Gov't Mule – Déjà Voodoo

Endlich hab ich sie mir mal zugelegt, die neue CD von Gov’t Mule. Wollte dabei ganz clever sein und die horrenden Importpreise in hierzulande gängigen CD-Versandhäusern umgehen*. Also die CD fix bei Ebay ersteigert. Von einer Frau namens Karina. Die wohnt in Moskau und hat die Amazonundwiesiealleheissen-Preise locker unterboten.

Jetzt weiß ich auch, wieso: mein Exemplar von „Déjà Voodoo“ sieht zwar aus wie die neue Gov’t Mule-CD und ich bilde mir ein, auf der CD sei tatsächlich auch das drauf, was drauf sein sollte. Nur ist mein von Karina aus Moskau erworbenes Exemplar offensichtlich nie bei irgendeiner Plattenfirma erschienen. Wo sonst Barcodes, Labelinformationen, Internetadressen stehen (populäre Plätze hierfür sind z.B. die Rückseite, das Booklet oder auch die CD selbst), steht einfach mal gar nix. Aber das so professionell, das man meinen möchte, Gov’t Mule hätten ihr neues Album tatsächlich an Verlag und Plattenfirma vorbei vertrieben. Kurz und gut: ich hab mir da wohl eine täuschend echt aussehende Raubkopie ins Haus geholt…

Aber nun zur Musik: Warren Haynes ist dominant wie immer, seine durchdringende Siebzigerjahrestimme und sein unverwechselbar cooles Gitarrenspiel beherrschen auch das erste reguläre Mule-Album seit dem Tod des Originalbassisten Woody im Jahr 2000. Die Herren waren zwar auch danach alles andere als untätig, die monströsen „Deep End“ und „Deepest End“-Releases mit Song für Song wechselnden Bassisten kann man nicht wirklich als homogene Bandveröffentlichungen bezeichnen.

Jetzt, wo sich ein neues Stamm-Line-Up gefunden hat (neben den Originalmitgliedern Haynes und Matt Abts sind jetzt der langjährige Mule-Live-Keyboarder Danny Louis und Andy Hess, der mal bei den Black Crowes Bassist war, mit an Bord), werfen Gov’t Mule ein mit 75 Minuten wahrlich langes Studioalbum auf den Markt. Und alles in allem klingen sie – Puristen mögen mir jetzt verzeihen – wie immer, nur mit ein wenig mehr Hammondorgel. Schöne Songs neben weniger spektakulären, diese herzzerreißenden Warren-Balladen wechseln sich ab mit kernigem, bluesigen Rock. Das ist schon schön, reißt aber nur in ausgewählten Momenten (bei mir sinds eher die leisen) wirklich mit: „Little Toy Brain“ und „My Seperate Reality“ sind grandios, der Opener „Bad Man Walking“ ist ar**hcool, „Slackjaw Jezebel“ fantastisch.

Der Rest, die anderen 55, 60 Minuten? Sind schön, ohne Frage. Nur an einigen Stellen so unspektakulär, dass man geneigt ist, das Wort „langweilig“ ins Spiel zu bringen. Nicht wie in „zum Gähnen langweilig“, eher wie in „an einigen Stellen dann doch eher langweilig“. „Déjà Voodoo“ ist keine Überraschung, keine Offenbarung, kein Manifest des Bluesrock, sondern einfach eine gute Platte mit drei, vier Über-Songs. Und immer noch Welten besser als das meiste, was derzeit die Charts füllt. Insofern: Sbassiba, Karina.

* Hab gerade gesehen, dass die CD wohl Ende Februar regulär in Deutschland erscheint, dann als Doppel-CD-Edition. Das wird zumindest hier angekündigt.

Mehr zu Gov’t Mule und Warren Haynes im dunkelblau Weblog gibts hier.

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

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