Biscantorat – Sound Of The Spirit From Glenstal Abbey

The Spirit and the Bride say: come! Enter their courts with songs of praise!

Das ist sie also. Die neue CD mit Sinéad O’Connor. Entschuldigung, mit Marie-Bernadette O’Connor. Ein schräger Vogel war sie ja schon immer, aber ihre Entscheidung im vergangenen Jahr war wohl eine der seltsamsten: Ich hab genug vom Popbusiness, ich möchte in allem Frieden leben, eine gute Mutter sein und meine Stimme künftig nicht mehr für kommerzielle Musik einsetzen. Stattdessen soll meine Stimme ein Instrument der Heilung, der Liebe und des Glaubens sein.

Ein Instrument der Heilung war Sinéads Stimme für mich schon immer – heilend und befreiend waren ihre frühen Wutausbrüche zu Zeiten von „The Lion And The Cobra“. Heilend war „Universal Mother“, jene große und uneinholbar schlüssige und gelungene Selbstfindung. Heilend war „Gospel Oak“, diese Wiegenlieder für die gebrochene Seele. Heilend war „Sean Nos Nua“ – heilend zu hören, wie sich Pop, Folk und Reaggae miteinander verbinden können. Spirituell, geprägt vom Glauben und von der Auseinandersetzung mit dem Glauben, waren Sinéads Texte ebenfalls schon seit langem. Und von der Liebe erzählten die kleinen und großen Lieder der Sinéad O’Connor ebenfalls schon immer.

Was ist also anders an dieser CD? So komisch es klingt – alles. Nein, hier singt nicht mehr der unverstandene, unsichere Popstar. Das ist nicht mehr die irische Diva wider Willen, die ihre Fans begeistern will. Das ist nicht mehr die Künstlerin, die nach immer neuen Möglichkeiten sucht, um sich, ihre spannende und beeindruckende Biographie kundzutun und zu verarbeiten. Die O’Connor, die man auf „Biscantorat“ hört, hat sich nicht nur einen neuen Vornamen gegeben. Sie überzeugt den anfangs verwunderten Hörer tatsächlich, dass es ihr Ernst ist damit, künftig mit ihrer Stimme Gott zu preisen und von ihm zu künden.

Sinéad (ich bleib einfach mal bei diesem Namen, an Marie-Bernadette werd und will ich mich nicht gewöhnen) singt gemeinsam mit Benediktinermönchen und irischen FolksängerInnen. Und zwar in einer Klosterkirche, in der Glenstal Abbey. Sie stehen im Kreis, ihre Gesänge sind als Gebete gemeint – keine perfekten Hi-End-Aufnahmen also, sondern Lieder einer Gruppe betender Menschen. Und auf einigen Stücken singt da eben diese Stimme, die man von so unglaublich vielen schönen Pop-Platten kennt. Die betende Stimme Sinéads als eine von vielen. Sie ist nicht der Star dieser Platte. Sie meint es offensichtlich ernster als alle gedacht hätten.

Der Titel der Platte, „Biscantorat“, soll an ein altes Sprichwort erinnern: qui cantat, bis orat – wer singt, betet doppelt. So sehr man bedauern mag, dass Sinéads engelsgleiche Stimme uns so schnell sicher nicht mehr mit streitbarem, innovativen Pop versorgt, so sehr glaubt man ihr, dass sie – wenigstens für den Moment – ihren Frieden und ihre Bestimmung gefunden hat. Sie betet. Singend. Amen.

Mehr über Sinéad O’Connor im dunkelblau Weblog gibts hier.
Die CD „Biscantorat – Sound Of The Spirit from Glenstal Abbey“ gibts via Hummingbird Records.

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