Mon)tag – Sender (2005)

Keine leichte Aufgabe, die Mon)tag in den letzten Monaten zu meistern hatten: da war ihr sensationelles Debütalbum aus dem Jahr 2003, ein Popalbum, in seiner Verträumtheit, seinem liebenswerten Pathos und mit seinen Killerarrangements geradezu einzigartig und uneinholbar gut. Diese unverschämt einleuchtende und dennoch ungewohnte, neuartige Melange aus britisch anmutendem Gitarrenpop, poetischen Texten und Selbstbewußtsein, die den Hörer atem- und sprachlos zurückließ. Nachdem sich die Band also selbst die Meßlatte unglaublich hoch gesetzt hatte, war es nun Zeit für das Album Nummer zwei. Auf „Gefallen“ folgt nun „Sender“.

„Sender“ ist anders und dann auch wieder nicht. Ohne Zweifel, die Platte ist lauter, direkter, aggressiver als „Gefallen“, statt verträumter Streicherintermezzi gibts hier fette Gitarren, wummernde Bässe und straighte, treibende Drums. Nach wie vor aber haben Mon)tag dieses unvergleichliche Gespür für, man erlaube den saloppen Jargon, geile Melodien und große Gesten. Schon der Opener „Für Bitte“ besticht durch seine originellen Harmonien und das ausufernde, den Atem kurz stocken lassende Arrangement. Ähnlich gehts weiter – „Wie der Tag bricht“ ist funky und enthält das coolste Querflötensolo in einem Rocksong seit 1992, „Du auch“ ist eine fast siebenminütige, mächtige Ballade, „Tut leid“ ein Rocker, wie man ihn sonst aus der Feder von Leuten wie Craig Ross oder Lenny Kravitz kennt, „Daniel“ ist – trotz reichlich kryptischem Text – forscher, fast schon rotziger Rock’n’Roll.

Überhaupt, die Texte – noch verschlüsselter, unzugänglicher und somit herausfordernder als auf „Gefallen“. Das könnte den einen oder anderen Hörer unter Umständen vor den Kopf stoßen… Mir gefällt’s, laden doch gerade Texte, die nicht ad hoc dekodierbar sind, zu mehrfachem und intensivem Hören ein. Erstaunlich ist, dass diese kunstvollen, bisweilen recht verschwurbelten (gibt es dieses Wort überhaupt?) Lyrics so gut zur unmittelbaren, klaren Musik passen – Kompliment. Und doch hält „Sender“ aber auch fast schon schlagereske Gutelaunenummern wie „Ich Du Er Sie Es“ oder geradeaus rockende Tracks wie „Wir geben nicht auf“ parat, von einem verkopften Diskursalbum kann also gottlob auch nicht die Rede sein.

Mit „Sender“ demonstrieren Mon)tag jetzt auf Platte, was man schon bei ihren Liveshows erleben konnte: diese Band ist einfach mehr Rock’nRoll, als „Gefallen“ erahnen ließ. Diese Band spannt einen hierzulande momentan einzigartigen Bogen: Melancholie, bittersüße Paranoia, vehemente, fordernde Gitarren und hier und da ein verschmitztes, wissendes Lächeln; treibende Grooves einerseits, Stillstand, Verweilen im Moment auf der anderen Seite. „Sender“ ist rundum gelungen und hat das Zeug dazu, Dich zu verzaubern. Wenn Du Dich darauf einläßt – denn eines ist dieses Album sicher nicht: leichte Kost.

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

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