbeiten der Sinéad O’Connor mit anderen Acts, Produzenten und Projekten erschienen. EMI hat das eigentlich so nahe liegende endlich umgesetzt, und in dieser Woche Collaborations auf den Markt geworfen. Mit 17 Tracks und knapp 80 Minuten Spielzeit ist die CD rappelvoll mit guter Musik aus fast sechzehn Jahren: da gibts ein Wiederhören mit den brillianten Ghostland („Guide Me God“), Jah Wobble, The The und U2 – sie alle haben in der Vergangenheit mit der streitbaren Irin kooperiert, zum Teil mit ganz fantastischen Ergebnissen. Natürlich werden auch Sinéads Arbeiten mit Peter Gabriel („Blood Of Eden“) und Moby („Harbour“) gewürdigt, ebenso wie die mit den irischen Indiepoppern Aslan oder auch Tim Simenon, einem größeren Publikum bekannt geworden durch die Produktion des Depeche Mode-Albums „Ultra“, der Mitte der neunziger Jahre Sinéad für einen Song in sein Bomb The Bass-Projekt integrierte.

Warum all dieses Namedropping? Nun, die „Collaborations“ sind eine absolut notwendige und richtige Veröffentlichung – schon zu Beginn ihrer Karriere in den späten Achtzigern waren es häufig die von der breiteren Musiköffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommenen guest appearances und features, die genauer und besser Auskunft über die künstlerischen Qualitäten der Sängerin gaben als die eigentlichen O’Connor-Alben. Zahlreiche Künstler vertrauten darauf, dass Sinéads markante Stimme ihren Produktionen das „gewisse Etwas“ verleihen würde, etliche Produzenten erkannten das Potential der Sängerin. Insofern ist mit dieser neuen CD eine stringentere, schlüssigere und repräsentativere Werkschau gelungen als mit der recht hektisch zusammengefrickelten Doppel-CD „She Who Dwells…“ aus dem Jahr 2003.

Für eingeschworene Fans der Sinéad O’Connor, zu denen sich der Autor dieser Zeilen zählt, mag „Collaborations“ nichts wirklich Neues oder gar „Unerhörtes“ bringen. Manche werden sich gar aufregen über die Überschneidungen mit früheren Alben („Empire“ mit Bomb The Bass erschien bereits auf dem 1997-Best Of der Irin, „1000 Mirrors“ mit Asian Dub Foundation auf der eben erwähnten 2003er Doppel-CD); einzig das fast schon antike „Monkey In Winter“ (1987, mit Terry Halls Band „The Colourfield“, hier erstmals überhaupt auf CD erhältlich) besitzt für diese recht kleine Zielgruppe echten Seltenheitswert.

Alle anderen aber bekommen hier eine Compilation angeboten, die wirklich eindrucksvoll belegt, was für eine talentierte, wandlungsfähige, stilsichere, ja spektakuläre Künstlerin Sinéad O’Connor ist. Einen Sampler, der trotz des mitunter gewagten Stilmixes eine erstaunliche und angenehm durchhörbare Einheit bildet. Und – eine Sammlung, die nach einer Fortsetzung förmlich schreit. Denn da gibt es noch so einige Schätze aus dem Archiv, die es ebenfalls verdient hätten, zurück ans Tageslicht gehoben zu werden: ihre Arbeiten mit Christy Moore und Luka Bloom etwa, atemberaubende Kooperationen mit James (der UK-Band), Willie Nelson, Natacha Atlas, den Chieftains oder Rick Wright und und und… Ausreichend Stoff für „Collaborations Vol. 2 – 5“ quasi. Aber eins nach dem anderen. Für den Moment sei erstmal diese CD hier wärmstens empfohlen.

Discographie: The Lion And The Cobra (1987, 7/10); The Value Of Ignorance (1988, 7/10); I Do Not Want What I Haven’t Got (1990, 8/10); Am I Not Your Girl (1992, 7/10); Universal Mother (1994; 10/10), Gospel Oak (1997, 9/10), So Far – The Best Of (1997, 6/10); Faith And Courage (2000; 8/10); Sean-Nos Nua (2002, 7/10); Goodnight Thank You You’ve Been A Lovely Audience (2003, 10/10); She Who Dwells In The Secret Place Of The High Shall Abide Under The Shadow Of The Almighty (2003, 7/10); Collaborations (2005, 9/10).

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

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