NP: Bright Eyes – I'm Wide Awake It's Morning (2005)

Ach, sie sind doch eigentlich längst alle geschrieben. Die Lobeshymnen auf das neue Bright Eyes – Album „I’m Wide Awake It’s Morning“, erschienen im Januar 2005. Dennoch seien all den Preisungen der Musikpresse ein paar persönliche Anmerkungen hinzugefügt.

Zunächst mal: die Euphorie ist berechtigt, „I’m Wide Awake“ ist ein erstaunliches und – in all seiner Brüchigkeit und Zerrissenheit – berührendes Album. Conor Oberst wird nie zu meinen Lieblingssängern zählen, zu den –songwritern gehört er längst. Diese kleinen, unbekümmerten Melodien! Diese fröhlichen Arrangements! Das klingt nach purer Alternativ-Country-Folk-Musik, möchte man meinen.

Das ist es aber absolut nicht. Denn da ist der wohltuende Schönheitsfehler: in Gesang und Text liegt so unglaublich viel Tiefe, schimmern Schmerz und Zweifel – es ist mir einfach unmöglich, dieses Album „nebenbei“ zu hören. Selbst jetzt nicht – ich schreibe gerade über diese CD, die im Hintergrund läuft und ertappe mich, wie ich mich nach jedem Satz zurücklehne und einfach nur genauer zuhören will. Zum fünften, sechsten, zehnten Mal. Was treibt diesen Frühzwanziger an? Wie kann ein Mensch so fast schon schwülstige Melodiebögen und Arrangements tupfen und gleichzeitig mit zitternder Stimme so traurige Texte singen, ach was, ausspucken? „I got no plans and too much time. I feel too restless to unwind. I’m always lost in thoughts as I walk the block to my favorite neon sign.“ Wenn dann, gegen Ende dieser hypnotisierenden Reise durch den Oberstschen Mikrokosmos, auch noch die olle Countrydiva Emmilou Harris mit Conor im Duet leidet, verschlägts mir endgültig die Sprache.

Ohne Frage eine große und zeitlose Platte. Sorgte „Lifted“, eine ältere Bright Eyes-Platte, bei mir mehrheitlich dafür, so etwas wie Angst vor dem fanatisch wirkenden Jungspund zu bekommen, so will ich nach dem Genuß (?? Doch, zweifelsohne. Irgendwie.) von „I’m Wide Awake“ dieses traurige Genie nur noch in den Arm nehmen, ihm irgendwas Nettes sagen oder ihm wenigstens die nächsten drei, vier Biere ausgeben. Melancholie, Resignation, Hoffnung, Zweifel, und ja, auch Glück, all das vereint sich hier. Das ist wunderbar und intensiv. Aber nichts für schwache Nerven.

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