Jack Johnson – In Between Dreams (2005)

Da rauscht es wieder, das Meer. Da rumpelt es wieder entspannt vor sich her, das Schlagzeug. Da sind wieder diese zickigen, kleinen Gitarrenlicks, die versponnen, aber dennoch souverän durch die einzelnen Songs geleiten. Und da ist natürlich wieder diese Stimme, die die dunklen Vokale so unnachahmlich lang zieht, dieser tongewordene Gleichmut, diese sonnendurchflutete Lockerheit. Kurz und gut: es gibt so überhaupt nichts Neues zu vermelden, wenn es um das aktuelle Album von Jack Johnson geht.

Und das ist eigentlich keine schlechte Sache. „In Between Dreams“, der dritte Longplayer des singenden Surfers (hat der sich diese Bezeichnung eigentlich irgendwo rechtlich schützen lassen? Wenn nicht, dann aber schnell machen!), liefert genau das, was man inzwischen von Herrn Johnson kennt und prinzipiell auch sehr mag. Sicher, hier und da gibt es ein paar clevere neue Nuancen, mal sind die Grooves einen Zacken vertrackter als man das gewohnt ist, mal lassen die Melodieführungen aufhorchen, weil sie vergleichsweise Johnson-untypisch anmuten. Alles in allem strahlt auf diesen Songs die Sonne noch ein bißchen mehr als auf den Vorgängern, ist alles noch „easier“ und „relaxter„.

Das „Aber“: Bei aller Schönheit, Gemütlichkeit, Freundlichkeit – leider hat es Jack Johnson verpasst, mit „In Between Dreams“ auch mal handfest zu überraschen, eine Weiterentwicklung als Songwriter erkennen zu lassen oder auch mal ein Wagnis einzugehen. Nicht falsch verstehen: das Fehlen von Überraschungen bereitet dem Hörvergnügen keinen Abbruch, das hier ist eine absolut gelungene Veröffentlichung. Nur entzaubert es nachhaltig das „Phänomen Jack Johnson“. „Brushfire Fairytales“ war neuartig, unerhört. „On And On“ kam unerwartet vielseitig und mancherorts verblüffend ernsthaft daher. „In Between Dreams“ ist – hm, nicht mehr als die neue Jack Johnson-Platte eben.

Aber – gottlob – auch nicht weniger. Das Album beweist es: dieser Typ wird die Musikwelt nicht verändern, revolutionieren, auf den Kopf stellen. „Forscht“ nicht an den Grenzen der Popmusik nach Neuland. „Flirtet“ nicht mit anderen Genres, auf der Suche nach dem „nächsten großen Ding“. Er wird wohl auch in Zukunft am Strand von Hawaii sitzen, die Glut am Lagerfeuer schüren, und dann die ein oder andere poetische Momentaufnahme in simple, aber effektive Melodien hüllen. Wird von „Banana Pancakes“ singen, „postcard“ auf „heart“ reimen und solch tiefschürfende Erkenntnisse vertonen wie diese hier: „Je ne comprends pas francais so you’ll have to speak to me some other way“. Es gibt nun wirklich unangenehmere Gewißheiten als diese.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Musik

Eine Antwort zu “Jack Johnson – In Between Dreams (2005)

  1. indigoo

    Komisch, dass sich in dem obigen Text so einiges davon wiederfindet, was mir an Höreindrücken schon Wort geworden war und aufs Papier drängte.
    Naja, kurz und gut: Hätte ich die neue Platte bewerten sollen, dann hätte das wohl so oder ähnlich geklungen.
    Ich mag sie, die Scheibe, mag sie vor allem, weil sie endlich den Schnee schmelzen lässt, diese sonnengelbbecoverte Gutelaunescheibe.
    Kaum Überaschungen, klar, aber ist es nicht so, dass man einfach nur glücklich ist und zufrieden, wenn nach 40 Tagen Regen die Sonne wieder scheint?

    Mein Favorit ist (im Moment) der Groove von Song Nr. 2 (Never know)…vom Ohr ins Gehirn durchs Herz in den Bauch in die Beine und zurück in die Mundwinkel….dann ist Musik im Genick…:-)

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