G. Love – The Hustle (2004)

Kann jemand, der nie wirklich „weg“ war aus dem Musikgeschäft, eigentlich ein Comeback feiern? Vermutlich schon: und wenn es die Rückkehr zur alten, gewohnten Form ist. Oder das Aufsteigen in neue, ungeahnte Höhen. Sinéad O’Connor war so ein Fall: 1994 war da „Universal Mother“, das wohl dichteste und gelungenste Album der streitbaren Irin. Nachdem sie jahrelang maßgeblich fantaugliche Durchschnittskost servierte, folgte im Jahr 2000 „Faith And Courage“. Ein Album, so klar und schillernd, wie man es von ihr mit Sicherheit nicht mehr erwartet hätte. Sie hatte ein künstlerisches Comeback. Nur leider blieb das, wie eigentlich alles, was Frau O’Connor nach 1991 produzierte, von der großen musikkonsumierenden Mehrheit leider unbemerkt.

Aber eigentlich soll es hier gar nicht um Sinéad O’Connor gehen. Sondern um einen Mann, dessen Musik gegensätzlicher zu der der O’Connor kaum sein könnte. Seit 1994 erfreut uns G. Love regelmäßig mit Musik, die sich bewußt jeder Kategorisierung entzieht. Rock ist das, was G. Love und seine Zweimannband Special Sauce da fabrizieren, irgendwie. Und Pop. Und Blues. Und rappen tut er auch noch hier und da, der G. Love, der eigentlich Garrett Dutton heißt. „Coast To Coast Motel“ (1995) ist ein Klassiker, ein Album voller Schnappschnüsse aus dem Leben eines rastlosen Musikers. „Yeah It’s That Easy“, der Nachfolger und das insgesamt dritte Werk, manifestierte diesen Eindruck. Nummer vier schließlich, „Philadelphonic“ betitelt, kann guten Gewissens als das bisherige Opus Magnum des G. Love bezeichnet werden.

Das bisherige. Denn jetzt, fünf Jahre nach „Philadelphonic“, scheint die Schaffenskrise des G. Love vorbei zu sein. Zwar machte er seither munter weiter Musik, und war – siehe oben – nie wirklich weg vom Fenster. Aber „Electric Mile“, das Album, das da noch kam, war eher Selbstkopie und inspirationsloses Gedudel, wenn auch auf beneidenswert hohem Niveau.

Aber jetzt ist da „The Hustle“, das neue Album von G. Love. Und von Special Sauce, auch wenn die nicht mehr auf dem Cover stehen. Was für eine Platte! Garrett Dutton manövriert sich geschickt durch so ziemlich alle vorstellbaren Stile der zeitgenössischen Popmusik: da ist der alle Folkies glücklich machende kleine Lagerfeuersong („Loving Me“) genauso wie das wilde, verzerrte Biest („Astronaut“). Da trifft ein reaggaeinspirierter Track („Give It To You“, mit Jack Johnson) auf funky Monster, die künftig Deine akustischen Begleiter auf jede Party sein sollten („Back Of The Bus“, „Booty Call“). Mal wabert sich eine schrullige Hammondorgel ihren Weg durch die wie immer ton- und soundangebende Troika aus Gitarre, Kontrabass und Drums; mal schafft es G. Love ganz alleine, nur mit Mundharmonika und Gitarre bewaffnet, Dich in seinen Bann zu ziehen. Eines zieht sich dabei wie ein roter Faden durch das Album: es groovt. Immer. Ständig. Ohne Pause. Wie verrückt.

„The Hustle“ ist vielleicht nicht die beste Platte 2004. Aber auf jeden Fall die gelungenste Überraschung des Jahres: das Comeback des G. Love. Er ist wieder da. Er bittet wieder zum Tanz. Und Du? Du tanzt.

Autor: Daniel Heinze

radio guy, pr consultant, traveller, music enthusiast: 2% jazz & 98% funky stuff.

5 Kommentare zu „G. Love – The Hustle (2004)“

  1. G Love ist wirklich ein unterschätzter Künstler! Macht super Paltten, soviel ist sicher. Hab die neue noch nicht gehört, aber diese Krizik regt jedenfalls dazu an, die mal anzuhören! Danke!!

  2. Ich habe da zwei Kritikpunkte:
    1. Warum fängt man eine Plattenkritik mit einem anderen KünstlerIn an? Ist da jemand ein hysterischer FAN? Besser wäre ohne.
    2. Finde ich es sehr schade das die „Electric Mile“ so schlecht weg kommt, obwohl es ja so hohes Niveau ist! Es ist nunmal so, dass sich Künstler verändern und mal Platten machen die nicht so sehr dem eigentlichen Stil gleichen, aber es deshalb gleich als inspirationsloses Gedudel abzutun ist Unrecht! Die „Electric Mile“ ist wie ich finde eine Platte die keinesfalls ausgeklammert werden sollte! Wer G.Love& Special Sauce mag wird diese Platte auch mögen!
    Gruß

  3. Smett, Danke für Deinen Kommentar. Ich mache nun weiß Gott keinen Hehl daraus, dass ich ein Fan von Sinead O’Connor bin – ein paar Minuten in diesem Weblog gestöbert, und schon ist es eigentlich unüberlesbar. Als hysterisch würde ich mich nun aber nicht bezeichnen – schon gar nicht, weil ich in diesem Eintrag eine Parallele zwischen Frau O’Connor und G Love gezogen habe.

    Gut möglich, dass „inspirationsloses Gedudel“ im Hinblick auf „Electric Mile“ etwas harsch formuliert ist. Inzwischen hat dieser Eintrag, auf den Du Dich beziehst, fast ein Jahr auf dem Buckel und ich bin bis heute in der Sache der gleichen Meinung wie im Oktober 2004: Electric Mile fand ich fad im Gegensatz zu früheren G. Love-Platten.

    Umso besser aber, dass DIR die Platte offenbar gut gefällt – das hier ist ein Weblog, und da sind gegensätzliche Meinungen immer willkommen. Aber dann lass‘ mir bitte auch meine! 😉

    Viele Grüße,
    Daniel

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