Howie Day – Live @ Schuba's Tavern, Chicago, IL (July 11th, 2004)

Howie Day hat die unglaubliche Gabe, mit seiner sanften Stimme und seinen originellen Gitarrentechniken seine Zuhörer zu verzaubern. Er schreibt in jeder Hinschicht melancholische Stücke, aber stets mit hoffnungvollen, ja, frohen Zwischenräumen. Ja: der Mann steht so unglaublich gut gelaunt auf der Bühne, dass seine zarten Lieder bei aller Melancholie einfach nur glücklich machen. Seine beiden Alben „Australia“ und „Stop All The World Now“ zeigen, wie Howies Songs mit „vollem Orchester“ funktionieren: großer Pop, schnörkellos, unaufgeregt, und trotzdem leidenschaftlich.

Live führt dich Herr Day gerne mal in eine ganz andere Dimension: wer jemals die Bonus-DVD seiner 2003er EP „Madrigals“ gesehen hat, weiß, wovon ich schreibe. Ein Typ, der daherkommt wie der hinterletzte Nerd, „bewaffnet“ mit klasse Songs und einer Akustikgitarre. Und mit einem Sampler. Vor Deinen Augen sampelt der Knabe seine eigenen Gitarrenspuren, klopft den Beat auf der Klampfe, sampelt auch diesen, und schon stellt er in Windeseile sein eigenes kleines Orchester zusammen, und schafft einen sphärischen, hypnotisierenden (in der Regel meide ich diese Vokabel, aber bei Howie Day trifft sie einfach zu) Sound, der seinesgleichen sucht.

Mit „Stop All The World Now“ ging er erstmalig mit kompletter Band auf Tour. Ein Unterfangen, das nicht nur Jubelausbrüche bei seinen Fans hervorrief: schien doch jene einzigartige Bühnendarbietung in Gefahr zu sein, diese One-Man-Show, die klingt, als würde sie von vier bis acht Menschen performt. Und tatsächlich waren die Howie Day-Band-Shows erstmal gewöhnungsbedürftig, klangen sie doch so ganz anders als das, was man von alten Aufnahmen oder eben jener Madrigals-DVD kennt. Letztlich siegten aber die Songs und das Genie über die Form, was ja irgendwie immer eine gute Sache ist. Howie Day funktioniert eben auch als Frontmann einer Band, und seine Musik ist viel zu gut, um sie ausschließlich in das Gitarren-Loop-Korsett zu stopfen.

Und dennoch: seit einigen Monaten besinnt sich Howie seiner Solo-Qualitäten, und geht in diesem Herbst wieder mal allein auf die Bühne. Dass er inzwischen gereifter und selbstbewußter auftritt, als man das noch von „Madrigals“ oder alten Livemitschnitten gewohnt war, liegt sicherlich in der Natur der Sache – mehr Erfahrung, mehr Songs, mehr Fans. Aber er bleibt der nette Kumpeltyp von nebenan, den man einfach um sein Können, seine Emotionalität und seine Virtuosität beneidet.

Einen Vorgeschmack auf seine laufende US-Solo-Tour bot Howie im Sommer für seine Reps, also für die Fans, die durch Mundpropaganda und Plakatekleben die Kunde von diesem Unikum der Popmusik verbreiten. Am 11. Juli spielte Day eine seiner ersten Soloshows seit langem vor solchen Reps in einem kleinen Club in Chicago. Knappe anderthalb Stunden, in denen er sich die Seele aus dem Leib singt, einfühlsam die Pedale seines Samplers bedient und sich großzügig aus seinem stetig wachsenden Repertoire bedient – „Sorry So Sorry“ muß da natürlich kommen, genau wie „She Says“ und „Collide“. Aber auch Raritäten wie „Bunnies“ spielt er für seine Hardcore-Fans, und läßt sogar einen ganz neuen Song gucken: Wenn das neue „Annalise“ ein Vorgeschmack auf das sein sollte, was man demnächt von Howie auf Platte zu hören bekommt, dann hat der gute seine besten Zeiten noch vor sich.

Eine entspannte, lustige Show, die Du kostenlos und völlig legal, ja, auch Howie gehört zu den Musikern, die das Tapen bei Shows nicht nur erlauben, sondern sogar fördern, an vielen Ecken des Internets herunterladen kannst, beispielsweise bei etree (nach Howie Day suchen). Besonders nett an dieser Show ist die Tatsache, dass sie ein Soundboard-Mitschnitt ist und so durch eine ganz hervorragende Klangqualität besticht.

Don’t stop here, I lost my place. I’m close behind…

Howie Day
July 11, 2004
Schuba’s Tavern
Chicago, IL
Taper: Joe Shambro

Disc 01:
01. Intro
02. Sorry So Sorry
03. Buzzing > Africa
04. Ghost (beams of light outro)
05. Annalise
06. Brace Yourself
07. She Says

Disc 02:
01. Moose Cock Joke
02. After You
03. Disco
04. Collide
05. Bunnies
06. Morning After
07. Madrigals

Foto von Greg Watermann, gestohlen von der offiziellen Howie Day-Website.

Autor: Daniel Heinze

Hallo, hier schreibt Daniel. Ich lebe in Leipzig, mache Radio, PR und gelegentlich auch Musik - als eine Hälfte des Rockpop-Duos 2zueins.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s