Süddeutsche Zeitung Klassik – Klavier Kaiser (2004)

Das ist vielleicht DER Trend des Jahres 2004 bei den Printmedien: Publikationen und Veröffentlichungen, die über das eigentliche Angebot (Tages- oder Wochenzeitung) hinausgehen, zu günstigen Preisen und quasi als Sammlerstücke konzipiert. Die Zeit gibt seit zwei Wochen ein Lexikon in zwanzig Bänden heraus, der Stern will Filmklassiker als Billig-DVDs feilbieten und selbst die Bild-Zeitung veröffentlicht inzwischen jede Woche einen „Bestseller“ zum Schnäppchenpreis am Kiosk.

Pionier dieses Trends war im Frühjahr 2004 allerdings die Süddeutsche Zeitung – seit März gibts jeden Samstag am Kiosk einen Roman des 20. Jahrhunderts für 4,50 Euro, insgesamt 50 Bände wird diese „Süddeutsche Bibliothek“ umfassen. Welch genialer Marketingschachzug, welch gelungenes Mehrwertgeschäft: ja, die Bücher sind hochwertig, die Aufmachung edel und die Inhalte sprechen für sich (von Paul Auster bis Hermann Hesse finden sich in dieser Reihe in der Tat jede Menge lohnenswerte Autoren).

Aber das scheint für die SZ erst der Anfang eines wunderbaren neuen Geschäftszweiges gewesen zu sein, denn seit einigen Wochen setzen die Münchner noch einen drauf: sie haben den „Klavier Kaiser“ veröffentlicht, ein „Standardwerk der klassischen Klaviermusik“ auf 20 CDs, ausgewählt und kommentiert vom bekannten SZ-Redakteur Prof. Dr. Joachim Kaiser. Von Arthur Rubinstein bis Glenn Gould werden hier vierzehn Weltklassepianisten und einige ihrer besten Aufnahmen vorgestellt, das ganze in einer edlen und sympathischen Aufmachung.

Klar, die Süddeutsche wirbt damit, dass der „Klavier Kaiser“ ein „ideales Weihnachtsgeschenk“ wäre und zielt ganz klar auf das anstehende Jahresendgeschäft ab. Aber in der Tat ist die Box eine absolut lohnenswerte Anschaffung: die Aufnahmen sind hochwertig, die Kommentare zu den jeweiligen Interpreten profund und zuverlässig. Originell sind die Audiokommentare am Ende jeder Ausgabe – der Herr Professor referiert durchaus amüsant und leidenschaftlich über das in der Stunde zuvor Gehörte bzw. Genossene.

Klar, 98 Euro sind eine Menge Holz. Aber immerhin erhält man 20 (!) hochwertige CDs. Der „Klavier Kaiser“ ist Gott sei Dank mehr als ein gutaussehendes Möbelstück für den anspruchsvolleren Kioskbesucher. Er ist eine Fundgrube für Liebhaber und Freunde klassischer Klaviermusik und ein Traum für Klassik-Einsteiger und -Neulinge.

(c) für die Abbildung des „Klavier Kaiser“ bei der Süddeutschen Zeitung.

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

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